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Technische BerufeBBiG

Geomatiker

Geomatiker erfassen, verwalten und visualisieren raumbezogene Daten – von Landvermessung über Satellitenbilder bis hin zu digitalen Stadtmodellen. Der Beruf verbindet Geodäsie, Informatik und Kartografie und eignet sich für technikaffine Menschen mit Interesse an Geografie, Mathematik und digitaler Datenverarbeitung. Wer gerne mit Karten, GIS-Software und modernen Messtechnologien arbeitet, ist hier richtig.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

620–1050 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2400 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Geomatiker?

Geomatiker arbeiten überwiegend im Büro an leistungsstarken Workstations, sind aber auch regelmäßig im Außendienst bei Vermessungen tätig. Morgens werden häufig Geodatensätze aus verschiedenen Quellen – z. B. von Drohnen, Laserscannern oder Satellitenbildern (Sentinel, Landsat) – in GIS-Systeme wie ESRI ArcGIS oder QGIS importiert, bereinigt und auf Plausibilität geprüft. Dabei nutzt man Datenformate wie Shapefile, GeoTIFF oder GeoJSON. Eine typische Aufgabe wäre die Aktualisierung einer kommunalen Liegenschaftskarte anhand neuer Luftbilddaten. Nachmittags können Außeneinsätze stattfinden: mit tachymetrischen Messgeräten (z. B. Leica TS16) oder GNSS-Empfängern werden Grundstücksgrenzen oder Bauvermessungen durchgeführt. Die erfassten Koordinaten werden anschließend im Büro mit Software wie AutoCAD Map 3D oder GeoPro weiterverarbeitet. Geomatiker arbeiten eng mit Stadtplanern, Ingenieurbüros, Katasterämtern und Vermessungstechnikern zusammen. Kartografische Produkte wie thematische Karten oder 3D-Stadtmodelle runden das tägliche Aufgabenspektrum ab.

Wo arbeitest du?

Geomatiker arbeiten bei Kataster- und Vermessungsämtern (kommunal und staatlich), Landesämtern für Geoinformation (z. B. BKG, LVermGeo), Ingenieurbüros für Vermessung und Geoinformatik sowie bei Unternehmen wie HERE Technologies, Esri Deutschland oder Trimble. Auch Stadtplanungsämter, Energieversorger (Leitungsnetzdokumentation), Telekommunikationsunternehmen und Umweltbehörden beschäftigen Geomatiker. Der Markt zeigt einen deutlichen Fachkräftemangel, insbesondere im öffentlichen Dienst und bei spezialisierten GIS-Dienstleistern.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein guter Realschulabschluss, da die Ausbildung mathematisch und IT-technisch anspruchsvoll ist; viele Ausbildungsbetriebe und Behörden bevorzugen Bewerber mit (Fach-)Abitur. Besonders wichtig sind gute Noten in Mathematik (Geometrie, Trigonometrie, Statistik), Informatik und Geografie. Persönlich sollte man analytisches Denkvermögen, räumliches Vorstellungsvermögen und Sorgfalt mitbringen, da Messungenauigkeiten von Zentimetern rechtliche Konsequenzen haben können. Teamfähigkeit für Außeneinsätze, Interesse an digitaler Kartografie sowie Freude an der Arbeit mit GIS-Software und Datenbanken runden das Anforderungsprofil ab.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Geodäsie und Kartografie im Vordergrund: Koordinatensysteme (z. B. ETRS89, UTM), Kartenprojektion, Maßstäbe, einfache Vermessungstechniken sowie die Bedienung erster GIS-Software. Außerdem wird grundlegendes Wissen über Datenbanken (SQL) und Datenverwaltung vermittelt. Im zweiten Lehrjahr folgt die Vertiefung: Fernerkundung, digitale Bildverarbeitung, Topografie sowie der professionelle Umgang mit ESRI ArcGIS oder QGIS. Themen wie Liegenschaftskataster, amtliches Topografisch-Kartografisches Informationssystem (ATKIS) und geodätische Berechnungen (z. B. Helmert-Transformation) gewinnen an Bedeutung. Im dritten Lehrjahr spezialisiert man sich auf amtliche Geodatenprodukte, Qualitätssicherung, WebGIS-Anwendungen und komplexe Auswertungen. Im Vergleich zur Ausbildung zum Vermessungstechniker liegt der Schwerpunkt weniger auf praktischer Außenvermessung und mehr auf digitaler Datenverarbeitung und Kartografie.

