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Wirtschaft und VerwaltungBBiG

Fachpraktiker für Bürokommunikation

Der Fachpraktiker für Bürokommunikation ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach §66 BBiG, der speziell für Menschen mit besonderem Förderbedarf konzipiert wurde. Er vermittelt praxisorientierte Bürokenntnisse in den Bereichen Textverarbeitung, Datenverwaltung, Postbearbeitung und Kundenkorrespondenz. Im Gegensatz zum Kaufmann für Büromanagement sind die Inhalte etwas vereinfacht strukturiert, aber dennoch vollwertig und betrieblich anerkannt. Dieser Beruf eignet sich besonders für Menschen, die organisiert, zuverlässig und kommunikativ sind und eine solide Grundlage im kaufmännischen Bürobereich aufbauen möchten.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

650–950 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2200 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Fachpraktiker für Bürokommunikation?

Ein typischer Arbeitstag beginnt meist mit dem Sichten und Sortieren der Eingangspost – analog wie digital. Anschließend werden E-Mails bearbeitet, Antwortschreiben in Microsoft Word oder Outlook formuliert und Dateien im firmeneigenen Dokumentenmanagementsystem abgelegt. Vormittags stehen häufig Aufgaben wie das Pflegen von Kundendaten in Excel oder ERP-Systemen wie SAP an. Auch das Vorbereiten von Besprechungen – Raumreservierung, Einladungen, Protokollführung – gehört zum Alltag. Nachmittags werden oft Rechnungen geprüft, einfache Buchungsvorgänge dokumentiert oder Formulare für Kollegen aus anderen Abteilungen ausgefüllt. Man arbeitet eng mit Sachbearbeitern, Buchhaltung und der Sekretariatsleitung zusammen. Der Arbeitsplatz ist in der Regel ein Büro mit festem Arbeitsrechner, Telefon und Scanner. Telefongespräche mit Kunden oder Lieferanten werden höflich und professionell geführt. Die Arbeit ist strukturiert, termingebunden und erfordert genaues Arbeiten.

Wo arbeitest du?

Fachpraktiker für Bürokommunikation arbeiten in nahezu allen Branchen: öffentliche Verwaltung (Stadtämter, Jobcenter), Wohlfahrtsverbände wie AWO oder Caritas, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, Versicherungsunternehmen, mittelständische Produktions- und Handelsunternehmen sowie Bildungseinrichtungen. Besonders häufig bilden gemeinnützige Träger und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen aus. Der Arbeitsmarkt zeigt eine solide Nachfrage, da Bürokräfte in fast jedem Unternehmen benötigt werden.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss oder ein Förderschulabschluss, da der Beruf nach §66 BBiG explizit auf Menschen mit Lernbesonderheiten oder Behinderungen ausgerichtet ist. Wichtig sind gute Grundkenntnisse in Deutsch (Rechtschreibung, Grammatik) und Mathematik (Grundrechenarten, Prozentrechnung). Persönlich sollte man sorgfältig und strukturiert arbeiten, Freude am Umgang mit Computern und Bürotechnik mitbringen sowie zuverlässig und teamfähig sein. Kommunikationsfreude und Diskretion im Umgang mit sensiblen Daten sind ebenfalls wichtige Eigenschaften für diesen Beruf.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen die Grundlagen im Vordergrund: Textverarbeitung mit Microsoft Word (Briefe nach DIN 5008), Grundlagen der Bürokommunikation, Postbearbeitung, Ablageorganisation sowie einfache Tabellenkalkulation mit Excel. Außerdem wird kaufmännisches Rechnen und der Umgang mit Bürogeräten wie Scanner und Drucker vermittelt. Im zweiten Lehrjahr kommen Themen wie Datenschutz (DSGVO-Grundlagen), Telefon- und Schriftverkehr, einfache Buchführungsgrundlagen und das Bearbeiten von Bestellvorgängen hinzu. Betriebliche Abläufe werden komplexer nachvollzogen. Im dritten Lehrjahr werden alle Bereiche vertieft: Projektorganisation, Protokollführung, Präsentationserstellung und selbstständiges Bearbeiten von Büroprojekten. Der Berufsschulunterricht umfasst Fächer wie Büroprozesse, Wirtschafts- und Sozialkunde sowie Deutsch/Kommunikation. Im Vergleich zum Kaufmann für Büromanagement entfallen tiefgehende steuerrechtliche und personalwirtschaftliche Inhalte.

