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Anästhesietechnischer Assistent

Anästhesietechnische Assistenten (ATA) sind spezialisierte Gesundheitsfachkräfte, die Anästhesisten im Operationssaal und in der Notaufnahme bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachsorge von Narkosen unterstützen. Der Beruf wurde 2022 bundesgesetzlich durch das ATA-OTA-Gesetz neu geregelt und erhielt damit erstmals eine einheitliche dreijährige Ausbildungsstruktur. Besonders ist die hohe medizinisch-technische Verantwortung – ATAs bedienen komplexe Narkosegeräte, überwachen Vitalparameter und reagieren in Sekunden auf lebensbedrohliche Situationen. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Interesse an Medizin und Technik, die unter Druck ruhig bleiben und präzise arbeiten können.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

750–1050 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2700 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Anästhesietechnischer Assistent?

Der Arbeitsalltag eines ATA beginnt typischerweise mit der Schichtübergabe und der Vorbereitung des Anästhesiearbeitsplatzes: Narkosegeräte (z. B. Dräger Primus oder GE Aisys) werden auf Dichtigkeit geprüft, Medikamente wie Propofol, Fentanyl und Rocuronium werden aufgezogen und beschriftet, Monitoring-Systeme für EKG, SpO2, Kapnometrie und invasive Blutdruckmessung werden angeschlossen. Während der Operation überwacht der ATA kontinuierlich alle Vitalparameter und assistiert dem Anästhesisten bei der Intubation, Anlage von Gefäßzugängen oder Regionalanästhesien wie Spinalanästhesien oder Periduralkatheter. Nach der Operation wird der Patient in den Aufwachraum begleitet, wo Bewusstsein, Schmerzlevel und Kreislauf weiter überwacht werden. Nachmittags stehen häufig elektive Eingriffe in Fachrichtungen wie Orthopädie, Gynäkologie oder Urologie an. ATAs arbeiten eng mit Anästhesisten, OTAs, Chirurgen und Pflegepersonal zusammen. Auch Bereitschafts- und Nachtdienste sowie Einsätze im Schockraum gehören zum Alltag.

Wo arbeitest du?

ATAs arbeiten fast ausschließlich in Krankenhäusern mit anästhesiologischen Abteilungen – von kommunalen Kreiskrankenhäusern über Universitätskliniken (z. B. Charité Berlin, Uniklinikum Freiburg, MHH Hannover) bis hin zu privaten Klinikkonzernen wie Helios, Asklepios oder Sana. Auch Tageskliniken, ambulante OP-Zentren und Praxiskliniken beschäftigen ATAs. Der Fachkräftemangel im OP- und Anästhesiebereich ist bundesweit ausgeprägt – Stellen werden oft monatelang nicht besetzt, was Bewerber in eine starke Verhandlungsposition bringt.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), viele Kliniken bevorzugen Bewerber mit Fachhochschulreife oder Abitur, da naturwissenschaftliche Vorkenntnisse in Biologie und Chemie essenziell sind. Mathematik wird für Dosierungsberechnungen täglich benötigt. Persönlich sollte man absolute Stressresistenz, hohe Konzentrationsfähigkeit, Empathie für Patienten in Ausnahmesituationen sowie ausgeprägte Teamfähigkeit mitbringen. Hygienebewusstsein, Verantwortungsgefühl und die Bereitschaft zu Schicht- und Bereitschaftsdiensten sind unverzichtbar.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Ausbildungsjahr stehen Grundlagen der Anatomie und Physiologie, Pharmakologie der Anästhetika, Hygiene, Sterilgutversorgung sowie erste praktische Kompetenzen an Simulatoren im Vordergrund. Lernfelder umfassen die Vorbereitung von Anästhesiearbeitsplätzen, Grundlagen des Monitorings und rechtliche Grundlagen der Patientensicherheit nach dem ATA-OTA-Gesetz. Im zweiten Lehrjahr vertieft sich das Wissen zu Regional- und Allgemeinanästhesie, Atemwegsmanagement (Larynxmaske, Intubation), Bluttransfusionswesen und perioperativem Schmerzmanagement. Notfallkonzepte wie Reanimation nach ERC-Richtlinien, malignes Hyperthermie-Management und Anaphylaxie werden intensiv geübt. Im dritten Jahr kommen Spezialbereiche hinzu: Kinderanästhesie, neurochirurgische und kardiochirurgische Eingriffe sowie Anästhesie außerhalb des OPs (z. B. MRT, Endoskopie). Im Vergleich zur Krankenpflegeausbildung liegt der Fokus ausschließlich auf perioperativer und anästhesiologischer Versorgung.

