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UmweltschutzberufeBBiG

Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

Fachkräfte für Rohr-, Kanal- und Industrieservice reinigen, inspizieren und sanieren unterirdische Rohrleitungen, Abwasserkanäle und Industrieanlagen. Der Beruf verbindet praktische Arbeit mit moderner Kameratechnik und Umweltschutz. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die gerne im Freien und in Teamarbeit arbeiten und keine Berührungsängste mit anspruchsvollen Umgebungen haben.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

620–950 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2600 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice?

Der Arbeitstag beginnt meist im Betriebshof, wo Fahrzeuge und Spezialgerät – Hochdruckspülfahrzeuge, Saugwagen und TV-Inspektionskameras – für den Einsatz vorbereitet werden. Werkzeuge wie Düsen, Fräsköpfe und Kanalroboter werden geprüft und beladen. Anschließend fahren Teams zu Einsatzorten in Kommunen, Industriebetrieben oder auf Baustellen. Vormittags stehen häufig Kanalreinigungen mit Hochdruckspülgeräten (bis 200 bar) und Saugfahrzeugen auf dem Plan, um Ablagerungen, Fette oder Fremdkörper aus DN 100 bis DN 1200-Rohren zu entfernen. Nachmittags werden per Kanal-TV-Kamera (z. B. IBAK, Panoramo) Schadensbilder aufgenommen, mit Software wie IKAS oder WinCan ausgewertet und Inspektionsberichte nach DIN EN 13508 erstellt. Weitere Aufgaben sind Dichtheitsprüfungen, das Einziehen von Linern zur Rohrsanierung sowie Industrieservice-Einsätze wie das Reinigen von Behältern, Tanklagern oder Wärmetauschern. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Kommunen, Tiefbauunternehmen und Industriekunden.

Wo arbeitest du?

Fachkräfte arbeiten überwiegend bei spezialisierten Kanalserviceunternehmen wie REMONDIS Aqua, Veolia, STRABAG Umwelttechnik, Städtische Entwässerungsbetriebe oder mittelständischen Rohrreinigungsbetrieben. Weitere Arbeitgeber sind Industrieunternehmen mit eigenem Betriebsservice (Chemie, Petrochemie, Lebensmittel) sowie kommunale Eigenbetriebe. Der Markt wächst durch zunehmende Sanierungsbedarfe der Kanalinfrastruktur und Umweltauflagen. Es besteht deutlicher Fachkräftemangel, besonders in ländlichen Regionen.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, besser ein Realschulabschluss. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Berechnung von Rohrquerschnitten, Gefällen), Physik (Drucktechnik) und Chemie (Abwasserinhaltsstoffe). Persönlich sollte man handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und Teamfähigkeit mitbringen. Körperliche Belastbarkeit ist wichtig, da in beengten Räumen und bei jedem Wetter gearbeitet wird. Verantwortungsbewusstsein für Umwelt- und Arbeitssicherheit sowie Zuverlässigkeit sind für Ausbilder besonders entscheidend. Führerschein der Klasse B ist hilfreich, Klasse C vorteilhaft.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Kanaltechnik, Rohrwerkstoffe (Beton, Steinzeug, Kunststoff, Gusseisen), Sicherheitsvorschriften für Arbeiten in engen Räumen (DGUV Regel 113-004) und der Umgang mit Schutzausrüstung vermittelt. Außerdem lernen Auszubildende das Einrichten von Baustellen, Absicherungen nach RSA und das Bedienen erster Reinigungsgeräte. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen sich die Inhalte: TV-Inspektion, Schadensklassifizierung nach DIN EN 13508-2, Rohrsanierungsverfahren (Inliner, Kurzliner, Schlauchlining), Dichtheitsprüfungen nach DIN EN 1610 sowie Industrieservice-Tätigkeiten wie Hochdruckreinigung und Behälterreinigung. Im Vergleich zur Ausbildung zum Fachmann für Abwassertechnik liegt der Fokus stärker auf der praktischen Dienstleistung und mobilen Einsätzen, weniger auf Kläranlagenbetrieb.

