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Wirtschaft und VerwaltungBBiG

Automobilkaufmann

Automobilkaufleute sind kaufmännische Fachkräfte im Kraftfahrzeuggewerbe, die den Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen, Ersatzteilen und Zubehör sowie Service- und Finanzierungsdienstleistungen betreuen. Der Beruf verbindet technisches Grundverständnis mit kaufmännischem Know-how und direktem Kundenkontakt. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Automobilen, Verkaufstalent und wirtschaftlichem Denken.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

620–900 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2500 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Automobilkaufmann?

Morgens beginnt der Arbeitstag im Autohaus mit der Vorbereitung des Showrooms: Fahrzeuge werden positioniert, Preisschilder aktualisiert und Probefahrttermine im Dealer-Management-System (z. B. Autoline, Automaster oder dealer@web) koordiniert. Anschließend bearbeiten Automobilkaufleute Kundenanfragen per Telefon und E-Mail, erstellen Angebote für Neu- und Gebrauchtwagen und holen Finanzierungsangebote bei Partnerbanken wie der Volkswagen Bank oder BMW Financial Services ein. Nachmittags stehen häufig Kundengespräche im Mittelpunkt: Fahrzeugpräsentationen, Beratung zu Leasingmodellen und Händlerkonditionen, Inzahlungnahme von Gebrauchtfahrzeugen mit Fahrzeugbewertung über DAT oder Eurotax sowie die Abwicklung von Zulassungen und Fahrzeugübergaben. Zusätzlich werden Wareneingang von Ersatzteilen geprüft, Rechnungen in der Warenwirtschaft gebucht und Garantie- oder Gewährleistungsanträge bearbeitet. Die Arbeit findet im Büro, im Showroom und auf dem Fahrzeuggelände statt; enge Zusammenarbeit mit Servicetechnikern, der Werkstatt und dem Teilelager ist alltäglich.

Wo arbeitest du?

Automobilkaufleute arbeiten überwiegend in Autohäusern und Kfz-Handelsbetrieben – von kleinen Familienunternehmen bis zu großen Autohandelsgruppen wie Wellergruppe, Dello, PremiumCarGroup oder Emil Frey. Auch Fahrzeugimporteure, Leasinggesellschaften wie die Sixt Leasing oder LeasePlan, Flottenmanagementunternehmen und Hersteller (BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen Group) bieten Einstiegsmöglichkeiten. Im Kfz-Gewerbe herrscht deutlicher Fachkräftemangel, besonders bei qualifizierten Verkaufs- und Servicekräften.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da die Ausbildung umfangreiche kaufmännische und rechtliche Inhalte beinhaltet. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Zinsrechnung, Kalkulation), Deutsch (Kundenkorrespondenz), Wirtschaft/Recht und Englisch für internationale Hersteller-Kommunikation. Persönlich sollten Bewerber Freude am Umgang mit Menschen, Verkaufsgeschick, technische Neugier für Fahrzeugtechnik und Antriebskonzepte sowie ein gepflegtes Auftreten mitbringen. Organisationsvermögen und Zahlenverständnis sind ebenfalls entscheidend.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen kaufmännische Grundlagen im Vordergrund: Buchführung, Geschäftsprozesse im Autohaus, Grundlagen des Kfz-Marktes, Fahrzeugtechnik-Basics (Antriebsarten, Fahrzeugklassen) sowie der Umgang mit Dealer-Management-Systemen. Außerdem werden rechtliche Grundlagen des Kaufvertrags und des Verbraucherschutzes vermittelt. Im zweiten Lehrjahr folgen Vertiefungen in Fahrzeugfinanzierung und Leasing, Versicherungsprodukte (KfZ-Haftpflicht, Kaskoversicherung), Gebrauchtwagengeschäft und Fahrzeugbewertung sowie Marketingmaßnahmen für Autohaus-Angebote. Im dritten Lehrjahr werden Controlling, Kostenrechnung, Jahresabschlussarbeiten, Personalwesen und komplexe Kundenbindungsmaßnahmen behandelt. Im Vergleich zu allgemeinen Kaufleuten im E-Commerce oder Einzelhandel liegt die Besonderheit in der starken Verknüpfung von Technikkenntnissen, Herstellermarkenrecht und spezifischen Finanzierungsprodukten der Automobilbranche.

