🧭AG
Alle BerufeBerufs-CheckRatgeber★ Merkliste
← Alle Berufe
Keramik- und GlasberufeBBiG

Figurenkeramformer

Figurenkeramformer fertigen handwerklich und industriell keramische Figuren, Reliefs und dekorative Objekte aus Ton, Porzellan oder Steinzeugmasse. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit künstlerischem Gestaltungssinn und tiefem Materialwissen. Er eignet sich für Menschen mit Freude an plastischem Gestalten, Feinmotorik und dem Wunsch, traditionsreiche Keramikkultur aktiv weiterzuführen.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

480–750 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2100 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Figurenkeramformer?

Der Arbeitsalltag findet überwiegend in der Werkstatt oder im Produktionsbetrieb statt. Morgens werden zunächst Gipsformen gereinigt, geprüft und mit Trennmittel (z. B. Kernseifenlösung) vorbereitet. Anschließend wird Schlickerguss angesetzt oder plastische Tonmasse aufbereitet – dazu nutzt man Vakuummischer, Kollergang oder Tonknetmaschinen. Ton oder Porzellanschlicker wird in Gipsformen gegossen oder manuell eingedrückt, um Figuren, Büsten oder ornamentale Reliefs herzustellen. Nachmittags stehen Entformen, Nachbearbeiten mit Schaber, Schwamm und Modellierholz sowie das Ausarbeiten von Details auf dem Programm. Fehler wie Luftblasen oder Risse werden mit Schlicker retuschiert. Getrocknete Rohlinge werden kontrolliert, gestapelt und ofenfertig vorbereitet. Figurenkeramformer arbeiten eng mit Formenbauern, Modellierern und Brennofenführern zusammen. Typische Aufgaben sind das exakte Ausdünnen von Hohlgusskörpern auf gleichmäßige Wandstärke sowie das passgenaue Zusammensetzen mehrteiliger Figuren mit Schlicker als Kleber.

Wo arbeitest du?

Figurenkeramformer arbeiten hauptsächlich in keramischen Manufakturen und Kunstporzellanwerken, zum Beispiel bei der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen, Rosenthal, der Manufaktur Nymphenburg oder Goebel. Auch kleinere kunsthandwerkliche Töpfereien und Atelier-Betriebe sowie staatliche Restaurierungswerkstätten und Museen beschäftigen diese Fachkräfte. Es handelt sich um einen kleinen Nischenberuf mit geringer Ausbildungsplatzzahl; qualifizierte Figurenkeramformer sind in spezialisierten Manufakturen durchaus gefragt, allerdings ist der Gesamtarbeitsmarkt eng begrenzt.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, besser ein Realschulabschluss. Wichtige Schulfächer sind Kunst (Raumgefühl, plastisches Denken), Chemie (Werkstoffverhalten, Brennprozesse) und Mathematik (Mischungsrechnung, Maßhaltigkeit). Persönlich sollten Interessenten ausgeprägte Feinmotorik und Fingerfertigkeit mitbringen, da millimetergenaues Arbeiten an Figuren Voraussetzung ist. Geduld, Sorgfalt und ein Auge für Proportionen und Symmetrie sind ebenso wichtig wie die Bereitschaft, repetitive Handgriffe präzise und dauerhaft auszuführen. Kreativität und Freude an traditionellem Kunsthandwerk runden das Profil ab.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen keramische Grundlagen im Mittelpunkt: Kennenlernen von Tonen, Magerungsmitteln und Porzellanmassen, Grundtechniken des Handaufbaus, Plattenaufbau und Schlickerguss sowie der Umgang mit einfachen Gipsformen. Sicherheitsvorschriften beim Umgang mit Stäuben und Chemikalien werden früh vermittelt. Im zweiten Lehrjahr werden komplexere Gussverfahren (Vollguss, Hohlguss), das Herstellen und Reparieren von Gipsformen sowie das Einpassen und Retuschieren von Formteilen vertieft. Grundlagen des Brennens und der Glasurtechnik kommen hinzu. Im dritten Lehrjahr erfolgt die Spezialisierung auf figurale und ornamentale Objekte: Feinretusche, Oberflächenbehandlung (Gravieren, Aufsetzen von Applikationen), Qualitätskontrolle und Brennofenbestückung. Im Unterschied zum Dreher oder Dekormaler liegt der Schwerpunkt hier klar auf der plastisch-figuralen Formgebung und der Gipsformarbeit.

