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Rettungsassistent

Rettungsassistenten sind medizinische Fachkräfte im Rettungsdienst, die bei lebensbedrohlichen Notfällen als leitende Sanitätskräfte im Rettungswagen oder auf dem Notarzteinsatzfahrzeug tätig sind. Der Beruf verbindet medizinisches Fachwissen mit extremer Belastbarkeit und schneller Entscheidungsfähigkeit. Er eignet sich für Menschen, die unter Druck ruhig bleiben, empathisch handeln und körperlich sowie psychisch belastbar sind.

Ausbildungsdauer

2 Jahre

Azubi-Gehalt

800–1200 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2400 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Rettungsassistent?

Rettungsassistenten beginnen ihren Dienst mit der Fahrzeugüberprüfung: Sie kontrollieren Defibrillator (z. B. ZOLL AED Plus), Beatmungsgerät (z. B. Weinmann MEDUMAT Standard), Sauerstoffvorrat, Medikamentenkoffer und Trage. Danach stehen sie für Einsätze bereit, die jederzeit eintreffen können. Morgens werden häufig Krankentransporte koordiniert und geplante Verlegungen zwischen Kliniken durchgeführt. Nachmittags und nachts dominieren Notfalleinsätze: Bei einem Herzstillstand führen Rettungsassistenten sofort Reanimationsmaßnahmen durch, legen venöse Zugänge, verabreichen Medikamente nach Algorithmus und bedienen das EKG-Gerät. Bei Verkehrsunfällen sichern sie die Einsatzstelle, versorgen Traumapatienten mit Stifneck, Vakuummatratze und Tourniquets. Eng zusammengearbeitet wird mit Notärzten, Feuerwehr und Leitstelle per Digitalfunk. Einsatzberichte werden im Rettungsdienstprotokoll (teils digital via Tablet-Software) dokumentiert. Die Arbeit findet im Rettungswagen, an Unfallstellen, in Wohnungen oder öffentlichen Bereichen statt – rund um die Uhr im Schichtdienst.

Wo arbeitest du?

Rettungsassistenten arbeiten bei öffentlichen Rettungsdiensten der Kommunen, bei Hilfsorganisationen wie Deutschem Roten Kreuz (DRK), Malteser Hilfsdienst, Johanniter-Unfall-Hilfe und ASB sowie bei privaten Rettungsdienstunternehmen. Kliniken mit eigenen Transportabteilungen und die ADAC Luftrettung bieten weitere Stellen. Der Fachkräftemangel im Rettungsdienst ist deutschlandweit erheblich, sodass qualifizierte Fachkräfte sehr gute Jobchancen haben.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss), da die medizinischen und pharmakologischen Lerninhalte ein gutes Verständnisniveau erfordern. Wichtige Schulfächer sind Biologie, Chemie und Deutsch. Persönlich sind Stressresistenz und Entscheidungssicherheit unter Zeitdruck unverzichtbar. Einfühlungsvermögen und Kommunikationsstärke sind essenziell für den Umgang mit Patienten in Ausnahmesituationen. Körperliche Fitness wird vorausgesetzt, da das Tragen und Heben von Patienten sowie Arbeit bei extremen Witterungsbedingungen zum Alltag gehören. Ein Führerschein Klasse B (idealerweise C1) ist Voraussetzung.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr liegt der Schwerpunkt auf medizinischen Grundlagen: Anatomie, Physiologie, Krankheitslehre sowie Grundtechniken der Ersten Hilfe, Verbandlehre und Hygienemaßnahmen. Azubis erlernen den sicheren Umgang mit Rettungsgeräten und üben grundlegende Maßnahmen wie Lagerungstechniken und Patientenbeurteilung. Im zweiten Lehrjahr vertiefen angehende Rettungsassistenten die klinische Notfallmedizin: Reanimation nach ERC-Leitlinien, Traumaversorgung, internistische Notfälle (Herzinfarkt, Schlaganfall, Asthmaanfall), Pharmakologie notfallrelevanter Medikamente und psychiatrische Notfälle. Hinzu kommen Rettungsfahrerlehre, rechtliche Grundlagen (ärztliche Delegation, Schweigepflicht) sowie psychosoziale Kompetenzen für die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen. Im Praktikum auf Intensivstation, Anästhesie und im Rettungsdienst wird das Gelernte direkt angewandt. Im Vergleich zum Notfallsanitäter ist die Ausbildung kürzer und der Handlungsrahmen enger definiert.

