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Hörakustiker

Hörakustiker passen Hörgeräte und andere Hörhilfsmittel individuell an Menschen mit Hörverlust an. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit medizinischem Fachwissen und intensiver Kundenberatung. Er eignet sich besonders für Menschen mit Interesse an Technik, Audiologie und empathischer Kommunikation mit älteren oder schwerhörigen Menschen.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

620–900 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2400 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Hörakustiker?

Der Arbeitsalltag findet überwiegend im Fachgeschäft statt, das gleichzeitig Beratungsraum, Messraum und kleine Werkstatt ist. Morgens werden zunächst Kundentermine vorbereitet: Kundendaten im Praxisverwaltungsprogramm (z. B. AudioFit, Otosuite) aktualisieren und Hörgeräteanpassungen planen. Dann folgen Hörmessungen, sogenannte Audiometrien, bei denen mit einem Audiometer Ton- und Sprachaudiogramme erstellt werden, um den individuellen Hörverlust exakt zu dokumentieren. Auf Basis dieser Messwerte werden digitale Hörgeräte (z. B. von Phonak, Signia oder Oticon) mithilfe der Herstellersoftware programmiert und feinabgestimmt. Nachmittags stehen häufig Otoplastik-Anfertigungen auf dem Programm: Ohrabdrücke mit Silikonfüllmasse nehmen, ins Labor schicken oder selbst fräsen, Gehörschutzschalen anpassen. Außerdem werden Reparaturen an Hörgeräten durchgeführt – Reinigung, Austausch von Schläuchen, Mikrofonen oder Lautsprechern unter dem Stereomikroskop. Die enge Zusammenarbeit mit HNO-Ärzten, Krankenkassen und Hörgeräteherstellern gehört zum Alltag.

Wo arbeitest du?

Hörakustiker arbeiten fast ausschließlich in Fachbetrieben des Hörakustiker-Handwerks: Filialisten wie Fielmann, Amplifon, Kind Hörgeräte oder Apollo Optik mit Hörbereich sowie inhabergeführte Meisterbetriebe. Daneben bieten Hörgerätehersteller (Phonak, Signia, Oticon) Jobs im technischen Außendienst. In Deutschland gibt es über 6.000 Hörakustikbetriebe. Der Fachkräftemangel ist erheblich, da die alternde Bevölkerung den Bedarf stetig steigert.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschule), da die Ausbildung hohe Anforderungen in Physik, Mathematik und Biologie stellt. Wichtige Schulfächer sind Physik (Schallwellen, Dezibel-Berechnung), Biologie (Anatomie des Ohres) und Deutsch (Beratungsgespräche). Persönlich überzeugen Bewerber mit Fingerfertigkeit und Präzision für die handwerklichen Tätigkeiten, Einfühlungsvermögen für die Arbeit mit oft älteren oder verunsicherten Kunden, technischem Interesse für Hörgerätetechnologie sowie Geduld und Kommunikationsstärke. Farben- und Klangsinn sind ebenfalls von Vorteil.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im 1. Lehrjahr stehen Grundlagen der Anatomie und Physiologie des Ohres, Schallphysik sowie erste audiometrische Messmethoden (Tonaudiometrie, Sprachaudiometrie) im Vordergrund. Außerdem werden handwerkliche Grundfertigkeiten wie das Nehmen von Ohrabdrücken, das Anfertigen einfacher Otoplastiken und die Gerätepflege erlernt. Im 2. Lehrjahr werden Hörgeräteprogrammierung, Pädaudiologie (Höranpassung bei Kindern) sowie Tinnitus-Versorgung vertieft. Betriebswirtschaftliche Inhalte wie Abrechnung mit Krankenkassen und Beratungstechniken kommen hinzu. Im 3. Lehrjahr folgen Spezialisierungen: implantierbare Systeme (z. B. Cochlea-Implantate), komplexe Fehlhörigkeit, Praxismanagement und vertiefende Kundenberatung. Im Vergleich zur Ausbildung zum Hörgeräteakustiker-Meister liegt der Fokus der Ausbildung auf dem breiten praktischen Handwerk, während der Meisterbrief die eigenständige Betriebsführung erlaubt.

