Der Edelsteinfasser ist ein hochspezialisierter Goldschmiedehandwerksberuf, bei dem es darum geht, Edelsteine, Diamanten und andere Schmucksteine sicher und ästhetisch ansprechend in Metallfassungen einzusetzen. Das Besondere: Jede Fassung – ob Krappenfassung, Pavéfassung, Kanalfassung oder Zargenfassung – erfordert präzise Handarbeit unter dem Mikroskop und ein tiefes Verständnis für Materialeigenschaften. Der Beruf eignet sich für handwerklich hochbegabte Menschen mit außergewöhnlicher Fingerfertigkeit, Ausdauer und einem ausgeprägten Gespür für Ästhetik und Präzision.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
650–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag beginnt häufig mit der Materialvorbereitung: Du nimmst Edelsteine unter die Lupe, prüfst Schliff, Größe und Qualität und entnimmst vorbereitete Rohlinge aus dem Lager. Vormittags arbeitest du oft an anspruchsvollen Fassungsarbeiten – zum Beispiel das Einsetzen von Brillanten in eine Pavéfassung eines Platinrings. Dabei nutzt du Gravierstichel, Fassungszangen, Mikroskop, Beizlösung und Polierwerkzeuge. Du arbeitest im Sitzen unter starker Vergrößerung, oft viele Stunden konzentriert an einem einzigen Stück. Nachmittags folgen einfachere Serienarbeiten wie das Fassen von Zirkonia in Channelfassungen für Modeschmuck, Qualitätskontrolle fertiger Stücke oder Nacharbeiten an Reklamationen. Du stimmst dich regelmäßig mit Goldschmieden, Designern und Qualitätsprüfern ab. In Manufakturen arbeitest du im Team, in kleinen Ateliers oft eng mit dem Meister zusammen.
Edelsteinfasser arbeiten in Juwelier- und Goldschmiedewerkstätten, Schmuckmanufakturen und in der industriellen Schmuckproduktion. Bekannte Arbeitgeber und Zentren sind Firmen im Schmuckcluster Pforzheim (z.B. Storz & Bickel, Christ), sowie Luxusmarken-Zulieferer. Auch Ateliers in Idar-Oberstein, dem deutschen Edelsteinzentrum, bieten Ausbildungsplätze. Der Arbeitsmarkt ist eng: Es gibt wenige Ausbildungsplätze und deutlichen Fachkräftemangel, was die Jobchancen für Absolventen gut macht.
Empfohlen wird ein Realschulabschluss, da die Ausbildung Kenntnisse in Mathematik (Berechnungen von Steindurchmessern, Fasstiefen) und Physik (Optik, Härte) voraussetzt. Wichtige Schulfächer sind Mathematik, Chemie und Kunst bzw. Werken. Persönlich mitbringen solltest du außergewöhnliche Fingerfertigkeit, Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer für stundenlange Präzisionsarbeit unter dem Mikroskop. Ein ausgeprägtes Gespür für Ästhetik, Farben und Formen sowie Geduld beim Umgang mit teuren Materialien sind unerlässlich. Räumliches Vorstellungsvermögen und eine ruhige Hand sind entscheidend.
Im ersten Lehrjahr lernst du die Grundlagen: Metallkunde (Gold, Silber, Platin, ihre Legierungen), Werkzeugkunde, grundlegende Fassungsarten wie Krappenfassung und Zargenfassung sowie das Anlegen und Schärfen von Graviersticheln. Außerdem: Edelsteinkunde – Grundbegriffe zu Mineralien, Schliffformen und Härtegrade nach Mohs. Im zweiten Lehrjahr kommen komplexere Techniken hinzu: Pavé-, Kanal- und Blindfassungen, das Arbeiten mit Brillanten und empfindlichen Farbsteinen sowie das Einrichten von Fassungsbetten. Du übst das Mikroskoparbeiten intensiv. Im dritten Lehrjahr vertiefst du anspruchsvolle Gestaltungsaufgaben, Reparaturtechniken, Fehleranalyse und Qualitätskontrolle nach DIN-Normen. Die Ausbildung unterscheidet sich von der des Goldschmieds durch den ausschließlichen Fokus auf die Fassungstechnik – Schmieden oder Löten stehen kaum im Mittelpunkt.
