Elektroniker für Fluggeräte installieren, warten und reparieren elektrische und elektronische Systeme an Luftfahrzeugen wie Verkehrsflugzeugen, Hubschraubern oder militärischen Jets. Der Beruf verbindet hochpräzise Elektronik mit strenger Luftfahrtregulierung und höchsten Sicherheitsstandards nach EASA und Luftfahrtbehörden. Er eignet sich für technisch begeisterte Menschen mit ausgeprägtem Qualitätsbewusstsein und Verantwortungsgefühl.
Ausbildungsdauer
3.5 Jahre
Azubi-Gehalt
700–1050 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 3000 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Übernahme von Aufträgen aus dem Maintenance-Management-System (z. B. Lufthansa Technik AMOS oder SAP) und der Sichtung des Technischen Logbuchs des Luftfahrzeugs. Dann werden elektrische Systeme wie Avionik-Baugruppen, Navigationssysteme (ILS, VOR, GPS), Autopiloten, Kabinenbeleuchtung oder Triebwerkssteuerungen (FADEC) nach Wartungsvorschriften (AMM – Aircraft Maintenance Manual) geprüft und gewartet. Dabei kommen Multimeter, Oszilloskope, Avionik-Teststationen sowie spezielle Prüfadapter zum Einsatz. Nachmittags werden Kabelbäume gecrimpt oder gelötet, fehlerhafte LRU-Module (Line Replaceable Units) ausgetauscht und Funktionsprüfungen gemäß BITE (Built-In Test Equipment) durchgeführt. Alle Arbeiten werden lückenlos in der technischen Dokumentation erfasst und von lizenzierten EASA-Part-66-Freigabetechnikern abgezeichnet. Man arbeitet eng mit Avionik-Technikern, Luftfahrzeugmechanikern und Qualitätssicherung zusammen – in Hangars, Wartungsdocks oder an der Flugzeugtreppe draußen auf dem Vorfeld.
Elektroniker für Fluggeräte arbeiten vorwiegend in der gewerblichen Luftfahrtindustrie: bei MRO-Unternehmen wie Lufthansa Technik, Airbus Helicopters, MTU Maintenance oder SR Technics. Weitere Arbeitgeber sind Flugzeughersteller (Airbus, DIEHL Aviation), die Bundeswehr (militärische Luftfahrt) sowie spezialisierte Avionik-Werkstätten. Der Fachkräftemangel in der Luftfahrttechnik ist ausgeprägt – qualifizierte Fachkräfte mit EASA-Lizenz sind bundesweit sehr gefragt.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da die Ausbildung hohe Anforderungen in Mathematik (Trigonometrie, Vektorrechnung), Physik (Elektrizitätslehre) und Englisch (technische Dokumentation auf Englisch) stellt. Viele Betriebe, insbesondere Lufthansa Technik oder Airbus, bevorzugen Bewerber mit (Fach-)Abitur. Persönliche Stärken: Sorgfalt und Genauigkeit im Umgang mit sicherheitsrelevanten Systemen, technisches Verständnis, Bereitschaft zu Schicht- und Wochenenddienst sowie Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind unerlässlich.
Im 1. Lehrjahr werden elektrotechnische Grundlagen vermittelt: Gleich- und Wechselstromtechnik, Schaltkreisanalyse, Löten nach Luftfahrtnorm (EN 4854), Lesen von Schaltplänen und Arbeiten mit Handwerkzeug und Messtechnik. Grundlagen der Arbeitssicherheit sowie Qualitätssicherungs- und Dokumentationspflichten nach EASA-Vorschriften werden eingeführt. Im 2. Lehrjahr folgt die Vertiefung: Digitalelektronik, Mikrocontroller, Bussysteme (ARINC 429, CAN-Bus), Hydraulik- und Drucksystemsensorik sowie Grundlagen der Avionik. Im 3. Lehrjahr spezialisiert man sich auf Flugzeugnavigation, Kommunikationssysteme, Triebwerksüberwachungselektronik und Flugsteuerungssysteme. Im Vergleich zur allgemeinen Elektronikerausbildung liegt der Fokus eindeutig auf luftfahrtspezifischen Normen (EASA Part 145, DGUV), AMM-Vorschriften und der nachvollziehbaren Dokumentation sicherheitsrelevanter Arbeiten.
