🧭AG
Alle BerufeBerufs-CheckRatgeber★ Merkliste
← Alle Berufe
Wirtschaft und VerwaltungBBiG

Kaufmann für Versicherungen und Finanzen

Kaufleute für Versicherungen und Finanzen beraten Privat- und Geschäftskunden zu Versicherungsprodukten, Vorsorgelösungen und Finanzdienstleistungen. Sie analysieren den Absicherungsbedarf, erstellen Angebote und wickeln Versicherungsverträge sowie Schadenfälle ab. Der Beruf eignet sich für kommunikationsstarke Menschen mit Interesse an Wirtschaft, Mathematik und rechtlichen Zusammenhängen, die gerne beratend tätig sind.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

620–1050 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2600 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen?

Morgens beginnt der Arbeitstag häufig mit der Bearbeitung von eingehenden Kundenanfragen per E-Mail oder Telefon sowie der Pflege des Bestands im CRM-System (z. B. Salesforce oder branchenspezifische Software wie EASY oder TIA). Schadensmeldungen werden erfasst, geprüft und an Regulierungsabteilungen weitergeleitet. Am Vormittag stehen oft Kundentermine an, bei denen Versicherungsangebote – etwa für Kfz-Haftpflicht, Berufsunfähigkeit, Lebens- oder Krankenversicherung – präsentiert und erläutert werden. Dazu nutzt man Angebotsrechner-Software der jeweiligen Versicherungsgesellschaft. Nachmittags werden Vertragsänderungen bearbeitet, Risikoprüfungen durchgeführt und Policen ausgestellt. Außerdem gehört die Mitarbeit bei der Schadenregulierung dazu: Belege prüfen, Gutachten anfordern, Auszahlungen veranlassen. Man arbeitet eng mit Underwritern, Schadensachbearbeitern und externen Maklern zusammen. Beispielaufgaben: Erstellung eines maßgeschneiderten Absicherungskonzepts für ein mittelständisches Unternehmen oder Prüfung und Abwicklung eines Wasserschadens im Hausrat-Versicherungsbereich.

Wo arbeitest du?

Kaufleute für Versicherungen und Finanzen arbeiten bei großen Versicherungskonzernen wie Allianz, ERGO, AXA, Zurich oder HUK-COBURG, bei regionalen Versicherungsunternehmen sowie bei unabhängigen Versicherungsmaklern und -agenturen. Auch Sparkassen und Volksbanken mit angebundenen Versicherungstöchtern (z. B. SV SparkassenVersicherung, R+V Versicherung) bilden aus. In Deutschland herrscht spürbarer Fachkräftemangel, besonders im Außendienst und der Schadenregulierung.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein guter Realschulabschluss, da die Ausbildung umfangreiche rechtliche und mathematische Inhalte beinhaltet. Viele Betriebe, insbesondere größere Versicherungsgesellschaften, bevorzugen Bewerber mit Abitur oder Fachhochschulreife. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Prämienberechnungen, Statistik), Deutsch (schriftliche Kommunikation, Beratungsgespräche) und Wirtschaft/Sozialkunde. Persönliche Stärken wie Kommunikationsfreude, Einfühlungsvermögen, Zuverlässigkeit und analytisches Denken sind entscheidend. Interesse an rechtlichen Rahmenbedingungen und Freude am Umgang mit Menschen runden das Profil ab.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden die Grundlagen des Versicherungswesens vermittelt: Versicherungsprinzipien, rechtliche Grundlagen (VVG, BGB), Vertragsarten sowie kaufmännische Basiskompetenzen wie Buchführung, Kommunikation und Wirtschaftsrechnen. Erste Einblicke in Sparten wie Haftpflicht und Sachversicherung folgen. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende ihre Kenntnisse in den Hauptsparten – Lebens-, Kranken-, Kfz- und Firmenversicherungen. Kundenberatung und Verkaufsgespräche werden intensiv trainiert, ebenso die Schadenbearbeitung und das Risikomanagement. Software-Tools für Angebotserstellung und Bestandsverwaltung werden eingesetzt. Im dritten Lehrjahr erfolgt die Spezialisierung – entweder im Bereich Versicherung oder im Bereich Finanzberatung (Investmentfonds, Bausparverträge, Altersvorsorge). Im Vergleich zu Bankkaufleuten liegt der Fokus stärker auf Risikoabsicherung statt auf Kreditprodukten; gegenüber Finanzanlagenfachleuten umfasst der Beruf ein breiteres Produktspektrum inklusive Schadenbearbeitung.

