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MusikinstrumentenberufeBBiG

Holzblasinstrumentenmacher

Holzblasinstrumentenmacher fertigen und reparieren Holzblasinstrumente wie Klarinetten, Oboen, Fagotte und Querflöten von Hand. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit feiner Präzisionsarbeit an Holz, Metall und Kunststoff. Er eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Feinmotoriktalent, Gespür für Klang und Freude an handwerklicher Detailarbeit.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

340–620 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2100 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Holzblasinstrumentenmacher?

Morgens beginnt der Arbeitstag in der Werkstatt mit der Sichtprüfung und Eingangsdiagnose von Kundenwerkstücken: Ein Klarinettenkörper wird auf Risse und Undichtigkeiten geprüft, Polster und Klappen auf Funktion getestet. Anschließend werden Holzteile aus Grenadillholz oder Afrikanischem Blackwood auf der Drehbank gedreht, Tonlöcher gebohrt und auf Maß gefeilt. Nachmittags liegt der Fokus auf der Klappenarbeit: Messingklappen werden gebogen, gelötet und mit Präzisionsschrauben montiert. Mit Stimmzungen, Klangmessgeräten und akustischen Tests wird die Intonation geprüft. Typische Aufgaben sind die Komplettreinigung und Neubedampfung einer Oboe sowie die Neubesetzung aller Polster eines Fagotts mit Leder- und Korkpolstern. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Musikern, Musikhändlern und Orchesterwerkstätten. Qualitätskontrolle mit Messuhren, Lecklicht und Stimmgerät gehört täglich dazu.

Wo arbeitest du?

Holzblasinstrumentenmacher arbeiten in spezialisierten Musikinstrumentenwerkstätten und -manufakturen, bei bekannten Herstellern wie Buffet Crampon, F. Arthur Uebel, Mönnig oder Milani. Auch Musikhäuser mit angeschlossenen Reparaturwerkstätten und Orchesterwerkstätten großer Theater und Opernhäuser beschäftigen diese Fachkräfte. Überwiegend handelt es sich um kleine Handwerksbetriebe. Es besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, da der Ausbildungsberuf sehr selten ist und nur wenige Betriebe in Deutschland ausbilden.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss, besser ein Realschulabschluss, da Fachrechnen und technisches Zeichnen in der Ausbildung eine wichtige Rolle spielen. Relevante Schulfächer sind Mathematik, Physik (Akustik) und Werken/Technik. Persönlich überzeugen ausgeprägte Feinmotorik, ein gutes Gehör und Sinn für Klangunterschiede. Geduld und Sorgfalt bei millimetergenauen Arbeiten sind ebenso entscheidend wie räumliches Vorstellungsvermögen. Eigene musikalische Erfahrung – idealerweise auf einem Blasinstrument – ist kein Muss, aber ein klarer Vorteil.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Holzbearbeitung vermittelt: Sägen, Hobeln, Fräsen, Bohren und Drehen an der Drehmaschine, dazu Werkzeugkunde und der Umgang mit Holzarten wie Buchsbaum, Ebenholz und Grenadill. Grundkenntnisse in Metallbearbeitung (Feilen, Löten, Biegen) werden ebenfalls gelegt. Im zweiten Lehrjahr erfolgt die Vertiefung in Klappenherstellung und -montage, Polsterbau, Kork- und Lederarbeiten sowie erste akustische Grundlagen der Klangerzeugung. Im dritten Lehrjahr wird die Spezialisierung auf bestimmte Instrumentengruppen vertieft, komplexe Reparaturen werden eigenständig durchgeführt und Neubauarbeiten an kompletten Instrumenten umgesetzt. Im Vergleich zum Blechblasinstrumentenmacher liegt der Schwerpunkt auf Holzbearbeitung und präziser Klappenmechanik statt auf Blechumformung und Löttechniken.

Instrumententechnologie und WerkstoffkundeFachzeichnen und technische DokumentationFachrechnen und KalkulationAkustik und MusikinstrumentenkundeWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Lehrjahres (ca. 18. Monat) statt. Sie umfasst einen praktischen Teil (circa 240 Minuten), in dem eine vorgegebene Werkstückaufgabe aus Holz- und Metallbearbeitung gelöst wird, sowie einen schriftlichen Teil mit Fragen zu Technologie, Werkstoffkunde und Fachrechnen (120 Minuten). Die Abschlussprüfung gliedert sich in Teil 2 und findet am Ende des dritten Lehrjahres statt. Der praktische Prüfungsteil umfasst eine Arbeitsaufgabe (Reparatur oder Teilneubau eines Holzblasinstruments, ca. 480 Minuten) und wird mit einem Fachgespräch von 15–20 Minuten abgeschlossen. Gewichtung: Praktische Arbeitsaufgabe 60 %, schriftliche Prüfungsbereiche Technologie/Werkstoffkunde/Fachrechnen jeweils ca. 13 %, Wirtschafts- und Sozialkunde 14 %. Zum Bestehen müssen in der Gesamtbewertung mindestens 50 Punkte (von 100) erreicht werden, kein Prüfungsbereich darf mit unter 30 Punkten abschließen.

