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Keramik- und GlasberufeBBiG

Glasapparatebauer

Glasapparatebauer sind hochspezialisierte Handwerker, die aus Borosilikatglas und anderen Glasarten präzise Laborgeräte, chemische Apparaturen und technische Glaskomponenten fertigen. Mit der Glasbläserlampe und Spezialwerkzeug formen sie Reaktionskolben, Destillationsbrücken, Kondensatoren und maßgeschneiderte Sonderanfertigungen für Forschung, Industrie und Medizin. Dieser seltene Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit chemisch-technischem Fachwissen und eignet sich besonders für Menschen mit ruhiger Hand, Geduld und Freude an exakten, reproduzierbaren Arbeitsergebnissen.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

750–1050 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2600 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Glasapparatebauer?

Der Arbeitsalltag beginnt meist mit der Überprüfung der Auftragsunterlagen und Zeichnungen für die zu fertigenden Glasapparate. Am Vormittag steht oft die eigentliche Glasbearbeitung an der Gebläselampe im Vordergrund: Man erhitzt Borosilikatglasstäbe oder -rohre (z. B. Duran oder Pyrex) punktgenau, zieht, bläst und formt sie zu Verbindungsstücken, Kühlschlangen oder Dreiwegehähnen. Dabei kontrolliert man mit Schublehre und Winkelmesser die Maßhaltigkeit. Nachmittags folgen häufig Schleifarbeiten an der Diamantschleifmaschine, das Einschleifen von Glasschliffen (NS-Normen), das Spülen und Qualitätsprüfen der fertigen Teile sowie das Zusammensetzen kompletter Apparaturen. Enge Zusammenarbeit besteht mit Chemikern, Labortechnikern und Auftraggebern aus Pharmaunternehmen oder Forschungsinstituten, die Sonderwünsche präzise beschreiben. Auch Reparaturen beschädigter Glasgeräte gehören zum Alltag.

Wo arbeitest du?

Glasapparatebauer arbeiten überwiegend in spezialisierten Glasapparatebau-Betrieben (oft kleine und mittelständische Unternehmen), Universitäts- und Forschungsinstitutswerkstätten, bei Pharmaunternehmen wie Schott AG (Mainz), bei Geräteglasbetrieben oder in Glasfachbetrieben des Handwerks. Bekannte Adressen sind zudem die Lehrwerkstätten der Max-Planck-Institute. Der Beruf ist selten, weshalb Fachkräftemangel besteht – qualifizierte Glasapparatebauer sind auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da Kenntnisse in Mathematik (Geometrie, Maße, Toleranzen) und Chemie (Werkstoffeigenschaften, Beständigkeiten) unmittelbar im Arbeitsalltag gefragt sind. Physikalisches Grundverständnis für Wärmeausdehnung und Druckverhältnisse ist hilfreich. Persönlich wichtig sind eine ruhige und präzise Hand, räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Geduld sowie ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein. Freude an handwerklicher Detailarbeit und technisches Interesse zeichnen erfolgreiche Auszubildende aus.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr erlernen Auszubildende die Grundlagen der Werkstoffkunde (Glastypen, Ausdehnungskoeffizient, chemische Beständigkeit), Arbeitssicherheit im Umgang mit offenen Flammen und die elementaren Techniken des Freihandblasens, Ziehens und Biegens von Glasrohren. Grundlegende Schleiftechniken und das Kennenlernen der Gebläselampe stehen im Mittelpunkt. Im zweiten Lehrjahr kommen das Einschleifen von Normalschliffen nach DIN-Norm, das Schweißen verschiedener Glasarten und die Herstellung einfacher Laborapparaturen wie Erlenmeyerkolben oder Destillationsbrücken hinzu. Im dritten Lehrjahr werden komplexe Sonderanfertigungen nach technischen Zeichnungen angefertigt, mehrteilige Apparaturen montiert, Qualitätsprüfungen nach Kundenspezifikation durchgeführt und kaufmännische Grundlagen der Auftragsbearbeitung vermittelt. Der Beruf unterscheidet sich durch den hohen Anteil an Freihandarbeit und Präzisionstechnik klar von der Glasveredelung oder dem Glasbläserhandwerk.

