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Industrietechnologe

Der Industrietechnologe ist ein anspruchsvoller Ausbildungsberuf an der Schnittstelle von Fertigungstechnik, Digitalisierung und Prozessoptimierung. Fachkräfte planen, steuern und überwachen industrielle Produktionsprozesse mithilfe moderner IT-Systeme und Automatisierungstechnik. Die Ausbildung eignet sich für technisch und analytisch denkende Personen, die sowohl handwerkliches Verständnis als auch digitale Kompetenz mitbringen und in zukunftssicheren Industriebranchen arbeiten möchten.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

750–1100 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2800 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Industrietechnologe?

Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Überprüfung laufender Produktionsanlagen über SCADA-Systeme (z. B. Siemens SIMATIC WinCC oder Wonderware) sowie der Auswertung von Schichtberichten aus dem MES (Manufacturing Execution System). Störungsmeldungen werden analysiert, Fehlerprotokolle aus SPS-Steuerungen (z. B. Siemens S7-1500) ausgelesen und erste Maßnahmen zur Prozessstabilisierung eingeleitet. Nachmittags werden Fertigungsparameter angepasst, Qualitätsdaten aus CAQ-Software (z. B. Babtec oder SAP QM) ausgewertet und Verbesserungsmaßnahmen im Lean-Management dokumentiert. Typische Aufgaben umfassen die Programmierung einfacher SPS-Bausteine in Step 7 oder TIA Portal sowie die Erstellung von Arbeitsanweisungen und Prozessdokumentationen in SAP PP. Industrietechnologen arbeiten eng mit Produktionsplanern, Qualitätsingenieuren und Instandhaltern zusammen. Gearbeitet wird in Produktionshallen, Leitwarten und Büros von Industriebetrieben, teilweise im Schichtdienst.

Wo arbeitest du?

Industrietechnologen finden Stellen vor allem in der Automobil- und Zulieferindustrie (BMW, Bosch, Continental), der Chemie- und Pharmaindustrie (BASF, Bayer), der Elektronikindustrie (Siemens, Bosch Rexroth) sowie im Maschinen- und Anlagenbau. Überwiegend sind es mittlere bis große Industrieunternehmen. Durch die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung besteht ein wachsender Fachkräftebedarf, insbesondere für Industrie-4.0-Kompetenzen.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da die Ausbildungsinhalte ein gutes Verständnis für Mathematik, Physik und Informatik voraussetzen. Abitur ist bei großen Industrieunternehmen häufig erwünscht. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Trigonometrie, Statistik), Physik, Chemie und Informatik. Persönlich punkten Bewerber mit ausgeprägtem technischen Verständnis, analytischer Denkweise, Sorgfalt bei der Fehlersuche, Teamfähigkeit sowie Interesse an digitalen Systemen und kontinuierlicher Prozessverbesserung.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Fertigungstechnik, Werkstoffe (Metalle, Kunststoffe, Verbundwerkstoffe), Messtechnik mit Messschiebern, Bügelmessschrauben und koordinatengestützten Messgeräten sowie Grundlagen der Elektrotechnik und Steuerungstechnik vermittelt. Auch erste Einblicke in ERP-Systeme wie SAP werden gegeben. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Programmierung von SPS-Steuerungen, Robotertechnik (z. B. KUKA- oder Fanuc-Systeme), industrielle Netzwerktechnik (Profibus, Profinet, OPC-UA) sowie Methoden der Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 9001. Lean-Production-Methoden wie Kaizen, 5S und FMEA werden praxisnah angewendet. Im Vergleich zum Mechatroniker liegt der Schwerpunkt stärker auf digitaler Prozesssteuerung und Industrie-4.0-Technologien als auf mechanischer Montagearbeit.

Fertigungstechnik und AutomatisierungSteuerungs- und RegelungstechnikQualitätsmanagement und ProduktionssystemeInformationstechnik und digitale ProduktionWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung des Industrietechnologen findet als gestreckte Abschlussprüfung statt. Teil 1 wird gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. Monat 18) abgehalten und umfasst eine praktische Arbeitsaufgabe von 240 Minuten sowie einen schriftlichen Prüfungsteil von 90 Minuten zu fertigungstechnischen Grundlagen. Teil 1 geht mit 30 % in die Gesamtbewertung ein. Teil 2 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt und gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: - Prozessintegration (schriftlich, 150 Minuten): Gewichtung 30 % - Produktionssteuerung und Qualitätssicherung (schriftlich, 120 Minuten): Gewichtung 20 % - Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten): Gewichtung 10 % - Fachgespräch zur betrieblichen Projektarbeit (mündlich, 30 Minuten): Gewichtung 10 % Zum Bestehen müssen im Gesamtergebnis sowie in Teil 2 mindestens 50 Punkte (ausreichend) erreicht werden. In keinem schriftlichen Prüfungsbereich darf das Ergebnis unter 30 Punkten liegen, sofern nicht durch mündliche Ergänzungsprüfung ausgeglichen.

