Glasmaler ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk, der die Herstellung und Restaurierung von Kunstverglasungen, Bleiglasfenstern, Brandmalereien und dekorativen Glasobjekten umfasst. Das Besondere an diesem seltenen Beruf ist die Verbindung von jahrhundertealtem Handwerk – wie der Technik der mittelalterlichen Kirchenfenster – mit modernen Gestaltungsprozessen und Materialien. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem künstlerischem Talent, handwerklichem Geschick und historischem Interesse, die bereit sind, in einer Nischenbranche mit hohem Spezialisierungsgrad zu arbeiten.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
500–850 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2400 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag eines Glasmalers beginnt oft mit der Vorbereitung und dem Zuschneiden von Flachglas nach Schablonen oder Konstruktionszeichnungen. Morgens werden häufig Werkstücke aus dem Brennofen entnommen und kontrolliert, die am Vortag mit Glasfarben bemalt oder geätzt wurden. Zentrale Tätigkeiten sind das Auftragen von Schwarzlot (einer speziellen Schmelzfarbe) mit Pinseln und Federkielen, das Einbrennen im Ofen bei bis zu 650 °C sowie das Zusammensetzen von Glasscheiben mit Bleiruten zu Bleiglasfenstern. Typische Werkzeuge sind Glasschneider, Lötkolben, Zieheisen für Bleiruten, Malstöcke und verschiedene Pinseltypen. Nachmittags werden oft Restaurierungsarbeiten an historischen Fenstern dokumentiert, Maßzeichnungen erstellt oder Verglasung in Metallrahmen eingebaut. Die Arbeit findet überwiegend in Ateliers und Werkstätten statt, gelegentlich auch direkt auf Baustellen bei der Montage von Fenstern in Kirchen, Rathäusern oder Privatgebäuden. Man arbeitet eng mit Denkmalpflegebehörden, Architekten und Restauratoren zusammen.
Glasmaler arbeiten überwiegend in kleinen und mittleren Handwerksbetrieben und Kunstateliers, die sich auf Kirchenverglasung, Denkmalpflege und individuelle Kunstverglasungen spezialisiert haben – beispielsweise bei renommierten Werkstätten wie Oidtmann (Linnich), Dr. H. Oidtmann KG oder Peters Studios (Paderborn). Weitere Arbeitgeber sind Restaurierungswerkstätten staatlicher Museen und Bauämter. Der Arbeitsmarkt ist eng, da es bundesweit nur wenige Ausbildungsbetriebe gibt; gleichzeitig besteht spürbarer Fachkräftemangel, besonders in der Restaurierung historischer Kirchenfenster.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da Kenntnisse in Mathematik (Maße berechnen, Winkel, Materialkalkulation), Chemie (Schmelzprozesse, Ätzchemikalien) und Kunst zwingend notwendig sind. Kunstunterricht und Zeichnen sind besonders wichtig, da handwerkliche Entwürfe präzise ausgeführt werden müssen. Persönliche Stärken wie Fingerfertigkeit, Ausdauer bei Detailarbeiten, Farb- und Formempfinden sowie ein Interesse an Geschichte und Denkmalpflege sind unerlässlich. Wichtig ist auch körperliche Belastbarkeit, da mit schweren Bleiruten und gelegentlich auf Gerüsten gearbeitet wird.
Im ersten Lehrjahr stehen grundlegende Handwerkstechniken im Vordergrund: Glasschneiden, Kenntnis verschiedener Glasarten (Antikglas, Kathedralglas, Walzglas), Umgang mit Bleiruten und das Grundprinzip der Bleiverglasung. Man lernt Sicherheitsvorschriften beim Umgang mit bleihaltigen Materialien und ätzenden Chemikalien. Im zweiten Lehrjahr kommen malerische Techniken hinzu: Glasmalerei mit Schwarzlot und Silbergelb, Schattierungen, Schraffuren sowie Brandtechnik im Elektroofen. Man übt das Anfertigen von Kartons (Vorzeichnungen im Maßstab 1:1) und erste Restaurierungsarbeiten. Im dritten Lehrjahr werden komplexe künstlerische Techniken wie Ätzen mit Flusssäure, Sandstrahlen, das Malen mit Emailfarben und das selbstständige Entwerfen und Ausführen größerer Projekte vertieft. Die Ausbildung unterscheidet sich von Glasveredlern durch den starken Fokus auf künstlerische Gestaltung und historische Restaurierung.
