Chemisch-technische Assistenten (CTA) führen eigenständig chemische und physikalische Analysen sowie Laborversuche durch. Der Beruf verbindet präzises Arbeiten mit modernen Analysegeräten und fundiertem naturwissenschaftlichem Fachwissen. Er eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Interesse an Chemie, hoher Sorgfalt und dem Wunsch, im Labor forschend und prüfend tätig zu sein.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–900 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2500 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag eines CTA findet fast ausschließlich im Labor statt – in Industrieunternehmen, Forschungsinstituten oder Prüflaboren. Morgens beginnt der Tag meist mit der Vorbereitung von Proben und Geräten: Glasgeräte werden kalibriert, Chemikalien nach Arbeitsanweisung abgewogen und Lösungen hergestellt. Anschließend werden Analysen durchgeführt, etwa die quantitative Bestimmung von Inhaltsstoffen mittels HPLC (High-Performance Liquid Chromatography), Gaschromatographie oder Atomabsorptionsspektroskopie (AAS). Nachmittags werden Messdaten ausgewertet, in LIMS-Software (Labor-Informations-Management-Systeme) dokumentiert und Prüfberichte erstellt. Typische Aufgaben sind außerdem die Durchführung von Titrationen zur Gehaltsbestimmung sowie das Einhalten und Überwachen von GMP- und GLP-Richtlinien. CTAs arbeiten eng mit Chemikern, Ingenieuren und anderen Labormitarbeitern zusammen. Ein sorgfältiger Umgang mit Gefahrstoffen sowie das Pflegen von Geräten wie Spektralphotometern, pH-Metern und Analysenwaagen gehören ebenfalls zum täglichen Aufgabenspektrum.
CTAs arbeiten in der chemischen und pharmazeutischen Industrie (z. B. BASF, Bayer, Merck, Evonik), in Lebensmittelunternehmen mit Qualitätskontrolllaboren, in öffentlichen Forschungsinstituten (Fraunhofer, Helmholtz) sowie in akkreditierten Prüf- und Umweltlaboren. Auch Krankenhäuser mit klinisch-chemischen Laboren sowie Behörden wie Landesuntersuchungsämter beschäftigen CTAs. Die Betriebe sind mehrheitlich mittlere bis große Industrieunternehmen. Bundesweit besteht ein moderater Fachkräftemangel, insbesondere in der Umwelt- und Lebensmittelanalytik.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschule), da die Ausbildungsinhalte mathematisch-naturwissenschaftliches Verständnis auf gehobenem Niveau erfordern. Besonders wichtig sind gute Noten in Chemie, Biologie, Mathematik und Physik. Persönlich sind ausgeprägte Sorgfalt und Konzentrationsfähigkeit beim Pipettieren und Abwiegen kleiner Mengen essenziell. Analytisches Denken hilft bei der Auswertung komplexer Messdaten. Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen, ein hohes Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Gefahrstoffen sowie Teamfähigkeit im Laboralltag sind weitere wichtige Eigenschaften.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Laborarbeit im Fokus: Arbeitssicherheit, Gefahrstoffkunde, Umweltschutz sowie grundlegende Labortechniken wie Destillation, Filtration, Extraktion und einfache Titrationen. Es werden Grundkenntnisse in anorganischer und organischer Chemie vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Inhalte: instrumentelle Analytik mit Geräten wie UV-Vis-Spektrometer, Gaschromatograph und HPLC, präparative organische Chemie sowie physikalisch-chemische Messmethoden. Im dritten Lehrjahr liegt der Schwerpunkt auf Spezialisierung und Selbstständigkeit: komplexe Analyseverfahren, statistische Auswertung von Messdaten, Qualitätssicherung nach ISO-Normen und GLP sowie die Erstellung vollständiger Prüfdokumentationen. Im Vergleich zu verwandten Berufen wie dem Pharmakanten oder dem Biologielaboranten ist der CTA stärker auf chemisch-analytische und chemisch-präparative Methoden ausgerichtet.
