🧭AG
Alle BerufeBerufs-CheckRatgeber★ Merkliste
← Alle Berufe
ElektroberufeBBiG

Elektroniker für Fluggeräte

Elektroniker für Fluggeräte installieren, warten und reparieren elektrische und elektronische Systeme an Luftfahrzeugen wie Verkehrsflugzeugen, Hubschraubern oder militärischen Jets. Der Beruf verbindet hochpräzise Elektronik mit strenger Luftfahrtregulierung und höchsten Sicherheitsstandards nach EASA und Luftfahrtbehörden. Er eignet sich für technisch begeisterte Menschen mit ausgeprägtem Qualitätsbewusstsein und Verantwortungsgefühl.

Ausbildungsdauer

3.5 Jahre

Azubi-Gehalt

700–1050 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 3000 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Elektroniker für Fluggeräte?

Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Übernahme von Aufträgen aus dem Maintenance-Management-System (z. B. Lufthansa Technik AMOS oder SAP) und der Sichtung des Technischen Logbuchs des Luftfahrzeugs. Dann werden elektrische Systeme wie Avionik-Baugruppen, Navigationssysteme (ILS, VOR, GPS), Autopiloten, Kabinenbeleuchtung oder Triebwerkssteuerungen (FADEC) nach Wartungsvorschriften (AMM – Aircraft Maintenance Manual) geprüft und gewartet. Dabei kommen Multimeter, Oszilloskope, Avionik-Teststationen sowie spezielle Prüfadapter zum Einsatz. Nachmittags werden Kabelbäume gecrimpt oder gelötet, fehlerhafte LRU-Module (Line Replaceable Units) ausgetauscht und Funktionsprüfungen gemäß BITE (Built-In Test Equipment) durchgeführt. Alle Arbeiten werden lückenlos in der technischen Dokumentation erfasst und von lizenzierten EASA-Part-66-Freigabetechnikern abgezeichnet. Man arbeitet eng mit Avionik-Technikern, Luftfahrzeugmechanikern und Qualitätssicherung zusammen – in Hangars, Wartungsdocks oder an der Flugzeugtreppe draußen auf dem Vorfeld.

Wo arbeitest du?

Elektroniker für Fluggeräte arbeiten vorwiegend in der gewerblichen Luftfahrtindustrie: bei MRO-Unternehmen wie Lufthansa Technik, Airbus Helicopters, MTU Maintenance oder SR Technics. Weitere Arbeitgeber sind Flugzeughersteller (Airbus, DIEHL Aviation), die Bundeswehr (militärische Luftfahrt) sowie spezialisierte Avionik-Werkstätten. Der Fachkräftemangel in der Luftfahrttechnik ist ausgeprägt – qualifizierte Fachkräfte mit EASA-Lizenz sind bundesweit sehr gefragt.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da die Ausbildung hohe Anforderungen in Mathematik (Trigonometrie, Vektorrechnung), Physik (Elektrizitätslehre) und Englisch (technische Dokumentation auf Englisch) stellt. Viele Betriebe, insbesondere Lufthansa Technik oder Airbus, bevorzugen Bewerber mit (Fach-)Abitur. Persönliche Stärken: Sorgfalt und Genauigkeit im Umgang mit sicherheitsrelevanten Systemen, technisches Verständnis, Bereitschaft zu Schicht- und Wochenenddienst sowie Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind unerlässlich.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im 1. Lehrjahr werden elektrotechnische Grundlagen vermittelt: Gleich- und Wechselstromtechnik, Schaltkreisanalyse, Löten nach Luftfahrtnorm (EN 4854), Lesen von Schaltplänen und Arbeiten mit Handwerkzeug und Messtechnik. Grundlagen der Arbeitssicherheit sowie Qualitätssicherungs- und Dokumentationspflichten nach EASA-Vorschriften werden eingeführt. Im 2. Lehrjahr folgt die Vertiefung: Digitalelektronik, Mikrocontroller, Bussysteme (ARINC 429, CAN-Bus), Hydraulik- und Drucksystemsensorik sowie Grundlagen der Avionik. Im 3. Lehrjahr spezialisiert man sich auf Flugzeugnavigation, Kommunikationssysteme, Triebwerksüberwachungselektronik und Flugsteuerungssysteme. Im Vergleich zur allgemeinen Elektronikerausbildung liegt der Fokus eindeutig auf luftfahrtspezifischen Normen (EASA Part 145, DGUV), AMM-Vorschriften und der nachvollziehbaren Dokumentation sicherheitsrelevanter Arbeiten.