Die Ausbildung zum Glasmaler wird als Handwerksberuf nach der Handwerksordnung (HwO) durch die zuständigen Handwerkskammern geregelt. Die Zwischenprüfung findet nach etwa 18 Monaten statt und umfasst eine praktische Aufgabe (ca. 4 Stunden) – typischerweise das Zuschneiden und Zusammensetzen eines kleinen Bleiglasobjekts – sowie schriftliche Aufgaben zu Glasarten, Werkzeugkunde und Arbeitssicherheit (ca. 120 Minuten). Die Abschlussprüfung (Gesellenprüfung) am Ende der 3-jährigen Ausbildung besteht aus zwei Teilen: einem praktischen Teil (Gesellenstück), bei dem über 40–60 Stunden ein vollständiges Glasmalobjekt oder Fensterausschnitt angefertigt wird (Gewichtung ca. 60 %), und einem schriftlichen Teil mit den Prüfungsbereichen Technologie, Gestaltung/Farblehre sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (Gewichtung ca. 40 %). Ein abschließendes Fachgespräch über das Gesellenstück dauert ca. 15–20 Minuten. Zum Bestehen muss in der Gesamtnote mindestens ausreichend (Note 4) erreicht werden; kein Einzelbereich darf mit ungenügend bewertet werden.
Prüfungsthemen
Nach der Gesellenprüfung können Glasmaler zunächst als Geselle in Ateliers oder Restaurierungswerkstätten arbeiten. Mit mehrjähriger Berufserfahrung ist die Meisterprüfung im Glasmaler-Handwerk möglich, die zur Selbstständigkeit und Ausbildung von Lehrlingen berechtigt. Ein verwandter Aufstieg ist der Restaurator im Handwerk (staatlich geprüft), der speziell für die Arbeit mit Kulturgütern qualifiziert. Passende Studiengänge sind Restaurierung/Konservierung (z. B. an der HTW Berlin oder HAWK Hildesheim), Glasgestaltung oder Kunsthandwerk. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, selbstständiger Atelierinhaber oder freier Restaurierungsexperte für Denkmalbehörden realistisch. Das Gehalt steigt mit der Meisterqualifikation und Spezialisierung auf bis zu 3.500 € brutto und mehr.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsstart (also bis Ende des vorherigen Schuljahres) eingereicht werden, da es bundesweit sehr wenige Ausbildungsplätze gibt. Die Bewerbungsmappe sollte neben den üblichen Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse) unbedingt eine Mappe mit eigenen künstlerischen Arbeiten oder Zeichnungen enthalten – das ist bei Glasmalerei-Betrieben oft entscheidend. Im Vorstellungsgespräch achten Ausbilder besonders auf Begeisterung für historisches Handwerk und die Bereitschaft zu präzisem, geduldigen Arbeiten. Praktika in Glasmaler-Ateliers, Kirchenrestaurierungsbetrieben oder bei Glasbildhauern sind sehr hilfreich und zeigen echtes Interesse. Kenntnisse in Kunstgeschichte oder Erfahrungen aus Kunstkursen heben Bewerber deutlich ab.
Ratgeber
Der Glasmaler ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Keramik- und Glasberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 500 und 850 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.400 Euro brutto monatlich.
Industriekeramiker Anlagentechnik
Industriekeramiker in der Fachrichtung Anlagentechnik stellen keramische Erzeugnisse wie Feuerfestprodukte, technische Keramik oder Sanitärporzellan mithilfe industrieller Fertigungsanlagen her. Sie bedienen, überwachen und warten komplexe Maschinen wie Tunnelöfen, Pressen und Glasieranlagen. Der Beruf eignet sich für technisch interessierte Menschen mit Affinität zu Materialwissenschaften, Prozesssteuerung und handwerklichem Geschick.
3 Jahre →
Glasapparatebauer
Glasapparatebauer sind hochspezialisierte Handwerker, die aus Borosilikatglas und anderen Glasarten präzise Laborgeräte, chemische Apparaturen und technische Glaskomponenten fertigen. Mit der Glasbläserlampe und Spezialwerkzeug formen sie Reaktionskolben, Destillationsbrücken, Kondensatoren und maßgeschneiderte Sonderanfertigungen für Forschung, Industrie und Medizin. Dieser seltene Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit chemisch-technischem Fachwissen und eignet sich besonders für Menschen mit ruhiger Hand, Geduld und Freude an exakten, reproduzierbaren Arbeitsergebnissen.
3 Jahre →
Keramiker
Keramiker/-innen formen, glasieren und brennen Erzeugnisse aus keramischen Massen wie Ton, Steinzeug oder Porzellan. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit Kenntnissen über Werkstoffe, Brenntechniken und Oberflächengestaltung. Er eignet sich für Menschen mit Freude an gestalterischer Arbeit, technischem Verständnis und Ausdauer beim Arbeiten mit der Drehscheibe oder in der Serienfertigung.
3 Jahre →
Manufakturporzellanmaler
Manufakturporzellanmaler gestalten und verzieren Porzellanwaren von Hand mit traditionellen und modernen Maltechniken. Sie arbeiten in Porzellanmanufakturen und verbinden kunsthandwerkliches Geschick mit tiefem Wissen über Glasuren, Pigmente und Brennprozesse. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Feingefühl, Geduld und einem starken Interesse an bildender Kunst sowie historischen Dekortraditionen.
3 Jahre →