Audiologie und HörakustikHörgerätetechnik und OtoplastikAnatomie und PhysiologieBetriebswirtschaft und RechnungswesenWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Gesellenprüfung gliedert sich in zwei Teile gemäß der Ausbildungsordnung. Teil 1 (Zwischenprüfung) findet zu Beginn des 3. Ausbildungsjahres statt und umfasst eine praktische Arbeitsprobe (ca. 240 Minuten): Hörmessung, Auswertung eines Audiogramms und Anfertigung einer einfachen Otoplastik. Dazu kommen schriftliche Aufgaben in den Bereichen Akustik und Anatomie. Teil 2 (Gesellenprüfung) wird am Ende der Ausbildung vor der Handwerkskammer (HwO) abgelegt. Er besteht aus: einem praktischen Meisterstück/Gesellenstück (Hörgeräteanpassung inklusive Audiometrie und Otoplastik, ca. 6 Stunden, Gewichtung 50 %), einem schriftlichen Prüfungsteil mit den Bereichen Audiolologie/Technik (90 Minuten, 25 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 15 %) sowie einem Fachgespräch (15–20 Minuten, 10 %). Zum Bestehen müssen in jedem Prüfungsbereich mindestens 30 Punkte (von 100) erreicht werden, im Gesamtergebnis mindestens 50 Punkte.

Prüfungsthemen

  • Tonaudiometrie und Sprachaudiometrie
  • Anatomie und Physiologie des Gehörs
  • Hörgeräteprogrammierung und -anpassung
  • Otoplastik-Anfertigung und Werkstofftechnik
  • Schall- und Akustikphysik
  • Abrechnung mit Krankenkassen und Kostenträgern
  • Tinnitus und besondere Hörstörungen

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Gesellenprüfung ist der direkteste Aufstiegsweg der Meisterbrief zum Hörakustikmeister (HwO), der zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildung berechtigt. Ergänzend bieten Hochschulen den Bachelor of Science Hörakustik/Audiologie an (z. B. Lübeck, Aalen). Mit Meisterbrief oder Studium sind Positionen als Filialleiter, Regionalleiter oder technischer Berater bei Hörgeräteherstellern wie Sonova, WS Audiology oder Demant erreichbar. Ein Fachwirt für Gesundheits- und Sozialdienstleistungen ergänzt die kaufmännische Seite. Nach 5–10 Jahren sind Gehälter von 3.200–4.500 EUR brutto monatlich als Meister oder Filialleiter realistisch. Spezialisierungen in der Pädaudiologie oder Tinnitus-Rehabilitation sind besonders gefragt.

Bewerbungstipps

Bewerben sollte man sich 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (August/September), also spätestens im Herbst des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und ggf. Nachweise über Praktika im Gesundheitsbereich. Einige Betriebe und Innungen nutzen den IHK-Einstellungstest oder eigene Tests zu Physik-Grundlagen und räumlichem Vorstellungsvermögen. Im Vorstellungsgespräch werden häufig praktische Aufgaben gestellt (z. B. Fingerfertigkeit testen). Ausbilder legen besonders Wert auf nachgewiesenes Interesse: Ein Praktikum in einem Hörakustikbetrieb ist ein sehr starkes Argument. Klangsensibilität lässt sich z. B. durch Musikunterricht belegen. Offenheit im Umgang mit älteren Menschen und ein gepflegtes Äußeres sind ebenfalls entscheidend.

Ratgeber

Der Hörakustiker ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.400 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen im Beruf Hörakustiker?
Im Beruf Hörakustiker gibt es keine formalen Fachrichtungen, jedoch können sich Fachkräfte nach der Ausbildung auf Bereiche wie Kinderakustik, audiologische Diagnostik oder die Versorgung mit Cochlea-Implantaten spezialisieren. Zusatzqualifikationen im Bereich Tinnitusberatung oder Hörtherapie sind ebenfalls möglich.
Welchen Schulabschluss brauche ich für die Ausbildung zum Hörakustiker?
Gesetzlich vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss, in der Praxis stellen die meisten Ausbildungsbetriebe jedoch Bewerber mit mittlerem Schulabschluss (Realschule) ein. Abitur oder Fachhochschulreife kann die Bewerbungschancen verbessern, ist aber keine Voraussetzung. Auch Hauptschulabsolventen mit guten Leistungen haben Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen arbeiten Hörakustiker?
Hörakustiker arbeiten überwiegend in Fachgeschäften des Hörakustik-Handwerks, also bei spezialisierten Hörakustikbetrieben wie Fielmann, Kind, Geers oder regionalen Fachbetrieben. Daneben bieten sich Tätigkeitsfelder in audiologischen Praxen, bei Hörgerätherstellern sowie in Reha-Einrichtungen und Kliniken mit Audiologieabteilungen.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung kann die Meisterprüfung zum Hörakustikermeister abgelegt werden, die zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildung von Lehrlingen berechtigt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein Studium der Hörakustik oder Audiologie an einer Fachhochschule aufzunehmen, beispielsweise an der Fachhochschule Lübeck. Mit Meisterabschluss ist auch der Zugang zu bestimmten Bachelor-Studiengängen möglich.

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