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Chemie, Physik, BiologieBBiG

Chemielaborant

Der Chemielaborant ist ein anerkannter IHK-Ausbildungsberuf mit einer Ausbildungsdauer von 3,5 Jahren, der in der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie unverzichtbar ist. Chemielaboranten führen qualitative und quantitative Analysen durch, entwickeln und optimieren chemische Synthesen und dokumentieren ihre Ergebnisse nach strengen GMP- und ISO-Normen. Das Besondere an diesem Beruf ist die Verbindung von präziser Handarbeit, naturwissenschaftlichem Verständnis und modernster Labortechnik wie HPLC, GC-MS oder NMR-Spektroskopie. Er eignet sich besonders für Menschen mit ausgeprägter Affinität zu Chemie und Biologie, die sorgfältig und analytisch arbeiten.

Ausbildungsdauer

3.5 Jahre

Azubi-Gehalt

820–1100 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2600 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Chemielaborant?

Der Arbeitsalltag beginnt oft mit der Vorbereitung von Proben und der Kalibrierung von Messgeräten wie pH-Metern, Waagen und Spektrometern. Vormittags stehen häufig Routineanalysen im Mittelpunkt: das Bestimmen von Reinheitsgraden per HPLC, die Titration von Säure-Base-Gemischen oder die Durchführung von Dichtemessungen. Für Syntheseaufgaben arbeitet man an Destillationsanlagen, Rückflusskühlen oder Autoklaven. Am Nachmittag werden Messergebnisse mit LIMS-Systemen (z. B. SAP oder LabWare) dokumentiert, Prüfberichte erstellt und Abweichungen diskutiert. Chemielaboranten arbeiten eng mit Chemikanten, Verfahrenstechnikern, QS-Beaurftragten und Laborleitern zusammen. Sicherheitsunterweisungen nach TRGS 555, das korrekte Entsorgen von Chemikalien und das Pflegen der Laborausrüstung gehören ebenfalls zum täglichen Aufgabenspektrum. In pharmazeutischen Betrieben sind Dokumentation nach GMP-Richtlinien und Chargenfreigaben zentrale Aufgaben.

Wo arbeitest du?

Chemielaboranten arbeiten vor allem in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, bei Unternehmen wie BASF, Bayer, Merck, Evonik oder Boehringer Ingelheim. Weitere typische Arbeitgeber sind Lebensmittelunternehmen (Nestlé, Dr. Oetker), Umweltlabore, Bundesbehörden wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sowie Hochschulen und Materialprüfanstalten. Der Arbeitsmarkt ist stabil mit deutlichem Fachkräftemangel, besonders in der pharmazeutischen Analytik und in der Umweltmesstechnik.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein guter Realschulabschluss, viele Ausbildungsbetriebe – insbesondere in der Pharmaindustrie – bevorzugen Abiturienten. Wichtig sind gute Kenntnisse in Chemie, Mathematik und Physik, da Stöchiometrie, Statistik und messtechnische Grundlagen täglich angewendet werden. Persönlich sollte man sorgfältig und konzentriert arbeiten können, da fehlerhafte Analysen kostspielig oder gefährlich sein können. Geduld, Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen, Teamfähigkeit und ein Grundverständnis für Sauberkeit und Ordnung im Labor sind ebenfalls essenziell.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Laborarbeit im Vordergrund: Sicherheitsvorschriften (GHS, TRGS), Labormathematik, Grundoperationen wie Filtrieren, Destillieren und Kristallisieren sowie einfache qualitative Nachweisreaktionen. Außerdem werden Mess- und Analysetechniken wie Gravimetrie und Titrimetrie eingeführt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Inhalte: organische und anorganische Synthesen, chromatographische Trennverfahren (HPLC, GC), Spektroskopie (IR, UV/Vis) und statistische Auswertung von Messdaten. Das dritte und vierte Halbjahr ist stark berufsfeldspezifisch: Je nach Spezialisierung (z. B. Pharma, Polymere, Umweltanalytik) lernt man GMP-Dokumentation, Methodenvalidierung, instrumentelle Analytik und Qualitätssicherung. Im Vergleich zu Chemikanten liegt der Schwerpunkt klar auf Analytik und Labortechnik, nicht auf großtechnischen Prozessen.

