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BauberufeBBiG

Gerüstbauer

Gerüstbauer errichten und demontieren Arbeits-, Schutz- und Traggerüste aus Stahl- und Aluminiumrohren an Baustellen, Industrieanlagen und Gebäuden. Der Beruf erfordert Schwindelfreiheit, körperliche Fitness und handwerkliches Geschick. Er eignet sich für Menschen, die gerne im Freien arbeiten, Verantwortung für die Arbeitssicherheit anderer tragen möchten und Freude an präzisen Montagearbeiten haben.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

800–1100 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2600 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Gerüstbauer?

Der Arbeitsalltag beginnt früh auf der Baustelle: Morgens werden die Gerüstpläne geprüft, Materialien wie Stahlrohre (Ø 48,3 mm), Kupplungen, Beläge, Diagonalstreben und Schrauben aus dem Gerüstlager oder vom Fahrzeug inventarisiert und zur Aufbaustelle transportiert. Mit Rohrverbindern, Drehkupplungen, Normalkupplungen und Schlosshämmern werden Systemgerüste wie Layher Allround oder PERI UP montiert. Dabei werden Standsicherheitsberechnungen beachtet und Verankerungen in Fassaden gesetzt. Nachmittags erfolgen Kontrollinspektionen fertiggestellter Gerüstabschnitte, Anpassungen der Schutznetze und Schutzwände sowie Kommunikation mit Bauleitung, Maurern und Malern über den Baufortschritt. Typische Aufgaben: das Aufbauen eines Fassadengerüsts an einem Mehrfamilienhaus nach DIN EN 12811 oder das Errichten eines Hängegerüsts für Brückeninstandsetzungsarbeiten. Schriftliche Übergabeprotokolle und Aufmaßdokumentation runden den Arbeitstag ab.

Wo arbeitest du?

Gerüstbauer arbeiten überwiegend in spezialisierten Gerüstbauunternehmen wie Wilhelm Layher GmbH, Hünnebeck, Condor Systems oder regionalen Gerüstbaubetrieben. Einsatzbereiche sind Hochbau, Tiefbau, Industrieanlagen (Raffinerien, Kraftwerke), Brückenbau und Denkmalpflege. In der Industrie sind Chemie- und Energieversorgungsunternehmen wie BASF oder RWE wichtige Auftraggeber. Es besteht bundesweit ein erheblicher Fachkräftemangel, die Beschäftigungsaussichten sind sehr gut.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, idealerweise ein Realschulabschluss. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Flächen-, Volumen- und Lastberechnungen), Physik (Statik, Kräfte) sowie Technik. Persönlich sind Schwindelfreiheit und Höhentauglichkeit absolute Grundvoraussetzungen. Körperliche Belastbarkeit und Ausdauer sind wichtig, da täglich Lasten bis 25 kg gehoben und auf Gerüsten gearbeitet wird. Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein und räumliches Vorstellungsvermögen runden das Anforderungsprofil ab.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im 1. Lehrjahr stehen Grundlagen im Vordergrund: Arbeitssicherheit und Unfallverhütungsvorschriften (BGV C22), Werkstoffkunde (Stahl, Aluminium, Kunststoff), einfache Verbindungstechniken mit Kupplungen, Lesen von Gerüstplänen und technischen Zeichnungen sowie das Aufstellen einfacher Standgerüste. Im 2. Lehrjahr werden Hängegerüste, Traggerüste und Raumgerüste behandelt. Die Auszubildenden lernen Verankerungstechniken, Lastverteilung und die Montage von Systemgerüsten verschiedener Hersteller wie Layher, PERI und Plettac. Im 3. Lehrjahr folgen Spezialisierungen: Fassadengerüste mit besonderen Anforderungen, Wetterschutzgerüste, Schutzdächer und Gerüste an Industrieanlagen. Im Vergleich zu verwandten Berufen wie Dachdecker oder Maurer liegt der Schwerpunkt ausschließlich auf temporären Tragsystemen und Montagesicherheit.

