Biologisch-technische Assistenten (BTA) führen wissenschaftliche Experimente und Laboranalysen in biologischen, biochemischen und mikrobiologischen Fachbereichen durch. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Technik, bereiten Experimente vor, werten Ergebnisse aus und dokumentieren Befunde. Dieser Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem naturwissenschaftlichem Interesse, Freude an präziser Laborarbeit und einem analytischen Denkvermögen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2400 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Vorbereitung von Versuchsansätzen: Nährmedien für Bakterienkulturen ansetzen, Pufferlösungen herstellen, Laborgeräte wie PCR-Cycler, Spektralphotometer oder Zentrifugen kalibrieren und auf Funktionsfähigkeit prüfen. Proben werden nach festgelegten Protokollen aufgearbeitet – etwa Gewebeproben homogenisieren, Zellkulturen passagieren oder Blutproben aufbereiten. Nachmittags stehen häufig die Durchführung und Auswertung von Experimenten im Vordergrund: ELISA-Tests oder Gelelektrophoresen durchführen, Mikroskopaufnahmen mit Auflichtmikroskopen oder konfokalen Systemen anfertigen und digitale Bilder mit Software wie ImageJ analysieren. Ergebnisse werden in LIMS-Systemen (Labor-Informations-Management-Systeme) dokumentiert und Berichte für Biologen oder Wissenschaftler erstellt. Die Arbeit erfolgt im Labor in engem Austausch mit Wissenschaftlern, Chemikanten, medizinischen Fachkräften und Qualitätssicherungsteams. Typische Beispielaufgaben: Anlegen von Bakterienreinzuchten mittels Strich- und Plattengussverfahren sowie die Vorbereitung und Auswertung von PCR-Analysen zum Nachweis spezifischer DNA-Sequenzen.
BTAs arbeiten vorwiegend in der pharmazeutischen Industrie (Bayer, Boehringer Ingelheim, Roche, Merck), in biotechnologischen Unternehmen (BioNTech, Qiagen, Evotec), in Forschungsinstituten (Helmholtz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Institute, Max-Planck-Institute), in universitären Laboren sowie in medizinischen Diagnostiklaboren und klinischen Einrichtungen. Auch Umweltanalytiklabore und Lebensmittelkontrolllabore sind relevante Arbeitgeber. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, insbesondere in der Pharmaindustrie und Biotechnologie.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss), da die naturwissenschaftlichen Inhalte fundierte Kenntnisse in Biologie, Chemie und Mathematik voraussetzen. Abiturienten finden den Einstieg leichter, da viele Ausbildungsstätten Hochschulreife bevorzugen. Wichtige Schulfächer sind Biologie, Chemie, Mathematik und Physik. Persönlich sollte man sorgfältig, konzentriert und geduldig arbeiten können, da Laborversuche höchste Präzision erfordern. Interesse an wissenschaftlichen Zusammenhängen, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und Freude an Teamarbeit im Labor sind essenziell.
Im ersten Lehrjahr werden naturwissenschaftliche Grundlagen vermittelt: Zellbiologie, Grundlagen der Chemie (Stöchiometrie, pH-Wert, Puffersysteme), aseptisches Arbeiten, Umgang mit Laborgeräten wie Pipetten, Waagen und Zentrifugen sowie Arbeitssicherheit und Entsorgung von Gefahrstoffen nach TRGS-Vorschriften. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende Mikrobiologie (Kultivierung von Mikroorganismen, Keimzahlbestimmung), Biochemie (Enzymkinetik, Proteinnachweis nach Bradford oder Lowry) und Genetik (DNA-Extraktion, Restriktionsanalyse). Im dritten Lehrjahr folgen Spezialisierungen in Zellkulturtechnik, Immunologie (ELISA, Western Blot), molekularbiologische Methoden (qPCR, Blotting-Verfahren) und Qualitätsmanagement nach GMP/GLP-Richtlinien. Im Vergleich zu chemisch-technischen Assistenten liegt der Fokus klar auf biologischen Systemen statt auf rein chemischen Syntheseprozessen.
