Lacklaboranten entwickeln, prüfen und optimieren Lacke, Farben, Druckfarben und verwandte Beschichtungsstoffe im Labor. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Chemie, Physik und Anwendungstechnik und sorgen dafür, dass Produkte wie Automobillacke, Industriebeschichtungen oder Holzlasuren exakt definierten Qualitätsstandards entsprechen. Dieser Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem naturwissenschaftlichem Interesse, handwerklichem Geschick und einem Auge für Farbnuancen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
700–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2500 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag eines Lacklaboranten beginnt typischerweise morgens mit der Prüfung von Lackproben aus der laufenden Produktion. Dabei werden Viskosität mit dem Brookfield-Viskosimeter oder dem Ford-Becher gemessen, Farbton und Glanzgrad mit Spektralphotometern wie dem X-Rite oder Byk-Gardner-Glanzmessgerät bestimmt sowie Schichtdicken mit dem Elcometer überprüft. Anschließend werden Rohstoffe wie Bindemittel, Pigmente (z. B. Titandioxid, Eisenoxidpigmente), Lösemittel und Additive nach Rezeptur eingewogen und unter Verwendung von Dissolvern oder Perlmühlen zu neuen Lackformulierungen verarbeitet. Nachmittags stehen häufig Applikationsversuche auf Blechtafeln oder Holzsubstraten an – sowohl durch Rakeln, Spritzen als auch Tauchen. Beschichtungen werden anschließend in Klimaschränken bei definierten Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten gelagert und nach DIN-Normen auf Haftfestigkeit (Gitterschnitttest), Kratzfestigkeit und chemische Beständigkeit geprüft. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Chemikern, Anwendungstechnikern und der Produktion.
Lacklaboranten arbeiten überwiegend in der chemischen und lacktechnischen Industrie: bei großen Lackherstellern wie BASF Coatings, Axalta, AkzoNobel, Sherwin-Williams oder Brillux sowie bei mittelständischen Farben- und Lackherstellern. Weitere Arbeitgeber sind Automobilzulieferer, Druckfarbenhersteller, Korrosionsschutzspezialisten und Unternehmen der Bauchemie. Es herrscht ein spürbarer Fachkräftemangel, besonders in spezialisierten Bereichen wie Wasserbasislacken und UV-Technologie. Großbetriebe bieten Laborstrukturen, kleinere Unternehmen breite Aufgabenfelder.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da die Ausbildung solide Kenntnisse in Chemie, Mathematik und Physik voraussetzt. Besonders wichtig sind Schulfächer wie Chemie, Mathematik und Physik. Persönlich sollten Bewerber analytisches Denken, Sorgfalt beim Messen und Dokumentieren sowie ein gutes Farbempfinden mitbringen. Interesse an Materialien und deren Eigenschaften, Freude an Laborarbeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Chemikalien und Sicherheitsvorschriften sind ebenso entscheidend. Teamfähigkeit ist wichtig, da enge Zusammenarbeit mit Produktion und Entwicklung besteht.
Im ersten Lehrjahr werden chemische und physikalische Grundlagen vermittelt: Aufbau organischer Verbindungen, Eigenschaften von Lösemitteln und Bindemitteln (Alkydharze, Acrylharze, Epoxide), Grundlagen der Laborsicherheit, Umgang mit Waagen und Messgeräten sowie einfache Prüfverfahren wie Viskositätsmessung und Dichtebestimmung. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Herstellung von Lackformulierungen, lernen das Dispergieren von Pigmenten in Dissolvern und Perlmühlen sowie die Anwendung der DIN-Prüfnormen für Korrosionsschutz, Witterungsbeständigkeit und mechanische Eigenschaften. Im dritten Lehrjahr liegt der Fokus auf Spezialisierungen wie Wasserbasislacken, UV-härtenden Systemen oder Pulverbeschichtungen, auf statistischer Versuchsplanung (DoE) und der selbstständigen Entwicklung neuer Rezepturen. Im Vergleich zum Chemielaboranten liegt der Schwerpunkt klar auf Beschichtungsstoffen statt auf allgemeiner Synthesechemie.
