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Keramik- und GlasberufeBBiG

Keramiker

Keramiker/-innen formen, glasieren und brennen Erzeugnisse aus keramischen Massen wie Ton, Steinzeug oder Porzellan. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit Kenntnissen über Werkstoffe, Brenntechniken und Oberflächengestaltung. Er eignet sich für Menschen mit Freude an gestalterischer Arbeit, technischem Verständnis und Ausdauer beim Arbeiten mit der Drehscheibe oder in der Serienfertigung.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

500–820 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2100 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Keramiker?

Der Arbeitsalltag findet überwiegend in keramischen Werkstätten, Manufakturen oder Industriebetrieben statt. Morgens bereiten Keramiker/-innen die Arbeitsmasse vor: Ton wird gewogen, gemischt, entlüftet und auf der elektrischen Töpferscheibe oder per Hand geformt. Gipsformen für den Guss (Schlickerguss) werden vorbereitet und Keramikmasse eingeschlämmt. Danach folgt das Kontrollieren und Nacharbeiten von lederharten Formteilen mit Schaber, Schwamm und Schleifvlies. Nachmittags werden Glasuren angemischt – oft aus Feldspat, Quarz, Kaolin und Metalloxiden – und per Tauchen, Spritzen (Druckluftpistole) oder Pinsel aufgetragen. Anschließend werden die Erzeugnisse im Brennofen (Elektro- oder Gasbrennofen) bei Temperaturen zwischen 900 °C und 1400 °C gebrannt. Temperaturkurven werden programmiert und überwacht, Brennprotokolle dokumentiert. Keramiker arbeiten eng mit Formgebern, Koloristen und Qualitätsprüfern zusammen. Eine typische Aufgabe: Serienmäßige Herstellung von Sanitärkeramik durch Druckguss oder Formgebung von Unikaten für den Kunsthandwerk-Markt.

Wo arbeitest du?

Keramiker/-innen finden Beschäftigung in keramischen Manufakturen und Handwerksbetrieben (z. B. Meissener Porzellan, Staatliche Majolika Manufaktur Karlsruhe), in der Sanitärkeramikindustrie (Villeroy & Boch, Duravit, Laufen), in Feuerfest- und Technologiekeramikbetrieben sowie in Fliesenproduzenten. Auch Restaurierungswerkstätten, Museen und freie Kunstwerkstätten beschäftigen Fachkräfte. In der technischen Keramik besteht deutlicher Fachkräftemangel, während das klassische Töpferhandwerk stärker vom Wettbewerb geprägt ist.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss, vorzugsweise Realschulabschluss. Wichtige Schulfächer sind Chemie (Werkstoffe, Glasurchemie), Physik (Brenntechnik, Temperaturen), Mathematik (Mischungsrechnung, Maßtoleranzen) und Kunst (Formgestaltung, Dekor). Persönlich sind handwerkliches Geschick, ein ausgeprägtes Gefühl für Form und Materialien, Geduld und Sorgfalt bei wiederkehrenden Arbeitsgängen sowie Freude an gestalterisch-kreativen Prozessen besonders wichtig. Farbsehvermögen und ein feines Gespür für Oberflächenqualitäten sind ebenfalls von Vorteil.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im 1. Lehrjahr stehen Grundlagen im Vordergrund: Eigenschaften keramischer Rohmaterialien (Ton, Kaolin, Feldspat, Quarz), Aufbereitung und Rezeptierung von Massen, einfache Formgebungsverfahren wie Drehen, Aufbauen und Gießen sowie der Umgang mit Brennöfen und grundlegenden Glasurrezepturen. Im 2. Lehrjahr vertiefen Auszubildende Formgebungstechniken (Druckguss, Strangpressen, Walzmaschine), Brennkurvenplanung und Glasurtechniken wie Salzglasur oder Engoben. Sie lernen außerdem Qualitätskontrolle, Maßtoleranzen und einfache Kalkulation. Im 3. Lehrjahr erfolgt die Spezialisierung je nach Fachrichtung – etwa Kunst- und Baukeramik, Geschirrkeramik oder technische Keramik – mit komplexen Dekor- und Veredelungsverfahren, Arbeitssicherheit, Umweltschutz und betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Im Unterschied zur Töpferei umfasst die Ausbildung stärker industrielle Verfahren und Werkstoffkunde.

Technologie der Keramik (Werkstoffe, Brenntechnik, Glasurkunde)Fachzeichnen und GestaltungMathematik / FachrechnenWirtschafts- und SozialkundeChemie / Werkstoffkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung gliedert sich in zwei Teile gemäß BBiG. Teil 1 (Zwischenprüfung) findet gegen Ende des 2. Lehrjahres statt, meist im Frühjahr. Geprüft werden praktische Fertigkeiten in der Formgebung (ca. 7 Stunden) sowie Kenntnisse in Technologie und Werkstoffkunde schriftlich (60–90 Minuten). Teil 2 (Abschlussprüfung) findet am Ende des 3. Lehrjahres statt. Der praktische Teil umfasst eine komplexe Arbeitsaufgabe – z. B. Entwurf, Formgebung, Glasierung und Brand eines keramischen Erzeugnisses – mit anschließendem Fachgespräch (ca. 15 Minuten); Dauer der praktischen Aufgabe: 14–16 Stunden über mehrere Tage. Die schriftlichen Prüfungsbereiche umfassen: Fertigungstechnik und Werkstoffe (40 %), Gestaltung und Produktplanung (20 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (20 %) sowie die praktische Arbeitsaufgabe mit Fachgespräch (20 %). Mindestens 50 Punkte je Bereich sind erforderlich; kein Bereich darf mit weniger als 30 Punkten abschließen, um zu bestehen.