Rohrleitungs- und KanaltechnikInspektionstechnik und SanierungsverfahrenUmweltschutz und ArbeitssicherheitTechnische MathematikWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Ausbildung dauert drei Jahre und schließt mit einer gestreckten Abschlussprüfung ab, die aus Teil 1 und Teil 2 besteht. Teil 1 findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt (ca. Frühjahr des 2. Lehrjahrs). Er besteht aus einer praktischen Arbeitsaufgabe (ca. 3 Stunden), in der eine TV-Inspektion oder Reinigungsaufgabe durchgeführt und dokumentiert wird, sowie einem schriftlichen Prüfungsteil (90 Minuten) zu Rohrwerkstoffen, Grundlagen der Reinigungstechnik und Arbeitssicherheit. Teil 1 geht mit 30 % in die Gesamtnote ein. Teil 2 findet am Ende des dritten Lehrjahres statt (ca. Frühjahr). Er umfasst eine praktische Arbeitsaufgabe (3,5 bis 4 Stunden) mit anschließendem Fachgespräch (bis 20 Minuten) sowie drei schriftliche Prüfungsbereiche: Rohrsanierung und Rohrinspektion (90 Min.), Kanal- und Industrieservice (90 Min.) und Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Min.). Teil 2 gewichtet 70 %. Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 Punkte (von 100) erforderlich; eine schwache Einzelleistung kann unter Bedingungen ausgeglichen werden.

Prüfungsthemen

  • TV-Inspektion und Schadensklassifizierung nach DIN EN 13508
  • Hochdruckspül- und Saugtechnik
  • Rohrsanierungsverfahren (Inliner, Kurzliner, Schlauchlining)
  • Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610
  • Industrieservice (Behälter-, Tank- und Wärmetauscherreinigung)
  • Arbeitssicherheit in engen Räumen (DGUV Regel 113-004)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungswege: Geprüfter Netzmeister (IHK) im Bereich Wasser/Abwasser, Industriemeister Fachrichtung Rohr-, Kanal- und Industrieservice oder Meister im Rohrleitungsbau (HwK). Techniker-Schulen bieten den staatlich geprüften Techniker für Umweltschutzttechnik oder Tiefbau an. Für Hochschulinteressierte gibt es Studiengänge wie Siedlungswasserwirtschaft, Umweltingenieurwesen oder Baubetrieb (B.Eng./B.Sc.). Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Bauleiter, Einsatzleiter, Betriebsleiter oder Key-Account-Manager bei Kanalserviceunternehmen realistisch. Gehälter wachsen dabei auf 3.200–4.500 EUR brutto monatlich. Spezialisierungen bestehen in Industriediensten, Schadstoffsanierung oder Qualitätsprüfung.

Bewerbungstipps

Die Bewerbung sollte 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist August/September) eingereicht werden, da viele Betriebe früh planen. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und ggf. Praktikumsnachweise. Praktika bei Kanalserviceunternehmen heben die Bewerbung deutlich hervor. Im Vorstellungsgespräch werden Motivation, handwerkliches Interesse und Teamfähigkeit geprüft; technische Eignungstests sind seltener, können aber Grundrechenarten und räumliches Denken umfassen. Zeige Kenntnisse über Kanalsysteme, Umweltschutz oder Hochdruckreinigung. Offenheit für Schichtarbeit und Außeneinsätze sowie körperliche Fitness sollten aktiv erwähnt werden, da Betriebe diese Bereitschaft als wichtiges Auswahlkriterium sehen.

Ratgeber

Die Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Umweltschutz. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen in diesem Ausbildungsberuf?
Die Ausbildung zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice umfasst je nach Betrieb unterschiedliche Schwerpunkte, etwa Kanalreinigung und -inspektion, Rohrinnensanierung oder Industrieservice wie die Reinigung von Industrieanlagen und Tanks. Eine formale Unterteilung in gesetzlich geregelte Fachrichtungen gibt es nicht, jedoch spezialisieren sich Betriebe auf bestimmte Tätigkeitsfelder.
Welcher Schulabschluss wird für diese Ausbildung vorausgesetzt?
Es gibt keinen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestschulabschluss für diese Ausbildung. In der Praxis stellen viele Ausbildungsbetriebe Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Handwerkliches Geschick und technisches Interesse sind wichtiger als ein bestimmter Schulabschluss.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man nach der Ausbildung arbeiten?
Absolventen arbeiten vor allem bei spezialisierten Rohrleitungs- und Kanalserviceunternehmen, kommunalen Entsorgungsbetrieben sowie Unternehmen der Industriereinigung. Auch Energie- und Wasserversorgungsunternehmen sowie Chemie- und Industriebetriebe, die eigene Service-Abteilungen unterhalten, kommen als Arbeitgeber infrage. Die Nachfrage nach Fachkräften ist aufgrund der Bedeutung funktionierender Kanal- und Rohrinfrastruktur stabil.
Welche Weiterbildungs- oder Studienmöglichkeiten bestehen nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Vorarbeiter oder Meister im Bereich Rohr-, Kanal- und Industrieservice möglich, ebenso Qualifikationen im Umweltschutz oder der Umwelttechnik. Mit entsprechender Berufserfahrung und ggf. einer Zugangsprüfung ist auch ein Studium, z. B. in Umwelttechnik oder Versorgungstechnik, an einer Fachhochschule möglich. Zudem bieten Fachverbände branchenspezifische Zertifikatslehrgänge an.

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