Fachkräfte für Straßen- und Verkehrstechnik planen, installieren und warten verkehrstechnische Anlagen wie Lichtsignalanlagen, Verkehrszeichenbrücken, Wegweiser und Streckenstationen. Der Beruf verbindet Elektrotechnik, IT-Netzwerke und Straßenbautechnik zu einem spezialisierten Tätigkeitsfeld. Er eignet sich für technikbegeisterte Menschen, die gerne im Freien und an komplexen Infrastrukturprojekten arbeiten.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
700–1000 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2500 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Regel mit der Übergabe im Betriebshof oder Straßenmeisterei, wo Tagesaufträge aus dem Managementsystem (z. B. SAP oder kommunale Instandhaltungssoftware) ausgegeben werden. Anschließend fahren Fachkräfte mit dem Servicefahrzeug zu Einsatzorten an Bundes-, Landes- oder Gemeindestraßen. Typische Morgenaufgaben: Überprüfung und Fehlerdiagnose an Lichtsignalanlagen (LSA) mithilfe von Steuergeräten wie Siemens SRS oder SWARCO-Controller, Auswechseln defekter LED-Signalgeber oder Schaltschränke. Nachmittags werden häufig Wartungsarbeiten an Verkehrszählstationen, Wechselwegweisern (WWW) oder Tunnelleittechnik durchgeführt. Dabei kommen Multimeter, Leitungssucher, SPS-Programmiersoftware und Netzwerk-Analysegeräte zum Einsatz. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Straßenbauverwaltungen, Straßenmeistereien, Tiefbauämtern sowie externen Planungsbüros. Eine konkrete Beispielaufgabe ist die Inbetriebnahme einer neu installierten Ampelanlage inklusive Signalzeitenprogrammierung; eine weitere ist die Entstörung eines Streckenbeeinflussungssystems auf der Autobahn bei Nacht.
Fachkräfte für Straßen- und Verkehrstechnik arbeiten überwiegend bei kommunalen Straßenbauverwaltungen, Landesbetrieben Straßenbau (z. B. Autobahn GmbH des Bundes, Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz, Bayern Straßen), Tiefbauämtern sowie spezialisierten Ingenieurbüros und Privatunternehmen wie SWARCO, Siemens Mobility oder Strabag. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, da der Bedarf durch Digitalisierung und Ausbau intelligenter Verkehrssysteme (ITS) stark wächst.
Empfohlen wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss, besser ein Realschulabschluss. Besonders wichtig sind gute Noten in Mathematik (Berechnung von Stromkreisen, Widerständen), Physik (Elektrizitätslehre) und Technik. Persönlich sollte man handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und Konzentrationsfähigkeit mitbringen. Wichtig ist außerdem Verantwortungsbewusstsein, da Fehler an Verkehrsanlagen Unfälle verursachen können. Wer gerne im Freien arbeitet, technikaffin ist und kein Problem mit Höhenarbeiten oder Nachtschichten hat, ist in diesem Beruf gut aufgehoben.
Im ersten Lehrjahr stehen elektrotechnische Grundlagen im Mittelpunkt: Schaltkreise aufbauen, Mess- und Prüfgeräte anwenden, Sicherheitsvorschriften (BGV A3, DGUV) kennenlernen sowie grundlegende Kenntnisse im Straßen- und Verkehrswesen erwerben. Außerdem werden Lesen und Erstellen technischer Zeichnungen sowie Grundlagen der Steuerungs- und Regelungstechnik vermittelt. Im zweiten und dritten Lehrjahr folgt die Vertiefung: Installation und Inbetriebnahme von Lichtsignalanlagen, Datennetzwerke und Kommunikationstechnik (OCIT-Standard, Ethernet, Glasfaser), SPS-Programmierung, Fehlerdiagnose an Verkehrsrechnersystemen und Streckenbeeinflussungsanlagen sowie rechtliche Grundlagen der Straßenverkehrsordnung (StVO). Im Vergleich zur klassischen Elektroniker-Ausbildung liegt der Schwerpunkt spezifisch auf öffentlicher Infrastruktur, Verkehrssteuerung und Straßenbetrieb statt auf Gebäude- oder Industrieautomation.
