Kaufleute für Tourismus und Freizeit organisieren Reiseangebote, betreuen Kunden in Reisebüros, Freizeitparks, Tourismusverbänden oder bei Veranstaltern und vermarkten Freizeit- und Urlaubsprodukte. Der Beruf verbindet kaufmännisches Denkvermögen mit echter Leidenschaft für Reisen und Erlebnisse. Er eignet sich besonders für kommunikationsstarke Menschen, die Spaß an Beratung, Buchungssystemen und der Organisation von Events oder Reisen haben.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
600–900 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2300 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag häufig mit der Bearbeitung von E-Mails, Kundenanfragen und der Pflege von Buchungssystemen wie Amadeus, Sabre oder TourConnect. Du aktualisierst Reiseangebote im firmeneigenen CRM-System oder auf Buchungsportalen, prüfst Verfügbarkeiten bei Hotelketten, Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern wie TUI, DER Touristik oder DERTOUR und erstellst individuelle Angebote für Privat- und Gruppenreisen. Nachmittags stehen Kundengespräche im Mittelpunkt: Du berätst Kunden zu Pauschalreisen, Kreuzfahrten oder Freizeitpaketen, buchst direkt über GDS-Systeme (Global Distribution Systems) und stellst Reiseunterlagen zusammen. Darüber hinaus planst und koordinierst du Events wie Stadtführungen, Betriebsausflüge oder Incentive-Reisen, verhandelst mit Leistungsträgern und kalkulierst Preise mit Excel-Tabellen oder branchenspezifischer Kalkulationssoftware. Du arbeitest eng mit Kollegen aus Marketing, Buchhaltung und externen Partnern wie Hoteliers und Busunternehmen zusammen.
Kaufleute für Tourismus und Freizeit finden Stellen in klassischen Reisebüros (z. B. REWE Reisen, DER Reisebüro), bei Reiseveranstaltern (TUI, Alltours, FTI, Neckermann Reisen), in Freizeitparks (Europa-Park, Legoland), bei Tourismusverbänden, Stadtmarketinggesellschaften, Kreuzfahrtunternehmen (AIDA Cruises, TUI Cruises) sowie bei Event- und Kongressagenturen. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, besonders in ländlichen Tourismusregionen und im MICE-Bereich.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da kaufmännische Rechnung, Wirtschaft und Fremdsprachen – insbesondere Englisch – zentral sind. Mathematik und Deutsch sind die wichtigsten Schulfächer. Persönlich solltest du kommunikationsstark und serviceorientiert sein, Freude an Beratungsgesprächen haben und gut mit gängiger Bürosoftware umgehen können. Interesse an Geografie, Kulturen und Reisezielen ist ebenso wichtig wie Organisationstalent und die Fähigkeit, auch unter Zeitdruck ruhig zu bleiben – zum Beispiel bei kurzfristigen Umbuchungen oder Beschwerdemanagement.
Im ersten Lehrjahr stehen kaufmännische Grundlagen im Vordergrund: Buchführung, Rechnungswesen, Grundlagen des Tourismus- und Freizeitmarkts sowie die Nutzung von Reservierungs- und Buchungssystemen. Du lernst, Reiseprodukte zu beschreiben, Zielgebiete zu analysieren und erste Kundenanfragen zu bearbeiten. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen sich die Inhalte: Du lernst Preiskalkulation, Yield-Management, Reiserecht (Pauschalreiserichtlinie, Reisevertrag), Marketingmaßnahmen zu planen und Marktanalysen durchzuführen. Ein zentrales Lernfeld ist das Veranstaltungsmanagement – von der Planung eines Rahmenprogramms bis zur Nachkalkulation. Im Vergleich zu Kaufleuten für Büromanagement ist diese Ausbildung stark auf tourismusspezifische Software, Destinationskunde und Freizeitwirtschaft ausgerichtet.