Die Abschlussprüfung gliedert sich in zwei Teile. Teil 1 (Zwischenprüfung) findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt und umfasst einen schriftlichen Test über biologische, biochemische und chemische Grundlagen mit einer Dauer von 150 Minuten sowie eine praktische Aufgabe (ca. 150 Minuten), bei der grundlegende Labortechniken wie Mikroskopie oder Medienherstellung geprüft werden. Teil 2 (Abschlussprüfung) findet im vierten Halbjahr statt und besteht aus folgenden Prüfungsbereichen: Biologische Arbeitstechniken – praktische Arbeitsaufgabe (7 Stunden, Gewichtung 35 %), Schriftliche Prüfung Biologie/Biochemie (120 Minuten, Gewichtung 25 %), Schriftliche Prüfung Chemie und Physik (90 Minuten, Gewichtung 20 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, Gewichtung 10 %) sowie ein abschließendes Fachgespräch zur praktischen Aufgabe (30 Minuten, Gewichtung 10 %). Zum Bestehen müssen im Gesamtergebnis mindestens 50 Punkte erreicht werden; kein Prüfungsbereich darf mit weniger als 30 Punkten abschneiden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bieten sich vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten. Über einen Techniker-Abschluss (staatlich geprüfter Techniker Fachrichtung Biologie oder Biotechnologie) können Führungsaufgaben in Laborteams übernommen werden. Der Industriemeister Chemie IHK ermöglicht den Aufstieg zum Schichtleiter oder Laborleiter. Mit Hochschulzugangsberechtigung (Abitur oder Fachabi) sind Studiengänge wie Biologie B.Sc., Biotechnologie B.Sc., Biochemie oder Biomedizin passend. Nach 5–10 Jahren sind Positionen wie Laborleiter, QS-Beauftragter (GMP/GLP), wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Projektkoordinator erreichbar. Spezialisierungen in Genomik, Zellkulturtechnik, klinische Diagnostik oder Pharmakologie sind gefragt. Das Gehalt steigt von ca. 2.400 EUR auf 3.500–4.500 EUR brutto monatlich mit wachsender Erfahrung.
Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist August/September) eingereicht werden, da viele Stellen in der Pharmaindustrie früh besetzt werden. Die Bewerbungsmappe sollte Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, Schulzeugnisse der letzten zwei Jahre sowie Nachweise über Praktika in Laboren oder biologisch-naturwissenschaftliche Projekterfahrung enthalten. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Grundkenntnisse in Biologie und Chemie sowie Sicherheitsvorschriften abgefragt. Einige Arbeitgeber verlangen einen IHK-Einstellungstest mit Aufgaben zu Naturwissenschaften, Mathematik und logischem Denken. Besonders überzeugend sind Bewerber, die eigene Laborpraktika (z. B. im Schulunterricht oder Schülerforschungszentrum) nachweisen können, Sorgfalt und Genauigkeit betonen und echte Begeisterung für biologische Zusammenhänge zeigen.
Ratgeber
Der Biologisch-technische Assistent (BTA) ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Chemie, Physik und Biologie. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.400 Euro brutto monatlich.
Wachszieher
Wachszieher stellen handwerklich und industriell Kerzen, Wachswaren und verwandte Produkte aus Paraffin, Stearin, Bienenwachs und synthetischen Wachsen her. Der Beruf verbindet chemisch-physikalisches Grundwissen mit handwerklicher Präzision bei Schmelz-, Gieß- und Tauchprozessen. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Materialkunde, Chemie und kreativem Handwerk.
3 Jahre →
Baustoffprüfer
Baustoffprüfer untersuchen und analysieren Baustoffe wie Beton, Asphalt, Mörtel und Naturstein auf ihre Zusammensetzung, Festigkeit und Qualität. Der Beruf verbindet praktische Laborarbeit mit physikalischen und chemischen Prüfverfahren nach genormten Standards. Er eignet sich für Jugendliche mit Interesse an Naturwissenschaften, handwerklichem Geschick und einem Auge für Präzision.
3 Jahre →
Landwirtschaftlich-technischer Laborant
Landwirtschaftlich-technische Laboranten analysieren Böden, Pflanzen, Futtermittel, Wasser und landwirtschaftliche Erzeugnisse mit chemischen, biologischen und physikalischen Methoden. Der Beruf verbindet Laborarbeit mit agrarbezogenen Fragestellungen wie Nährstoffversorgung, Schädlingsbefall oder Lebensmittelqualität. Er eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen mit Freude an präzisem, methodischem Arbeiten und einem Interesse an Landwirtschaft, Umwelt und Ernährung.
3 Jahre →
Edelmetallprüfer
Edelmetallprüfer analysieren und bewerten Gold, Silber, Platin und andere Edelmetalle auf ihre Zusammensetzung, Reinheit und Qualität. Sie setzen nasschemische, spektroskopische und röntgentechnische Verfahren ein, um Legierungen exakt zu bestimmen. Der Beruf eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen mit Feingefühl für präzises Arbeiten und einem ausgeprägten Sinn für Genauigkeit.
3 Jahre →