Anästhesiologische VersorgungsprozesseAnatomie, Physiologie und PharmakologieKommunikation und Ethik im perioperativen Setting

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Ausbildung zum ATA endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung nach dem ATA-OTA-Gesetz (ATOG) und der zugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (ATA-OTA-APrV). Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Der schriftliche Teil umfasst drei Klausuren zu folgenden Bereichen: Erstens 'Anästhesiologische Versorgung' (120 Minuten), zweitens 'Interdisziplinäre und system- und einrichtungsübergreifende Versorgung' (90 Minuten) und drittens 'Pflege, Betreuung und Begleitung perioperativer Patienten' (90 Minuten). Der praktische Teil findet am Ende des dritten Ausbildungsjahres statt und besteht aus der Durchführung einer vollständigen anästhesiologischen Versorgung eines realen Patienten über den gesamten perioperativen Prozess (Vorbereitung, Intraoperativ, Aufwachraum) sowie einem anschließenden Reflexionsgespräch von ca. 20 Minuten. Bewertet werden fachliche Kompetenz, Patientensicherheit und kommunikative Fähigkeiten. Zum Bestehen müssen alle Prüfungsteile mit mindestens 'ausreichend' (Note 4) bewertet werden. Eine Wiederholungsmöglichkeit besteht zweimal je Prüfungsteil.

Prüfungsthemen

  • Anästhesiologische Versorgung und Narkoseführung
  • Pharmakologie der Anästhetika und Notfallmedikamente
  • Atemwegsmanagement und Monitoring
  • Perioperatives Schmerzmanagement und Aufwachraum
  • Notfallsituationen und Reanimation nach ERC-Leitlinien

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung können ATAs sich zum Praxisanleiter weiterbilden (bundesweit anerkannt, ca. 300 Stunden) und jüngere Auszubildende betreuen. Führungspositionen wie Teamleitung Anästhesiepflege oder OP-Koordination sind nach 5–7 Jahren realistisch. Fachweiterbildungen in der Intensivpflege und Anästhesie (DKG-anerkannt, 2 Jahre berufsbegleitend) eröffnen höhere Verantwortungsbereiche. Ein Studium in 'Anästhesiepflege' (B.Sc.) wird an Hochschulen wie der SRH oder TH Rosenheim angeboten und bereitet auf Advanced-Practice-Rollen vor. Im Ausland, besonders in der Schweiz und den Niederlanden, haben Anästhesiepflegefachkräfte deutlich erweiterte Kompetenzen und höhere Gehälter (3.500–5.000 € brutto). In Deutschland steigen Gehälter mit Berufserfahrung auf 3.200–3.800 € brutto im öffentlichen Dienst (TVöD).

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsstart im September eingereicht werden, da viele Klinikverbünde früh planen. Die Bewerbungsmappe umfasst: Anschreiben mit konkreter Motivation für Anästhesie (nicht Pflege allgemein), tabellarischer Lebenslauf, letzte zwei Schulzeugnisse, Nachweise über Praktika im medizinischen Bereich (bevorzugt OP oder Intensiv). Im Vorstellungsgespräch fragen Ausbilder gezielt nach dem Umgang mit Stresssituationen, ethischen Dilemmata und der Fähigkeit zur Teamarbeit. Einige Kliniken führen Eignungstests zu Konzentration und räumlichem Denken durch. Besonders überzeugen Bewerber, die ein Pflegepraktikum oder Erste-Hilfe-Kurs nachweisen können und klare, ruhige Kommunikation unter simuliertem Druck zeigen.

Ratgeber

Der Anästhesietechnische Assistent ist ein 3-jähriger staatlich anerkannter Ausbildungsberuf im Gesundheitswesen, geregelt nach dem ATA-OTA-Gesetz (seit 2022). Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Träger und Lehrjahr zwischen 750 und 1.050 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.700 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen innerhalb der Ausbildung zum Anästhesietechnischen Assistenten?
Die Ausbildung ist einheitlich strukturiert und führt zu einem einzigen Berufsabschluss ohne formale Fachrichtungen. In der Praxis können sich Anästhesietechnische Assistenten jedoch durch Erfahrung oder Weiterbildungen auf bestimmte Bereiche wie Kinderanästhesie, Regional- oder Intensivanästhesie spezialisieren.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Anästhesietechnischen Assistenten?
Gesetzlich vorgeschrieben ist mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschule oder gleichwertiger Abschluss). Ein Hauptschulabschluss reicht in der Regel nicht aus. Manche Ausbildungsträger bevorzugen Bewerber mit Abitur oder Fachhochschulreife, es besteht jedoch kein generelles Pflichterfordernis.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern können Anästhesietechnische Assistenten arbeiten?
Anästhesietechnische Assistenten sind vor allem in Krankenhäusern und Kliniken tätig, insbesondere in Operationssälen und Aufwachräumen. Darüber hinaus bieten ambulante Operationszentren sowie Notaufnahmen und Intensivstationen potenzielle Einsatzbereiche. Öffentliche wie private Träger sind als Arbeitgeber vertreten.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung stehen verschiedene Weiterbildungen offen, etwa zur Fachkraft für Intensivpflege oder im Bereich Notfallmedizin. Über den zweiten Bildungsweg oder eine Berufsaufstiegsförderung (BAföG) ist auch ein Studium, zum Beispiel in den Pflegewissenschaften oder im Gesundheitsmanagement, möglich. In einigen Bundesländern ermöglicht die abgeschlossene Ausbildung den Zugang zu bestimmten Hochschulstudiengängen.

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