Die Abschlussprüfung der Kaufleute für Tourismus und Freizeit ist eine gestreckte Abschlussprüfung in zwei Teilen. Teil 1 findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. Frühjahr des 2. Lehrjahres) statt. Er besteht aus einem schriftlichen Prüfungsteil zum Thema 'Tourismus- und Freizeitwirtschaft' mit einer Dauer von 90 Minuten. Teil 2 findet am Ende des dritten Ausbildungsjahres statt (Frühjahr oder Herbst). Er umfasst drei schriftliche Prüfungsbereiche: 'Kaufmännische Steuerung und Kontrolle' (60 Minuten, 20 % Gewichtung), 'Geschäftsprozesse in Tourismus und Freizeit' (120 Minuten, 30 % Gewichtung) sowie 'Wirtschafts- und Sozialkunde' (60 Minuten, 10 % Gewichtung). Hinzu kommt eine praktische Fallstudie bzw. ein situativer Beratungsdialog (Fachgespräch) von 20 Minuten Dauer (40 % Gewichtung), in dem eine Kundenberatung oder Angebotsplanung simuliert wird. Zum Bestehen müssen in der Gesamtbewertung mindestens 50 von 100 Punkten erreicht werden; kein Prüfungsbereich darf mit 'ungenügend' bewertet sein.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungswege: Der IHK-Fachwirt für Tourismus und Freizeit ist der klassische nächste Schritt und öffnet Türen zu Teamleitungs- und Filialverantwortung. Der staatlich geprüfte Touristikfachwirt oder ein Studium wie B.A. Tourismusmanagement, Eventmanagement oder Hospitality Management vertiefen Kenntnisse akademisch. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Abteilungsleitung im Veranstaltungsmanagement, Revenue-Management-Spezialist, Produktmanager bei einem Reiseveranstalter oder Niederlassungsleiter eines Reisebüros realistisch. Gehaltlich steigt man von ca. 2.200–2.800 EUR brutto beim Berufseinstieg auf 3.500–5.000 EUR in Führungspositionen. Spezialisierungen auf MICE (Meetings, Incentives, Congresses, Events) oder nachhaltigen Tourismus sind besonders gefragt.
Bewerbe dich idealerweise 12–18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart, also ab Herbst/Winter des Vorjahres, da viele Reisebüros und Veranstalter früh planen. Zur Bewerbungsmappe gehören: Anschreiben mit konkretem Bezug zur Destination oder einem persönlichen Reiseerlebnis, tabellarischer Lebenslauf, Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise aus Hotellerie, Gastronomie oder Veranstaltungsbranche. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Englischkenntnisse getestet, Reiseziele abgefragt und Rollenspiele zur Kundenberatung simuliert. Manche Arbeitgeber nutzen den IHK-Einstellungstest. Besonders überzeugst du Ausbilder mit nachgewiesenen Sprachkenntnissen (Englisch, gerne auch Spanisch oder Französisch), eigenem Reiseerfahrungsschatz und Kenntnissen gängiger Buchungsportale wie booking.com oder CHECK24.
Ratgeber
Der Kaufmann für Tourismus und Freizeit ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 600 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger in der Tourismus- und Freizeitbranche durchschnittlich ab 2.300 Euro brutto monatlich.
Kaufmann im Gesundheitswesen
Kaufleute im Gesundheitswesen verbinden betriebswirtschaftliches Know-how mit dem besonderen Umfeld des deutschen Gesundheitssystems. Sie übernehmen kaufmännische Aufgaben in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Krankenkassen und medizinischen Versorgungszentren. Der Beruf eignet sich für Menschen, die Zahlen und Organisation mögen, dabei aber im sozialen Bereich tätig sein wollen.
3 Jahre →
Buchhändler
Buchhändlerinnen und Buchhändler verkaufen Bücher, Hörbücher, E-Books und Presseartikel in Buchhandlungen, Verlagen oder im Versandhandel. Der Beruf verbindet Literaturleidenschaft mit kaufmännischem Denken: Sortimentsgestaltung, Kundenberatung und Veranstaltungsorganisation prägen den Alltag. Er eignet sich besonders für Menschen, die gerne lesen, kommunikationsfreudig sind und Freude an Beratung und kreativer Präsentation haben.
3 Jahre →
Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter
Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) arbeiten in Apotheken an der Schnittstelle zwischen Pharmazie und kaufmännischer Verwaltung. Sie übernehmen Warenwirtschaft, Abrechnung und die Beratung bei apothekenüblichen Produkten – nicht aber die Arzneimittelberatung, die Apothekern vorbehalten ist. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Interesse an Gesundheitsthemen, Zahlen und direktem Kundenkontakt.
3 Jahre →
Bankkaufmann
Bankkaufleute beraten Privat- und Firmenkunden in allen Finanzfragen – von Girokonten und Krediten über Wertpapiere bis hin zu Versicherungen und Altersvorsorge. Der Beruf verbindet wirtschaftliches Fachwissen mit intensiver Kundenberatung und erfordert ein hohes Maß an Seriosität und Zahlenverständnis. Er eignet sich für kommunikationsstarke Menschen mit Interesse an Finanzmärkten, Wirtschaft und persönlicher Beratungsarbeit.
3 Jahre →