Elektrotechnik und MesstechnikAvionik und FlugzeugsystemeTechnische Kommunikation und DokumentationEnglisch (Luftfahrttechnik)Wirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung (Teil 1) findet Ende des 2. Lehrjahres statt, in der Regel im März/April. Geprüft werden elektrotechnische Grundkenntnisse schriftlich (120 Minuten) sowie eine praktische Aufgabe zur Fehlersuche und Messung an einer elektrischen Baugruppe (60 Minuten). Die Abschlussprüfung (Teil 2) gliedert sich in folgende Bereiche: - Arbeitsaufgabe (praktisch): Fehlerdiagnose, Instandsetzung und Funktionsprüfung eines Avioniksystems inkl. Dokumentation – Dauer ca. 6 Stunden, Gewichtung 50 %. - Systemanalyse und Instandhaltung (schriftlich): 120 Minuten, Gewichtung 20 %. - Fluggerätesysteme (schriftlich): 90 Minuten, Gewichtung 15 %. - Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich): 60 Minuten, Gewichtung 15 %. Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 30 Punkte (von 100) erforderlich; der Gesamtdurchschnitt muss mindestens 50 Punkte erreichen. An die Arbeitsaufgabe schließt sich ein Fachgespräch (15 Minuten) an, das die Entscheidungen des Prüflings zu seiner praktischen Aufgabe hinterfragt.

Prüfungsthemen

  • Elektrotechnik und Schaltungsanalyse (Gleich-/Wechselstrom, Messtechnik)
  • Avionik-Systeme (Navigation, Kommunikation, Autopilot, FADEC)
  • Fehlerdiagnose und Instandsetzung von LRU-Baugruppen
  • Technische Dokumentation nach AMM und EASA-Vorschriften
  • Bussysteme und Digitalelektronik (ARINC 429, CAN-Bus)
  • Qualitätssicherung und Luftfahrtrecht (EASA Part 145/66)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung ist der Einstieg als Avionik-Techniker in einem MRO-Betrieb (Maintenance, Repair, Overhaul) möglich. Mit Berufserfahrung kann die EASA-Part-66-Lizenz (Kategorie B1 oder B2) erworben werden, die eigenständige Freigaben von Luftfahrzeugen erlaubt – verbunden mit deutlichem Gehaltssprung. Weiterbildungsmöglichkeiten: Staatlich geprüfter Techniker Fachrichtung Elektrotechnik, Industriemeister Elektrotechnik (IHK), Studium Luft- und Raumfahrttechnik (B.Eng./M.Eng.) oder Wirtschaftsingenieurwesen. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Schichtführer, Qualitätssicherungsinspektor, Lead Technician oder Ausbilder erreichbar. Gehalt mit EASA-Lizenz: 3.800–5.500 EUR brutto/Monat. Spezialisierungen in Avionik, Kabinenelektronik, Triebwerkssystemtechnik oder Drohnentechnik sind zukunftsträchtig.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist August/September) eingereicht werden, da Großunternehmen wie Lufthansa Technik oder Airbus lange Auswahlprozesse haben. Die Bewerbungsmappe sollte Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, letzte zwei Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise aus dem technischen Bereich enthalten. Der Auswahlprozess umfasst häufig einen schriftlichen Einstellungstest (Mathematik, Physik, Logik, Englisch), ein technisches Praktikum oder Assessment Center sowie ein persönliches Vorstellungsgespräch. Überzeugen können Bewerber mit Kenntnissen in Elektronik (z. B. Hobby-Projekte, Arduino), Englischkenntnissen für technische Dokumentation sowie nachgewiesener Sorgfalt und Zuverlässigkeit. Interesse an der Luftfahrt und Grundkenntnisse der EASA-Regularien hinterlassen einen starken Eindruck.

Ratgeber

Der Elektroniker für Fluggeräte ist ein 3,5-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 700 und 1.050 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 3.000 Euro brutto monatlich in der Luft- und Raumfahrtbranche.