Prüfungsthemen

  • Holzbearbeitung und Holzwerkstoffe (Arten, Eigenschaften, Trocknung)
  • Metallbearbeitung und Klappenkonstruktion (Löten, Biegen, Montage)
  • Akustische Grundlagen der Klangerzeugung bei Holzblasinstrumenten
  • Reparatur und Instandsetzung (Polsterwechsel, Korkarbeiten, Klappenregulierung)
  • Oberflächen- und Lackiertechniken für Holzinstrumente
  • Werkzeug- und Maschinenkunde (Drehbank, Fräsmaschine, Bohrmaschine)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde sowie Betriebskunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bietet sich die Weiterbildung zum Staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Holztechnik oder zum Industriemeister an. Der Meistertitel Holzblasinstrumentenmacher nach HwO ermöglicht die Führung eines eigenen Betriebs und Ausbildungsberechtigung. Musikalisch interessierte Fachkräfte spezialisieren sich auf akustische Instrumentenentwicklung oder Restaurierung historischer Instrumente. Passende Studiengänge sind Musikinstrumentenbau (z. B. Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin), Holztechnik oder Produktdesign. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, Qualitätsprüfer oder Restaurierungsspezialist erreichbar. Das Bruttomonatsgehalt steigt mit Berufserfahrung von ca. 2.200 EUR auf 2.800–3.200 EUR, mit Meisterabschluss auf über 3.500 EUR.

Bewerbungstipps

Bewerben sollte man sich spätestens 12 Monate vor Ausbildungsbeginn, da bundesweit nur sehr wenige Ausbildungsplätze verfügbar sind. In die Bewerbungsmappe gehören ein individuell auf den Betrieb zugeschnittenes Anschreiben, Lebenslauf, Schulzeugnisse und – falls vorhanden – Nachweise über handwerkliche Hobbys oder musikalische Aktivitäten. Im Vorstellungsgespräch fragen Ausbilder gezielt nach Kenntnissen über Holzblasinstrumente, Interesse an Klangerzeugung und handwerklicher Erfahrung. Ein mitgebrachtes selbst gefertigtes Werkstück aus Holz oder Metall hinterlässt starken Eindruck. Eignungstests prüfen oft feinmotorische Geschicklichkeit und räumliches Denken. Besuche einer Berufsmesse für Musikinstrumentenberufe (z. B. Musikmesse Frankfurt) oder ein Praktikum in einer Werkstatt sind beim Einstieg klar empfehlenswert.

Ratgeber

Der Holzblasinstrumentenmacher ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Musikinstrumentenbau. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 340 und 620 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.100 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen im Beruf Holzblasinstrumentenmacher?
Ja, im Beruf Holzblasinstrumentenmacher gibt es Fachrichtungen, die sich an bestimmten Instrumentengruppen orientieren, zum Beispiel Blockflöten, Querflöten, Klarinetten oder Oboen bzw. Fagotte. Die Spezialisierung richtet sich meist nach dem Schwerpunkt des Ausbildungsbetriebs. Dadurch erwerben Auszubildende vertiefte Kenntnisse in der Herstellung und Reparatur der jeweiligen Instrumentenfamilie.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Holzblasinstrumentenmacher benötigt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis bevorzugen viele Betriebe jedoch Bewerber mit einem Realschulabschluss. Auch mit einem Hauptschulabschluss sind Chancen auf einen Ausbildungsplatz vorhanden, wenn handwerkliches Geschick und musikalisches Interesse nachgewiesen werden. Grundkenntnisse in Mathematik, Werken und Physik sind von Vorteil.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Holzblasinstrumentenmacher?
Holzblasinstrumentenmacher finden Beschäftigung in spezialisierten Musikinstrumentenbau-Werkstätten sowie bei Herstellern von Holz- und Metallblasinstrumenten. Weitere Einsatzbereiche sind Musikfachhändler mit Reparaturservice sowie freie Instrumentenwerkstätten. Deutschland verfügt über traditionelle Zentren des Instrumentenbaus, etwa Markneukirchen und Mittenwald, wo ein Großteil der Betriebe ansässig ist.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung kann man sich zum Musikinstrumentenbauer-Meister weiterbilden, was unter anderem zur selbstständigen Betriebsführung und zur Ausbildung von Lehrlingen berechtigt. Über den Meistertitel oder einschlägige Berufserfahrung ist auch ein Studium, etwa in Musikinstrumentenbau oder Holztechnik, an entsprechenden Hochschulen möglich. Zusätzlich bieten sich Fortbildungen in Restaurierung historischer Instrumente oder in betriebswirtschaftlichen Bereichen an.

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