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BauberufeBBiG

Bühnenmaler und -plastiker

Bühnenmaler und -plastiker gestalten Bühnenbilder, Kulissen und dreidimensionale Dekorationselemente für Theater, Oper, Film und Fernsehen. Sie verbinden handwerkliches Können mit künstlerischem Ausdruck – von der großformatigen Malerei auf Bühnenmolton bis zur Herstellung von Styropor-Säulen oder Gips-Reliefs. Der Beruf ist ein seltenes Nischenhandwerk mit HwO-Zuordnung und wird an wenigen spezialisierten Betrieben ausgebildet. Er eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Kunstsinn, räumlichem Vorstellungsvermögen und Freude an handwerklicher Präzision.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

650–950 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2200 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Bühnenmaler und -plastiker?

Der Arbeitstag beginnt meist in der Werkstatt: Morgens werden laufende Kulissenteile besprochen, Materialien vorbereitet und Farben angemischt. Bühnenmaler arbeiten mit Dispersionsfarben, Lasuren, Schattierfarben und Spezialeffektfarben auf großformatigen Leinwänden, Holzkonstruktionen oder direkt auf der Bühne. Sie malen Illusionsmalerei – also z. B. Marmorstruktur, Holzmaserung oder Himmelsverläufe per Pinsel und Schwamm. Nachmittags kann Schichtenarbeit anstehen: Gipsformen herstellen, Styropor mit Heißdraht schneiden, Polyester- oder Papiermaché-Objekte modellieren. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Bühnenbildnern, Theatertechnikern und Regisseuren. Auf Probenwochen oder Produktionsspitzen wird direkt auf der Bühne gearbeitet, oft unter Zeitdruck. Werkzeuge sind u. a. Fischleimtöpfe, Maurerpinsel (Breite 10–20 cm), Schablonen, Heißluftföhn und Fräser. Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll: Leitern, Gerüste und kniende Bodenmontage gehören zum Alltag.

Wo arbeitest du?

Bühnenmaler und -plastiker arbeiten primär an Staats- und Stadttheatern (z. B. Staatsoper Berlin, Bayerische Staatsoper, Hamburgische Staatsoper, Städtische Bühnen Frankfurt), in spezialisierten Kascheurwerkstätten sowie bei Film- und TV-Produktionsfirmen. Auch Eventausstatter, Freizeitparks und Ausstellungsgestalter beschäftigen Fachkräfte. Der Beruf ist ein echtes Nischenhandwerk – bundesweit gibt es nur wenige Dutzend Ausbildungsbetriebe, was bei vorhandener Qualifikation zu einer starken Nachfrage nach Fachkräften führt.

Voraussetzungen

Empfohlen wird ein mittlerer Schulabschluss (Realschule oder gleichwertig), da Werkstoffkunde und Kalkulation solide Grundlagen in Mathematik erfordern. Chemie ist hilfreich für das Verständnis von Bindemitteln und Farbreaktionen. Kunst ist das wichtigste Schulfach – nachgewiesene zeichnerische und malerische Fähigkeiten sind nahezu Voraussetzung. Persönlich wichtig sind räumliches Vorstellungsvermögen, Farb- und Formgefühl, handwerkliche Geschicklichkeit, Schwindelfreiheit (Arbeit auf Gerüsten), Teamfähigkeit und die Bereitschaft zu körperlich anstrengender Arbeit auch unter Zeitdruck bei Produktionspremieren.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Mal- und Mischtechniken im Vordergrund: Farbenlehre, das Mischen von Grundfarben zu Naturtönen, Grundierungen und Untergrundvorbereitung. Man lernt den Umgang mit verschiedenen Bindemitteln wie Leim, Dispersion und Kasein sowie das Aufspannen und Grundieren von Leinwänden. Im zweiten Lehrjahr kommen fortgeschrittene Illusionsmalerei (Marmorierung, Holzimitation, Rost- und Steineffekte), großflächige Schabloniertechniken und erste plastische Arbeiten mit Gips und Pappmaché dazu. Im dritten Lehrjahr werden komplexe Kulissenmalerei, perspektivische Raummalerei sowie plastische Techniken mit Polyurethanschaum, GFK (Glasfaserkunststoff) und Styropor vertieft. Hinzu kommen Restaurierung von Bühnenbildelementen, Kalkulation, Werkstoffkunde und Arbeitssicherheit. Der Betrieb und die Berufsschule – oft überregional, z. B. in Berlin – ergänzen sich dabei.