Prüfungsthemen

  • SPS-Programmierung und Automatisierungstechnik (TIA Portal, Step 7)
  • Fertigungs- und Produktionstechnik (CNC, Robotik)
  • Qualitätssicherung und CAQ-Systeme (DIN EN ISO 9001, FMEA)
  • Industrielle Netzwerktechnik (Profibus, Profinet, OPC-UA)
  • Produktionsplanung und -steuerung (MES, SAP PP)
  • Lean Production und Prozessoptimierung (Kaizen, 5S)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung stehen vielfältige Weiterbildungswege offen: Der Industriemeister Fachrichtung Metall oder Elektrotechnik (IHK) qualifiziert für Teamleiter- und Meisterpositionen. Der staatlich geprüfte Techniker in Fachrichtung Maschinentechnik oder Automatisierungstechnik ermöglicht den Aufstieg zum Prozess- oder Projektingenieur. Alternativ bieten sich berufsbegleitende Bachelor-Studiengänge wie B.Eng. Produktionstechnik oder B.Sc. Wirtschaftsingenieurwesen an. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Produktionsleiter, Lean-Manager, Automatisierungsingenieur oder Manufacturing-IT-Spezialist realistisch. Gehaltlich entwickelt sich das Bruttoeinkommen von ca. 2.800 EUR bei Berufseinstieg auf 4.500–6.500 EUR in Führungspositionen.

Bewerbungstipps

Die Bewerbung sollte 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (also ab September des Vorjahres) eingereicht werden, da große Konzerne früh auswählen. Die Bewerbungsmappe sollte ein individuelles Anschreiben mit Bezug auf konkrete Technikinteressen, einen tabellarischen Lebenslauf sowie Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsbelege enthalten. Im Vorstellungsgespräch werden oft technische Grundfragen gestellt (z. B. zu einfachen Schaltkreisen oder Werkstoffen). Viele Industrieunternehmen fordern einen schriftlichen Einstellungstest mit Mathematik-, Logik- und technischen Aufgaben. Überzeugen lässt sich durch Kenntnisse in Tabellenkalkulation (Excel), erste Programmiererfahrungen (z. B. Python oder Scratch) sowie durch praktische Erfahrungen aus Technik-AGs, Praktika in Industriebetrieben oder dem MINT-Bereich.

Ratgeber

Der Industrietechnologe ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 750 und 1.100 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.800 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es beim Industrietechnologen verschiedene Fachrichtungen oder Spezialisierungen?
Der Ausbildungsberuf Industrietechnologe kann je nach Betrieb und Ausbildungsordnung unterschiedliche Schwerpunkte umfassen, etwa in den Bereichen Fertigungstechnik, Prozesstechnik oder Qualitätsmanagement. Die genauen Spezialisierungen richten sich nach dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb und den dort eingesetzten Technologien.
Welchen Schulabschluss brauche ich für die Ausbildung zum Industrietechnologen?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis bevorzugen die meisten Betriebe jedoch Bewerber mit einem mittleren Schulabschluss (Realschulabschluss). Auch Hauptschüler mit guten Noten in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern haben grundsätzlich Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann ich als Industrietechnologe arbeiten?
Industrietechnologen finden Beschäftigung vor allem in der verarbeitenden Industrie, etwa in der Metall-, Elektro-, Chemie- und Kunststoffbranche sowie im Maschinenbau. Typische Arbeitgeber sind Produktionsunternehmen, Automobilzulieferer und Fertigungsbetriebe unterschiedlicher Größe.
Welche Weiterbildungs- oder Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Industrietechnologen eine Weiterbildung zum Techniker oder Meister absolvieren, um Führungs- und Fachverantwortung zu übernehmen. Mit entsprechender Hochschulzugangsberechtigung ist auch ein Studium in technischen Fächern wie Maschinenbau, Produktionstechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen möglich.

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