Prüftechnologen Keramik überwachen und sichern die Qualität keramischer Erzeugnisse – von Sanitärkeramik und Fliesen bis hin zu technischer Hochleistungskeramik. Sie führen material- und produktspezifische Prüfungen durch, dokumentieren Ergebnisse und leiten Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung ein. Der Beruf eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen mit ausgeprägtem Genauigkeitssinn und Freude an laborgestützter Messtechnik.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–900 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2600 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitstag beginnt meist im Prüflabor oder in der Qualitätssicherungsabteilung eines keramischen Produktionsbetriebs. Morgens werden Proben aus der laufenden Fertigung entnommen und vorbereitet: Grünkörper, gebrannte Scherben oder glasierte Fliesen werden für Festigkeitsprüfungen, Maßhaltigkeitskontrollen und Oberflächenanalysen zugeschnitten, geschliffen und vermessen. Dabei kommen Präzisionsmessgeräte wie Bügelmessschrauben, Koordinatenmessmaschinen, Biegeprüfmaschinen (z. B. Zwick/Roell) und Rasterelektronenmikroskope zum Einsatz. Nachmittags werden die Messdaten in Qualitätsmanagementsysteme wie SAP QM oder spezifische LIMS-Software eingetragen, Prüfberichte erstellt und statistische Auswertungen per SPC-Charts durchgeführt. Man arbeitet eng mit Fertigungstechnikern, Verfahrenstechnikern und dem Produktionsleiter zusammen. Typische Einzelaufgaben: Wasseraufnahme-Test nach DIN EN ISO 10545 an Bodenfliesen durchführen oder Druckfestigkeit von Technischer Keramik (Aluminiumoxid-Bauteilen) mit der Universalprüfmaschine bestimmen und die Ergebnisse gegen Spezifikationsgrenzen bewerten.
Prüftechnologen Keramik arbeiten überwiegend in der keramischen Industrie: bei Fliesenherstellern (Villeroy & Boch, Agrob Buchtal, Steuler), Sanitärkeramikproduzenten (Laufen, Duravit), Herstellern technischer Keramik (CeramTec, 3M Advanced Materials) sowie in der Feuerfestindustrie (RHI Magnesita). Auch Prüfinstitute wie die Deutsche Keramische Gesellschaft (DKG) oder Materialprüfanstalten (MPA) stellen aus. Es besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, insbesondere in der technischen Keramik.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss), da der Beruf vertiefte Kenntnisse in Chemie, Physik und Mathematik voraussetzt. Besonders wichtig sind Verständnis für Messunsicherheiten und Statistik sowie Sorgfalt bei der Dokumentation. Gute Noten in Chemie und Physik sind von Vorteil, da Rohstoffanalysen, thermische Verfahren und instrumentelle Analytik zum täglichen Handwerk gehören. Persönlich sollte man ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein, systematisches Denkvermögen, Konzentrationsfähigkeit bei Routineprüfungen und Interesse an mineralischen Werkstoffen mitbringen.
Im ersten Lehrjahr stehen keramische Grundstoffe im Mittelpunkt: Tonminerale, Feldspat, Quarz und Kaolin werden mineralogisch und chemisch charakterisiert. Azubis erlernen grundlegende Labor- und Messtechnik, Arbeitssicherheit im Umgang mit Stäuben und Chemikalien sowie den Aufbau keramischer Fertigungsprozesse (Aufbereitung, Formgebung, Trocknung, Brand). Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Inhalte in Richtung Prüfmethodik: mechanische Prüfverfahren (Biegezugfestigkeit, Härte nach Vickers und Mohs), thermische Analysen (Dilatometrie, DTA) und chemische Beständigkeitsprüfungen werden selbstständig durchgeführt. Im dritten Lehrjahr liegt der Fokus auf Qualitätsmanagementsystemen (ISO 9001), statistischer Prozesskontrolle, Fehleranalyse und der Interpretation von Röntgendiffraktogrammen. Im Unterschied zur Ausbildung als Verfahrenstechnologe Keramik liegt hier der Schwerpunkt nicht auf der Herstellung, sondern auf Prüfung, Analyse und Qualitätssicherung.