Prüfungsthemen

  • Keramische Massen und Rohstoffe (Ton, Kaolin, Feldspat, Quarz)
  • Formgebungsverfahren (Drehen, Gießen, Druckguss, Strangpressen)
  • Glasurtechniken und Glasurchemie (Metalloxide, Engoben, Salzglasur)
  • Brenntechnologie und Brennkurvenplanung (Elektro-, Gasbrennofen)
  • Qualitätskontrolle, Maßtoleranzen und Fehleranalyse
  • Gestaltung und Formgebung keramischer Erzeugnisse
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich folgende Weiterbildungswege an: Gestalter/-in im Handwerk (Meisterkurs Keramiker/-in HwO) als Vorstufe zur Selbstständigkeit und Betriebsleitung. Der staatlich geprüfte Techniker (Fachrichtung Keramik oder Glas) ermöglicht den Aufstieg in technische Leitungspositionen. An Fachhochschulen sind Studiengänge wie Keramik-Design (z. B. Hochschule Koblenz / Höhr-Grenzhausen), Werkstoffwissenschaften oder Produktdesign möglich. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Werkstattleiter, Produktionsfachleiter oder selbstständiger Betriebsinhaber realistisch. Spezialisierungen existieren in Sanitärkeramik, technischer Keramik (Hochleistungskeramik, Feuerfestkeramik), Restaurierung historischer Keramik oder Kunstkeramik.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist 1. September) eingereicht werden, da viele kleine Betriebe früh planen. Die Bewerbungsmappe enthält: tabellarischer Lebenslauf, Anschreiben mit Bezug auf eigene Ton- oder Kunsterfahrung, aktuelle Schulzeugnisse und ggf. Fotos eigener gestalterischer Arbeiten (Portfolio). Im Vorstellungsgespräch fragen Ausbilder nach praktischen Vorerfahrungen, Interesse an Materialien und Gestaltung sowie handwerklicher Vorerfahrung. Einige Betriebe und IHK-Ausbildungsstätten führen Einstellungstests durch (handwerkliche Geschicklichkeit, Farberkennung, technisches Grundverständnis). Wer ein Praktikum in einer Töpferei oder Manufaktur vorweisen kann, hat deutliche Vorteile. Eigeninitiative – z. B. Besuch von Keramikmessen oder Teilnahme an Workshops – überzeugt Ausbilder besonders.

Ratgeber

Der Keramiker ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 500 und 820 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.100 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Welche Fachrichtungen gibt es in der Keramiker-Ausbildung?
Die Ausbildung zum Keramiker kann in verschiedenen Fachrichtungen absolviert werden, darunter Baukeramik, Geschirrkeramik, Kunst- und Zierkeramik sowie technische Keramik. Je nach Betrieb liegt der Schwerpunkt auf handwerklicher Formgebung oder industrieller Fertigung. Die Spezialisierung richtet sich meist nach dem Tätigkeitsfeld des Ausbildungsbetriebs.
Welcher Schulabschluss wird für die Keramiker-Ausbildung benötigt?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis bevorzugen viele Betriebe jedoch Bewerber mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss. Handwerkliches Geschick und Interesse an gestalterischen Tätigkeiten sind wichtiger als ein hohes Bildungsniveau. Auch Bewerber mit Abitur finden sich in diesem Beruf, besonders wenn sie eine künstlerische Laufbahn anstreben.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Keramiker arbeiten?
Keramiker arbeiten in handwerklichen Töpfereien, keramischen Manufakturen sowie in der industriellen Keramikproduktion. Mögliche Arbeitgeber sind Hersteller von Fliesen, Sanitärkeramik, technischer Keramik oder Gebrauchsgeschirr. Auch Museen, Restaurierungswerkstätten und Kunsthandwerksbetriebe beschäftigen ausgebildete Keramiker.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Keramiker-Ausbildung?
Nach der Ausbildung kann man sich zum Keramikermeister weiterqualifizieren, was auch die Möglichkeit eröffnet, einen eigenen Betrieb zu führen. Mit der Meisterprüfung ist zudem der Zugang zu einem Hochschulstudium möglich, beispielsweise in den Bereichen Keramikdesign oder Kunsthandwerk. Ergänzend bieten Fachschulen und Akademien Fortbildungen in Glasurtechnik, Brennverfahren oder Keramikdesign an.

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