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Wirtschaft und VerwaltungBBiG

Bankkaufmann

Bankkaufleute beraten Privat- und Firmenkunden in allen Finanzfragen – von Girokonten und Krediten über Wertpapiere bis hin zu Versicherungen und Altersvorsorge. Der Beruf verbindet wirtschaftliches Fachwissen mit intensiver Kundenberatung und erfordert ein hohes Maß an Seriosität und Zahlenverständnis. Er eignet sich für kommunikationsstarke Menschen mit Interesse an Finanzmärkten, Wirtschaft und persönlicher Beratungsarbeit.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

800–1100 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2800 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Bankkaufmann?

Morgens beginnt der Arbeitstag in der Filiale oder im Beratungscenter mit der Vorbereitung von Kundenterminen: Kontoauszüge prüfen, aktuelle Zinssätze und Kurse im Bankensystem (z. B. agree21 oder OSPlus) abrufen und Beratungsunterlagen zusammenstellen. Anschließend folgen Beratungsgespräche zu Themen wie Ratenkredit, Baufinanzierung, ETF-Sparplänen oder Tagesgeld. Dabei werden Bonitätsprüfungen über SCHUFA-Abfragen durchgeführt und Kreditanträge im Kernbankensystem erfasst. Nachmittags stehen häufig Aufgaben im Wertpapierbereich an: Wertpapierdepots verwalten, Kaufaufträge für Aktien oder Fonds ausführen und Kunden über Kursveränderungen informieren. Daneben werden Zahlungsverkehrsaufträge (SEPA-Überweisungen, Lastschriften) bearbeitet und neue Konten eröffnet. Bankkaufleute arbeiten eng mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Firmenkundenbereich, dem Kreditmanagement sowie internen Compliance-Abteilungen zusammen. Ein typischer Praxisfall: eine vollständige Baufinanzierungsberatung inklusive Tilgungsplanberechnung und Angebotsvergleich.

Wo arbeitest du?

Bankkaufleute arbeiten bei Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken, privaten Großbanken (Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank), Direktbanken (ING, DKB, Comdirect) sowie Spezialinstituten wie Bausparkassen (Schwäbisch Hall, LBS) und Investmentbanken. Auch Automobilbanken (BMW Bank, VW Financial Services) und Förderbanken (KfW) bilden aus. In allen Segmenten besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, besonders in der qualifizierten Beratung.

Voraussetzungen

Die meisten Ausbildungsbetriebe erwarten einen mittleren Schulabschluss (Realschule) oder Abitur, da die theoretischen Prüfungsanforderungen anspruchsvoll sind. Besonders wichtig sind gute Noten in Mathematik (Zinsrechnung, Prozentrechnung), Deutsch (Gesprächsführung, Schriftverkehr) und Wirtschaft. Persönlich sollten Interessierte kommunikationsstark, vertrauenswürdig und belastbar sein, da sie täglich sensible Finanzdaten von Kunden handhaben. Interesse an Wirtschaftsnachrichten, Börsenkursen und aktuellen Zinsentwicklungen ist ein großer Vorteil. Diskretion, sorgfältige Arbeitsweise und Freude an Beratungsgesprächen sind unverzichtbar.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen des Bankwesens vermittelt: Kontoeröffnung, Zahlungsverkehr (Überweisung, Lastschrift, Dauerauftrag), grundlegende Buchungsvorgänge und der Aufbau des deutschen Bankensystems (Geschäftsbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Bundesbank). Außerdem werden Grundlagen der Kundenberatung und des Datenschutzes (DSGVO) behandelt. Im zweiten Lehrjahr folgt die Vertiefung im Kreditgeschäft: Konsumkredite, Bonitätsprüfung, Sicherheiten und Grundzüge der Baufinanzierung. Parallel dazu wird das Wertpapiergeschäft eingeführt – Aktien, Anleihen, Fonds und Risikoprofilierung nach MiFID II. Im dritten Lehrjahr erfolgt die Spezialisierung: vertiefende Beratung zu Altersvorsorge (Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge), Außenwirtschaft und Devisengeschäft sowie komplexe Kreditanalyse. Die Ausbildung unterscheidet sich von Versicherungskaufleuten durch den starken Fokus auf Wertpapiere und Zahlungsverkehr sowie von Industriekaufleuten durch das komplett dienstleistungsorientierte Bankumfeld.

