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Textil- und BekleidungsberufeBBiG

Maßschneider

Maßschneider fertigen individuelle Kleidungsstücke nach den genauen Körpermaßen einzelner Kunden – vom Brautkleid über den maßgeschneiderten Anzug bis zum Bühnenkostüm. Anders als in der industriellen Konfektion entsteht jedes Stück als Unikat, angepasst an Figur, Körperhaltung und persönliche Wünsche. Dieser Beruf eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, ästhetischem Gespür und Freude am direkten Kundenkontakt.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

330–620 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 1800 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Maßschneider?

Der Arbeitsalltag beginnt meist mit der Vorbereitung von Kundenterminen: Maße werden mit dem Maßband genommen und in Maßblätter eingetragen, Stoffe (z. B. Wollgabardine, Seide, Viskose) werden auf Qualität und Fadenrichtung geprüft und zurechtgelegt. Am Zuschneidetisch werden Schnittmuster – teils selbst konstruiert – mit Schneiderkreide auf den Stoff übertragen und mit Schneiderschere oder Rollschneider zugeschnitten. Nachmittags liegt der Schwerpunkt auf der Verarbeitungsphase: An der Industrie- oder Haushaltsnähmaschine sowie der Overlockmaschine werden Nähte gefügt, Nahtzugaben gebügelt und Zwischenbügeln mit dem Dampfbügeleisen durchgeführt. Handarbeitstechniken wie Heften, Steppstich oder Knopflöcher von Hand sind ebenfalls Teil des Berufsalltags. Anproben werden mit dem Kunden durchgeführt, Korrekturen am Modell direkt abgesteckt. Man arbeitet eng mit Meistern, Kolleginnen und Kollegen sowie direkt mit Endkunden zusammen – in Maßschneidereien, Theaterfundus-Werkstätten oder Atelier-Betrieben.

Wo arbeitest du?

Maßschneider arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben – Maßschneidereien, Brautmodenateliers und Herrenschneidereien. Weitere wichtige Arbeitgeber sind Theater- und Opernhäuser (Kostümabteilungen), Filmproduktionen sowie gehobene Modeunternehmen mit Custom-Made-Abteilung. Bekannte Betriebe sind Haute-Couture-Ateliers in Modehauptstädten wie München, Hamburg oder Berlin. Im Handwerk herrscht Fachkräftemangel, besonders qualifizierte Maßschneider sind gesucht.

Voraussetzungen

Für die Ausbildung zum Maßschneider wird in der Regel ein Hauptschulabschluss vorausgesetzt; mit Realschulabschluss oder Abitur stehen die Chancen besonders gut. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Maßberechnung, Schnittgeometrie), Textiles Werken/Kunst (Farbenlehre, Ästhetik) und Deutsch (Kundenkommunikation). Persönlich sollten Interessierte räumliches Denken, Fingerfertigkeit und Geduld mitbringen. Sorgfalt beim Nähen und Zuschneiden, ein Gespür für Proportionen und Farben sowie Freude an der Arbeit mit Menschen und an hochwertigen Materialien sind entscheidend.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Textilkunde (Faserarten, Gewebeeigenschaften), einfache Nähtechniken an der Nähmaschine, das Lesen und Anwenden vorgefertigter Schnittmuster sowie grundlegendes Bügeln und Heften im Mittelpunkt. Außerdem werden Arbeitssicherheit, Pflege von Werkzeugen und Maschinen sowie der Umgang mit Kunden eingeführt. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Schnittentwicklung und -konstruktion nach individuellen Körpermaßen, erlernen komplexe Verarbeitungstechniken (Tailleneinlage, Schulterpolster, Knopflöcher) sowie die Fachrichtungswahl Damen- oder Herrenschneiderei. Gradieren von Schnitten, das Anpassen an Sondermaße und die Gestaltungsberatung werden vertieft. Gegenüber Textilreinigern oder Änderungsschneidern liegt der entscheidende Unterschied in der vollständigen Neukonstruktion und Einzelfertigung eines Kleidungsstücks von Grund auf.