Büroprozesse und BürokommunikationWirtschafts- und GeschäftsprozesseDeutsch/Kommunikation

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung beim Fachpraktiker für Bürokommunikation wird durch die zuständige IHK abgenommen und ist zweiteilig aufgebaut. Prüfungsteil 1 findet nach etwa 18 Monaten (Mitte des zweiten Lehrjahres) statt und prüft Grundlagen der Büroprozesse sowie der Textverarbeitung. Dabei sind eine schriftliche Aufgabe (ca. 60–90 Minuten) zur Textgestaltung und Informationsverarbeitung zu absolvieren. Prüfungsteil 2 findet am Ende der Ausbildung nach 36 Monaten statt und gliedert sich in drei Bereiche: erstens eine praktische Aufgabe (ca. 90 Minuten), bei der ein vollständiger Bürovorgang bearbeitet wird – etwa Briefgestaltung, Datenbankabfrage und Ablage; zweitens einen schriftlichen Teil zu Bürokommunikation und Wirtschafts- und Sozialkunde (je ca. 60 Minuten); drittens ein abschließendes Fachgespräch von etwa 15 Minuten, in dem der Prüfling seinen Lösungsweg erläutert. Für das Bestehen ist in jedem Prüfungsbereich mindestens die Note 'ausreichend' (50 % der Punkte) erforderlich. Teil 1 fließt mit 40 %, Teil 2 mit 60 % in die Gesamtnote ein.

Prüfungsthemen

  • Schriftverkehr und Dokumentenbearbeitung
  • Datenverwaltung und Archivierung
  • Büroorganisation und Geschäftsabläufe
  • Kommunikation und Kundenbetreuung
  • Bedienung von Office-Anwendungen und Bürotechnik

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung zum Fachpraktiker für Bürokommunikation bieten sich mehrere Wege. Eine Externenprüfung zum Kaufmann für Büromanagement ist nach einigen Jahren Berufserfahrung möglich und öffnet weitere Türen. Darauf aufbauend kann der Geprüfte Fachwirt für Büro- und Projektorganisation (IHK) angestrebt werden – eine bundesweit anerkannte Weiterbildung. Auch der Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen passt, wenn man in entsprechenden Einrichtungen arbeitet. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen wie Teamassistenz, Sachbearbeitung oder Büroleitung realistisch. Das Gehalt entwickelt sich dann auf 2.600–3.200 €/Monat brutto. Ein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaftslehre oder Wirtschaftsinformatik ist ebenfalls möglich.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 9–12 Monate vor Ausbildungsstart – also idealerweise im Herbst für den Beginn im nächsten August/September – eingereicht werden. Die Bewerbungsmappe enthält: Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und eventuelle Praktikumsnachweise. Im Vorstellungsgespräch wird besonders auf Ausdrucksfähigkeit, Ordnungssinn und die Motivation für Büroarbeit geachtet. Manche Betriebe führen einen einfachen Eignungstest mit Rechtschreib- und Rechenaufgaben durch. Besonders überzeugen Bewerber, die Praktikumserfahrung im Büro vorweisen können, pünktlich erscheinen und ihre Stärken ruhig und klar formulieren. Ehrlichkeit über eigene Einschränkungen ist bei §66-Ausbildungen ausdrücklich erwünscht und kein Nachteil.

Ratgeber

Der Fachpraktiker für Bürokommunikation ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG, der speziell für Menschen mit Behinderung konzipiert ist. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 650 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen beim Fachpraktiker für Bürokommunikation?
Der Ausbildungsberuf ist nicht in offizielle Fachrichtungen unterteilt, kann aber je nach Ausbildungsbetrieb unterschiedliche Schwerpunkte haben, etwa Sekretariatsaufgaben, Datenverarbeitung oder Kundenkorrespondenz. Da es sich um eine Rehabilitationsausbildung nach § 66 BBiG handelt, wird der Ausbildungsplan individuell an die Bedürfnisse der Auszubildenden angepasst.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Fachpraktiker für Bürokommunikation?
Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen an den Schulabschluss. Die Ausbildung richtet sich nach § 66 BBiG an Menschen mit anerkannter Behinderung, weshalb auch ein Förderschulabschluss oder ein Hauptschulabschluss ausreichend sein kann. Die Eignung wird individuell durch den Ausbildungsbetrieb und gegebenenfalls die Berufsberatung der Agentur für Arbeit festgestellt.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Fachpraktiker für Bürokommunikation arbeiten?
Absolventen arbeiten in Büros und Verwaltungsbereichen unterschiedlichster Branchen, etwa in öffentlichen Behörden, gemeinnützigen Organisationen, Sozialbetrieben sowie in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Viele Ausbildungsplätze werden von Berufsbildungswerken, Inklusionsbetrieben oder anderen auf Rehabilitation spezialisierten Einrichtungen angeboten.
Welche Weiterbildungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nach dieser Ausbildung?
Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit, durch Nachqualifizierung den regulären Abschluss als Kaufmann/-frau für Büromanagement anzustreben, sofern die persönlichen Voraussetzungen erfüllt werden. Weiterhin können Zusatzqualifikationen in der Büroorganisation oder IT erworben werden. Ein Studium ist grundsätzlich möglich, wenn der entsprechende Schulabschluss nachgeholt wird.

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