Der Berg- und Maschinenmann ist ein Ausbildungsberuf im Bergbau, der auf die Gewinnung und Förderung von Rohstoffen unter und über Tage spezialisiert ist. Fachkräfte bedienen schwere Bergbaumaschinen, sichern Grubenbaue und überwachen Förderanlagen. Der Beruf eignet sich für technisch interessierte Menschen, die körperliche Arbeit unter besonderen Bedingungen – darunter Untertagearbeit – nicht scheuen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
900–1200 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2800 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag eines Berg- und Maschinenmanns ist geprägt von wechselnden Schichten und einer anspruchsvollen Arbeitsumgebung unter und über Tage. Morgens beginnt die Schicht mit einer Sicherheitsunterweisung (Sicherheitskunde), der Überprüfung persönlicher Schutzausrüstung wie Grubenlampe, Selbstretter und Schutzhelm sowie dem Einfahren in die Grube mit dem Förderkorb oder Schrägaufzug. Unter Tage werden Gewinnungsmaschinen wie Walzenschrämlader, Schildausbaugestelle oder Streckenvortriebsmaschinen bedient, gewartet und auf Funktionsfähigkeit geprüft. Zu den typischen Aufgaben gehört das Sichern von Streckenstößen mit Ankerbohrgeräten und Spritzbeton sowie das Überwachen von Förder- und Bewetterungsanlagen. Nachmittags werden Maschinenprotokolle in SAP-basierten Betriebssystemen erfasst, Hydraulik- und Schmierstoffwechsel an Schrämmaschinen durchgeführt und kleinere Reparaturen an Streckenförderern vorgenommen. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Reviersteigern, Elektrofachkräften und Wettertechnikern.
Berg- und Maschinenmänner arbeiten vorwiegend in Bergwerken der Rohstoffgewinnung: Steinkohlebergwerke (historisch RAG), Kalibergwerke (K+S AG, esco), Salzbergwerke (Südsalz), Erzbergwerke sowie im Kaolin- und Quarzabbau. Auch in der Bergesicherung stillgelegter Bergwerke und bei spezialisierten Bergbaudienstleistern wie DMT GmbH werden Fachkräfte gesucht. Der Bergbausektor verzeichnet aufgrund des demografischen Wandels und der geringen Bekanntheit des Berufs einen deutlichen Fachkräftemangel.
Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, besser ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschule), da technische Zusammenhänge in Mechanik, Hydraulik und Geomechanik ein solides Verständnis in Mathematik, Physik und Chemie erfordern. Wichtige Schulfächer sind Mathematik, Physik und Technik. Persönlich sollten Bewerber körperlich belastbar, schwindelfrei und nicht klaustrophobisch sein, da Arbeit in engen Strecken unter Tage zum Alltag gehört. Technisches Geschick, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit sowie ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein sind für diesen Beruf unverzichtbar.
Im ersten Lehrjahr stehen bergmännische Grundlagen im Mittelpunkt: Arbeitssicherheit und Unfallverhütung im Bergbau, Lagerstättenkunde, Grundlagen der Sprengstofftechnik sowie der Umgang mit einfachen Handwerkzeugen und Vermessungsgeräten. Lernfelder umfassen außerdem die Grundlagen der Gebirgsmechanik und den Aufbau von Grubenbewetterungssystemen. Im zweiten Lehrjahr vertieft sich die Ausbildung in Richtung Maschinenkunde: Hydrauliksysteme, pneumatische Antriebe, Fördertechnik und Ausbautechnik werden praxisnah an echten Maschinen erlernt. Im dritten Lehrjahr folgt die Spezialisierung auf Gewinnungstechnik (Steinkohle, Salz oder Erz je nach Betrieb), Grubenbetrieb, Grubenvermessung und Betriebsdatenerfassung. Im Vergleich zu ähnlichen Berufen wie dem Industriemechaniker liegt der Fokus klar auf unterirdischen Betriebsstätten, Gebirgsdruck und Bergrecht.
