Behälter- und Apparatebauer fertigen Druckbehälter, Tanks, Silos, Wärmetauscher und komplexe Apparate aus Stahl, Edelstahl oder Aluminium nach technischen Zeichnungen. Der Beruf verbindet anspruchsvolles Schweißen, Umformen und Montieren mit hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen, etwa im Druckgeräte- und Explosionsschutz. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen mit handwerklichem Geschick, Präzisionssinn und Freude an metallverarbeitenden Fertigungsverfahren.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–1050 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2900 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Produktionshalle oder der Schweißwerkstatt mit dem Lesen von Fertigungs- und Isometriezeichnungen sowie Stücklisten. Du wählst geeignete Bleche, Rohre und Profile aus – häufig aus unlegiertem Stahl, Edelstahl (1.4301, 1.4571) oder Aluminium –, richtest sie an Richtplatten aus und überträgst Maße mit Anreißnadel, Stahlmaßband und Winkelschmiege. Anschließend trennst du Werkstücke mit Plasma- oder Autogenschneidbrennern, biegst Bleche auf hydraulischen Walzenbiegemaschinen oder Abkantpressen und rundest Böden per Bördelmaschine. Nachmittags steht Schweißen im Vordergrund: Du arbeitest hauptsächlich mit WIG-Schweißgeräten (TIG) und MAG-Schweißgeräten nach Schweißanweisung (WPS). Zum Beispiel nähst du Längs- und Rundnähte an einem Druckbehälter nach EN 13445 oder verbindest Rohrstutzen mit Flanschverbindungen. Du führst Sicht- und Maßprüfungen durch, dokumentierst Schweißnahtdaten in Prüfprotokollen und arbeitest eng mit Qualitätsprüfern, Schweißaufsichtspersonen und Konstrukteuren zusammen.
Behälter- und Apparatebauer arbeiten überwiegend in Industrieunternehmen des Anlagen- und Apparatebaus sowie der chemischen, petrochemischen und lebensmittelverarbeitenden Industrie. Typische Arbeitgeber sind mittelständische Kessel- und Behälterbauer (z. B. API Schmidt-Bretten, Funke Wärmeaustauscher), Großkonzerne wie BASF, Linde oder TÜV-zertifizierte Anlagenbauer sowie kommunale Wasserversorgungsunternehmen. Es herrscht ein deutlicher Fachkräftemangel, besonders für qualifizierte WIG-Schweißer mit EN-287/ISO 9606-Zertifizierung.
Empfohlen wird mindestens ein Realschulabschluss (Mittlere Reife), da Berechnungen nach Druckbehälterschutzverordnung und das Lesen normierter Technischer Zeichnungen solide Mathematik- und Physikkenntnisse erfordern. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Geometrie, Volumina, Druckberechnungen), Physik (Druck, Temperatur, Werkstoffeigenschaften) und Technik/Werken. Persönlich sollten Bewerberinnen und Bewerber handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen, Präzision beim Messen und Anreißen sowie Belastbarkeit gegenüber Hitze und Schweißrauch mitbringen. Teamfähigkeit ist wichtig, da stets mit Qualitätsprüfern und Projektingenieuren zusammengearbeitet wird.
Im ersten Lehrjahr erwerben Auszubildende die metallhandwerklichen Grundlagen: manuelles Feilen, Sägen, Bohren und Gewindeschneiden, Lesen technischer Zeichnungen sowie grundlegende Werkstoffkunde (Stähle, Nichteisenmetalle, Kunststoffe). Außerdem werden erste Schweißkenntnisse im Lichtbogenhandschweißen (E-Hand) und MAG-Schweißen vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Fertigkeiten: Umformtechnik (Walzen, Biegen, Bördeln), Fügetechnik (WIG, Plasma), Druckbehälterbau nach DGUV- und DGRL-Vorschriften sowie Grundlagen der Zerstörungsfreien Prüfung (Sichtprüfung, Druckproben). Im dritten Lehrjahr steht die Spezialisierung auf komplexe Baugruppen, Montage unter Druck- und Temperaturbelastung, Qualitätssicherungssysteme nach DIN EN ISO 3834 und Schweißnahtvorbereitung nach EN ISO 9692 im Mittelpunkt. Im Vergleich zum Industriemechaniker liegt der Schwerpunkt klar auf Behälter- und Apparatefertigung statt auf Maschinenmontage.