Die Zwischenprüfung (Teil 1) findet Ende des 2. Lehrjahres statt, in der Regel im März/April. Geprüft werden elektrotechnische Grundkenntnisse schriftlich (120 Minuten) sowie eine praktische Aufgabe zur Fehlersuche und Messung an einer elektrischen Baugruppe (60 Minuten). Die Abschlussprüfung (Teil 2) gliedert sich in folgende Bereiche: - Arbeitsaufgabe (praktisch): Fehlerdiagnose, Instandsetzung und Funktionsprüfung eines Avioniksystems inkl. Dokumentation – Dauer ca. 6 Stunden, Gewichtung 50 %. - Systemanalyse und Instandhaltung (schriftlich): 120 Minuten, Gewichtung 20 %. - Fluggerätesysteme (schriftlich): 90 Minuten, Gewichtung 15 %. - Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich): 60 Minuten, Gewichtung 15 %. Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 30 Punkte (von 100) erforderlich; der Gesamtdurchschnitt muss mindestens 50 Punkte erreichen. An die Arbeitsaufgabe schließt sich ein Fachgespräch (15 Minuten) an, das die Entscheidungen des Prüflings zu seiner praktischen Aufgabe hinterfragt.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung ist der Einstieg als Avionik-Techniker in einem MRO-Betrieb (Maintenance, Repair, Overhaul) möglich. Mit Berufserfahrung kann die EASA-Part-66-Lizenz (Kategorie B1 oder B2) erworben werden, die eigenständige Freigaben von Luftfahrzeugen erlaubt – verbunden mit deutlichem Gehaltssprung. Weiterbildungsmöglichkeiten: Staatlich geprüfter Techniker Fachrichtung Elektrotechnik, Industriemeister Elektrotechnik (IHK), Studium Luft- und Raumfahrttechnik (B.Eng./M.Eng.) oder Wirtschaftsingenieurwesen. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Schichtführer, Qualitätssicherungsinspektor, Lead Technician oder Ausbilder erreichbar. Gehalt mit EASA-Lizenz: 3.800–5.500 EUR brutto/Monat. Spezialisierungen in Avionik, Kabinenelektronik, Triebwerkssystemtechnik oder Drohnentechnik sind zukunftsträchtig.
Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist August/September) eingereicht werden, da Großunternehmen wie Lufthansa Technik oder Airbus lange Auswahlprozesse haben. Die Bewerbungsmappe sollte Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, letzte zwei Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise aus dem technischen Bereich enthalten. Der Auswahlprozess umfasst häufig einen schriftlichen Einstellungstest (Mathematik, Physik, Logik, Englisch), ein technisches Praktikum oder Assessment Center sowie ein persönliches Vorstellungsgespräch. Überzeugen können Bewerber mit Kenntnissen in Elektronik (z. B. Hobby-Projekte, Arduino), Englischkenntnissen für technische Dokumentation sowie nachgewiesener Sorgfalt und Zuverlässigkeit. Interesse an der Luftfahrt und Grundkenntnisse der EASA-Regularien hinterlassen einen starken Eindruck.
Ratgeber
Der Elektroniker für Fluggeräte ist ein 3,5-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 700 und 1.050 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 3.000 Euro brutto monatlich in der Luft- und Raumfahrtbranche.
Elektroniker für Geräte und Systeme
Elektroniker für Geräte und Systeme entwickeln, montieren und warten elektronische Baugruppen, Geräte und komplexe Systeme – von medizinischen Messgeräten über Kommunikationstechnik bis hin zu Automatisierungsanlagen. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzisionsarbeit mit tiefem elektrotechnischem Fachwissen. Er eignet sich für technikbegeisterte Menschen, die sowohl am Lötkolben als auch an Messinstrumenten und Programmierschnittstellen arbeiten möchten.
3.5 Jahre →
Elektroinstallateur
Elektroinstallateure installieren, warten und reparieren elektrische Anlagen in Gebäuden – von der Unterverteilung über Leitungsverlegung bis zu Beleuchtungs- und Sicherungssystemen. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit technischem Verständnis und ist unverzichtbar im Bau- und Sanierungsbereich. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Elektrotechnik, technischem Verständnis und Freude an sichtbaren Arbeitsergebnissen.
3 Jahre →
Elektroniker
Elektroniker/-innen installieren, warten und reparieren elektrische und elektronische Anlagen und Geräte. Die Ausbildung existiert in mehreren Fachrichtungen – etwa Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungstechnik oder Informations- und Telekommunikationstechnik. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis und eignet sich für Menschen, die gerne mit Schaltplänen, Messgeräten und modernen Steuerungssystemen arbeiten.
3.5 Jahre →
Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik
Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik installieren, warten und reparieren elektrische Anlagen in Gebäuden – von der Hausinstallation über Beleuchtungssysteme bis zu Photovoltaikanlagen und Gebäudeautomation. Der Beruf verbindet klassisches Elektrohandwerk mit moderner Steuer- und Regeltechnik. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die gerne handwerklich arbeiten, Problemlösungen vor Ort umsetzen und dabei Abwechslung auf verschiedenen Baustellen schätzen.
3.5 Jahre →