Die Abschlussprüfung wird vor der zuständigen Handwerkskammer (HwK) abgelegt und ist in zwei Teile gegliedert. Prüfungsteil 1 findet nach ca. 18 Monaten (Mitte der Ausbildung) statt. Dabei wird eine praktische Arbeitsprobe geprüft: Das Anfertigen einer vorgegebenen Fassung (z.B. Krappenring mit Stein) in maximal 6 Stunden sowie ein schriftlicher Prüfungsteil zu Werkstoffkunde und Fassungstechnik (90 Minuten). Prüfungsteil 2 findet am Ende der 3-jährigen Ausbildung statt und umfasst: eine praktische Gesellenstückprüfung (eine komplexe Fassungsarbeit nach Zeichnung, ca. 6–8 Stunden, Gewichtung 50 %), schriftliche Prüfungen in den Bereichen Gestaltung und Fertigung (120 Min.), Werkstofftechnologie (60 Min.) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Min.). Das Fachgespräch von ca. 15–20 Minuten über die praktische Arbeit ergänzt die Prüfung. Zum Bestehen ist in jedem Prüfungsbereich mindestens die Note 'ausreichend' (50 %) erforderlich; kein Prüfungsbereich darf mit 'ungenügend' bewertet sein.
Prüfungsthemen
Nach der Gesellenprüfung kannst du den Meisterbrief im Goldschmiedehandwerk ablegen – dieser öffnet die Tür zur selbstständigen Atelierleitung. Eine weitere Option ist der 'Geprüfte Gestalter im Handwerk' oder der Fachwirt für Schmuck und Edelsteine. Wer in Richtung Design strebt, kann Schmuck- und Edelsteindesign an Fachhochschulen wie der Akademie für Gestaltung studieren (z.B. Pforzheim, Trier). Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Werkstattleiter in Schmuckmanufakturen, Qualitätsmanager oder Ausbilder realistisch. Das Gehalt steigt mit Meisterbrief auf 2.800–3.500 €/Monat brutto, in leitenden Funktionen darüber hinaus.
Bewerbe dich 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (also ab Herbst des Vorjahres für einen Ausbildungsstart im September). In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und – besonders wichtig – eine Mappe mit eigenen handwerklichen oder künstlerischen Arbeiten (Zeichnungen, Modelle, Bastelarbeiten). Im Vorstellungsgespräch wird auf Präzision, Interesse an Edelsteinen und Schmuck sowie Fingerfertigkeit geachtet. Manche Betriebe verlangen einen Eignungstest mit einfachen Feinmotorikübungen. Überzeuge Ausbilder durch Eigeninitiative: Ein Praktikum beim Goldschmied oder Juwelier im Vorfeld ist fast unverzichtbar und zeigt echtes Interesse.
Ratgeber
Der Edelsteinfasser ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Metallberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 650 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Gold- und Silberschmied
Gold- und Silberschmiede gestalten und fertigen Schmuck sowie kunsthandwerkliche Gegenstände aus Edelmetallen wie Gold, Silber und Platin, oft ergänzt durch Edelsteine und andere Materialien. Die Arbeit verbindet handwerkliches Geschick mit künstlerischem Gestaltungswillen auf höchstem Niveau. Dieser Beruf eignet sich für Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik, Feinmotorik und Freude an der Arbeit mit wertvollen Materialien.
3 Jahre →
Kabeljungwerker
Kabeljungwerker ist ein industrieller Ausbildungsberuf im Metallbereich, der sich auf die Herstellung, Konfektionierung und Prüfung von Kabeln und Leitungen spezialisiert. In diesem Beruf werden Maschinen zur Drahtverarbeitung, Verseilung und Isolierung bedient sowie Qualitätskontrollen durchgeführt. Er eignet sich besonders für technisch interessierte Menschen mit Freude an präziser Maschinenarbeit und einem Verständnis für elektrische und mechanische Zusammenhänge.
3 Jahre →
Präzisionswerkzeugmechaniker
Präzisionswerkzeugmechaniker fertigen hochpräzise Werkzeuge, Schneidwerkzeuge, Lehren und Messmittel auf Zehntel- und Hundertstelmillimeter-Toleranz. Die Ausbildung verbindet klassische Zerspanungstechnik mit modernster CNC-Technologie und Messtechnik. Sie eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem technischen Verständnis, Freude an Genauigkeit und handwerklichem Geschick.
3.5 Jahre →
Produktionstechnologe
Produktionstechnologen planen, steuern und überwachen industrielle Fertigungsprozesse in der Metallindustrie. Sie optimieren Produktionsabläufe, richten CNC-Maschinen und automatisierte Fertigungsanlagen ein und sorgen für die Einhaltung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Der Beruf eignet sich für technisch Interessierte mit Freude an Automatisierung, Datenanalyse und prozessoptimiertem Denken.
3 Jahre →