Keramiktechnologie und WerkstoffkundeGestaltung und FormenlehreFachrechnen und Technische MathematikWirtschafts- und SozialkundeBerufspraktische Übungen

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres (circa 18. Monat) statt. Sie umfasst einen schriftlichen Teil mit 120 Minuten zu Technologie, Werkstoffkunde und Fachrechnen sowie eine praktische Aufgabe, bei der ein einfaches Formstück (Schlickerguss und Retusche) innerhalb von etwa 4 Stunden herzustellen ist. Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des dritten Ausbildungsjahres statt. Sie gliedert sich in: Praktische Arbeitsaufgabe – Herstellen und Fertigstellen einer figürlichen oder ornamentalen Keramikarbeit (ca. 7 Stunden, Gewichtung 50 %), Schriftlicher Prüfungsbereich Technologie (90 Minuten, 25 %), Schriftlicher Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 %) sowie ein Fachgespräch zur praktischen Arbeitsaufgabe (max. 15 Minuten, 15 %). Zum Bestehen müssen im Gesamtergebnis mindestens 50 Punkte (von 100) erreicht werden; kein Prüfungsbereich darf mit weniger als 30 Punkten abschließen.

Prüfungsthemen

  • Schlicker- und Gießmasseaufbereitung, Gipsformtechnik
  • Hohlguss- und Vollgussverfahren
  • Retusche und Feinbearbeitung von Keramikfiguren
  • Trocknungs- und Brennprozesse (Schrüh- und Glattbrand)
  • Glasur- und Engobetechnik
  • Qualitätskontrolle und Fehleranalyse keramischer Erzeugnisse
  • Werkstoffkunde: Tone, Porzellanmassen, Magerungsmittel

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Keramiker-Meister (HwO) der naheliegendste Schritt, der Selbstständigkeit und Ausbildungsberechtigung ermöglicht. Alternativ bietet sich der staatlich geprüfte Techniker für Keramik an. Wer studieren möchte, findet in Studiengängen wie Keramikdesign (z. B. Hochschule Koblenz), Kunsthandwerk oder Produktdesign passende Angebote. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Werkstattleitung, Produktionsleiter einer keramischen Manufaktur oder Qualitätsprüfer realistisch. Gehaltlich sind nach Meisterabschluss 3.000–3.800 EUR brutto monatlich erreichbar. Spezialisierungen in Restaurierung historischer Keramik oder künstlerische Eigenproduktion für den Kunstmarkt sind weitere Optionen.

Bewerbungstipps

Bewerben sollte man sich 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart, da Manufakturen und Fachbetriebe sehr wenige Plätze vergeben. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf, Schulzeugnisse und – besonders wichtig – eine Mappe mit eigenen plastischen Arbeiten, Zeichnungen oder Fotografien selbst gefertigter Objekte. Im Vorstellungsgespräch werden häufig ein praktisches Fingerfertigkeitstest (z. B. Kneten und Formen einer kleinen Figur aus Ton) sowie Fragen zu handwerklichen Vorerfahrungen gestellt. Kenntnisse im Töpfern aus Vereinen oder Volkshochschulen, Erfahrungen mit Gips oder Modellbau und Grundkenntnisse keramischer Materialien überzeugen Ausbilder besonders. Wer bereits ein eigenes Kunststück aus Ton vorzeigen kann, hebt sich deutlich von Mitbewerbern ab.

