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Maßschuhmacher

Maßschuhmacher fertigen individuelle Schuhe nach den genauen Maßen und Bedürfnissen einzelner Kunden – von der Fußvermessung über den Leistenbau bis zur handwerklichen Fertigstellung. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit orthopädischem Fachwissen und ist ideal für Menschen mit handwerklichem Geschick, Präzisionsliebe und Interesse an anatomischen Zusammenhängen. Er eignet sich besonders für Personen, die individuelle Unikate statt Massenprodukte herstellen möchten.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

450–700 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 1900 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Maßschuhmacher?

Der Arbeitstag beginnt meist in der Werkstatt mit der Bearbeitung laufender Aufträge: Morgens werden Fußmaße genommen, Fußabdrücke mit Gipsbandagen oder 3D-Scannern erstellt und individuelle Holz- oder Kunststoffleisten angefertigt oder angepasst. Dabei kommen Raspeln, Hobel, Stechbeitel und Schleifmaschinen zum Einsatz. Anschließend werden Schaftmaterialien wie Rindsleder, Ziegenleder oder Veloursleder zugeschnitten – präzise nach zuvor erstellten Schnittschablonen. Nachmittags steht häufig die Schaftnäharbeit an Industrienähmaschinen sowie das Zwicken des Schafts über den Leisten im Vordergrund. Sohlen aus Leder, Gummi oder Kork werden zugeschnitten, aufgeklebt und mit der Sohlennähmaschine oder von Hand aufgenäht. Zwei typische Aufgaben im Berufsalltag: das Anfertigen eines orthopädischen Bettungseinlagenträgers für einen Patienten mit Fußfehlstellung sowie das Restaurieren eines historischen Schuhmodells für ein Einzelhandelsatelier. Zusammengearbeitet wird eng mit Orthopädieschuhmachern, Orthopäden und Podologen.

Wo arbeitest du?

Maßschuhmacher arbeiten überwiegend in kleinen Handwerksbetrieben und spezialisierten Maßschuhateliers, in orthopädischen Schuhwerkstätten sowie in Werkstätten für Theaterkostüme, Filmproduktionen oder historische Rekonstruktionen. Bekannte Adressen finden sich in Modezentren wie München, Hamburg, Berlin und Düsseldorf. Fachkräftemangel ist stark ausgeprägt – es gibt deutschlandweit nur noch sehr wenige Ausbildungsbetriebe, was Absolventen exzellente Chancen bietet.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, besser ein Realschulabschluss, da technisches Zeichnen, Mathematik (Maße, Materialkalkulation) und Biologie (Anatomie) relevant sind. In der Schule sollten Werken/Technik, Biologie und Mathematik zu den Stärken zählen. Persönlich wichtig sind ein ausgeprägtes handwerkliches Geschick, Freude an Präzisionsarbeit, Geduld bei zeitintensiven Handnäharbeiten, ein gutes Gespür für Formen und Ästhetik sowie Einfühlungsvermögen im Kundenkontakt. Interesse an Anatomie und Gesundheit ist ein großer Vorteil.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen handwerkliche Grundlagen im Mittelpunkt: Leder beurteilen und zuschneiden, Werkzeuge wie Ahle, Rißer und Schäreisen einsetzen, einfache Leisten bearbeiten sowie Grundkenntnisse der Anatomie des Fußes. Außerdem werden Grundlagen der Arbeitssicherheit und des Umgangs mit Klebstoffen und Lösungsmitteln vermittelt. Im zweiten Lehrjahr folgen Vertiefungen in der Schaftherstellung, der Nähmaschinenarbeit und im Leistenbau für verschiedene Fußformen. Maßnahmen zur Anpassung bei Fußdeformitäten wie Hallux valgus oder Plattfuß werden eingeführt. Im dritten Lehrjahr spezialisieren sich Auszubildende auf die eigenständige Fertigung kompletter Maßschuhe, Qualitätskontrolle, Kundenberatung und die Grundlagen der Betriebsführung. Im Vergleich zum Orthopädieschuhmacher liegt der Schwerpunkt stärker auf ästhetischer Gestaltung und Maßfertigung, weniger auf medizinischer Hilfsmittelversorgung.