Die Abschlussprüfung des CTA gliedert sich in einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Die schriftliche Prüfung umfasst vier Prüfungsbereiche: 'Analytische Chemie' (90 Minuten, Gewichtung 25 %), 'Präparative Chemie' (90 Minuten, Gewichtung 25 %), 'Naturwissenschaftliche und technische Grundlagen' (60 Minuten, Gewichtung 20 %) sowie 'Wirtschafts- und Sozialkunde' (45 Minuten, Gewichtung 10 %). Der praktische Prüfungsteil besteht aus einer betrieblichen Fachaufgabe mit anschließendem Fachgespräch: Der Prüfling führt innerhalb von etwa 7 Stunden eine vollständige analytische oder präparative Laboraufgabe durch und dokumentiert die Ergebnisse; das Fachgespräch dauert ca. 15–20 Minuten. Die praktische Prüfung ist mit 20 % gewichtet. Eine Zwischenprüfung findet zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres (ca. Monat 15–18) statt und prüft Grundlagen der Laborpraxis sowie anorganische Chemie schriftlich und praktisch. Zum Bestehen der Abschlussprüfung müssen im Gesamtergebnis und im praktischen Teil jeweils mindestens 50 Punkte (von 100) erreicht werden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung zum CTA stehen vielfältige Weiterbildungswege offen. Eine klassische Aufstiegsfortbildung ist der staatlich geprüfte Chemotechniker (Fachschule, 2 Jahre Vollzeit oder berufsbegleitend), der in Laborleitungsfunktionen führt. Alternativ bietet sich der IHK-Fachwirt Chemie an. Über das Abitur oder ein Fachabitur ist ein Studium der Chemie, Biochemie, Pharmazeutischen Wissenschaften oder des Chemieingenieurwesens (B.Sc./B.Eng.) möglich. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Laborleiter, QA/QC-Manager oder Projektleiter in Forschung und Entwicklung realistisch. Das Monatsgehalt steigt von ca. 2.400–2.800 EUR im Einstieg auf 3.500–4.500 EUR in Führungspositionen. Spezialisierungsrichtungen umfassen Lebensmittelanalytik, Umweltanalytik, Pharmakontrolle und Petrochemie.
Die Bewerbung sollte 12–18 Monate vor Ausbildungsstart (also bereits im Frühjahr des Vorjahres) eingereicht werden, da begehrte Laborbetriebe früh auswählen. In die Bewerbungsmappe gehören ein aussagekräftiges Motivationsschreiben mit Bezug auf konkrete chemische Interessen, Zeugnisse (besonders Chemie, Mathematik, Biologie), Nachweise über Praktika in Labors sowie ggf. Teilnahme an Chemieolympiaden oder naturwissenschaftlichen AGs. Im Vorstellungsgespräch werden oft einfache Fragen zu Sicherheitsregeln im Labor, zum Periodensystem oder zu Gefahrstoffsymbolen gestellt. Einige Großunternehmen nutzen Einstellungstests mit Fragen zur Chemie, Mathematik und Konzentrationsfähigkeit. Besonders überzeugend ist, wer Laborpraktika vorweisen kann, Sorgfalt betont und konkrete Begeisterung für analytische Fragestellungen zeigt.
Ratgeber
Der Chemisch-technische Assistent ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Chemie, Physik und Biologie. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.500 Euro brutto monatlich.
Wachszieher
Wachszieher stellen handwerklich und industriell Kerzen, Wachswaren und verwandte Produkte aus Paraffin, Stearin, Bienenwachs und synthetischen Wachsen her. Der Beruf verbindet chemisch-physikalisches Grundwissen mit handwerklicher Präzision bei Schmelz-, Gieß- und Tauchprozessen. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Materialkunde, Chemie und kreativem Handwerk.
3 Jahre →
Landwirtschaftlich-technischer Laborant
Landwirtschaftlich-technische Laboranten analysieren Böden, Pflanzen, Futtermittel, Wasser und landwirtschaftliche Erzeugnisse mit chemischen, biologischen und physikalischen Methoden. Der Beruf verbindet Laborarbeit mit agrarbezogenen Fragestellungen wie Nährstoffversorgung, Schädlingsbefall oder Lebensmittelqualität. Er eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen mit Freude an präzisem, methodischem Arbeiten und einem Interesse an Landwirtschaft, Umwelt und Ernährung.
3 Jahre →
Biologielaborant
Biologielaboranten führen naturwissenschaftliche Untersuchungen und Experimente in biologischen, biochemischen und mikrobiologischen Laboren durch. Sie arbeiten mit Zellkulturen, Mikroorganismen und molekularbiologischen Methoden, werten Daten aus und dokumentieren Ergebnisse präzise. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem naturwissenschaftlichem Interesse, die sorgfältig und methodisch arbeiten möchten und Freude an praktischen Laborarbeiten haben.
3 Jahre →
Landwirtschaftlicher Laborant
Landwirtschaftliche Laboranten untersuchen Böden, Pflanzen, Futtermittel, Düngemittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse mit chemischen, physikalischen und biologischen Methoden. Der Beruf verbindet klassische Laborarbeit mit direktem Bezug zur Agrarwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Er eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen, die präzise arbeiten und den Zusammenhang zwischen Laboranalyse und landwirtschaftlicher Praxis verstehen wollen.
3 Jahre →