Glaser ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO), der in vier Fachrichtungen unterteilt ist: Verglasung und Glasbau, Fenster- und Glasfassadenbau, Fahrzeugverglasung sowie Glasprodukion und Veredelung. Besonders ist die Kombination aus handwerklichem Geschick und technischem Verständnis für Glaseigenschaften wie Wärmedämmung, Schallschutz und Einbruchhemmung. Der Beruf eignet sich für Menschen, die präzise arbeiten, räumliches Vorstellungsvermögen besitzen und Freude an der Verarbeitung eines faszinierenden Materials haben, das zugleich ästhetische und funktionale Anforderungen erfüllt.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
750–1050 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2600 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Ein typischer Arbeitstag als Glaser beginnt morgens in der Werkstatt mit der Vorbereitung der Materialien: Glaszuschnitt nach Maß mithilfe von Glasschneider, Anlegerlineal und automatischen Zuschneideanlagen. Im Anschluss werden Glaselemente zugeschnitten, Schnittkanten mit Schleifstein gebrochen und Isolierglaselemente für den Einbau vorbereitet. Nachmittags steht häufig die Montage auf Baustellen an: Fenster und Türen einsetzen, Glasfassaden montieren oder Schaufensterverglasungen erneuern. Dabei werden Glasklötze gesetzt, Dichtungen eingepasst und Dichtmassen appliziert. Der Glaser arbeitet eng mit Bauträgern, Architekten und Zimmerleuten zusammen. In der Fachrichtung Fahrzeugverglasung werden Windschutzscheiben mit Klebetechnik eingesetzt. Werkzeuge wie Saugheber, Trennscheider und Druckluftpistolen gehören zum täglichen Handwerkszeug. Arbeitssicherheit und das korrekte Handling schwerer Glasscheiben sind zentrale Bestandteile jedes Arbeitstages.
Glaser arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Glaserbetrieben des Glaserhandwerks, die im Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks (BIV) organisiert sind. Weitere Arbeitgeber sind Fensterbauunternehmen, Bauzulieferer wie Saint-Gobain, AGC oder Guardian, Fahrzeugglasunternehmen (z. B. Autoglas-Filialen von Belron/Carglass) sowie öffentliche Bauverwaltungen. Der Arbeitsmarkt zeigt deutlichen Fachkräftemangel, besonders in der Fachrichtung Fahrzeugverglasung und Glasfassadenbau. Die Branche sucht aktiv Nachwuchs.
Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, Betriebe bevorzugen jedoch oft Bewerber mit Mittlerem Schulabschluss (Realschule). Wichtige schulische Fächer sind Mathematik (Flächenberechnungen, Maßstabzeichnungen, Winkelmessung), Physik (Schall- und Wärmeleitung) und Werken oder Technik. Persönlich sollte man handwerkliches Geschick, Sorgfalt und Konzentrationsfähigkeit mitbringen, da schon kleine Ungenauigkeiten beim Zuschnitt kostspieligen Ausschuss verursachen. Schwindelfreiheit ist beim Arbeiten auf Gerüsten und Leitern notwendig. Räumliches Vorstellungsvermögen und Freude am Umgang mit dem Material Glas sind entscheidende Voraussetzungen.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundkenntnisse der Glasbearbeitung im Vordergrund: Glasarten unterscheiden (Floatglas, Sicherheitsglas, Isolierglas), Zuschnitt, Brechen und Schleifen von Kanten, sowie Grundlagen des Arbeitsschutzes und der Werkzeugkunde. Auch Zeichnungslesen und einfache Aufmaßarbeiten werden eingeübt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Inhalte in Richtung der gewählten Fachrichtung: Im Verglasung- und Glasbau lernt man Fensterreparatur und -austausch, Dichtungstechnik und den Umgang mit Spezialverglasungen wie Brandschutzglas. Im dritten Lehrjahr folgen komplexere Aufgaben wie die Montage von Glasfassaden, Kalkulationsgrundlagen und Fehlerdiagnose. Was diese Ausbildung von ähnlichen Bauberufen unterscheidet, ist das spezifische Materialwissen über Glas: Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte), Lichtdurchlässigkeit und statische Belastbarkeit sind fachspezifische Inhalte, die nur Glaser so detailliert erlernen.