Die Zwischenprüfung findet im dritten Ausbildungshalbjahr (Mitte des zweiten Lehrjahres, ca. Frühjahr) statt. Geprüft werden schriftlich in 90 Minuten Grundlagen der Lackchemie, Rohstoffe, Prüfverfahren und Arbeitssicherheit sowie praktisch eine laborchemische Aufgabe (ca. 2,5 Stunden) zur Herstellung und einfachen Prüfung einer Lackformulierung. Die Abschlussprüfung gliedert sich in zwei Teile: Teil 1 (Praktische Arbeitsaufgabe, 8 Stunden) umfasst das selbstständige Entwickeln, Herstellen und Prüfen eines Lacksystems nach Aufgabenstellung – gewichtet mit 50 %. Teil 2 besteht aus vier schriftlichen Prüfungsbereichen: Lacktechnologie (90 Minuten, 20 %), Chemie und Physik der Beschichtungsstoffe (90 Minuten, 15 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 %) sowie einem abschließenden Fachgespräch von 15–20 Minuten zur praktischen Arbeitsaufgabe (5 %). Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erforderlich; mangelhafte Einzelleistungen können unter bestimmten Voraussetzungen durch andere Bereiche ausgeglichen werden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungswege: Der Chemikant oder Lackformulator kann sich zum Techniker der Fachrichtung Chemietechnik (staatlich geprüft, 2 Jahre Fachschule) oder zum Industriemeister Chemie (IHK) qualifizieren. Ein berufsbegleitendes Studium in Farbe und Lack (Bachelor of Science, z. B. an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Coburg oder der Hochschule Niederrhein) ist möglich. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Laborleiter, Entwicklungsleiter oder technischer Verkaufsberater realistisch. Gehälter steigen von ca. 2.500 EUR (Berufseinsteiger) auf 3.500–5.000 EUR bei Führungsverantwortung. Spezialisierungen in Automobillack, Korrosionsschutz, Pulverbeschichtung oder Wasserbasistechnologien sind besonders gefragt.
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (September) eingereicht werden, also spätestens im Herbst des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben mit Bezug auf Interesse an Chemie und Farben, tabellarischen Lebenslauf, Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise aus Chemielabors oder Farbengeschäften. Im Vorstellungsgespräch werden oft Kenntnisse in Chemie abgefragt sowie praktische Aufgaben wie einfache Berechnungen oder die Beschreibung eines Experiments gestellt. Einige Unternehmen nutzen den IHK-Einstellungstest oder eigene Chemietests. Besonders überzeugen Ausbilder Bewerber, die Neugier für Materialeigenschaften zeigen, handwerkliches Geschick demonstrieren und bereits ein Praktikum in einem Labor oder chemischen Betrieb absolviert haben.
Ratgeber
Der Lacklaborant ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Chemie. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 700 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.500 Euro brutto monatlich.
Pharmakant
Pharmakanten stellen industriell Arzneimittel, Wirkstoffe und pharmazeutische Produkte wie Tabletten, Kapseln, Salben oder Injektionslösungen her. Der Beruf verbindet chemisch-biologisches Fachwissen mit dem Bedienen hochautomatisierter Produktionsanlagen unter strengen GMP-Richtlinien (Good Manufacturing Practice). Er eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte, präzise arbeitende Menschen, die Verantwortungsbewusstsein und technisches Verständnis mitbringen.
3.5 Jahre →
Physiklaborant
Physiklaboranten führen messtechnische, physikalische und werkstofftechnische Untersuchungen in Forschungs- und Industrielaboren durch. Sie bedienen hochpräzise Messgeräte, werten Messdaten aus und dokumentieren Versuchsergebnisse. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem naturwissenschaftlichem Interesse, analytischem Denkvermögen und Freude an exakter, reproduzierbarer Laborarbeit.
3.5 Jahre →
Landwirtschaftlicher Laborant
Landwirtschaftliche Laboranten untersuchen Böden, Pflanzen, Futtermittel, Düngemittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse mit chemischen, physikalischen und biologischen Methoden. Der Beruf verbindet klassische Laborarbeit mit direktem Bezug zur Agrarwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Er eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen, die präzise arbeiten und den Zusammenhang zwischen Laboranalyse und landwirtschaftlicher Praxis verstehen wollen.
3 Jahre →
Baustoffprüfer
Baustoffprüfer untersuchen und analysieren Baustoffe wie Beton, Asphalt, Mörtel und Naturstein auf ihre Zusammensetzung, Festigkeit und Qualität. Der Beruf verbindet praktische Laborarbeit mit physikalischen und chemischen Prüfverfahren nach genormten Standards. Er eignet sich für Jugendliche mit Interesse an Naturwissenschaften, handwerklichem Geschick und einem Auge für Präzision.
3 Jahre →