Notfallmedizin und RettungslehreAnatomie und PhysiologiePharmakologieRechtskunde und BerufsethikPsychologie und Kommunikation

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Ausbildung zum Rettungsassistenten gliedert sich in eine staatlich geregelte Abschlussprüfung, die durch die zuständige Schule oder Behörde abgenommen wird (kein klassisches IHK-Verfahren). Eine Zwischenprüfung findet in der Regel nach dem ersten Lehrjahr statt und umfasst schriftliche Fragen zu medizinischen Grundlagen sowie eine praktische Fallübung (ca. 60–90 Minuten). Die Abschlussprüfung besteht aus drei Teilen: Der schriftliche Teil umfasst Multiple-Choice-Fragen und Fallaufgaben zu Notfallmedizin, Pharmakologie, Anatomie und Rechtskunde (ca. 120 Minuten, Gewichtung ca. 40 %). Der praktische Teil ist eine simulierte Notfallsituation, in der eigenständig Maßnahmen am Simulationspuppen-Dummy oder Probanden durchzuführen sind (ca. 30–45 Minuten, Gewichtung ca. 40 %). Der mündliche Teil umfasst ein Fachgespräch zum Fallszenario sowie zu medizinischen und rechtlichen Grundlagen (ca. 20 Minuten, Gewichtung ca. 20 %). Zum Bestehen sind in allen Teilen mindestens 50 % der erreichbaren Punkte erforderlich. Bei Nichtbestehen eines Teils ist eine Wiederholungsprüfung möglich.

Prüfungsthemen

  • Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers
  • Notfallmedizinische Maßnahmen und Reanimation (ERC-Algorithmen)
  • Pharmakologie notfallrelevanter Medikamente
  • Traumaversorgung und Immobilisation
  • Internistische Notfälle (Herzinfarkt, Schlaganfall, Atemnot)
  • Rechtliche Grundlagen (Delegation, Schweigepflicht, Berufsrecht)
  • Hygiene und Infektionsschutz im Rettungsdienst

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung können Rettungsassistenten durch eine Anpassungsqualifikation den Abschluss zum Notfallsanitäter (3-jährige Regelausbildung) nachholen, der heute den gesetzlichen Standard bildet. Weiterbildungen zum Praxisanleiter im Rettungsdienst oder zur Leitenden Notfallkraft (LNA) sind möglich. Wer studieren möchte, wählt Studiengänge wie Rettungsingenieurwesen (B. Eng.), Gesundheitswissenschaften oder Notfallmedizin im Pflegebereich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Schichtführer, Wachenleiter oder Qualitätsbeauftragter im Rettungsdienst realistisch. Gehaltlich steigt man von ca. 2.400 EUR brutto auf bis zu 3.400 EUR mit Leitungsfunktion. Spezialisierungen in der Intensivverlegung (HEMS/Luftrettung) oder im Katastrophenschutz sind möglich.

Bewerbungstipps

Bewerben sollte man sich 12–18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart, da Plätze bei DRK, Maltesern und Johannitern stark nachgefragt sind. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben mit konkreter Motivation, Lebenslauf, Schulzeugnisse, Erste-Hilfe-Kurs-Zertifikat und ein ärztliches Gesundheitszeugnis. Im Vorstellungsgespräch werden typischerweise Belastbarkeit, Motivation und Erfahrungen in sozialen oder ehrenamtlichen Bereichen erfragt. Einige Träger führen Eignungstests mit medizinischem Grundwissen, Reaktionstests und Körperkraftmessungen durch. Besonders überzeugend sind Erfahrungen im Ehrenamt beim THW, DLRG oder Jugendrotkreuz sowie abgeschlossene Sanitätsausbildung. Nachweis eines freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) im Rettungsdienst ist ein deutlicher Vorteil.

Ratgeber

Der Rettungsassistent ist ein 2-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Gesundheit und Soziales. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Träger und Lehrjahr zwischen 800 und 1.200 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.400 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen in der Ausbildung zum Rettungsassistenten?
Die Ausbildung zum Rettungsassistenten ist nicht in offizielle Fachrichtungen unterteilt. Allerdings können sich Absolventen nach der Ausbildung durch Zusatzqualifikationen spezialisieren, etwa im Bereich Intensivtransport, Notfallrettung oder als Praxisanleiter. Seit 2014 wurde der Beruf durch den Notfallsanitäter als höherwertige Qualifikation weitgehend abgelöst.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Rettungsassistenten vorausgesetzt?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben, jedoch verlangen die meisten Ausbildungsträger mindestens einen mittleren Bildungsabschluss (Realschulabschluss). Ein Hauptschulabschluss kann in Einzelfällen ausreichen, wenn entsprechende Vorkenntnisse oder ein Erste-Hilfe-Nachweis vorliegen. Bewerber müssen zudem gesundheitlich geeignet und mindestens 17 Jahre alt sein.
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen kann man als Rettungsassistent arbeiten?
Rettungsassistenten arbeiten vor allem bei Hilfsorganisationen wie DRK, ASB, Johanniter und Malteser sowie bei kommunalen Feuerwehren und privaten Rettungsdienstunternehmen. Weitere Arbeitgeber sind Krankenhäuser mit eigenen Rettungsdiensten sowie Werksfeuerwehren größerer Industriebetriebe. Der Einsatz erfolgt überwiegend im bodengebundenen Rettungsdienst und Krankentransport.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Rettungsassistenten können eine Anpassungsqualifikation zum Notfallsanitäter absolvieren, der seit 2014 als höherwertiger Abschluss gilt und mehr Kompetenzen umfasst. Darüber hinaus ist ein Studium der Notfallmedizin, des Rettungsingenieurwesens oder der Pflegewissenschaften an Fachhochschulen möglich. Auch Leitungsfunktionen im Rettungsdienst oder eine Weiterbildung zum Praxisanleiter sind gängige Karrierewege.

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