VersicherungslehreRechnungswesen und ControllingWirtschafts- und SozialkundeFinanzdienstleistungenRecht und Vertragsgestaltung

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung ist in zwei Teile gegliedert. Teil 1 findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. Frühjahr, Mitte des 2. Lehrjahres) statt und beinhaltet einen schriftlichen Prüfungsbereich 'Versicherungsgeschäfte' mit einer Dauer von 90 Minuten; er geht mit 25 % in die Gesamtnote ein. Teil 2 wird am Ende der Ausbildung (Frühjahr oder Herbst des dritten Lehrjahres) abgelegt und besteht aus folgenden Bereichen: - 'Kaufmännische Steuerung und Kontrolle' (schriftlich, 60 Minuten, Gewichtung 10 %) - 'Versicherungsgeschäfte und Finanzdienstleistungen' (schriftlich, 120 Minuten, Gewichtung 25 %) - 'Wirtschafts- und Sozialkunde' (schriftlich, 60 Minuten, Gewichtung 10 %) - 'Fallbezogenes Fachgespräch' (mündlich, max. 30 Minuten, Gewichtung 30 %): Kandidaten bearbeiten eine praxisnahe Kundenberatungs- oder Schadenssituation, die zuvor schriftlich vorbereitet wird (Vorbereitungszeit 15 Minuten). Zum Bestehen müssen in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 möglichen Punkten erreicht werden. Teil 1 und Teil 2 zusammen ergeben die Abschlussnote.

Prüfungsthemen

  • Versicherungsvertragsrecht (VVG, BGB-Grundlagen)
  • Sparten: Kfz-, Haftpflicht-, Sach-, Lebens- und Krankenversicherung
  • Schadenbearbeitung und Schadenregulierung
  • Finanzdienstleistungen und Altersvorsorgeprodukte
  • Kundenberatung und Vertriebsprozesse
  • Kaufmännische Steuerung und Controlling
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung sind folgende Weiterbildungen möglich: Versicherungsfachwirt (IHK, ca. 18–24 Monate berufsbegleitend) als klassischer Aufstiegsweg, Fachwirt für Finanzberatung IHK oder Geprüfter Fachmann/-frau für Versicherungsvermittlung (IHK). Anschließend sind Positionen als Teamleiter Kundenberatung, Abteilungsleiter Schaden oder Vertriebsleiter realistisch. Für ein Studium eignen sich die Fachrichtungen BWL mit Schwerpunkt Versicherungs- oder Finanzmanagement, z. B. an der Dualen Hochschule oder über die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR). Der akademische Titel Bachelor of Arts (Insurance Management) öffnet Türen zu Positionen im Underwriting, Produktmanagement oder Aktuariat. Nach 5–10 Jahren sind Gehälter von 45.000–65.000 EUR brutto jährlich realistisch.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn eingereicht werden, da viele große Versicherungsgesellschaften früh planen – also ab Herbst des Vorjahres für einen Ausbildungsstart im September. Die Bewerbungsmappe sollte ein strukturiertes Anschreiben mit Bezug auf ein konkretes Versicherungsprodukt oder Erfahrungen (z. B. Beratungsgespräch in einer Bankfiliale) enthalten, dazu tabellarischer Lebenslauf und aktuelle Zeugnisse. Viele Unternehmen führen einen IHK-Einstellungstest oder eigene Eignungstests durch, die Textverständnis, Rechenaufgaben und logisches Denken prüfen. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Rollenspiele (Kundengespräch simulieren) eingesetzt. Ausbilder überzeugt, wer bereits Grundkenntnisse über Versicherungsarten mitbringt, souverän kommuniziert und echtes Interesse an der Kundenberatung zeigt.

