Industriekeramiker in der Fachrichtung Modelltechnik entwickeln und fertigen Urmodelle, Gipsformen und Arbeitsformen für die keramische Serienproduktion. Sie verbinden handwerkliche Präzision mit technischem Verständnis für Werkstoffe wie Gips, Ton und Kunststoff. Der Beruf eignet sich für Menschen mit räumlichem Vorstellungsvermögen, Freude an detailgenauem Formenbau und Interesse an der Schnittstelle zwischen Gestaltung und Fertigung.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
560–820 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt die Arbeit in der Modellabteilung eines Keramikbetriebs: Zunächst werden Arbeitsaufträge gesichtet und Gipsanmischungen nach vorgegebenen Mischungsverhältnissen vorbereitet. Mit Drehmaschinen (Gipsdrehbänken), Schablonen, Messchiebern und Schleifwerkzeug entstehen präzise Urmodelle für Geschirr, Sanitärkeramik oder technische Keramikteile. Feinarbeiten an Modellen erfolgen mit Raspeln, Ziehklingen und Schmirgelpapier. Nachmittags stehen häufig das Eingießen und Trennen von Gipsformen sowie das Kontrollieren der Formgenauigkeit mit Lehren und Schablonen auf dem Programm. Abschrumpfmaße und Brennschwund werden rechnerisch berücksichtigt, damit das fertige Keramikteil die Sollmaße einhält. Enge Zusammenarbeit besteht mit den Abteilungen Gießerei, Konstruktion und Qualitätssicherung. Typische Aufgaben sind das Anfertigen mehrteiliger Blockformen für den Druckguss sowie das Reproduzieren verschlissener Produktionsformen, um die laufende Fertigung aufrechtzuerhalten.
Industriekeramiker Modelltechnik arbeiten überwiegend in keramischen Industriebetrieben: Sanitärkeramikhersteller (Villeroy & Boch, Geberit/Keramag, Duravit), Geschirrproduzenten (Seltmann Weiden, Rosenthal, Kahla), Elektro- und technische Keramikunternehmen sowie Zierkeramikbetriebe. Schwerpunktregionen sind Bayern (Oberfranken), Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Die Betriebe sind meist mittelständisch. Fachkräftemangel in der Modelltechnik ist ausgeprägt, da der Beruf wenig bekannt ist.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss), da Berechnungen zu Schwindmaßen, Mischungsverhältnissen und technisches Zeichnen gute Kenntnisse in Mathematik und Physik erfordern. Wichtige Schulfächer sind Mathematik, Physik, Werken/Technik und Kunst. Persönlich punkten Bewerber mit dreidimensionalem Vorstellungsvermögen, Fingerfertigkeit und Ausdauer bei der Feinbearbeitung von Modellen. Sorgfalt und Genauigkeit sind unverzichtbar, da Formfehler direkte Ausschusskosten in der Serienproduktion verursachen.
Im ersten Lehrjahr stehen werkstoffkundliche Grundlagen im Mittelpunkt: Eigenschaften von Gips (Abbindezeiten, Wasserzugabe), Tonen und keramischen Massen, grundlegende Drehtechniken an der Gipsdrehbank sowie Arbeitssicherheit beim Umgang mit Gipsstaub und Schneidwerkzeugen. Außerdem werden technisches Zeichnen und die Berechnung von Schwindmaßen eingeführt. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Herstellung mehrteiliger Formen, die Modellkonstruktion für unterschiedliche Formgebungsverfahren (Druckguss, Jiggern, isostatisches Pressen) und die Qualitätsprüfung von Modellen und Formen. Im Vergleich zur Fachrichtung Anlagentechnik liegt hier der Schwerpunkt ausschließlich auf Formenbau und Modelltechnik statt auf Maschinenführung und Brennprozessen. CNC-gestützte Bearbeitungsverfahren und CAD-Grundlagen gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Die Zwischenprüfung findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt. Sie prüft schriftlich in 120 Minuten technologische Grundlagen (Gipskunde, Werkstoffkunde, Berechnungen) sowie zeichnerisches Grundverständnis. Hinzu kommt eine praktische Aufgabe von etwa 4 Stunden, in der ein einfaches Modell oder eine einteilige Form herzustellen ist. Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt und gliedert sich in folgende Bereiche: Praktische Arbeitsaufgabe – Herstellen eines vollständigen, mehrteiligen Formensatzes inklusive Urmodell (ca. 14–16 Stunden, Gewichtung 50 %), Fachgespräch zur praktischen Aufgabe (ca. 15 Minuten, Gewichtung 10 %), schriftlicher Prüfungsbereich Modelltechnik (120 Minuten, Gewichtung 20 %), schriftlicher Prüfungsbereich Produktionstechnologie und Wirtschafts-/Sozialkunde (60 Minuten je Bereich, Gewichtung je 10 %). Zum Bestehen müssen in allen Bereichen mindestens 50 Punkte (von 100) erreicht werden; im Bereich praktische Aufgabe darf kein Bereich auf unter 30 Punkte abfallen.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit zur Weiterbildung zum Industriemeister Keramik (IHK), der Führungsaufgaben in Produktion und Modellwerkstatt eröffnet. Alternativ führt der Weg über den Techniker der Fachrichtung Keramik und Glastechnik (staatlich geprüft) zu Konstruktions- und Entwicklungsaufgaben. Mit Abitur oder Fachhochschulreife ist ein Studium der Keramiktechnik, des Werkstoffingenieurwesens oder der Produktentwicklung möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, Entwicklungstechniker für neue Formgebungsverfahren oder Spezialist für CAD/CAM-gestützte Modellherstellung realistisch. Das Monatsgehalt steigt von ca. 2.200–2.700 EUR (Berufseinstieg) auf bis zu 3.800 EUR als Meister oder Techniker.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart (meist August/September) eingereicht werden, da die Ausbildungsplätze in der Nischenbranche begrenzt sind. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und ggf. Nachweise über Praktika in Keramik- oder Modellbaubetrieben. Im Vorstellungsgespräch testen Ausbilder räumliches Vorstellungsvermögen, handwerkliches Geschick und Motivationshintergrund. Manche Betriebe setzen einen praktischen Einstellungstest ein (Zeichnen einfacher geometrischer Formen, handwerkliche Geschicklichkeitsaufgaben). Besonders überzeugen Bewerber, die eigene Erfahrungen im Modellbau, Töpfern oder technischen Zeichnen vorweisen können und gezielte Kenntnisse über die Keramikbranche mitbringen.
Ratgeber
Der Industriekeramiker Modelltechnik ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 560 und 820 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger in der Keramikbranche durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Keramiker
Keramiker/-innen formen, glasieren und brennen Erzeugnisse aus keramischen Massen wie Ton, Steinzeug oder Porzellan. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit Kenntnissen über Werkstoffe, Brenntechniken und Oberflächengestaltung. Er eignet sich für Menschen mit Freude an gestalterischer Arbeit, technischem Verständnis und Ausdauer beim Arbeiten mit der Drehscheibe oder in der Serienfertigung.
3 Jahre →
Industriekeramiker Dekorationstechnik
Industriekeramiker mit Fachrichtung Dekorationstechnik gestalten und veredeln keramische Erzeugnisse wie Geschirr, Fliesen, Sanitärkeramik und Dekorationsgegenstände durch manuelle und maschinelle Verzierungstechniken. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit industriellen Fertigungsverfahren und künstlerischem Gestaltungssinns. Er eignet sich für kreative Menschen mit Interesse an Farblehre, Glasuren und Materialkunde.
3 Jahre →
Feinoptiker
Feinoptiker fertigen und bearbeiten hochpräzise optische Bauteile wie Linsen, Prismen, Spiegel und Planplatten aus optischem Glas, Kristall oder Kunststoff. Der Beruf vereint handwerkliches Geschick mit präzisionsmechanischem Denken und erfordert ein ausgeprägtes Verständnis für Physik und Lichttechnik. Er eignet sich für Menschen mit ruhiger Hand, hohem Qualitätsbewusstsein und Freude an feinmechanischer Präzisionsarbeit.
3 Jahre →
Industriekeramiker Verfahrenstechnik
Industriekeramiker in der Fachrichtung Verfahrenstechnik stellen keramische Erzeugnisse wie Sanitärkeramik, Fliesen, technische Keramik oder Porzellan in industriellen Fertigungsprozessen her. Sie bedienen und überwachen komplexe Produktionsanlagen, steuern Brand- und Glasurprozesse und sichern die Qualität der Endprodukte. Der Beruf eignet sich für Menschen mit technischem Verständnis, handwerklichem Geschick und Interesse an Werkstoffen und Produktionsprozessen.
3 Jahre →