Die Zwischenprüfung (Teil 1) findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres, typischerweise im März/April, statt. Sie umfasst eine praktische Arbeitsaufgabe (etwa 7 Stunden): Herstellen einer Baugruppe durch Zuschneiden, Umformen und Schweißen. Ergänzend gibt es eine schriftliche Prüfung in zwei Bereichen: Fertigungs- und Werkstofftechnik (60 Minuten) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (45 Minuten). Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet im dritten Lehrjahr statt (Winter- oder Sommertermin). Sie besteht aus vier Prüfungsbereichen: 1. Praktische Arbeitsaufgabe – Herstellen eines Behälters oder Apparats inkl. Qualitätsdokumentation (14 Stunden, Gewichtung 50 %). 2. Fertigungstechnik – schriftlich (120 Minuten, 15 %). 3. Technische Kommunikation und Bauteilberechnung – schriftlich (120 Minuten, 20 %). 4. Wirtschafts- und Sozialkunde – schriftlich (60 Minuten, 10 %). Ein ergänzendes mündliches Fachgespräch (15 Minuten) ist möglich, wenn es die Gesamtnote verbessert. Zum Bestehen müssen alle Bereiche mit mindestens 50 Punkten (von 100) bewertet sein.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bieten sich folgende Weiterbildungswege an: Schweißfachmann/-frau (DVS/IIW), Industriemeister Metall (IHK), staatlich geprüfter Techniker Fachrichtung Maschinentechnik oder Schweißtechnik. Mit Abitur oder Fachabitur ist ein Studium zum Bachelor of Engineering (Maschinenbau, Verfahrenstechnik oder Werkstofftechnik) möglich. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Schweißaufsichtsperson (SFM/SFI), Schichtführer, Vorarbeiter oder Werkstattleiter realistisch. Brutto-Monatsgehälter steigen bei Qualifikation auf 3.800–5.000 EUR. Spezialisierungen bestehen in der Druckbehälterprüfung, im Anlagenbau für die Chemieindustrie oder in der Offshore-Technik.
Die Bewerbung sollte 12 bis 18 Monate vor dem geplanten Ausbildungsbeginn (September) eingereicht werden, also spätestens bis Oktober/November des Vorjahres. In die Bewerbungsmappe gehören: Anschreiben mit Bezug auf Metalltechnik und Schweißinteresse, tabellarischer Lebenslauf, Schulzeugnisse (letzten zwei Jahre), ggf. Praktikumsnachweise. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Fragen zu Werkstoffkenntnissen, handwerklichen Hobbys und Sicherheitsbewusstsein gestellt. Manche Betriebe führen einen technischen Einstellungstest durch (Mathematik, räumliches Denken, Technikerverständnis). Ausbilder überzeugen Bewerber besonders dann, wenn sie ein absolviiertes Metallpraktikum vorweisen können, Interesse an Schweißtechnik zeigen und Sorgfalt sowie Genauigkeit beim Lösen handwerklicher Aufgaben demonstrieren.
Ratgeber
Der Behälter- und Apparatebauer ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Metallberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 1.050 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.900 Euro brutto monatlich.
Drahtzieher
Drahtzieher stellen in industriellen Ziehereien und Kaltwalzwerken Drähte aus Metallen wie Stahl, Kupfer, Aluminium oder Edelstahl her, indem sie Metallstangen oder Walzdraht durch Ziehdüsen auf exakte Durchmesser reduzieren. Das Besondere an diesem Beruf ist die Kombination aus präziser Maschinen- und Anlagensteuerung, Metallkunde und Qualitätskontrolle bis auf Hundertstel-Millimeter-Toleranz. Die Ausbildung eignet sich für technikbegeisterte Menschen, die gerne mit großen Maschinen arbeiten, präzise vorgehen und einen Beruf in der Metallverarbeitung suchen, der trotz seiner Nischenposition gesamtwirtschaftlich unverzichtbar ist.
3 Jahre →
Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker
Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker reparieren und restaurieren Fahrzeugaufbauten, beheben Unfallschäden und fertigen Sonderaufbauten. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit modernen Diagnosemethoden und Schweißtechniken. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die präzise arbeiten und ein Gespür für Fahrzeuggeometrie sowie Materialien wie Stahl, Aluminium und faserverstärkte Kunststoffe mitbringen.
3.5 Jahre →
Verfahrensmechaniker in der Hütten- und Halbzeugindustrie
Verfahrensmechaniker in der Hütten- und Halbzeugindustrie steuern und überwachen industrielle Prozesse zur Herstellung von Metallen und Halbzeugen wie Blechen, Bändern, Rohren oder Drähten. Der Beruf verbindet metallurgisches Fachwissen mit moderner Anlagentechnik und Prozesssteuerung. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die präzise arbeiten, Verantwortung übernehmen und komplexe Produktionsabläufe verstehen möchten.
3.5 Jahre →
Fahrzeuginnenausstatter
Fahrzeuginnenausstatter gestalten und fertigen die Innenausstattung von Kraftfahrzeugen, Schienenfahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen. Sie verarbeiten Leder, Kunstleder, Textilien, Schaumstoffe und Kunststoffe zu Sitzen, Verkleidungen und Dachhimmeln. Der Beruf eignet sich für handwerklich geschickte Menschen mit Gespür für Materialien, Formen und Ästhetik, die präzise und sauber arbeiten.
3 Jahre →