Geodatenerhebung und -verarbeitungKartografie und GeovisualisierungGeoinformationssysteme (GIS)Mathematik und GeodäsieWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung (AP) gliedert sich in zwei Teile gemäß der aktuellen Ausbildungsordnung. Teil 1 findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. 18./19. Monat, meist Frühjahr) statt und umfasst eine schriftliche Prüfung zu Geodatenerhebung und -verarbeitung (90 Minuten) sowie eine praktische Arbeitsaufgabe (ca. 7 Stunden), bei der ein realer Geodatensatz bearbeitet und ein kartografisches Produkt erstellt wird. Teil 1 fließt mit 40 % in die Gesamtnote ein. Teil 2 findet am Ende des dritten Lehrjahres (Frühjahr/Sommer) statt und besteht aus drei schriftlichen Prüfungsbereichen: 'Geodatenmanagement' (90 Minuten, 20 %), 'Geodatennutzung und Präsentation' (90 Minuten, 20 %) sowie 'Wirtschafts- und Sozialkunde' (60 Minuten, 10 %). Hinzu kommt ein Fachgespräch (20 Minuten, 10 %), in dem eine praxisbezogene Aufgabe aus der betrieblichen Ausbildung präsentiert und diskutiert wird. Zum Bestehen müssen alle Prüfungsbereiche mindestens mit 'ausreichend' (50 Punkte) bewertet sein; kein Bereich darf mit null Punkten abschließen.

Prüfungsthemen

  • Geodatenerhebung und Vermessungstechnik (GNSS, Tachymetrie)
  • GIS-Datenverarbeitung und Datenmodellierung (QGIS, ArcGIS)
  • Kartografie und Visualisierung (thematische Karten, Geoportale)
  • Fernerkundung und digitale Bildauswertung
  • Liegenschaftskataster und amtliche Geodatenprodukte (ATKIS, ALKIS)
  • Geodatenmanagement und Datenbanken (SQL, Geodatenbankformate)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungswege: Der staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Kartografie/Geomatik (2 Jahre Vollzeit oder berufsbegleitend) ist ein klassischer Aufstieg. Alternativ ermöglicht der Industriemeister Fachrichtung Kommunikationstechnik oder der geprüfte Meister im Vermessungswesen weitere Führungspositionen. Ein anschließendes Studium in Geoinformatik, Geodäsie oder Geografie (B.Sc.) an Hochschulen wie der HFT Stuttgart oder TU München ist mit Zusatzqualifikation möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Projektleiter GIS, Sachgebietsleiter Geodaten in Behörden oder Teamleiter in Vermessungsbüros realistisch. Spezialisierungen in WebGIS-Entwicklung, Drohnenfernerkundung oder BIM (Building Information Modeling) sind sehr gefragt. Das Gehalt wächst von ca. 2.400 EUR auf 3.500–4.500 EUR brutto monatlich.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (September) eingereicht werden, bei Behörden und öffentlichen Arbeitgebern oft noch früher (bis Januar/Februar). Die Bewerbungsmappe sollte ein Anschreiben mit Bezug auf konkrete Geodaten-Interessen (z. B. Kartenprojekte, OpenStreetMap-Erfahrung), Lebenslauf und aktuelle Zeugnisse enthalten. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Grundkenntnisse in Mathematik und Geografie abgefragt; manche Behörden nutzen standardisierte Einstellungstests mit Geometrie-, Logik- und Konzentrationsaufgaben. Wer bereits Erfahrungen mit QGIS, Google Earth Pro oder GPS-Geräten vorweisen kann, punktet besonders. Praktika bei Vermessungsämtern oder Geodienstleistern sowie die Teilnahme an Geo-Wettbewerben (z. B. Bundeswettbewerb Geographie) hinterlassen einen starken Eindruck.

Ratgeber

Der Geomatiker ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG, angesiedelt im technischen Berufsfeld der Geoinformation und Kartografie. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 1.050 Euro monatlich. Berufseinsteiger nach der Ausbildung verdienen durchschnittlich ab 2.400 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen im Beruf Geomatiker?
Die Ausbildung zum Geomatiker ist nicht in offizielle Fachrichtungen aufgeteilt, bietet jedoch je nach Betrieb inhaltliche Schwerpunkte wie Fernerkundung, Geo-Informationssysteme (GIS), Kartografie oder Vermessung. Im Berufsalltag kann man sich durch Weiterbildungen oder Studium auf bestimmte Teilgebiete der Geoinformatik spezialisieren.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Geomatiker?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis stellen die meisten Betriebe jedoch Bewerber mit mittlerem Schulabschluss (Realschulabschluss) oder Abitur ein. Da der Beruf mathematische und technische Kenntnisse erfordert, sind gute Noten in Mathematik, Informatik und Geografie von Vorteil.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Geomatiker?
Geomatiker finden Beschäftigung bei Vermessungsämtern, Katasterämtern und anderen Behörden auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Darüber hinaus bieten private Ingenieurbüros für Vermessung und Geoinformatik, Planungsbüros, Unternehmen der Luft- und Raumfahrt sowie IT-Unternehmen mit GIS-Schwerpunkt Arbeitsplätze in diesem Berufsfeld.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Geomatiker die Fortbildung zum Geomatiker-Meister oder zum Techniker der Fachrichtung Kartografie und Geoinformatik absolvieren. Über die Fachhochschulreife oder fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung ist auch ein Studium in Geoinformatik, Geodäsie oder Geographie möglich, das auf den Ausbildungsinhalten aufbaut.

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