Die Ausbildung zum Prüftechnologen Keramik schließt mit einer gestreckten Abschlussprüfung (AP1 und AP2) ab. AP1 findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. Frühjahr) statt und umfasst eine praktische Prüfaufgabe im Labor (180 Minuten) sowie eine schriftliche Prüfung zu Grundlagen der Prüftechnik und Werkstoffkunde (90 Minuten); AP1 geht mit 30 % in die Gesamtnote ein. AP2 findet am Ende des dritten Lehrjahres statt (Frühjahr/Sommer). Sie besteht aus einem praktischen Prüfauftrag (Laborprüfung mit Dokumentation und Auswertung, 300 Minuten), einem Fachgespräch zur Ergebnisinterpretation (20 Minuten) sowie zwei schriftlichen Prüfungsbereichen: 'Prüf- und Analysenverfahren' (120 Minuten) und 'Wirtschafts- und Sozialkunde' (60 Minuten). AP2 geht mit 70 % in die Gesamtnote ein. Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erforderlich; ein Prüfungsbereich darf mit unter 30 Punkten nicht abschließen. Eine mündliche Ergänzungsprüfung ist bei knapp nicht bestandenen schriftlichen Bereichen auf Antrag möglich.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bietet sich zunächst die Weiterbildung zum Geprüften Industriemeister Fachrichtung Keramik/Glas (IHK) an, die Führungsaufgaben in der Fertigungs- und Qualitätssicherung erschließt. Alternativ führt der Weg über den staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Glastechnik oder Keramik zu Positionen als Laborleiter oder QS-Beauftragter. Für Abiturienten empfiehlt sich ein Studium der Werkstoffwissenschaften, Keramikingenieurwesen oder Materialwissenschaften (B.Eng./B.Sc.) an Hochschulen wie der TU Bergakademie Freiberg oder der Hochschule Koblenz. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Qualitätsmanager, Prüflaborleiter oder technischer Produktionsverantwortlicher mit Gehältern von 45.000–65.000 EUR brutto/Jahr realistisch.
Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist September) eingereicht werden, also ab Herbst des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise. Viele Unternehmen setzen einen IHK-Einstellungstest oder einen eigenen Eignungstest mit naturwissenschaftlichen Aufgaben (Chemie, Physik, Grundrechnen) ein. Im Vorstellungsgespräch wird gezielt nach Interesse an mineralischen Werkstoffen, Erfahrungen mit Laborarbeit oder Schulexperimenten gefragt. Wer ein Schulpraktikum in einem keramischen Betrieb oder Labor vorweisen kann, hebt sich deutlich ab. Ausbilder schätzen besonders Bewerber, die Genauigkeit, Verlässlichkeit und echte Neugier für werkstofftechnische Zusammenhänge mitbringen.
Ratgeber
Der Prüftechnologe Keramik ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger in der keramischen Industrie durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich.
Keramiker
Keramiker/-innen formen, glasieren und brennen Erzeugnisse aus keramischen Massen wie Ton, Steinzeug oder Porzellan. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit Kenntnissen über Werkstoffe, Brenntechniken und Oberflächengestaltung. Er eignet sich für Menschen mit Freude an gestalterischer Arbeit, technischem Verständnis und Ausdauer beim Arbeiten mit der Drehscheibe oder in der Serienfertigung.
3 Jahre →
Glas- und Porzellanmaler
Glas- und Porzellanmaler gestalten Oberflächen aus Glas, Porzellan und Keramik mit dekorativen und funktionalen Motiven. Sie arbeiten mit Scharffeuerfarben, Lüsterfarben und Emaillefarben sowie mit Pinsel, Spritztechnik und Siebdruck. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit künstlerischem Gestaltungstalent und eignet sich für Menschen, die Freude an Feinarbeit, Farblehre und traditionellem Kunsthandwerk haben.
3 Jahre →
Flachglasmechaniker
Der Flachglasmechaniker ist ein industrieller Ausbildungsberuf, der sich auf die maschinelle und manuelle Be- und Verarbeitung von Flachglas spezialisiert – also von Glas, das in Scheibenform vorliegt, wie es für Fenster, Fassaden, Fahrzeuge und Solaranlagen eingesetzt wird. Besonders ist dieser Beruf durch die Kombination aus physikalischem Fachwissen (Wärmedämmung, Lichtdurchlässigkeit, Schallschutz), handwerklicher Präzision und modernem Maschinenbetrieb an computergesteuerten Anlagen. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die gern mit einem physisch anspruchsvollen, aber hochmodernen Werkstoff arbeiten und Freude an präziser Arbeit im industriellen Umfeld haben.
3 Jahre →
Glaser
Glaser ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO), der in vier Fachrichtungen unterteilt ist: Verglasung und Glasbau, Fenster- und Glasfassadenbau, Fahrzeugverglasung sowie Glasprodukion und Veredelung. Besonders ist die Kombination aus handwerklichem Geschick und technischem Verständnis für Glaseigenschaften wie Wärmedämmung, Schallschutz und Einbruchhemmung. Der Beruf eignet sich für Menschen, die präzise arbeiten, räumliches Vorstellungsvermögen besitzen und Freude an der Verarbeitung eines faszinierenden Materials haben, das zugleich ästhetische und funktionale Anforderungen erfüllt.
3 Jahre →