Die Gesellenprüfung des Glasers wird vor der zuständigen Handwerkskammer (HWK) abgelegt und ist in zwei Teile gegliedert. Prüfungsteil 1 findet nach etwa 18 Monaten statt und besteht aus einer praktischen Arbeitsaufgabe: Das Zuschneiden, Bearbeiten und Einpassen von Glaselementen in ein vorgegebenes Rahmensystem, Dauer ca. 4 Stunden. Dazu kommt ein schriftlicher Teil mit praxisnahen Fragen zu Glasarten, Werkzeugkunde und Arbeitsschutz (ca. 90 Minuten). Prüfungsteil 2 findet am Ende der Ausbildung statt. Er besteht aus einem Gesellenstück (praktische Prüfungsarbeit je nach Fachrichtung, z. B. Einbau einer Isolierverglasung inkl. Abdichtung, Dauer bis zu 2 Tage), einer schriftlichen Prüfung in den Bereichen Technologie (120 Min.), Technische Mathematik (60 Min.) und Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Min.) sowie einem Fachgespräch von ca. 15 Minuten. Prüfungsteil 1 fließt mit 30 Prozent, Teil 2 mit 70 Prozent in die Gesamtnote ein. Zum Bestehen muss die Gesamtnote mindestens ausreichend (4,0) sein, und kein Prüfungsbereich darf mit ungenügend bewertet werden.
Prüfungsthemen
Nach der Gesellenprüfung kann der Glaser den Meistertitel anstreben: Der Glasermeister (HwO) befähigt zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildung von Lehrlingen. Meisterlehrgänge dauern in Vollzeit ca. 12–18 Monate und werden an Handwerkskammern oder spezialisierten Bildungszentren angeboten. Alternativ gibt es den Staatlich geprüften Techniker – Fachrichtung Glastechnik, der an Fachschulen berufsbegleitend erreichbar ist. Mit Hochschulreife eignet sich ein Studium in Glastechnologie (z. B. Hochschule Coburg), Werkstoffwissenschaften oder Bauingenieurwesen. Führungspositionen wie Werkstattleiter, Bauleiter oder Objektbetreuer sind nach 5–10 Jahren realistisch. Das Gehalt steigt vom Einstieg von ca. 2.600 Euro brutto auf 3.200–3.800 Euro als erfahrener Geselle oder Meister.
Bewerbungen sollten 6–12 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist 1. August oder 1. September) eingereicht werden, da viele Handwerksbetriebe frühzeitig planen. Die Bewerbungsmappe sollte Anschreiben, Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse und ggf. Nachweise über Praktika (auch Schülerpraktika in Handwerksbetrieben sind wertvoll) enthalten. Im Vorstellungsgespräch wird auf handwerkliches Interesse, Sorgfalt und körperliche Belastbarkeit geachtet. Einige größere Betriebe setzen Eignungstests mit mathematischen Aufgaben und räumlichem Denken ein. Besonders überzeugen können Bewerber, die ein Berufsorientierungspraktikum in einem Glaserbetrieb absolviert haben und konkrete Eindrücke aus der Praxis schildern können. Engagement bei der Handwerkskammer-Lehrstellenbörse erhöht die Chancen erheblich.
Ratgeber
Der Glaser ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 750 und 1.050 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich.
Flachglastechnologe
Flachglastechnologen stellen industriell Flachglas her – vom Floatglas für Fensterscheiben bis hin zu Spezialverglasungen für Fahrzeuge oder Solarmodule. Sie überwachen und steuern vollautomatisierte Produktionsanlagen, prüfen Glasqualität und beheben technische Störungen. Der Beruf eignet sich für technisch interessierte Menschen, die in einem industriellen Umfeld mit hochmodernen Anlagen und Hochtemperaturprozessen arbeiten möchten.
3 Jahre →
Verfahrensmechaniker für Brillenoptik
Verfahrensmechaniker für Brillenoptik stellen Brillengläser industriell her – vom Rohglas bis zum fertig geschliffenen, polierten und beschichteten Glas. Der Beruf verbindet feinmechanische Präzision mit moderner CNC-Technologie und optischen Qualitätsstandards. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen mit hohem Qualitätsbewusstsein und Freude an Fertigungsprozessen auf Mikrometer-Niveau.
3 Jahre →
Manufakturporzellanmaler
Manufakturporzellanmaler gestalten und verzieren Porzellanwaren von Hand mit traditionellen und modernen Maltechniken. Sie arbeiten in Porzellanmanufakturen und verbinden kunsthandwerkliches Geschick mit tiefem Wissen über Glasuren, Pigmente und Brennprozesse. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Feingefühl, Geduld und einem starken Interesse an bildender Kunst sowie historischen Dekortraditionen.
3 Jahre →
Glasmaler
Glasmaler ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk, der die Herstellung und Restaurierung von Kunstverglasungen, Bleiglasfenstern, Brandmalereien und dekorativen Glasobjekten umfasst. Das Besondere an diesem seltenen Beruf ist die Verbindung von jahrhundertealtem Handwerk – wie der Technik der mittelalterlichen Kirchenfenster – mit modernen Gestaltungsprozessen und Materialien. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem künstlerischem Talent, handwerklichem Geschick und historischem Interesse, die bereit sind, in einer Nischenbranche mit hohem Spezialisierungsgrad zu arbeiten.
3 Jahre →