Schnittentwicklung und KonstruktionFertigungs- und MaterialkundeGestaltungslehre und ModegeschichteWirtschafts- und SozialkundeFachrechnen und Fachzeichnen

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres (ca. 18. Monat) statt. Sie umfasst eine praktische Aufgabe (ca. 120 Minuten), bei der ein einfaches Kleidungsstück oder ein Teilelement gefertigt wird, sowie schriftliche Aufgaben zu Textilkunde und Fertigungstechnik (60 Minuten). Die Abschlussprüfung (Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer) gliedert sich in zwei Teile: Teil 1 (Arbeitsprobe/praktischer Teil) umfasst die Anfertigung eines vollständigen Kleidungsstücks nach Kundenmaßen innerhalb von 16–21 Stunden und ist mit 50 % gewichtet. Teil 2 besteht aus vier schriftlichen Prüfungsbereichen – Gestaltung und Konstruktion (30 %), Fertigungstechnik (20 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (10 %) – sowie einem Fachgespräch (10 Minuten, 10 %) zur Begründung von Gestaltungs- und Materialentscheidungen. Jeder Prüfungsbereich muss mit mindestens 30 Punkten (von 100) bestanden werden, der Gesamtdurchschnitt muss mindestens 50 Punkte erreichen.

Prüfungsthemen

  • Schnittentwicklung und Schnittkonstruktion nach Körpermaßen
  • Textilkunde: Faserarten, Gewebeeigenschaften, Pflegekennzeichnung
  • Fertigungstechnik: Nähtechniken, Verarbeitungsschritte, Bügelarbeit
  • Gestaltung: Farbenlehre, Formlehre, Stilberatung
  • Anfertigung eines vollständigen Kleidungsstücks als Arbeitsprobe
  • Wirtschafts- und Sozialkunde
  • Kalkulation und Materialberechnung

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Gesellenprüfung können Maßschneider den Meisterbrief im Schneiderhandwerk (Handwerksmeister Damen- oder Herrenschneider) ablegen und sich damit selbstständig machen oder einen Betrieb leiten. Der Meisterkurs dauert in Vollzeit ca. 12 Monate. Weiterbildungen als Modedesigner (Techniker für Bekleidungstechnik, staatlich geprüft) oder ein Studium an einer Fachhochschule (Bachelor Modedesign, Bekleidungstechnik oder Textildesign) sind möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Atelier-Leiter, Produktionsleiter in der Costume-Abteilung von Theatern oder als selbstständiger Maßschneider realistisch. Gehalt nach Meister oder Techniker: 2.500–3.800 EUR brutto monatlich je nach Region und Betrieb.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist September) eingereicht werden. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, Schulzeugnisse und – falls vorhanden – ein Portfolio mit eigenen Näharbeiten oder Skizzen, da dies Ausbilder in Ateliers besonders überzeugt. Im Vorstellungsgespräch werden oft praktische Aufgaben gestellt: Fadeneinziehen, Nahtzugabe erklären oder Stoff beurteilen. Eignungstests sind selten standardisiert, können aber handwerkliche Geschicklichkeitsaufgaben (Stoff zuschneiden, Naht nähen) umfassen. Wer erste Nähkenntnisse, Erfahrung aus Schülerpraktika in Atelier oder Änderungsschneiderei sowie echte Begeisterung für Textilien und Mode mitbringt, hat die besten Chancen.

Ratgeber

Der Maßschneider ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 330 und 620 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 1.800 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Welche Fachrichtungen gibt es bei der Ausbildung zum Maßschneider?
Die Ausbildung zum Maßschneider wird in verschiedenen Fachrichtungen angeboten, darunter Damen-, Herren- und Kostümschneider. Daneben gibt es die Spezialisierungen auf Theaterkostüme oder Uniformen. Die Wahl der Fachrichtung erfolgt in der Regel bereits bei Ausbildungsbeginn und richtet sich nach dem Schwerpunkt des Ausbildungsbetriebs.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Maßschneider?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Betriebe Bewerber mit Hauptschul- oder Realschulabschluss ein. Handwerkliches Geschick, Kreativität und ein gutes Gespür für Ästhetik und Proportionen sind wichtiger als ein bestimmtes Zeugnis.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Maßschneider?
Maßschneider arbeiten hauptsächlich in maßgeschneiderten Schneidereien, Modeateliers und Theatern sowie bei Film- und Fernsehproduktionen. Auch in der Haute Couture, bei Kostümfundus-Betrieben und in der Uniformherstellung gibt es Beschäftigungsmöglichkeiten. Handwerksbetriebe und exklusive Modehäuser zählen zu den typischen Arbeitgebern.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Maßschneider die Meisterprüfung im Schneiderhandwerk ablegen und sich damit selbstständig machen oder Ausbildungsbetriebe führen. Über den Meisterbrief oder eine Aufnahmeprüfung ist auch ein Studium an einer Modedesign-Hochschule möglich. Darüber hinaus bieten Berufsakademien und Fachschulen Weiterbildungen in den Bereichen Bekleidungstechnik und Modemanagement an.

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