GerüstbautechnikBaukunde und technisches ZeichnenBaustoff- und WerkzeugkundeMathematik und BaukalkulationWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet im 2. Ausbildungsjahr (ca. Monat 18) statt und besteht aus einem schriftlichen Teil (90 Minuten) zu Themen wie Werkstoffkunde, Grundrechenarten im Bauwesen und Arbeitssicherheit sowie einer praktischen Aufgabe (ca. 3 Stunden), bei der ein einfaches Standgerüst aufgebaut werden muss. Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des 3. Lehrjahres statt. Sie gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: - Praktische Arbeitsaufgabe: Auf- und Abbau eines Gerüsts nach Vorgabeplan (ca. 7 Stunden, Gewichtung 50 %) - Schriftlicher Prüfungsbereich 1 – Gerüstbautechnik: 120 Minuten (Gewichtung 25 %) - Schriftlicher Prüfungsbereich 2 – Wirtschafts- und Sozialkunde: 60 Minuten (Gewichtung 15 %) - Fachgespräch zur praktischen Aufgabe: ca. 15 Minuten (Gewichtung 10 %) Zum Bestehen sind mindestens 50 Punkte in jedem Prüfungsbereich erforderlich. In der praktischen Aufgabe werden Montagequalität, Standsicherheit und Einhaltung von Sicherheitsvorschriften bewertet.

Prüfungsthemen

  • Standsicherheit und Statik von Gerüstsystemen
  • Gerüstbautechniken (Stand-, Hänge-, Traggerüste)
  • Arbeitssicherheit und Unfallverhütung (BGV C22, DIN EN 12811)
  • Werkstoffkunde Stahl und Aluminium
  • Lesen und Anwenden von Gerüstbau- und Bauplänen
  • Verankerung und Befestigungstechniken
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung sind folgende Weiterbildungswege möglich: - Vorarbeiter/Polier im Gerüstbau (innerbetrieblich) - Geprüfter Gerüstbau-Kolonnenführer (HwO) - Industriemeister Bauhaupt- und Ausbaugewerbe (IHK) - Werkpolier oder Geprüfter Polier (HwO) - Techniker Hochbau oder Bautechnik (staatliche Fachschule) - Bachelor of Engineering Bauingenieurwesen (FH/HA mit Zulassung) Mit 5 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Kolonnenführer mit 3.200–3.800 € brutto monatlich erreichbar. Bauleiter oder Niederlassungsleiter in Gerüstbauunternehmen verdienen 4.500–6.000 € monatlich. Spezialisierungen auf Industriegerüstbau (Chemie, Energie) oder Containerbau bieten besonders gute Perspektiven.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (August/September) eingereicht werden, also ab Herbst des Vorjahres. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und ggf. Praktikumsnachweise. Einige Unternehmen führen einen HwK-Einstellungstest oder betriebseigene Eignungsprüfungen mit Aufgaben zu Mathematik, technischem Verständnis und Raumvorstellung durch. Im Vorstellungsgespräch wird häufig gefragt, warum Höhentauglichkeit und körperliche Fitness vorhanden sind. Praktika oder Schnuppertage auf Gerüstbaustellen vorab sind sehr empfehlenswert und hinterlassen einen starken Eindruck. Wer nachweislich handwerkliches Geschick, Teamgeist und Sicherheitsbewusstsein mitbringt, überzeugt Ausbilder am meisten.

Ratgeber

Der Gerüstbauer ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Bauberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 800 und 1.100 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen im Beruf Gerüstbauer?
Im Rahmen der Ausbildung zum Gerüstbauer gibt es keine formalen Fachrichtungen. Allerdings können sich Fachkräfte in der Praxis auf bestimmte Gerüstarten spezialisieren, etwa auf Fassadengerüste, Raumgerüste, Hängegerüste oder spezielle Industrie- und Schutzgerüste. Diese Spezialisierungen entwickeln sich häufig durch betriebliche Schwerpunkte und Weiterbildungen.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Gerüstbauer benötigt?
Für die Ausbildung zum Gerüstbauer ist kein bestimmter Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Ausbildungsbetriebe Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Wichtiger als der Abschluss sind häufig körperliche Fitness, Schwindelfreiheit und handwerkliches Geschick.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Gerüstbauer?
Gerüstbauer sind hauptsächlich bei spezialisierten Gerüstbauunternehmen beschäftigt, die Baustellen verschiedenster Art beliefern. Einsatzgebiete umfassen den Hochbau, die Industrie, Kraftwerke, Chemieanlagen sowie Brücken- und Ingenieurbauwerke. Auch im Bereich Veranstaltungstechnik und bei Sanierungsmaßnahmen an historischen Gebäuden werden Gerüstbauer eingesetzt.
Welche Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Gerüstbauer?
Nach der Ausbildung können Gerüstbauer den Meister im Gerüstbauer-Handwerk ablegen und damit leitende Positionen oder eine Selbstständigkeit anstreben. Alternativ ist eine Weiterbildung zum Techniker oder Polier möglich. Über den zweiten Bildungsweg oder mit Fachhochschulreife besteht auch die Möglichkeit, ein Studium im Bauingenieurwesen oder Bauwirtschaft aufzunehmen.

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