Edelsteingraveure gestalten kunstvolle Reliefs, Muster und Inschriften in Edelsteine, Halbedelsteine und Glas mithilfe von Kupfer-, Stahl- und Gummischeiben an der Graviermaschine. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit künstlerischer Gestaltungskraft und hat eine jahrhundertealte Tradition in der Schmuck- und Luxusgüterbranche. Er eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Feingefühl, zeichnerischem Talent und Geduld für kleinstteilige, konzentrierte Handarbeit.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
340–620 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 1900 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Vorbereitung des Arbeitsplatzes an der Graviermaschine: Spannvorrichtungen werden justiert, Schleifscheiben aus Kupfer, Stahl oder Gummi ausgewählt und mit Schleifmitteln wie Diamantpaste oder Korund eingerieben. Anhand von Vorlagen oder eigenen Entwürfen werden Motive wie florale Ornamente, Wappen, Monogramme oder figürliche Darstellungen auf Rohsteinen wie Achat, Bergkristall, Lapislazuli oder synthetischen Korundsteinen graviert. Dabei hält der Graveur den Stein frei gegen die rotierende Scheibe und steuert den Abtrag millimetergenau per Hand. Nachmittags erfolgen Feinarbeiten: Polieren der gravierten Partien mit Holz- und Filzscheiben, Mattieren einzelner Reliefzonen und abschließende Qualitätskontrolle unter der Lupe oder dem Stereomikroskop. Ein typischer Arbeitsauftrag ist das Einarbeiten eines Familienwappens in einen Siegelstein aus Rosenquarz oder das Gravieren einer Porträtgemme aus Sardonyx im Intaglio-Verfahren. Zusammengearbeitet wird eng mit Goldschmieden, Schmuckdesignern und Auftraggebern aus dem Luxussegment.
Edelsteingraveure arbeiten hauptsächlich in spezialisierten Handwerksbetrieben der Edelstein- und Schmuckindustrie, vor allem im Edelsteinzentrum Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz), dem deutschen Kompetenzzentrum dieser Branche. Weitere Arbeitgeber sind Juwelierateliers, Luxusschmuckhersteller, Auktionshäuser, Museen mit Restaurierungsabteilungen sowie der gehobene Souvenirmarkt. Bekannte Unternehmensregionen sind Pforzheim und Schwäbisch Gmünd. Der Beruf ist ein ausgesprochener Nischenberuf mit sehr wenigen Ausbildungsplätzen bundesweit; qualifizierte Fachkräfte sind entsprechend gefragt.
Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, idealerweise ein Realschulabschluss, da Zeichnen, Mathematik (Geometrie, Maßberechnung) und Werken/Technik wichtige Grundlagen bilden. Kunstunterricht und handwerkliche Vorkenntnisse sind von großem Vorteil. Persönlich sollte man außergewöhnlich feinmotorisch geschickt, konzentrationsstark und ausdauernd sein, da stundenlange Präzisionsarbeit unter der Lupe gefordert ist. Ein ausgeprägter ästhetischer Sinn, räumliches Vorstellungsvermögen und die Freude an historischer Ornamentik und Kunstgeschichte helfen ebenfalls.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Werkstoffkunde im Vordergrund: Eigenschaften, Härtegrade nach Mohs-Skala und Bearbeitbarkeit von Edelsteinen, Halbedelsteinen und Glas. Azubis lernen den sicheren Umgang mit der Graviermaschine, das Anmischen von Schleifmitteln und erste einfache Gravuren wie Linien und geometrische Muster. Im zweiten Lehrjahr vertiefen die Auszubildenden Zeichnen und Modellieren von Ornamenten, Schriften und figürlichen Motiven sowie die Technik der Reliefgravur (Kamee und Intaglio). Im dritten Lehrjahr folgen anspruchsvolle Spezialisierungen: Portätgravuren, historische Stile (Antike, Barock), Einschätzung und Auswahl qualitativ hochwertiger Rohsteine sowie das Kalkulieren von Arbeitszeiten und Materialkosten. Im Unterschied zum Glasgraveur arbeiten Edelsteingraveure ausschließlich mit mineralischen Natursteinen und synthetischen Korunden, nicht mit Glas als Hauptwerkstoff.
Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt. Geprüft werden schriftlich in 120 Minuten Grundlagen der Werkstoffkunde, Gravurtechniken und Sicherheitsvorschriften. Praktisch wird in 4 Stunden eine einfache Reliefgravur auf einem vorgegebenen Stein ausgeführt. Die Abschlussprüfung gliedert sich in einen praktischen und einen schriftlichen Teil. Der praktische Teil umfasst eine komplexe Arbeitsaufgabe: das Gravieren eines anspruchsvollen Motivs (z. B. figürliche Kamee oder Intaglio-Porträt) in 16 bis 20 Stunden, verteilt über mehrere Prüfungstage, gewichtet mit 60 % der Gesamtnote. Daran schließt sich ein Fachgespräch von ca. 15 Minuten an, in dem Materialwahl, Arbeitsvorgehen und Gestaltungsentscheidungen erläutert werden. Der schriftliche Teil prüft in 180 Minuten die Fachbereiche Gestaltung, Werkstoffkunde, Technologie sowie Wirtschafts- und Sozialkunde und ist mit 40 % gewichtet. Zum Bestehen müssen alle Prüfungsbereiche mit mindestens 50 Punkten (50 %) abgeschlossen werden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung können Edelsteingraveure die Meisterprüfung im Graveurhandwerk (HwO) ablegen und sich damit selbstständig machen oder Führungspositionen als Werkstattleiter übernehmen. Eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker (Fachrichtung Glas- und Keramikgestaltung) oder zum Gestalter im Handwerk ist möglich. Studiengänge wie Schmuckdesign, Produktgestaltung oder Kunsthandwerk an Fachhochschulen (z. B. Hochschule Trier, Fachhochschule für Edelstein- und Schmuckgestaltung Idar-Oberstein) ergänzen das Profil ideal. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als selbstständiger Kunsthandwerker, Atelier-Inhaber oder leitender Graveur in der Luxusgüterindustrie realistisch. Gehälter steigen mit Spezialisierung auf Unikate und Kunstkameen deutlich.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (August/September) eingereicht werden, da Ausbildungsplätze bundesweit extrem rar sind. In die Bewerbungsmappe gehören: tabellarischer Lebenslauf, Schulzeugnisse, ein aussagekräftiges Anschreiben sowie eine Mappe mit eigenen Zeichnungen, Kunstarbeiten oder Fotos selbst gefertigter Handarbeiten. Im Vorstellungsgespräch werden praktische Feinmotorik-Tests (z. B. Zeichnen kleiner Motive, Schnitzen in Seife) und Fragen zu künstlerischen Interessen gestellt. Bewerber überzeugen mit nachweisbarem zeichnerischem Talent, Kenntnissen in Kunstgeschichte und Mineralogie sowie der Bereitschaft zum Erlernen traditioneller Handwerkstechniken. Ein Praktikum vorab ist dringend empfohlen.
Ratgeber
Der Edelsteingraveur ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 340 und 620 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 1.900 Euro brutto monatlich.
Edelsteinfasser
Der Edelsteinfasser ist ein hochspezialisierter Goldschmiedehandwerksberuf, bei dem es darum geht, Edelsteine, Diamanten und andere Schmucksteine sicher und ästhetisch ansprechend in Metallfassungen einzusetzen. Das Besondere: Jede Fassung – ob Krappenfassung, Pavéfassung, Kanalfassung oder Zargenfassung – erfordert präzise Handarbeit unter dem Mikroskop und ein tiefes Verständnis für Materialeigenschaften. Der Beruf eignet sich für handwerklich hochbegabte Menschen mit außergewöhnlicher Fingerfertigkeit, Ausdauer und einem ausgeprägten Gespür für Ästhetik und Präzision.
3 Jahre →
Fertigungsmechaniker
Fertigungsmechaniker stellen in der industriellen Serienfertigung mechanische Bauteile und Baugruppen her, montieren diese und kontrollieren die Qualität. Der Beruf verbindet manuelle Metallbearbeitung mit dem Bedienen von CNC-gesteuerten Maschinen und Fertigungsanlagen. Er eignet sich besonders für technisch interessierte Menschen mit handwerklichem Geschick und einem Auge für Präzision und Maßgenauigkeit.
3 Jahre →
Gerätezusammensetzer
Der Gerätezusammensetzer ist ein industrieller Ausbildungsberuf im Metallbereich, bei dem Fachkräfte mechanische, elektromechanische und elektronische Baugruppen zu fertigen Geräten oder Apparaten zusammensetzen. Das Besondere: Dieser Beruf vereint handwerkliche Präzision mit seriellem Fertigungsdenken – oft werden täglich hunderte gleichartige Bauteile montiert und dabei höchste Qualitätsstandards eingehalten. Er eignet sich besonders für Menschen mit Freude an repetitiver, aber konzentrierter Tätigkeit, technischem Verständnis und dem Wunsch nach einer praxisorientierten Ausbildung ohne langen Schulweg.
3 Jahre →
Revolverdreher
Revolverdreher sind Spezialisten der spanenden Metallbearbeitung an Revolverdrehmaschinen und CNC-gesteuerten Drehzentren. Sie fertigen Präzisionsbauteile aus Metall in Serie, indem sie Werkzeugrevolver bestücken, Schnittwerte einstellen und Maße auf Hundertstelmillimeter genau kontrollieren. Der Beruf eignet sich für technisch interessierte Menschen mit ausgeprägtem Qualitätsbewusstsein und handwerklichem Geschick.
3 Jahre →