Die Zwischenprüfung (Teil 1) findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt, in der Regel im Januar/Februar. Sie umfasst eine schriftliche Prüfung in den Bereichen Elektrotechnik und Straßen- und Verkehrstechnik (Dauer: 120 Minuten) sowie eine praktische Aufgabe, bei der eine einfache elektrische Schaltung aufgebaut und gemessen wird (Dauer: 90 Minuten). Die Ergebnisse gehen nicht in die Abschlussnote ein. Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des dritten Lehrjahres statt. Sie gliedert sich in folgende Bereiche: - Praktische Arbeitsaufgabe (Planung, Montage und Inbetriebnahme einer verkehrstechnischen Anlage): ca. 7 Stunden, Gewichtung 50 % - Schriftlicher Prüfungsbereich Verkehrstechnik: 120 Minuten, Gewichtung 20 % - Schriftlicher Prüfungsbereich Elektrotechnik und Systeme: 90 Minuten, Gewichtung 20 % - Wirtschafts- und Sozialkunde: 60 Minuten, Gewichtung 10 % Zum Bestehen müssen in jedem Bereich mindestens ausreichende Leistungen (50 Punkte von 100) erzielt werden. Bei der Arbeitsaufgabe ist ein Fachgespräch von ca. 15–20 Minuten integriert.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung sind folgende Weiterbildungswege möglich: Techniker (staatlich geprüft) in der Fachrichtung Elektrotechnik oder Straßenbau, Industriemeister Elektrotechnik (IHK) oder Meister im Straßenbau (HwK). Auch ein berufsbegleitendes Studium zum Bachelor of Engineering in Verkehrssystemtechnik, Elektrotechnik oder Bauingenieurwesen ist möglich. Spezialisierungen bieten sich in der Verkehrsrechnertechnik, Tunnelleittechnik, intelligenten Verkehrssystemen (ITS) und Lichtsignalplanung an. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Projektleiter, Gruppenleiter in Straßenmeistereien oder technischer Abteilungsleiter bei Straßenbauämtern realistisch. Das Gehalt steigt von ca. 2.500 EUR auf 3.500–4.500 EUR brutto monatlich.
Bewerben sollte man sich 12–18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart, also ab Frühjahr des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und ggf. Praktikumsnachweise. Im Vorstellungsgespräch werden häufig technisches Grundverständnis, Motivation für Straßeninfrastruktur und Teamfähigkeit geprüft. Manche Behörden und Unternehmen setzen einen IHK-Einstellungstest oder einen internen Eignungstest mit mathematisch-technischen Aufgaben ein. Wer Praktika in Straßenmeistereien, Elektrobetrieben oder Tiefbauunternehmen vorweisen kann, hat klare Vorteile. Kenntnisse in Elektrotechnik aus der Schule oder dem Hobby sowie ein Führerschein Klasse B (oft Pflicht bei Außendienst) überzeugen Ausbilder besonders.
Ratgeber
Die Fachkraft für Straßen- und Verkehrstechnik ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 700 und 1.000 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.500 Euro brutto monatlich.
Vermessungstechniker
Vermessungstechniker erfassen präzise Lage- und Höhendaten von Grundstücken, Bauwerken und Geländeoberflächen mithilfe moderner Messtechnik. Der Beruf verbindet Außenarbeit im Gelände mit computergestützter Datenverarbeitung im Büro. Er eignet sich für Menschen mit räumlichem Denkvermögen, mathematischem Verständnis und Freude an Präzisionsarbeit unter freiem Himmel.
3 Jahre →
Fachkraft für Wasserwirtschaft
Fachkräfte für Wasserwirtschaft sind spezialisiert auf den Schutz, die Bewirtschaftung und Überwachung von Wasserressourcen. Sie analysieren Gewässer, betreiben Kläranlagen und Wasserversorgungsanlagen und überwachen die Wasserqualität nach gesetzlichen Vorgaben. Der Beruf eignet sich für Naturinteressierte mit technischem Verständnis und Verantwortungsbewusstsein, die aktiv zum Umwelt- und Gewässerschutz beitragen möchten.
3 Jahre →
Geomatiker
Geomatiker erfassen, verwalten und visualisieren raumbezogene Daten – von Landvermessung über Satellitenbilder bis hin zu digitalen Stadtmodellen. Der Beruf verbindet Geodäsie, Informatik und Kartografie und eignet sich für technikaffine Menschen mit Interesse an Geografie, Mathematik und digitaler Datenverarbeitung. Wer gerne mit Karten, GIS-Software und modernen Messtechnologien arbeitet, ist hier richtig.
3 Jahre →
Technischer Produktdesigner
Technische Produktdesigner entwickeln und konstruieren technische Bauteile, Baugruppen und Produkte mithilfe moderner CAD-Software wie CATIA, SolidWorks oder Inventor. Sie erstellen normgerechte technische Zeichnungen und 3D-Modelle, die als Grundlage für die Fertigung dienen. Der Beruf eignet sich für Menschen mit räumlichem Vorstellungsvermögen, technischem Interesse und Präzisionsdenken, die gerne am Computer konstruieren und technische Probleme lösen.
3.5 Jahre →