Die Abschlussprüfung zum Berg- und Maschinenmann wird nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) durch die zuständige Stelle (Bergbehörde bzw. IHK) abgenommen. Eine Zwischenprüfung findet gegen Ende des zweiten Ausbildungshalbjahres statt und umfasst einen schriftlichen Teil von ca. 120 Minuten zu bergmännischen Grundlagen sowie eine praktische Aufgabe von etwa 2 Stunden. Die Abschlussprüfung (Teil 2) gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: Praktische Arbeitsaufgabe (Bedienung und Wartung einer Bergbaumaschine, ca. 3,5 Stunden inkl. Fachgespräch, Gewichtung 40 %), Gewinnungs- und Fördertechnik schriftlich (120 Minuten, 20 %), Grubenbetrieb und Arbeitssicherheit schriftlich (90 Minuten, 20 %), Wirtschafts- und Sozialkunde schriftlich (60 Minuten, 10 %) sowie Maschinentechnik und Instandhaltung schriftlich (90 Minuten, 10 %). Zum Bestehen müssen insgesamt mindestens 50 Punkte (50 %) erreicht werden; kein Prüfungsbereich darf mit weniger als 30 Punkten abgeschlossen werden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung können Berg- und Maschinenmänner den Steiger-Lehrgang (Bergmännischer Steiger, staatlich geprüft) an einer Bergschule wie der Georg-Agricola-Schule in Bochum absolvieren. Weitere Optionen sind der Industriemeister Bergbau (IHK) oder der staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Bergbautechnik. Mit Abitur oder Fachabitur ist ein Studium zum Bachelor of Engineering Bergbau/Rohstofftechnik an der TU Clausthal oder TH Georg Agricola möglich. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Reviersteiger, Betriebssteiger oder technischer Betriebsleiter realistisch. Spezialisierungen sind in der Sprengstofftechnik, Grubenvermessung oder Schachtsicherheit möglich. Das Gehalt steigt von rund 2.800 EUR brutto auf 4.000–5.500 EUR brutto in Leitungspositionen.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist August/September) eingereicht werden, da Bergbauunternehmen frühzeitig planen. Die Bewerbungsmappe sollte Anschreiben, Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse sowie ein ärztliches Attest zur Tauglichkeit für Untertagearbeit enthalten. Im Vorstellungsgespräch werden neben Motivation gezielt Kenntnisse über den Bergbaubetrieb des Unternehmens abgefragt. Einige Arbeitgeber wie K+S führen technische Eignungstests (räumliches Vorstellungsvermögen, technisches Verständnis, Rechenaufgaben) durch. Besonders überzeugend sind Bewerber, die technisches Interesse an Maschinen nachweisen, Praktika in bergbaunahen Betrieben vorweisen oder Kenntnisse in Metallbearbeitung mitbringen. Ein Betriebspraktikum im Bergwerk ist ein klarer Pluspunkt.
Ratgeber
Der Berg- und Maschinenmann ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Bergbau nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 900 und 1.200 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.800 Euro brutto monatlich.
Bergbautechnologe
Bergbautechnologen gewinnen unterirdisch oder im Tagebau mineralische Rohstoffe wie Steinkohle, Kali, Salz oder Erze. Der Beruf verbindet schwere körperliche Arbeit mit dem Bedienen komplexer Bergbaumaschinen unter anspruchsvollen Bedingungen. Er eignet sich für Menschen, die technisches Geschick besitzen, keine Platzangst haben und gerne in einem starken Team arbeiten.
3 Jahre →
Aufbereitungsmechaniker
Aufbereitungsmechaniker/-innen verarbeiten und veredeln Rohstoffe aus dem Bergbau – etwa Kohle, Erze, Kies, Sand oder Industrieminerale – mithilfe mechanischer, physikalischer und chemischer Verfahren zu verwertbaren Produkten. Der Beruf verbindet Maschinentechnik mit Verfahrenstechnik in einer industriellen Großanlagenumgebung. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die mit schwerer Anlagentechnik arbeiten und Prozesse aktiv steuern und überwachen möchten.
3 Jahre →