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Keramik- und GlasberufeBBiG

Industriekeramiker Anlagentechnik

Industriekeramiker in der Fachrichtung Anlagentechnik stellen keramische Erzeugnisse wie Feuerfestprodukte, technische Keramik oder Sanitärporzellan mithilfe industrieller Fertigungsanlagen her. Sie bedienen, überwachen und warten komplexe Maschinen wie Tunnelöfen, Pressen und Glasieranlagen. Der Beruf eignet sich für technisch interessierte Menschen mit Affinität zu Materialwissenschaften, Prozesssteuerung und handwerklichem Geschick.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

600–900 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2600 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Industriekeramiker Anlagentechnik?

Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Überprüfung laufender Brennprozesse in Tunnelöfen oder Kammeröfen, bei denen Temperaturen zwischen 900 °C und 1.800 °C kontrolliert werden. Mithilfe von SPS-Steuerungen (z. B. Siemens SIMATIC) werden Brennkurven ausgelesen und bei Abweichungen korrigiert. Rohmaterialien wie Kaolin, Feldspat und Quarz werden nach Rezeptur gewogen und in Kugelmühlen oder Mischern zu Versätzen verarbeitet. Anschließend erfolgt die Formgebung an hydraulischen Pressen, Strangpressen oder Druckgussmaschinen, je nach Produkttyp. Nachmittags werden Grünlinge auf Maßhaltigkeit und Fehlerfreiheit mit Messschiebern und Schablonen geprüft. Glasierautomaten werden gerüstet und Glasurparameter eingestellt. Gemeinsam mit Verfahrenstechnikern, Qualitätsprüfern und Wartungstechnikern werden Produktionsprobleme wie Rissbildung oder Verzug analysiert und behoben. Produktionsdaten werden in ERP-Systeme eingetragen und Schichtberichte erstellt.

Wo arbeitest du?

Industriekeramiker Anlagentechnik arbeiten in Keramikwerken der Fein- und Technischen Keramik (z. B. CeramTec, Kyocera), Sanitärkeramikherstellern (z. B. Villeroy & Boch, Duravit), Feuerfest-Unternehmen (z. B. RHI Magnesita) sowie Ziegeleien und Porzellanmanufakturen. Die meisten Betriebe sind mittelständische Industrieunternehmen in Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Fachkräftemangel besteht in der Feuerfest- und technischen Keramikbranche deutlich.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Realschulabschluss, da der Beruf fundierte Kenntnisse in Chemie, Physik und Mathematik erfordert. Gute Noten in Chemie und Physik sind vorteilhaft, da Brennprozesse, Rohstoffreaktionen und Anlagensteuerung fachliches Verständnis erfordern. Technisches Verständnis, sorgfältige Arbeitsweise und räumliches Vorstellungsvermögen sind essenziell. Wer Freude an der Bedienung von Maschinen hat, gut im Team arbeiten kann, Hitzebelastung toleriert und prozessorientiert denkt, findet in diesem Beruf ideale Voraussetzungen.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden keramische Grundlagen vermittelt: Rohstoffkunde (Tonminerale, Magerungsmittel, Flussmittel), Grundlagen der Formgebungsverfahren wie Drehen, Pressen und Gießen sowie Arbeitssicherheit an Maschinen. Grundlegende Mess- und Prüftechniken mit Messschieber und Waage stehen ebenso auf dem Lehrplan wie die Bedienung einfacher Steuerungen. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertieft sich die Ausbildung auf anlagentechnische Schwerpunkte: Planung und Überwachung von Brennprozessen, Wartung und Instandhaltung von Produktionsanlagen, Qualitätssicherung nach DIN-Normen sowie die Optimierung von Fertigungsabläufen. Im Vergleich zur Fachrichtung Verfahrenstechnik liegt der Fokus stärker auf der Maschinenbedienung, Anlagensteuerung und Prozessüberwachung als auf der manuellen Formgebung oder der Masseaufbereitung.