Bühnenmalerei und -plastikGestaltung und KunstgeschichteWerkstoff- und MaterialkundeTechnische Kommunikation und ZeichnenBerufliche Qualifizierung und Betriebslehre

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung wird als Gesellenprüfung nach der Handwerksordnung (HwO) durch die zuständige Handwerkskammer abgenommen. Aufgrund der geringen Ausbildungszahlen gibt es in Deutschland nur wenige Prüfungsstandorte; häufig findet die überbetriebliche Ausbildung und Prüfung in Berlin statt. Eine Zwischenprüfung findet nach ca. 18 Monaten statt und umfasst eine praktische Malaufgabe sowie schriftliche Fragen zu Werkstoffkunde und Maltechnik (Dauer ca. 3–4 Stunden). Die Gesellenprüfung am Ende des 3. Lehrjahres gliedert sich in einen praktischen Teil (Gesellenstück: Herstellung eines Kulissenelements inklusive Malerei und Plastik, ca. 2 Werktage), einen schriftlichen Teil mit den Prüfungsbereichen Gestaltung und Technik, Werkstoffkunde sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (je 60–90 Minuten) und ein abschließendes Fachgespräch über das Gesellenstück (ca. 20 Minuten). Zum Bestehen muss in jedem Prüfungsbereich mindestens ausreichend (Note 4) erzielt werden; der praktische Teil wird mit 50 % gewichtet.

Prüfungsthemen

  • Materialkunde und Werkstoffbearbeitung
  • Maltechniken und Oberflächengestaltung
  • Perspektive und räumliches Zeichnen
  • Sicherheits- und Arbeitsschutzbestimmungen
  • Kunststoff- und Formgebungstechniken

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Gesellenprüfung ist der klassische Weg der Meisterabschluss im Maler- und Lackiererhandwerk mit Fachrichtung Bühne/Studio, der zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildung berechtigt. Alternativ bietet sich ein Studium der Bühnen- und Kostümbild (z. B. HfBK Hamburg, UdK Berlin) oder Restaurierung an. Mit 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als leitender Kascheur, Werkstattleiter oder Chefkascheur an großen Staats- und Stadttheatern realistisch, mit Gehältern zwischen 3.000 und 4.500 €/Monat. Freiberufliche Tätigkeit für Film- und TV-Produktionen bietet zusätzliche Einkommensmöglichkeiten.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart eingereicht werden, da Ausbildungsplätze in diesem Nischenberuf sehr rar sind. Die Bewerbungsmappe muss zwingend ein Portfolio mit Zeichnungen, Gemälden oder Modellen enthalten – ohne künstlerischen Nachweis sind Chancen gering. Im Vorstellungsgespräch oder praktischen Eignungstest wird häufig eine kleine Malaufgabe gestellt (z. B. einen Materialeffekt auf Papier imitieren). Betriebe suchen Bewerber, die echte Theaterbegeisterung zeigen, Teamarbeit kennen (z. B. aus AG oder Schultheater) und handwerkliches Grundgeschick mitbringen. Praktika direkt in Theaterwerkstätten steigern die Chancen erheblich.

Ratgeber

Der Bühnenmaler und -plastiker ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 650 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich in Theatern, Opernhäusern und Produktionsstätten.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen im Beruf Bühnenmaler und -plastiker?
Die Ausbildung gliedert sich in zwei Fachrichtungen: Malerei und Plastik. In der Fachrichtung Malerei liegt der Schwerpunkt auf dem Gestalten und Bemalen von Bühnenbildern, während in der Fachrichtung Plastik das Herstellen dreidimensionaler Dekorationselemente und Requisiten im Vordergrund steht. Auszubildende wählen eine dieser Fachrichtungen und werden darin vertieft ausgebildet.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Bühnenmaler und -plastiker?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bevorzugen viele Ausbildungsbetriebe Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur, da handwerkliches Geschick ebenso wie Kenntnisse in Kunst und Gestaltung wichtig sind. Auch Hauptschulabsolventinnen und -absolventen können sich bewerben, wenn sie entsprechendes Talent und Interesse nachweisen.
Bei welchen Arbeitgebern arbeiten Bühnenmaler und -plastiker?
Die meisten Beschäftigten sind an öffentlichen oder privaten Theatern, Opernhäusern und Konzerthäusern tätig, häufig in deren hauseigenen Werkstätten. Darüber hinaus bieten Film- und Fernsehproduktionsfirmen, Messebauunternehmen sowie Spezialfirmen für Bühnen- und Eventausstattung Beschäftigungsmöglichkeiten. Der Arbeitsmarkt ist überschaubar und stark auf Kultureinrichtungen konzentriert.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung kann man sich etwa zum Bühnenmeister weiterbilden oder eine Meisterprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk ablegen. Wer die Hochschulzugangsberechtigung besitzt, kann ein Studium in Fächern wie Bühnen- und Kostümbild, Szenografie oder Kunstpädagogik aufnehmen. Über die sogenannte Begabtenprüfung besteht zudem die Möglichkeit, auch ohne klassische Hochschulreife ein einschlägiges Studium zu beginnen.

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