Landwirtschaftlich-technische Laboranten analysieren Böden, Pflanzen, Futtermittel, Wasser und landwirtschaftliche Erzeugnisse mit chemischen, biologischen und physikalischen Methoden. Der Beruf verbindet Laborarbeit mit agrarbezogenen Fragestellungen wie Nährstoffversorgung, Schädlingsbefall oder Lebensmittelqualität. Er eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen mit Freude an präzisem, methodischem Arbeiten und einem Interesse an Landwirtschaft, Umwelt und Ernährung.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
560–850 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitstag beginnt meist mit der Probenannahme und -vorbereitung: Bodenproben werden getrocknet, gesiebt und aufgeschlossen, Pflanzenproben homogenisiert oder Futtermittelproben vermahlen. Anschließend erfolgen chemische Analysen am Spektralphotometer, ICP-OES (Massenspektrometrie für Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium) oder mittels Kjeldahl-Aufschluss zur Rohproteinbestimmung. Nachmittags werden Messdaten dokumentiert, in Laborinformationsmanagementsystemen (LIMS) wie z. B. LabWare oder SAP-Modulen erfasst und Prüfberichte erstellt. Weitere Aufgaben umfassen die Bestimmung des pH-Werts und der elektrischen Leitfähigkeit von Böden, mikroskopische Untersuchungen auf Schädlinge oder Pilzsporen sowie die Qualitätssicherung von Getreidepartien mittels Fallzahlmessung und Sedimentationstest. Man arbeitet eng mit Agraringenieuren, Pflanzenbauberatern und Qualitätsmanagern zusammen. Die Arbeit findet überwiegend im Labor statt, gelegentlich auch bei der Probenahme im Feld.
Landwirtschaftlich-technische Laboranten arbeiten in Untersuchungsämtern der Länder (z. B. Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalten LUFA), bei Agrarhandels- und Düngemittelunternehmen (z. B. K+S, Yara), in der Lebensmittelindustrie, bei Brauereien und Mühlen sowie bei privaten Prüflaboren (z. B. SGS, Eurofins). Auch Forschungsinstitute wie das Julius Kühn-Institut oder Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung beschäftigen diese Fachkräfte. Es besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, da der Beruf wenig bekannt ist.
Empfohlen wird ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da die Ausbildung solide Grundkenntnisse in Chemie, Biologie und Mathematik voraussetzt. Abitur ist nicht zwingend erforderlich, erhöht jedoch die Chancen auf eine anschließende Weiterbildung oder ein Studium. Wichtige Schulfächer sind Chemie, Biologie, Mathematik und Physik. Persönlich sollten Bewerber Freude an präzisem, sorgfältigem Arbeiten mitbringen, ein gutes Konzentrationsvermögen und analytisches Denkvermögen besitzen sowie Interesse an Natur, Landwirtschaft und Umwelt haben. Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit sind im Laboralltag essenziell.
Im ersten Lehrjahr werden naturwissenschaftliche Grundlagen vermittelt: Chemie (Säure-Base-Reaktionen, Titration, Gravimetrie), Mikrobiologie (Zellaufbau, Keimzahlbestimmung), Physik (Dichte, Viskosität) sowie der sichere Umgang mit Laborgeräten wie Analysenwaage, Zentrifuge und Pipetten. Arbeitssicherheit nach GHS und das Führen von Laborbüchern sind zentrale Inhalte. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende agrarbezogene Analysenverfahren: Bodenuntersuchungen (Nährstoffgehalte, Humusgehalt), Pflanzenanalytik, Futtermitteluntersuchungen nach VDLUFA-Methodenbuch, Wasseranalytik sowie statistische Auswertung von Messergebnissen. Qualitätsmanagement (ISO 17025) und die Validierung von Analysenmethoden kommen hinzu. Im Vergleich zur Ausbildung zum Chemielaboranten liegt der Fokus klar auf agrar- und umweltrelevanten Matrices statt auf Industriechemikalien.
Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres (ca. Herbst/Winter) statt und prüft schriftlich in den Bereichen Labortechnik, naturwissenschaftliche Grundlagen und Wirtschafts- und Sozialkunde (insgesamt ca. 120 Minuten). Die Abschlussprüfung (Teil 2) wird am Ende des dritten Lehrjahres abgelegt und besteht aus vier Prüfungsbereichen: 1. Praktische Arbeitsaufgabe (ca. 7 Stunden): Durchführung einer vollständigen Analyse inklusive Dokumentation und Prüfbericht – Gewichtung 40 %. 2. Analyseverfahren und Laborpraxis (schriftlich, 120 Minuten) – Gewichtung 20 %. 3. Landwirtschaftliche Produktion und Qualitätssicherung (schriftlich, 90 Minuten) – Gewichtung 20 %. 4. Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten) – Gewichtung 20 %. Die Gesamtprüfung gilt als bestanden, wenn in mindestens drei der vier Bereiche mindestens 50 Punkte (von 100) erreicht werden und die praktische Arbeitsaufgabe mindestens mit 50 Punkten bewertet wird. Ein ergänzendes Fachgespräch zur Arbeitsaufgabe ist möglich.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bieten sich folgende Weiterbildungswege an: staatlich geprüfter Techniker in Agrarwirtschaft oder Umweltschutztechnik (2 Jahre Vollzeit/Teilzeit), Industriemeister Chemie (IHK) oder der Bachelor of Science in Agrarwissenschaften, Ernährungswissenschaften oder Umweltanalytik an Fachhochschulen. Mit Berufserfahrung sind Positionen als Laborleiter, Qualitätsmanagementbeauftragter (nach ISO 17025), Fachgutachter für Bodenanalytik oder Teamleiter in Prüflaboren erreichbar. Das Gehalt steigt von ca. 2.200 EUR brutto bei Berufseinstieg auf 3.000–3.800 EUR mit Spezialisierung oder Führungsverantwortung. Spezialisierungen in Rückstandsanalytik (Pestizide, Schwermetalle) oder molekularbiologische Methoden (PCR, ELISA) sind besonders gefragt.
Bewerbungen sollten idealerweise 10–14 Monate vor Ausbildungsbeginn (Sommer) eingereicht werden, also spätestens bis September des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, die letzten zwei Schulzeugnisse und ggf. Nachweise über Praktika in Laboren, in der Landwirtschaft oder in naturwissenschaftlichen Einrichtungen. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Grundkenntnisse in Chemie und Biologie sowie die Motivation für den agrarbezogenen Bereich abgefragt. Manche Betriebe und LUFA-Institute führen einen schriftlichen Einstellungstest in Mathematik, Chemie und Naturwissenschaften durch. Bewerber überzeugen besonders durch nachgewiesene Laborerfahrung (Schulpraktikum, Schüler-Forschungstage), konkrete Kenntnisse über das VDLUFA-Methodenbuch oder den Einsatz von Messgeräten sowie durch Sorgfalt und ein authentisches Interesse an landwirtschaftlichen Zusammenhängen.
Ratgeber
Der Landwirtschaftlich-technische Laborant ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 560 und 850 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Landwirtschaftlicher Laborant
Landwirtschaftliche Laboranten untersuchen Böden, Pflanzen, Futtermittel, Düngemittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse mit chemischen, physikalischen und biologischen Methoden. Der Beruf verbindet klassische Laborarbeit mit direktem Bezug zur Agrarwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Er eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen, die präzise arbeiten und den Zusammenhang zwischen Laboranalyse und landwirtschaftlicher Praxis verstehen wollen.
3 Jahre →
Wachszieher
Wachszieher stellen handwerklich und industriell Kerzen, Wachswaren und verwandte Produkte aus Paraffin, Stearin, Bienenwachs und synthetischen Wachsen her. Der Beruf verbindet chemisch-physikalisches Grundwissen mit handwerklicher Präzision bei Schmelz-, Gieß- und Tauchprozessen. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Materialkunde, Chemie und kreativem Handwerk.
3 Jahre →
Pharmazeutisch-technischer Assistent
Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) sind Fachkräfte im Apothekenbereich, die Arzneimittel herstellen, prüfen und abgeben. Sie beraten Kunden zu Medikamenten, Wechselwirkungen und Dosierungen und unterstützen Apotheker bei allen pharmazeutischen Tätigkeiten. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem naturwissenschaftlichem Interesse, Sorgfalt und Freude am Kundenkontakt.
2.5 Jahre →
Werkstoffprüfer
Werkstoffprüfer untersuchen und analysieren Materialien wie Metalle, Kunststoffe, Keramiken und Verbundwerkstoffe auf ihre mechanischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften. Sie sichern die Qualität industrieller Produkte und verhindern durch gezielte Prüfungen Materialversagen. Der Beruf eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen mit Affinität zu Präzisionsarbeit, technischem Verständnis und analytischem Denken.
3.5 Jahre →