SchuhfertigungstechnikLeder- und MaterialkundeAnatomie und OrthopädietechnikTechnisches Zeichnen und GestaltungWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet Ende des zweiten Lehrjahres statt. Schriftlich werden in 120 Minuten Themen wie Lederbeurteilung, Werkzeugkunde, Fußanatomie und Arbeitssicherheit geprüft. Praktisch ist ein einfaches Werkstück – z. B. ein zugeschnittener und genähter Schaftteil – in etwa 3 Stunden anzufertigen. Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet im letzten Ausbildungshalbjahr statt und gliedert sich in folgende Bereiche: - Praktische Arbeitsaufgabe: Anfertigung eines vollständigen Maßschuhs oder eines wesentlichen Teilstücks (ca. 2 Arbeitstage / 16 Stunden), Gewichtung 50 % - Fachgespräch zur Arbeitsaufgabe: ca. 15 Minuten, Gewichtung 10 % - Schriftliche Prüfung Fertigungstechnik: 120 Minuten, Gewichtung 20 % - Schriftliche Prüfung Wirtschafts- und Sozialkunde: 60 Minuten, Gewichtung 10 % - Schriftliche Prüfung Technologie und Gestaltung: 90 Minuten, Gewichtung 10 % Zum Bestehen müssen im Gesamtergebnis und im praktischen Teil jeweils mindestens 50 Punkte (von 100) erreicht werden.

Prüfungsthemen

  • Leistenbau und Fußvermessung
  • Lederbeurteilung, -zuschnitt und Materialkenntnis
  • Schaftherstellung und Nähmaschinenarbeit
  • Zwicken, Sohlenmontage und Fertigbearbeitung
  • Fußanatomie und Grundlagen der Fußfehlstellungen
  • Gestaltung und Konstruktion von Schuhmodellen
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung kann der Maßschuhmacher-Meister (HwO) absolviert werden, der zur Eröffnung eines eigenen Betriebs und zur Ausbildung berechtigt. Alternativ bietet sich die Weiterbildung zum Orthopädieschuhmachermeister an, der stärker auf medizinische Versorgung ausgerichtet ist. Stuieninteressierte können einen Bachelor in Schuh- und Lederwarentechnik (z. B. Fachhochschule Nagold) oder Design (Schwerpunkt Schuh/Mode) aufnehmen. Realistische Positionen nach 5–10 Jahren sind Werkstattleiter, Betriebsinhaber eines Maßschuhateliers oder technischer Leiter in einem orthopädischen Fachbetrieb. Spezialisierungen sind möglich in Tanzsport-, Reit- oder Sicherheitsschuhfertigung sowie in der Restaurierung historischer Schuhe. Gehaltsentwicklung: Einstieg ca. 1.800–2.200 EUR, mit Meister oder Betrieb 2.800–3.800 EUR brutto monatlich.

Bewerbungstipps

Bewerben sollte man sich 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (also ab Herbst des Vorjahres), da Ausbildungsplätze selten und sehr begehrt sind. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, letztes Zeugnis und ein kurzes Portfolio eigener handwerklicher Arbeiten (Nähprojekte, Schnitzarbeiten, Modellbau). Ein Eignungstest im IHK-Stil ist selten; üblicher ist ein Praktikumstag in der Werkstatt, bei dem Fingerfertigkeit, Genauigkeit und Ausdauer beobachtet werden. Im Vorstellungsgespräch überzeugen konkrete Beispiele eigener handwerklicher Projekte, Kenntnisse über Lederarten und Schuhkonstruktion sowie echtes Interesse an Fußanatomie. Ein vorheriges Schnupperpraktikum ist nahezu unerlässlich und wird von den meisten Betrieben erwartet.

Ratgeber

Der Maßschuhmacher ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 450 und 700 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger in diesem handwerklichen Nischenberuf durchschnittlich ab 1.900 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es beim Maßschuhmacher verschiedene Fachrichtungen oder Spezialisierungen?
Der Ausbildungsberuf Maßschuhmacher ist nicht in formale Fachrichtungen unterteilt. In der Praxis spezialisieren sich viele Betriebe jedoch auf orthopädische Maßschuhe, klassische Herrenschuhe oder Damenschuhe. Manche Meisterbetriebe fertigen zudem historische oder theatralische Schuhe für besondere Auftraggeber.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Maßschuhmacher benötigt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Betriebe Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Entscheidend sind handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und Interesse an der Maßanfertigung.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Maßschuhmacher?
Maßschuhmacher arbeiten überwiegend in kleinen Handwerksbetrieben und Maßschuhmacherwerkstätten. Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen in orthopädischen Schuhmacherbetrieben, bei Theatern und Filmproduktionen sowie in Luxusmodehäusern. Der Beruf ist aufgrund der geringen Zahl an Ausbildungsbetrieben ein ausgesprochener Nischenberuf.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Maßschuhmacher?
Nach der Ausbildung kann die Meisterprüfung im Schuhmacherhandwerk abgelegt werden, die zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildung berechtigt. Über den Meistertitel besteht zudem die Möglichkeit, ein Studium ohne Abitur aufzunehmen. Ergänzend sind Weiterbildungen im Bereich orthopädische Schuhtechnik oder Lederverarbeitung möglich.

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