Ratgeber

Der Kaufmann für Versicherungen und Finanzen ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 1.050 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Welche Fachrichtungen gibt es beim Kaufmann für Versicherungen und Finanzen?
Die Ausbildung gliedert sich in zwei Fachrichtungen: 'Versicherung' und 'Finanzberatung'. In der Fachrichtung Versicherung liegt der Schwerpunkt auf Versicherungsprodukten und Schadenbearbeitung, während in der Fachrichtung Finanzberatung Themen wie Geldanlage, Altersvorsorge und Finanzplanung im Vordergrund stehen. Die Wahl der Fachrichtung wird gemeinsam mit dem Ausbildungsbetrieb festgelegt.
Welchen Schulabschluss braucht man für diese Ausbildung?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, jedoch bevorzugen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit mittlerem Schulabschluss (Realschule) oder Abitur. Aufgrund der komplexen rechtlichen und finanzmathematischen Inhalte ist ein solides Fundament in Mathematik und Deutsch von Vorteil. Auch Hauptschulabsolventen mit sehr guten Noten haben grundsätzlich Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen arbeiten?
Typische Arbeitgeber sind Versicherungsgesellschaften, Versicherungsmakler, Banken mit Versicherungsvertrieb sowie unabhängige Finanzdienstleister. Auch Sparkassen, Bausparkassen und größere Unternehmensberatungen beschäftigen Absolventen dieses Berufs. Einsatzgebiete finden sich in der Kundenberatung, im Innendienst, in der Schadenregulierung oder im Produktmanagement.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung stehen zahlreiche Weiterbildungswege offen, etwa zum Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) oder zum Versicherungsfachwirt. Mit Fachhochschulreife oder Abitur ist ein Studium in Betriebswirtschaftslehre, Finanzwirtschaft oder Versicherungswesen möglich. Einige Hochschulen bieten auch duale oder berufsbegleitende Studiengänge an, die sich direkt an die Ausbildung anschließen lassen.

Ähnliche Berufe in Wirtschaft und Verwaltung

Automatenfachmann

Der Automatenfachmann (bzw. die Automatenfachfrau) ist spezialisiert auf die Bewirtschaftung, Wartung und kaufmännische Betreuung von Warenautomaten, Unterhaltungsautomaten und Geldspielgeräten. Das Besondere an diesem Beruf ist die einzigartige Kombination aus technischem Verständnis, kaufmännischem Denken und direktem Kundenkontakt. Die Ausbildung dauert 3 Jahre und wird von der IHK begleitet. Geeignet ist der Beruf für Menschen, die selbstständig arbeiten, gerne unterwegs sind und sowohl handwerkliche als auch betriebswirtschaftliche Aufgaben schätzen.

3 Jahre →

Tankwart

Tankwart ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Bereich Mineralölvertrieb und Kraftstoffversorgung. Fachkräfte bedienen Zapfsäulen, führen Kassengeschäfte durch, beraten Kunden zu Kraftstoffen, Schmierstoffen und Autopflegeprodukten und übernehmen einfache Wartungsarbeiten. Der Beruf eignet sich für handlungsfreudige Menschen mit Freude am Kundenkontakt und technischem Grundinteresse, die gerne in wechselnden Schichten arbeiten.

2 Jahre →

Bankkaufmann

Bankkaufleute beraten Privat- und Firmenkunden in allen Finanzfragen – von Girokonten und Krediten über Wertpapiere bis hin zu Versicherungen und Altersvorsorge. Der Beruf verbindet wirtschaftliches Fachwissen mit intensiver Kundenberatung und erfordert ein hohes Maß an Seriosität und Zahlenverständnis. Er eignet sich für kommunikationsstarke Menschen mit Interesse an Finanzmärkten, Wirtschaft und persönlicher Beratungsarbeit.

3 Jahre →

Immobilienkaufmann

Immobilienkaufleute verwalten, vermitteln und vermarkten Wohn- und Gewerbeimmobilien. Sie begleiten Kunden beim Kauf, Verkauf und der Anmietung von Objekten und kümmern sich um alle kaufmännischen und rechtlichen Abläufe rund um Gebäude und Grundstücke. Der Beruf verbindet wirtschaftliches Denken mit Rechtskenntnis und persönlicher Beratungskompetenz – ideal für kommunikationsstarke Menschen mit Interesse an Architektur, Wirtschaft und Recht.

3 Jahre →