Geschäftsprozesse im AutomobilhandelKaufmännische Steuerung und KontrolleFahrzeugtechnik und ProduktkundeWirtschafts- und SozialkundeEnglisch (Fremdsprachliche Kommunikation)

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung für Automobilkaufleute ist eine gestreckte Abschlussprüfung (GAP) in zwei Teilen gemäß der Ausbildungsordnung von 2017. Teil 1 findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. Frühjahr des 2. Lehrjahres) statt. Er umfasst eine schriftliche Prüfung im Bereich 'Fahrzeuge und Zubehör' mit einer Dauer von 90 Minuten und fließt mit 25 % in das Gesamtergebnis ein. Teil 2 findet am Ende der Ausbildung statt (Sommer oder Winter des 3. Lehrjahres) und gliedert sich in vier Prüfungsbereiche: 'Kaufmännische Steuerung und Kontrolle' (schriftlich, 90 Minuten, 20 %), 'Geschäftsprozesse im Automobilhandel' (schriftlich, 150 Minuten, 30 %), 'Wirtschafts- und Sozialkunde' (schriftlich, 60 Minuten, 10 %) sowie 'Kundenkommunikation' (mündlich/Fachgespräch, ca. 20 Minuten, 15 %). Zum Bestehen muss in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erreicht werden; kein Prüfungsbereich darf mit ungenügend abschließen.

Prüfungsthemen

  • Fahrzeuge, Zubehör und Dienstleistungen im Automobilhandel
  • Fahrzeugfinanzierung und Leasing
  • Gebrauchtwagengeschäft und Fahrzeugbewertung (DAT, Eurotax)
  • Kaufmännische Steuerung und Kosten-/Erfolgsrechnung
  • Versicherungsprodukte im Kraftfahrzeugbereich
  • Kundenkommunikation und Verkaufsgespräch
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung stehen zahlreiche Weiterbildungswege offen. Der klassische Aufstieg führt über den 'Geprüften Automobilkaufmann IHK' oder den 'Handelsfachwirt IHK' in Führungspositionen wie Verkaufsleiter oder Serviceleiter im Autohaus. Der 'Kraftfahrzeugmeister (HwK)' ist eine Option für den Wechsel ins Werkstattmanagement. Ein berufsbegleitendes Studium zum Bachelor of Arts in Betriebswirtschaftslehre oder Automobilmanagement (z. B. an der DHBW oder privaten Hochschulen) ermöglicht den Einstieg ins mittlere Management. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Niederlassungsleiter, Flottenmanager oder Markengebietsleiter bei Importeuren realistisch. Das Monatsgehalt steigt dabei typischerweise von ca. 2.500 EUR auf 4.500–6.000 EUR brutto.

Bewerbungstipps

Die Bewerbung sollte 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (also ab Herbst/Winter für einen Ausbildungsstart im folgenden August/September) eingereicht werden. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, aktuelles Schulzeugnis und ggf. Praktikumsnachweise aus dem Kfz-Handel. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Kenntnisse zu aktuellen Fahrzeugmodellen, Antriebsarten (Elektro, Hybrid, Verbrenner) und Rollenspiele zu Verkaufssituationen genutzt. Manche Autohäuser und größere Handelsgruppen setzen einen IHK-Einstellungstest oder eigene Eignungstests in Mathematik und Deutsch ein. Wer im Gespräch konkrete Fahrzeugbegeisterung zeigt, aktuelle Branchenthemen wie Elektromobilität und Direktvertriebsmodelle der Hersteller kennt und ein selbstsicheres, kundenorientiertes Auftreten demonstriert, überzeugt Ausbilder besonders nachhaltig.

Ratgeber

Der Automobilkaufmann ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG, angesiedelt im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.500 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es beim Automobilkaufmann verschiedene Spezialisierungen?
Eine formale Unterteilung in Fachrichtungen existiert nicht, jedoch können sich Automobilkaufleute in der Praxis auf bestimmte Bereiche konzentrieren, etwa Teile- und Zubehörverkauf, Finanzdienstleistungen oder Flottengeschäft. Die Ausrichtung hängt stark vom jeweiligen Ausbildungsbetrieb und dessen Schwerpunkt ab.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Automobilkaufmann benötigt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen die meisten Betriebe jedoch Bewerber mit mittlerem Schulabschluss (Realschulabschluss) ein, da kaufmännische Kenntnisse und Kommunikationsfähigkeit eine wichtige Rolle spielen. Auch Abiturienten bewerben sich häufig für diesen Ausbildungsberuf.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Automobilkaufleute?
Automobilkaufleute arbeiten hauptsächlich in Kraftfahrzeughandel und -reparaturbetrieben, also bei Autohäusern, Vertragshändlern sowie freien Kfz-Werkstätten. Auch Importeure, Leasinggesellschaften und Hersteller mit eigenem Vertrieb beschäftigen Fachkräfte dieses Berufs.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum geprüften Automobilkaufmann (IHK) oder zum Kraftfahrzeugmeister im kaufmännischen Bereich möglich. Mit dem schulischen Teil der Ausbildung und Berufserfahrung kann zudem ein Studium an einer Fachhochschule, etwa in Betriebswirtschaftslehre oder Automobilmanagement, angestrebt werden. Einige Bundesländer ermöglichen über Weiterbildung den Erwerb der Fachhochschulreife.

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