KeramiktechnologieAnlagentechnik und SteuerungstechnikWerkstoffkunde und RohstofflehreQualitätssicherungWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet im zweiten Lehrjahr (circa 18 Monate nach Ausbildungsbeginn, Frühjahr) statt. Sie umfasst einen schriftlichen Teil (120 Minuten) zu Keramiktechnologie, Werkstoffkunde und Anlagentechnik sowie eine praktische Aufgabe (circa 2 Stunden) zur Formgebung oder Masseaufbereitung. Die Abschlussprüfung (Teil 2) wird am Ende des dritten Lehrjahres durchgeführt und gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: Prüfungsbereich 1 – Anlagentechnik und Produktionstechnologie (schriftlich, 180 Minuten, 40 % Gewichtung), Prüfungsbereich 2 – Verfahrenstechnische Prozesse und Qualitätssicherung (schriftlich, 120 Minuten, 20 % Gewichtung), Prüfungsbereich 3 – Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten, 10 % Gewichtung) sowie Prüfungsbereich 4 – Praktische Arbeitsaufgabe inkl. Fachgespräch (circa 7 Stunden, 30 % Gewichtung). Zum Bestehen müssen in allen Prüfungsbereichen mindestens 50 von 100 Punkten erreicht werden. Das Fachgespräch dauert in der Regel 15 Minuten.

Prüfungsthemen

  • Anlagentechnik und Maschinensteuerung (SPS, Brennöfen)
  • Keramische Rohstoffe und Versatzberechnung
  • Formgebungsverfahren (Pressen, Strangpressen, Druckguss)
  • Brenntechnologie und Temperaturführung
  • Qualitätssicherung und Fehleranalyse
  • Glasur- und Engobenaufbereitung
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich Weiterbildungen zum Industriemeister Fachrichtung Glas und Keramik (IHK) an, die Führungspositionen wie Schichtleiter oder Produktionsleiter ermöglichen. Der staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Keramik eröffnet Tätigkeiten in Prozessplanung und technischem Vertrieb. Mit Abitur ist ein Studium der Werkstoffwissenschaften, Verfahrenstechnik oder Keramikingenieurwesen (Bachelor of Engineering) möglich. Spezialisierungen in Hochleistungskeramik, Feuerfesttechnik oder Umwelttechnik (Filtrationskeramik) sind gefragt. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Fertigungsleiter, Qualitätsmanager oder Prozessingenieur realistisch, mit Gehältern zwischen 3.500 und 5.000 EUR brutto monatlich.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 10 bis 12 Monate vor Ausbildungsbeginn (also ab Herbst des Vorjahres) eingereicht werden. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, letztes Schulzeugnis sowie eventuell Nachweise über Praktika in der Keramik- oder Metallindustrie. Im Vorstellungsgespräch werden technisches Grundverständnis, Kenntnisse über keramische Produkte sowie Belastbarkeit bei Hitze und Schichtarbeit thematisiert. Manche Unternehmen nutzen einen technischen Einstellungstest mit Aufgaben zu Mathematik, Physik und räumlichem Denken. Besonders überzeugend wirken Bewerber, die Eigeninitiative durch Praktika belegen, grundlegendes Wissen über Rohstoffe oder Brennvorgänge mitbringen und eine klare Motivation für industrielle Fertigung zeigen.

Ratgeber

Der Industriekeramiker Anlagentechnik ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Bereich Keramik- und Glasberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 600 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Welche Fachrichtungen oder Spezialisierungen gibt es beim Industriekeramiker Anlagentechnik?
Die Ausbildung zum Industriekeramiker gliedert sich in verschiedene Fachrichtungen, darunter Anlagentechnik, Verfahrenstechnik und Produktgestaltung und -verarbeitung. Die Fachrichtung Anlagentechnik legt den Schwerpunkt auf Bedienung, Überwachung und Wartung keramischer Produktionsanlagen sowie auf verfahrenstechnische Abläufe in der Keramikherstellung.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Industriekeramiker Anlagentechnik?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bevorzugen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit einem Realschulabschluss oder einem vergleichbaren mittleren Abschluss. Auch Bewerber mit Hauptschulabschluss haben grundsätzlich Chancen auf einen Ausbildungsplatz, wenn sie gute Leistungen in Mathematik, Physik und Chemie vorweisen können.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Industriekeramiker Anlagentechnik?
Industriekeramiker Anlagentechnik sind vor allem in der keramischen Industrie tätig, beispielsweise in Betrieben, die Fliesen, Sanitärkeramik, technische Keramik oder Porzellan herstellen. Weitere Arbeitgeber finden sich in der Feuerfest- und der Baukeramikindustrie sowie in Unternehmen, die Spezialkeramik für die Elektro-, Medizin- oder Automobilindustrie produzieren.
Welche Weiterbildungs- oder Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Industriekeramiker Anlagentechnik eine Aufstiegsfortbildung zum Industriemeister Fachrichtung Keramik oder zum Techniker im Bereich Keramik absolvieren. Mit dem Meister- oder Technikerabschluss besteht in vielen Bundesländern auch die Möglichkeit, ein Fachhochschulstudium, etwa in der Werkstofftechnik oder dem Keramikingenieurwesen, aufzunehmen.

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