BankbetriebslehreRechnungswesen und ControllingWirtschafts- und SozialkundeInformationswirtschaftDeutsch / Kommunikation

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung Teil 1 findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres (in der Regel im April/Mai) statt. Sie prüft schriftlich die Themen Kontoführung, Zahlungsverkehr und Kreditgeschäft in einer Klausur von 90 Minuten. Abschlussprüfung Teil 2 wird am Ende des dritten Lehrjahres (Januar/Februar oder April/Mai) abgelegt und umfasst folgende Prüfungsbereiche: - Schriftlicher Prüfungsbereich 1 – Wertpapiergeschäft und Anlageberatung: 90 Minuten (25 %) - Schriftlicher Prüfungsbereich 2 – Kreditgeschäft: 90 Minuten (25 %) - Schriftlicher Prüfungsbereich 3 – Wirtschafts- und Sozialkunde: 60 Minuten (10 %) - Praktische Prüfung – Beratungsgespräch (kundenorientierte Fallaufgabe): ca. 20 Minuten Vorbereitung, 30 Minuten Gespräch mit anschließendem Fachgespräch (40 %) Teil 1 fließt mit 10 % in die Gesamtnote ein. Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erforderlich. Wird das Beratungsgespräch schlechter als 30 Punkte bewertet, gilt die Prüfung als nicht bestanden.

Prüfungsthemen

  • Kontoführung und Zahlungsverkehr
  • Kreditgeschäft und Bonitätsprüfung
  • Wertpapiergeschäft und Anlageberatung (MiFID II)
  • Baufinanzierung und Sicherheiten
  • Altersvorsorge und Versicherungsprodukte
  • Außenwirtschaft und Devisengeschäft
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung stehen zahlreiche Weiterbildungswege offen: Der Bankfachwirt IHK (früher Bankfachwirt) ist die klassische erste Stufe, gefolgt vom Bankbetriebswirt DSGV oder dem Bankfachwirt/-betriebswirt IHK. Für eine Führungskarriere empfiehlt sich ein berufsbegleitendes Studium zum Bachelor of Arts (Banking & Finance, BWL) oder ein Masterprogramm. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Teamleiter Filiale, Leiter Private Banking, Firmenkundenbetreuer oder Risikomanager realistisch. Spezialisierungen in Wealth Management, Compliance, Kreditrisikoanalyse oder digitalem Banking (FinTech) sind gefragt. Das Gehalt steigt von rund 2.800 EUR brutto beim Einstieg auf 4.000–6.000 EUR in Führungspositionen.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart (September/Oktober) eingereicht werden, also spätestens bis Herbst des Vorjahres – viele Banken stellen bereits bis März/April ein. Die Bewerbungsmappe sollte ein individuelles Anschreiben mit Bezug auf die jeweilige Bank (z. B. Genossenschaftsgedanke bei Volksbanken), einen strukturierten Lebenslauf und aktuelle Schulzeugnisse enthalten. Viele Institute schalten einen IHK-Einstellungstest oder bankspezifischen Eignungstest vor, der Mathematik-, Deutsch-, Logik- und Wirtschaftsaufgaben umfasst. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Rollenspiele zur Kundenberatung simuliert. Ausbilder überzeugen: nachgewiesenes Interesse an Finanzmärkten (z. B. eigenes Depot, Lektüre des Handelsblatts), gepflegtes Auftreten, sicheres Auftreten und konkrete Kenntnisse über die Bank.

Ratgeber

Der Bankkaufmann ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG, zuständige Stelle ist die jeweilige IHK. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 800 und 1.100 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.800 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen in der Bankkaufmann-Ausbildung?
Die Ausbildung zum Bankkaufmann ist nicht in offizielle Fachrichtungen unterteilt, jedoch erfolgt eine faktische Spezialisierung durch den jeweiligen Ausbildungsbetrieb. Je nach Bank liegt der Schwerpunkt auf Bereichen wie Privatkundengeschäft, Firmenkundenbetreuung, Wertpapiergeschäft oder Kreditbearbeitung. Größere Banken bieten zudem interne Vertiefungsprogramme an.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Bankkaufmann benötigt?
Gesetzlich vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss, jedoch verlangen die meisten Kreditinstitute in der Praxis mindestens einen guten Realschulabschluss. Viele Auszubildende bei Großbanken und Sparkassen verfügen über Abitur oder Fachhochschulreife. Bewerber mit Hauptschulabschluss haben deutlich geringere Chancen, können aber bei regionalen Genossenschaftsbanken oder kleineren Instituten zum Zuge kommen.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Bankkaufleute?
Bankkaufleute arbeiten primär bei Privatbanken, Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie bei Direktbanken und Online-Finanzdienstleistern. Darüber hinaus sind sie bei Bausparkassen, Versicherungsgesellschaften mit Bankabteilung und in der Finanzabteilung größerer Unternehmen tätig. Auch Beratungsunternehmen und Fintech-Startups beschäftigen zunehmend ausgebildete Bankkaufleute.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Bankkaufmann?
Nach der Ausbildung stehen zahlreiche Weiterbildungswege offen, darunter der Bankfachwirt oder Bankbetriebswirt über das Frankfurt School of Finance & Management oder den BAFIN-anerkannten Bildungsweg der Bankenverbände. Mit der Ausbildung und Berufserfahrung ist auch ein Studium an einer Berufsakademie oder Fachhochschule, etwa in BWL oder Finance, möglich. Die Ausbildung kann zudem unter bestimmten Voraussetzungen auf ein duales oder reguläres Studium angerechnet werden.

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