Chemie und LabortechnikMathematik und StatistikWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung des Chemielaboranten ist eine gestreckte Prüfung in zwei Teilen, abgenommen durch die zuständige IHK. Prüfungsteil 1 findet nach ca. 18 Monaten (Mitte des 2. Ausbildungsjahres) statt und beinhaltet eine praktische Laborprüfung (ca. 5 Stunden) zu Grundlagen der Analytik und Labortechnik sowie einen schriftlichen Teil (ca. 90 Minuten) zu naturwissenschaftlichen Grundlagen. Prüfungsteil 2 findet am Ende der Ausbildung (nach 42 Monaten) statt und umfasst vier Prüfungsbereiche: 1) Durchführung einer komplexen Laboraufgabe (praktisch, ca. 7,5 Stunden, Gewichtung 50 %), 2) Analytische Aufgaben (schriftlich, 120 Min., 20 %), 3) Präparative Chemie (schriftlich, 90 Min., 15 %), 4) Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Min., 15 %). Zum Bestehen müssen im Gesamtergebnis mindestens ausreichende Leistungen erzielt werden; kein Prüfungsbereich darf ungenügend sein. Ein vertiefendes Fachgespräch zur praktischen Laboraufgabe von ca. 20 Minuten ist Bestandteil von Teil 2.

Prüfungsthemen

  • Analytische Chemie und instrumentelle Messmethoden (HPLC, GC, Spektroskopie)
  • Präparative organische und anorganische Chemie
  • Laborsicherheit, Gefahrstoffrecht und Umweltschutz
  • Qualitätssicherung, GMP und Dokumentation
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung ist der klassische Aufstieg zum Chemietechniker (staatlich geprüft, z. B. an Fachschulen wie der TA Nordhessen oder der TBS Würzburg, 2 Jahre Vollzeit) möglich, der deutlich mehr Verantwortung in der Methodenentwicklung und Führungsaufgaben im Labor eröffnet. Alternativ bietet sich der Weg zum Chemiemeister (HwO) oder zu berufsbegleitenden Bachelorstudiengängen in Chemie, Lebensmittelchemie oder Biotechnologie an vielen Hochschulen an. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Laborleiter, QS-Spezialist oder Regulatory-Affairs-Manager realistisch. Das Gehalt steigt von ca. 2.600 € (Einstieg) auf 3.500–4.500 € als Techniker oder in leitenden Positionen.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsstart eingereicht werden, da Großunternehmen wie BASF oder Bayer ihre Ausbildungsplätze bereits im Herbst des Vorjahres vergeben. Die Bewerbungsmappe sollte ein individuelles Anschreiben mit Bezug auf konkrete Laborprojekte oder Chemiepraktika enthalten, aktuelle Schulzeugnisse sowie Nachweise über Praktika oder Schülerforschungsprojekte. Viele Unternehmen setzen einen naturwissenschaftlichen Einstellungstest voraus (z. B. Aufgaben zu Stöchiometrie, Laborsicherheit und Maßeinheiten). Im Vorstellungsgespräch überzeugen Bewerber durch genaue Kenntnisse chemischer Grundbegriffe, Interesse an der Laborarbeit und die Bereitschaft, präzise und strukturiert zu arbeiten. Erste Praktikumserfahrungen in einem Labor sind ein klares Alleinstellungsmerkmal.

Ratgeber

Der Chemielaborant ist ein 3,5-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG, angesiedelt im Berufsfeld Chemie, Physik und Biologie. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 820 und 1.100 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen in der Ausbildung zum Chemielaboranten?
Die Ausbildung zum Chemielaboranten umfasst verschiedene Wahlqualifikationen, aus denen Betrieb und Auszubildender gemeinsam wählen. Dazu gehören unter anderem Bereiche wie Präparative Chemie, Analytik, Galvanotechnik oder Umweltanalytik. So können gezielt unterschiedliche fachliche Schwerpunkte gesetzt werden.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Chemielaboranten?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, jedoch bevorzugen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit mittlerem Schulabschluss (Realschule) oder Abitur. Gute Kenntnisse in Chemie, Mathematik und Physik sind aufgrund der anspruchsvollen Ausbildungsinhalte von großem Vorteil. Hauptschulabsolventen haben deutlich geringere Chancen, werden aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Chemielaboranten?
Chemielaboranten sind vor allem in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der Lebensmittel- und Kosmetikbranche sowie in Forschungsinstituten und öffentlichen Prüflaboren tätig. Große Arbeitgeber sind Konzerne wie BASF, Bayer oder Evonik, aber auch mittelständische Spezialchemieunternehmen und Auftragsanalytiklabore beschäftigen diesen Beruf regelmäßig.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung kann man sich zum Chemietechniker oder zum geprüften Prozessmanager Chemie weiterbilden. Mit Fachhochschulreife oder auf dem zweiten Bildungsweg steht auch ein Studium der Chemie, Biochemie oder eines verwandten Naturwissenschaftsfaches offen. Viele Unternehmen unterstützen zudem berufsbegleitende Weiterqualifizierungen intern oder durch externe Bildungsträger.

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