Schiffszimmerer fertigen, reparieren und warten Holzkonstruktionen an Wasserfahrzeugen – von historischen Holzschiffen über Sportboote bis hin zu Yachten und Fähren. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit modernen Materialien wie Glasfaserverbundwerkstoffen. Er eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Freude an Holzbearbeitung und einer Begeisterung für Schifffahrt und Wassersport.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
650–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Schiffsbauwerkstatt oder direkt auf der Werft am Wasser. Zunächst werden Aufmaße am Schiffsrumpf genommen und Schadstellen an Planken, Spanten oder Decksaufbauten befundet. Mit Handwerkzeugen wie Stechbeitel, Handsäge, Hobel sowie elektrischen Geräten wie Oberfräse, Stichsäge und Tauchkreissäge werden Holzteile zugeschnitten, geformt und eingepasst. Typische Aufgabe: Austausch einer verrotteten Planke an einem Holzboot – Maß nehmen, Planke aus Teak oder Lärche zuschneiden, kalfatern und verkeilen. Nachmittags stehen häufig Verleimungsarbeiten mit Epoxidharzklebern, das Laminieren von Glasfasermatten oder das Abdichten von Nähten mit Kalfatermasse an. Eine weitere Kernaufgabe ist das Anfertigen von Deckskonstruktionen und Aufbauten nach technischen Zeichnungen. Es wird eng mit Schlosslern, Schiffbauern und Lackierern zusammengearbeitet. Auch die Dokumentation von Reparaturarbeiten im Werkstattprotokoll gehört zum Alltag.
Schiffszimmerer arbeiten vorwiegend in kleinen und mittelständischen Werften sowie Bootsbauwerkstätten an Nord- und Ostsee, auf Binnengewässern und an großen Flüssen. Typische Arbeitgeber sind Sportbootwerften, historische Museumsschiffswerften (z. B. das Deutsche Schifffahrtsmuseum Bremerhaven), Fährwerften und Marinas. Bekannte Standorte sind Hamburg, Kiel, Lübeck, Flensburg und Greifswald. Der Beruf ist sehr nischenspezifisch; Fachkräfte sind insbesondere im Bereich Restaurierung historischer Holzschiffe stark gesucht.
Empfohlen wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss, viele Betriebe bevorzugen jedoch einen Realschulabschluss. Besonders wichtig sind gute Noten in Mathematik (Maßberechnungen, Geometrie), Physik (Statik, Auftrieb) und Werken/Technik. Persönlich solltest du handwerkliches Geschick, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und Sorgfalt mitbringen, da fehlerhafte Verbindungen an Wasserlinie oder Rumpf sicherheitsrelevant sind. Freude an körperlicher Arbeit, auch bei Nässe und Wind auf der Werft, sowie Teamfähigkeit sind ebenso wichtig wie Geduld bei der präzisen Holzbearbeitung.
Im ersten Lehrjahr stehen die Holzbearbeitungsgrundlagen im Mittelpunkt: Umgang mit Handwerkzeugen, Maschinenkunde (Hobelmaschine, Bandsäge, Schleifmaschinen), Holzkunde (Eiche, Teak, Mahagoni, Lärche), Lesen technischer Zeichnungen und Grundlagen der Werkstoffprüfung. Zudem werden Arbeitssicherheit und der Umgang mit Bootsbaumaterialien wie Hartholz und Furnier vermittelt. Im zweiten Lehrjahr folgen Vertiefungen in Schiffbaugeometrie, Spantenbau, Kalfatern, Verleimen mit Epoxidharzen sowie der Einstieg in Glasfaser- und Kunststoffverarbeitung. Im dritten Lehrjahr werden Instandsetzung und Restaurierung historischer Holzschiffe, komplexe Decksplankenarbeiten, Reparatur von Ruderanlagen und Kielbolzen sowie Abdicht- und Konservierungsmaßnahmen gelehrt. Im Vergleich zum Bootsbauer liegt der Fokus stärker auf massivem Holzschiffbau und traditionellen Techniken wie dem Kalfatern.
Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Lehrjahres (ca. 18. Ausbildungsmonat) statt. Sie umfasst einen schriftlichen Teil mit rund 120 Minuten zu Holztechnik, Werkzeugkunde und Grundlagen des Schiffbaus sowie eine praktische Aufgabe (ca. 6 Stunden), bei der ein einfaches Holzbauteil nach Zeichnung gefertigt wird. Die Abschlussprüfung Teil 2 findet am Ende des dritten Lehrjahres statt. Sie gliedert sich in folgende Bereiche: Praktische Arbeitsaufgabe – Herstellung oder Instandsetzung einer Schiffszimmerer-Konstruktion (8–10 Stunden, Gewichtung 50 %), anschließend ein Fachgespräch (ca. 20 Minuten, Gewichtung 10 %), schriftliche Prüfung in Schiffbautechnik (120 Minuten, 25 %) sowie schriftliche Prüfung in Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 15 %). Zum Bestehen sind in jedem schriftlichen Prüfungsbereich mindestens 50 % der Punkte erforderlich; kein Prüfungsbereich darf mit weniger als 30 Punkten von 100 abschließen.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Bootsbaumeister (HwO) der naheliegendste Schritt, der Führungsaufgaben als Werkstatt- oder Fertigungsleiter eröffnet. Alternativ bietet der Techniker Fachrichtung Holztechnik oder Schiffstechnik (staatlich geprüft) tiefere technische Qualifikation. Mit Hochschulzugangsberechtigung ist ein Studium zum Bachelor of Engineering in Schiffbau oder Holztechnik möglich, etwa an der Fachhochschule Kiel oder der HAW Hamburg. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Betriebsleiter einer Werft, Restaurierungsspezialist für historische Holzschiffe oder selbstständiger Bootsbaumeister realistisch. Spezialisierungen sind möglich in Segelyacht-Restaurierung, Denkmalschutzwerft oder Küstenschutzfahrzeugbau. Das Gehalt steigt mit Meisterbrief auf ca. 2.800–3.500 € brutto/Monat.
Bewirb dich idealerweise 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn, da es bundesweit nur wenige Ausbildungsbetriebe gibt. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben mit Bezug auf konkrete Holz- oder Bootsprojekte, Lebenslauf, letzte zwei Schulzeugnisse und Nachweise über Praktika oder Hobbyerfahrung (z. B. Segeln, Modellbootbau). Das Vorstellungsgespräch umfasst häufig einen praktischen Test: Handwerkzeuge benennen, einfache Holzverbindungen erklären oder ein Werkstück begutachten. Kenntnisse in Holzarten, technischem Zeichnen und grundlegender Bootskunde beeindrucken Ausbilder besonders. Eigeninitiative durch ein Schiffsbaupraktikum oder Vereinsarbeit in einem Segelclub hebt die Bewerbung deutlich von der Konkurrenz ab.
Ratgeber
Der Schiffszimmerer ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 650 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie
Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie steuern und überwachen industrielle Anlagen zur Herstellung von Baustoffen wie Zement, Kalk, Gips, Beton, Naturstein oder Schotter. Der Beruf verbindet Maschinentechnik mit Verfahrenstechnik und Qualitätskontrolle. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die gerne mit großen Maschinen und automatisierten Prozessanlagen arbeiten.
3 Jahre →
Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik
Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik stellen industriell gefertigte Beschichtungen auf Oberflächen her – von Korrosionsschutz über Lackierungen bis hin zu funktionalen Schichten. Sie bedienen automatisierte Anlagen, steuern Prozessparameter und sichern die Qualität der Ergebnisse. Der Beruf eignet sich für technisch interessierte Menschen, die präzise arbeiten, chemische Zusammenhänge verstehen wollen und Freude an industriellen Fertigungsprozessen haben.
3 Jahre →
Hochbaufacharbeiter
Der Hochbaufacharbeiter ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Bauhauptgewerbe, der auf die Errichtung von Rohbauten, Mauerwerk und Betonkonstruktionen spezialisiert ist. Besonders macht diesen Beruf die unmittelbar sichtbare Wirkung der eigenen Arbeit: Gebäude entstehen mit den eigenen Händen. Er eignet sich für handwerklich begabte Menschen, die körperliche Arbeit im Freien schätzen und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen.
3 Jahre →
Steinbildhauer
Steinbildhauer gestalten und bearbeiten Naturstein zu künstlerischen Objekten, Skulpturen, Reliefs und ornamentalen Bauelementen. Der Beruf verbindet handwerkliches Präzisionsgeschick mit künstlerischem Ausdrucksvermögen und reicht von der Restaurierung historischer Bauwerke bis zur Schaffung moderner Kunstwerke. Er eignet sich besonders für Menschen mit Interesse an Bildender Kunst, dreidimensionalem Gestalten und traditionellem Steinhandwerk.
3 Jahre →