Häufige Fragen

Gibt es beim Elektroniker für Fluggeräte verschiedene Fachrichtungen oder Spezialisierungen?
Der Ausbildungsberuf Elektroniker für Fluggeräte ist bereits eine eigenständige Spezialisierung innerhalb der Elektroberufe und auf die Luft- und Raumfahrttechnik ausgerichtet. Im Verlauf der Ausbildung oder im Berufsleben können weitere Spezialisierungen in Bereichen wie Avioniksysteme, Triebwerkselektronik oder Bordelektronik erfolgen. Betriebsinterne Qualifizierungen und Herstellerzertifizierungen, etwa nach EASA Part-66, sind in der Praxis üblich.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Elektroniker für Fluggeräte?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, jedoch bevorzugen die meisten Betriebe Bewerber mit mittlerem Bildungsabschluss oder Abitur. Aufgrund der technischen Anforderungen in der Luft- und Raumfahrttechnik sind gute Kenntnisse in Mathematik, Physik und Englisch von Vorteil. Ein Hauptschulabschluss reicht formal aus, ist in der Praxis aber selten ausreichend für eine Zusage.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Elektroniker für Fluggeräte arbeiten?
Elektroniker für Fluggeräte arbeiten vor allem bei Flugzeugherstellern wie Airbus, bei Triebwerksbauern wie MTU oder Rolls-Royce sowie bei der Bundeswehr und der Luftwaffe. Weitere Arbeitgeber sind Wartungs- und Instandhaltungsunternehmen (MRO-Betriebe), Fluggesellschaften mit eigenen Technikbereichen sowie Raumfahrtunternehmen. Die Beschäftigungsmöglichkeiten sind geografisch auf Standorte der Luft- und Raumfahrtindustrie konzentriert, etwa Hamburg, München oder Bremen.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Elektroniker für Fluggeräte die Meisterprüfung im Elektrohandwerk ablegen oder sich zum staatlich geprüften Techniker in der Fachrichtung Elektrotechnik weiterqualifizieren. Mit der entsprechenden Hochschulzugangsberechtigung ist auch ein Studium in Luft- und Raumfahrttechnik, Elektrotechnik oder Avionik möglich. In der Praxis ist zudem die Lizenzprüfung nach EASA Part-66 (Aircraft Maintenance Licence) ein wichtiger Karriereschritt für die selbstständige Freigabe von Luftfahrzeugen.

Ähnliche Berufe in Elektroberufe

Elektroniker für Geräte und Systeme

Elektroniker für Geräte und Systeme entwickeln, montieren und warten elektronische Baugruppen, Geräte und komplexe Systeme – von medizinischen Messgeräten über Kommunikationstechnik bis hin zu Automatisierungsanlagen. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzisionsarbeit mit tiefem elektrotechnischem Fachwissen. Er eignet sich für technikbegeisterte Menschen, die sowohl am Lötkolben als auch an Messinstrumenten und Programmierschnittstellen arbeiten möchten.

3.5 Jahre →

Elektroinstallateur

Elektroinstallateure installieren, warten und reparieren elektrische Anlagen in Gebäuden – von der Unterverteilung über Leitungsverlegung bis zu Beleuchtungs- und Sicherungssystemen. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit technischem Verständnis und ist unverzichtbar im Bau- und Sanierungsbereich. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Elektrotechnik, technischem Verständnis und Freude an sichtbaren Arbeitsergebnissen.

3 Jahre →

Elektroniker

Elektroniker/-innen installieren, warten und reparieren elektrische und elektronische Anlagen und Geräte. Die Ausbildung existiert in mehreren Fachrichtungen – etwa Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungstechnik oder Informations- und Telekommunikationstechnik. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis und eignet sich für Menschen, die gerne mit Schaltplänen, Messgeräten und modernen Steuerungssystemen arbeiten.

3.5 Jahre →

Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik

Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik installieren, warten und reparieren elektrische Anlagen in Gebäuden – von der Hausinstallation über Beleuchtungssysteme bis zu Photovoltaikanlagen und Gebäudeautomation. Der Beruf verbindet klassisches Elektrohandwerk mit moderner Steuer- und Regeltechnik. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die gerne handwerklich arbeiten, Problemlösungen vor Ort umsetzen und dabei Abwechslung auf verschiedenen Baustellen schätzen.

3.5 Jahre →