Glastechnologie und WerkstoffkundeFertigungstechnik und technisches ZeichnenWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung des Glasapparatebauers wird als gestrecktes Verfahren in zwei Teilen bei der zuständigen IHK durchgeführt. Prüfungsteil 1 findet nach etwa 18 Monaten statt und umfasst eine praktische Arbeitsaufgabe von rund vier Stunden, bei der einfache Glasartikel wie Verbindungsrohre oder Glasschliffverbindungen herzustellen sind, sowie einen schriftlichen Teil von 90 Minuten zu Grundlagen der Werkstoffkunde und Fertigungstechnik. Prüfungsteil 2 findet am Ende der Ausbildung statt und gliedert sich in vier Bereiche: eine komplexe praktische Arbeitsaufgabe (Gewichtung 50 %), bei der eine mehrteilige Glasapparatur nach Zeichnung angefertigt werden muss (ca. 7 Stunden), sowie drei schriftliche Prüfungsbereiche: Fertigungstechnik und Qualitätssicherung, Technologie und Werkstoffkunde, sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (je 60–120 Minuten). Die schriftlichen Teile werden zusammen mit 50 % gewichtet. Zum Bestehen darf kein Prüfungsbereich mit ungenügend bewertet sein, und die Gesamtleistung muss mindestens ausreichend ergeben. Ein gesondertes Fachgespräch ist nicht vorgesehen.

Prüfungsthemen

  • Glasbearbeitung an der Gebläselampe (Biegen, Ziehen, Blasen)
  • Werkstoffkunde Glas (Borosilikatglas, Ausdehnungskoeffizient, Beständigkeit)
  • Normalschliffe und DIN-Normen im Glasapparatebau
  • Herstellung und Montage von Laborapparaturen nach technischer Zeichnung
  • Qualitätsprüfung und Maßkontrolle (Schublehre, Toleranzen)

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung können Glasapparatebauer den Meistertitel im Glasapparatebauer-Handwerk anstreben, der die Voraussetzung für die Betriebsgründung und Ausbildung eigener Lehrlinge schafft. Der staatlich geprüfte Techniker der Fachrichtung Glastechnik an Fachschulen (z. B. in Zwiesel oder Rheinbach) bietet eine praxisnahe Höherqualifikation. Passende Studiengänge sind Werkstofftechnik, Glastechnologie (z. B. Hochschule Koblenz) oder Chemieingenieurwesen. Nach fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Werkstatt- oder Fertigungsleiter, Qualitätssicherungsbeauftragter oder technischer Berater bei Glasgeräteherstellern realistisch. Das Gehalt steigt von rund 2.600 Euro brutto beim Einstieg auf 3.500–4.200 Euro in leitenden Funktionen.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten spätestens sechs bis neun Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart (meist August/September) eingereicht werden, da es nur wenige Ausbildungsbetriebe gibt. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf, letzte zwei Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise. Im Vorstellungsgespräch wird auf handwerkliches Geschick, Genauigkeit und Begeisterung für Glasbearbeitung geachtet – manche Betriebe lassen Bewerber einfache Tätigkeiten wie das Formen mit Knetmasse ausprobieren. Eigene Erfahrung mit Modellbau, Töpfern oder Chemie-AGs ist ein klarer Pluspunkt. Zeigen Sie Neugierde für Materialien und Prozesse – Ausbilder suchen motivierte Bewerber, die Detailarbeit schätzen.

Ratgeber

Der Glasapparatebauer ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Keramik und Glas. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 750 und 1.050 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen in der Ausbildung zum Glasapparatebauer?
Im Ausbildungsberuf Glasapparatebauer gibt es keine formal festgelegten Fachrichtungen, jedoch spezialisieren sich Betriebe und damit auch Auszubildende auf unterschiedliche Bereiche wie Labor-, Medizin- oder Industrieglas. Je nach Betrieb werden spezifische Verarbeitungstechniken wie Flamm- oder Ofenarbeit vertieft.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Glasapparatebauer vorausgesetzt?
Gesetzlich vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss, jedoch bevorzugen viele Betriebe Bewerber mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss. Gute Kenntnisse in Mathematik, Physik und technischem Verständnis sind von Vorteil, da handwerkliche Präzision im Beruf eine zentrale Rolle spielt.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern können Glasapparatebauer arbeiten?
Glasapparatebauer arbeiten vor allem in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, in Labortechnikbetrieben sowie in Forschungseinrichtungen und Universitäten. Arbeitgeber sind häufig spezialisierte Glastechnikunternehmen, Hersteller von Laborgeräten oder Betriebe, die maßgefertigte Glasapparaturen für industrielle Prozesse produzieren.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Glasapparatebauer?
Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit, sich zum Industriemeister oder Techniker in verwandten Bereichen weiterzubilden. Mit entsprechender Berufserfahrung oder Hochschulzugangsberechtigung kann auch ein Studium in Werkstofftechnik, Verfahrenstechnik oder einem verwandten Ingenieursstudiengang aufgenommen werden.

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