Ratgeber

Der Figurenkeramformer ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Keramik- und Glasberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 480 und 750 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.100 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen beim Figurenkeramformer?
Im Ausbildungsberuf Figurenkeramformer können sich Auszubildende auf verschiedene Fertigungstechniken spezialisieren, etwa Gießen, Drehen oder Drücken von Keramikfiguren. Zusätzlich gibt es Unterschiede je nach Produktsegment, beispielsweise dekorative Figuren, Kunstkeramik oder Gebrauchskeramik mit figürlichen Elementen.
Welcher Schulabschluss ist für die Ausbildung zum Figurenkeramformer erforderlich?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Betriebe Bewerber mit Hauptschul- oder Realschulabschluss ein. Handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und Interesse an gestalterischer Arbeit sind wichtiger als der formale Abschluss.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Figurenkeramformer?
Figurenkeramformer finden Beschäftigung vor allem in der keramischen Industrie, in Kunsthandwerksbetrieben sowie bei Herstellern von Zier- und Gebrauchskeramik. Bekannte Arbeitgeber sind beispielsweise Porzellan- und Steingutmanufakturen, aber auch kleinere Kunstwerkstätten und Designbetriebe.
Welche Weiterbildungs- oder Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Figurenkeramformer?
Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit, sich zum Keramiker-Meister weiterzubilden oder einen Techniker-Abschluss im Bereich Keramik anzustreben. Wer die Fachhochschulreife besitzt oder über den zweiten Bildungsweg erwirbt, kann ein Studium etwa im Bereich Keramikdesign, Produktdesign oder Werkstofftechnik aufnehmen.

Ähnliche Berufe in Keramik- und Glasberufe

Verfahrensmechaniker für Brillenoptik

Verfahrensmechaniker für Brillenoptik stellen Brillengläser industriell her – vom Rohglas bis zum fertig geschliffenen, polierten und beschichteten Glas. Der Beruf verbindet feinmechanische Präzision mit moderner CNC-Technologie und optischen Qualitätsstandards. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen mit hohem Qualitätsbewusstsein und Freude an Fertigungsprozessen auf Mikrometer-Niveau.

3 Jahre →

Verfahrensmechaniker Glastechnik

Verfahrensmechaniker Glastechnik stellen Glaserzeugnisse wie Flachglas, Hohlglas oder Glasfasern mit industriellen Maschinen und Anlagen her. Der Beruf verbindet physikalisch-chemisches Verständnis mit technischem Geschick an hochautomatisierten Produktionsanlagen. Er eignet sich für Menschen, die präzise arbeiten, Prozesse überwachen und in einem materialintensiven Fertigungsumfeld tätig sein möchten.

3 Jahre →

Glaser

Glaser ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO), der in vier Fachrichtungen unterteilt ist: Verglasung und Glasbau, Fenster- und Glasfassadenbau, Fahrzeugverglasung sowie Glasprodukion und Veredelung. Besonders ist die Kombination aus handwerklichem Geschick und technischem Verständnis für Glaseigenschaften wie Wärmedämmung, Schallschutz und Einbruchhemmung. Der Beruf eignet sich für Menschen, die präzise arbeiten, räumliches Vorstellungsvermögen besitzen und Freude an der Verarbeitung eines faszinierenden Materials haben, das zugleich ästhetische und funktionale Anforderungen erfüllt.

3 Jahre →

Prüftechnologe Keramik

Prüftechnologen Keramik überwachen und sichern die Qualität keramischer Erzeugnisse – von Sanitärkeramik und Fliesen bis hin zu technischer Hochleistungskeramik. Sie führen material- und produktspezifische Prüfungen durch, dokumentieren Ergebnisse und leiten Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung ein. Der Beruf eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen mit ausgeprägtem Genauigkeitssinn und Freude an laborgestützter Messtechnik.

3 Jahre →