Bestattungsfachkräfte begleiten Angehörige in einer der schwierigsten Lebenssituationen und sorgen für eine würdevolle Versorgung und Bestattung Verstorbener. Der Beruf verbindet handwerkliche, kaufmännische und seelsorgerische Aufgaben und erfordert besondere Empathie und emotionale Stabilität. Er eignet sich für Menschen, die anderen in Krisensituationen helfen möchten und keine Berührungsängste gegenüber dem Tod haben.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
550–850 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitstag einer Bestattungsfachkraft beginnt häufig mit der Überführung Verstorbener aus Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Privathaushalten mithilfe eines Überführungsfahrzeugs. In der Kühlkammer des Bestattungsinstituts erfolgt die hygienische Erstversorgung: Waschen, Rasieren, Ankleiden und das Einbetten in den Sarg. Nachmittags finden oft Beratungsgespräche mit Hinterbliebenen statt, bei denen Sarg, Urne, Blumenschmuck, Todesanzeigen und die Art der Bestattung (Erdbestattung, Feuerbestattung, Naturbestattung) besprochen werden. Dabei wird die Software für Bestattungsverwaltung (z. B. GAMOS oder Funeral) genutzt, um Sterbeurkunden, Leichenpässe und Behördendokumente zu koordinieren. Zu den täglichen Aufgaben gehören außerdem das Herrichten der Aufbahrungshalle, das Schmücken von Trauerhallen mit Kränzen und Gebinden sowie die Organisation und Durchführung von Trauerfeiern inklusive Sargträgerarbeit. Man arbeitet eng mit Standesämtern, Krematorien, Friedhofsverwaltungen, Steinmetzbetrieben und Pfarrern bzw. Trauerrednern zusammen.
Bestattungsfachkräfte arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Bestattungsinstituten, da das Bestattungsgewerbe stark von inhabergeführten Familienbetrieben geprägt ist. Größere Unternehmen wie Ahorn-Fenix, Mutter Erde oder regionale Bestattungskonzerne bieten ebenfalls Ausbildungsplätze. Außerdem gibt es Stellen bei kommunalen Beisetzungseinrichtungen und Krematorien. In Deutschland herrscht ein spürbarer Fachkräftemangel: Die steigende Nachfrage durch demografischen Wandel trifft auf einen kleinen Ausbildungsmarkt, was die Berufsaussichten langfristig sehr gut macht.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss), da kaufmännische und rechtliche Inhalte einen erheblichen Teil der Ausbildung ausmachen. Wichtige Schulfächer sind Deutsch (für Trauerbriefe und Beratungsgespräche), Biologie (für Hygienevorschriften und Anatomiekenntnisse), Sozialkunde und Mathematik (für Abrechnungen). Persönlich sind emotionale Belastbarkeit, Empathie und Diskretion unverzichtbar. Interesse an handwerklichen Tätigkeiten, organisatorisches Talent sowie Fahrerlaubnis der Klasse B sind von Vorteil. Wichtig ist zudem die Fähigkeit, professionell und ruhig in emotional aufgeladenen Situationen zu agieren.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Hygiene und Sicherheit im Umgang mit Verstorbenen im Vordergrund: Rechtsvorschriften des Bestattungswesens, Infektionsschutz, Leichenschau, Totenschein und erste handwerkliche Fertigkeiten wie Sarg- und Urnenauswahl sowie einfache Thanatopraktik. Außerdem werden Grundkenntnisse in Buchführung und Kundenkommunikation vermittelt. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Trauerbegleitung und Beratungskompetenz, lernen Embalming (Einbalsamierung) und aufwendigere Rekonstruktionstechniken, planen und organisieren Trauerfeiern selbstständig und erwerben Kenntnisse in Friedhofsrecht, Bestattungsvorsorge und interkulturellem Umgang mit verschiedenen Bestattungsriten (muslimisch, jüdisch, buddhistisch). Im Unterschied zu ähnlichen Pflegeberufen liegt der Schwerpunkt nicht auf der Versorgung Lebender, sondern auf der rechtssicheren, würdevollen Versorgung Verstorbener und der psychosozialen Begleitung Trauernder.
Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt und prüft schriftlich in 120 Minuten Kenntnisse der hygienischen Versorgung Verstorbener, Rechtsvorschriften sowie Grundlagen der Kundenkommunikation. Die Abschlussprüfung (Teil 2) gliedert sich in mehrere Bereiche: Im schriftlichen Prüfungsbereich 'Bestattungstechnische Maßnahmen' (90 Minuten, Gewichtung 20 %) werden Versorgung, Überführung und Rechtsgrundlagen geprüft. 'Kaufmännische und rechtliche Grundlagen' dauert 60 Minuten (Gewichtung 20 %). 'Wirtschafts- und Sozialkunde' dauert 60 Minuten (Gewichtung 10 %). Die praktische Arbeitsaufgabe umfasst eine vollständige Trauerfallabwicklung inklusive Beratungsgespräch und Versorgung eines Verstorbenen (ca. 7 Stunden, Gewichtung 35 %). Ein abschließendes Fachgespräch (30 Minuten, Gewichtung 15 %) vertieft die praktische Aufgabe. Zum Bestehen müssen alle Prüfungsbereiche mindestens mit 50 Punkten (ausreichend) abgeschlossen werden. Eine mangelhafte Leistung in einem Bereich kann unter bestimmten Voraussetzungen ausgeglichen werden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung sind Weiterbildungen zum Bestattungsmeister (HwK) der naheliegendste Schritt, um Führungsverantwortung zu übernehmen oder einen eigenen Betrieb zu eröffnen. Alternativ bietet die IHK-Weiterbildung zum Geprüften Bestattungsfachwirt Karrieremöglichkeiten im Management größerer Bestattungsunternehmen. Spezialisierungen sind in der Thanatopraktik (zertifizierte Einbalsamierung), der professionellen Trauerbegleitung (Ausbildung zum Trauerbegleiter nach DGTP) oder im Bereich der Bestattungsvorsorge und des Vertriebsmanagements möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Filialleiter, Betriebsleiter oder selbstständiger Bestatter realistisch. Mit Meisterbrief und eigenem Betrieb sind Bruttoverdienste von 3.500–5.000 EUR monatlich möglich. Ein ergänzendes Studium der Sozialarbeit oder Betriebswirtschaft erweitert die Möglichkeiten.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart eingereicht werden, da die meisten kleinen Betriebe früh planen. Die Bewerbungsmappe sollte ein individuelles Anschreiben enthalten, in dem die Motivation für diesen ungewöhnlichen Beruf glaubwürdig erklärt wird – Ausbilder legen großen Wert auf Ernsthaftigkeit und Reife. Ein Praktikum im Bestattungsinstitut ist nahezu unverzichtbar und sollte im Lebenslauf aufgeführt sein. Im Vorstellungsgespräch werden häufig persönliche Grenzerfahrungen mit dem Thema Tod und die emotionale Belastbarkeit angesprochen. IHK-Einstellungstests sind in diesem Beruf weniger verbreitet; entscheidend sind persönliche Überzeugungskraft, gepflegtes Erscheinungsbild, Pünktlichkeit und die Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten, da Bereitschaftsdienst zum Alltag gehört.
Ratgeber
Die Bestattungsfachkraft ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 550 und 850 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Fachkraft für Schutz und Sicherheit
Die Fachkraft für Schutz und Sicherheit schützt Personen, Objekte und Werte vor Gefahren wie Diebstahl, Einbruch, Sabotage und Vandalismus. Die Ausbildung verbindet rechtliche, technische und kommunikative Kompetenzen und ist damit anspruchsvoller als einfache Bewachungstätigkeiten. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Interesse an Sicherheitstechnik, Recht und dem direkten Umgang mit Menschen in teils herausfordernden Situationen.
3 Jahre →
Schädlingsbekämpfer
Schädlingsbekämpfer bekämpfen und verhüten das Auftreten von tierischen Schädlingen wie Ratten, Kakerlaken, Bettwanzen oder Tauben sowie Holzschädlingen und Schimmelpilzen in Gebäuden. Der Beruf verbindet biologisches Fachwissen, Chemikalienkunde und handwerkliches Geschick. Er eignet sich für Menschen mit naturwissenschaftlichem Interesse, die gerne selbstständig arbeiten und auch in unangenehmen Umgebungen professionell vorgehen können.
3 Jahre →
Servicekraft für Schutz und Sicherheit
Die Servicekraft für Schutz und Sicherheit ist ein zweijähriger Ausbildungsberuf nach BBiG, der auf grundlegende Sicherheitsdienstleistungen spezialisiert ist. Der Beruf umfasst Zugangskontrollen, Streifendienste und präventive Sicherheitsmaßnahmen in Unternehmen, öffentlichen Gebäuden und Veranstaltungsorten. Er eignet sich für Personen mit ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein, guter Kommunikationsfähigkeit und Interesse an Sicherheitstechnik.
2 Jahre →
Servicefachkraft für Dialogmarketing
Die Servicefachkraft für Dialogmarketing ist eine zweijährige Ausbildung im Bereich Kundenkommunikation und Vertrieb. Auszubildende lernen, professionell mit Kunden per Telefon, E-Mail und Chat zu kommunizieren, Verkaufsgespräche zu führen und Beschwerden zu bearbeiten. Der Beruf eignet sich für kommunikationsstarke Menschen, die gerne mit anderen arbeiten und Interesse an Marketing sowie Vertriebsprozessen haben.
2 Jahre →