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Chemie, Physik, BiologieBBiG

Physiklaborant

Physiklaboranten führen messtechnische, physikalische und werkstofftechnische Untersuchungen in Forschungs- und Industrielaboren durch. Sie bedienen hochpräzise Messgeräte, werten Messdaten aus und dokumentieren Versuchsergebnisse. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem naturwissenschaftlichem Interesse, analytischem Denkvermögen und Freude an exakter, reproduzierbarer Laborarbeit.

Ausbildungsdauer

3.5 Jahre

Azubi-Gehalt

650–1050 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2700 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Physiklaborant?

Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Vorbereitung von Versuchsaufbauten: Physiklaboranten kalibrieren Messgeräte wie Oszilloskope, Spektrometer, Interferometer oder Rasterelektronenmikroskope und prüfen die Gerätefunktion anhand von Referenzmessungen. Sie stellen Proben für werkstoffkundliche Prüfungen her – zum Beispiel Schliffe für die Lichtmikroskopie oder Zugproben für Materialprüfmaschinen nach DIN-Norm. Nachmittags werden Messreihen durchgeführt, etwa zur Bestimmung von Viskosität, Leitfähigkeit, Reflexion oder Schichtdicke. Die Messdaten werden mit Software wie OriginPro, LabVIEW oder Excel statistisch ausgewertet und in Laborberichten dokumentiert. Physiklaboranten arbeiten eng mit Physikern, Ingenieuren und Chemikern zusammen und unterstützen bei der Entwicklung neuer Materialien oder Prüfverfahren. Beispielaufgaben aus dem Alltag: Durchführung einer Röntgendiffraktionsanalyse (XRD) zur Phasenbestimmung eines Metallpulvers oder Messung der Wärmeleitfähigkeit einer Dämmstoffprobe mittels Laserflash-Methode. Die Arbeitsumgebung ist überwiegend das Forschungs- oder Qualitätssicherungslabor.

Wo arbeitest du?

Physiklaboranten arbeiten überwiegend in Industrieunternehmen der Halbleiter-, Stahl-, Automobil-, Kunststoff- und Glasindustrie sowie in Forschungsinstituten (Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Zentren, Max-Planck-Institute) und bei Bundesbehörden wie der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Bekannte Industriearbeitgeber sind Carl Zeiss, Schott AG, BASF, Bosch, Infineon und ThyssenKrupp. Der Beruf ist eher industriell geprägt; in Prüf- und Kalibrierlaboratorien besteht aktuell Fachkräftemangel.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da die physikalisch-mathematischen Ausbildungsinhalte fundierte Grundkenntnisse in Mathematik und Physik erfordern. Wichtige Schulfächer sind Mathematik, Physik, Chemie und Informatik. Persönlich überzeugend sind ausgeprägte Genauigkeit und Sorgfalt beim Messen und Dokumentieren, analytisches Denkvermögen, räumliches Vorstellungsvermögen für Versuchsaufbauten, technisches Geschick im Umgang mit empfindlichen Geräten sowie Geduld bei langen Messreihen und Freude an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr erwerben Auszubildende grundlegende Labor- und Sicherheitskenntnisse: Umgang mit Chemikalien, Arbeitsschutz, einfache Messtechnik (Längen-, Temperatur-, Druckmessung), mathematische Grundlagen der Fehlerrechnung sowie Grundlagen der Elektrotechnik und Mechanik. Erste Versuche zur Optik und Wärmelehre werden selbstständig geplant und dokumentiert. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Messtechnik in Bereichen wie Vakuumtechnik, Spektroskopie (UV/Vis, IR, Raman), Röntgenanalytik, Elektronenmikroskopie und Werkstoffprüfung. Sie lernen, Messunsicherheiten zu berechnen, Prüfpläne nach ISO- und DIN-Normen umzusetzen und Laborberichte normgerecht zu verfassen. Im Vergleich zu Chemielaboranten liegt der Schwerpunkt klar auf physikalischen Messprinzipien und instrumenteller Analytik statt auf chemischer Synthese.

Physikalische MesstechnikWerkstofftechnik und WerkstoffkundeMathematik / FehlerrechnungWirtschafts- und SozialkundeLabor- und Gefahrstoffrecht / Arbeitssicherheit

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung ist in zwei Teile gegliedert. Teil 1 findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres (Monat 18–21) statt und besteht aus einer schriftlichen Prüfung in den Bereichen Physikalische Messtechnik und Werkstofftechnik (je 90 Minuten) sowie einem praktischen Prüfungsteil (3 Stunden). Teil 1 fließt mit 35 % in die Gesamtnote ein. Teil 2 (Abschlussprüfung) wird am Ende des vierten Halbjahres abgelegt und umfasst: - Prüfungsbereich 1 'Optik und Festkörperphysik': schriftlich, 90 Minuten, 15 % - Prüfungsbereich 2 'Messtechnik und Qualitätssicherung': schriftlich, 90 Minuten, 15 % - Prüfungsbereich 3 'Wirtschafts- und Sozialkunde': schriftlich, 60 Minuten, 10 % - Prüfungsbereich 4 'Arbeitsauftrag': praktische Laboraufgabe (14 Stunden, kann als zeitgestreckte Aufgabe über mehrere Tage verteilt sein) mit anschließendem Fachgespräch (20 Minuten), Gewichtung 25 %. Zum Bestehen müssen alle Prüfungsbereiche mindestens mit 'ausreichend' (50 von 100 Punkten) bewertet werden. Fällt ein Bereich auf 'mangelhaft', kann eine mündliche Ergänzungsprüfung (15 Minuten) beantragt werden.

Prüfungsthemen

  • Physikalische Messtechnik (Längen-, Druck-, Temperatur-, Elektrische Messung)
  • Optik und Spektroskopie (UV/Vis, IR, Raman, Röntgenanalytik)
  • Werkstoffprüfung und Werkstoffeigenschaften (Härte, Zugfestigkeit, Gefügeanalyse)
  • Vakuumtechnik und Oberflächenanalytik
  • Fehlerrechnung, Messunsicherheit und Statistik
  • Qualitätssicherung, Normen und Dokumentation (ISO, DIN)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich folgende Weiterbildungswege an: Techniker (staatlich geprüft) in den Fachrichtungen Physiktechnik oder Werkstofftechnik (Fachschulen, 2 Jahre Vollzeit), Industriemeister Chemie IHK oder Meister für Veranstaltungstechnik. Ein einschlägiges Studium ist erreichbar über Bachelor of Science in Physik, Materialwissenschaften, Messtechnik oder Technischer Physik an Fachhochschulen, häufig mit Anrechnung von Ausbildungsleistungen. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Laborleiter, Qualitätssicherungsmanager oder Projektverantwortlicher in der F&E realistisch. Spezialisierungen auf Elektronenmikroskopie, Röntgenanalytik, Oberflächenmesstechnik oder Umweltmesstechnik erhöhen die Marktchancen deutlich. Das Gehalt steigt von ca. 2.600 EUR brutto auf 3.500–4.500 EUR in Führungspositionen.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart (meist September) eingereicht werden, da viele Industrieunternehmen früh planen. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf, letztes Zeugnis (mit Noten in Physik und Mathematik hervorheben) und ggf. Praktikumsbescheinigungen. Viele Unternehmen setzen einen IHK-Einstellungstest oder einen internen Eignungstest mit Aufgaben aus Physik, Mathematik und Logik ein. Im Vorstellungsgespräch werden häufig einfache physikalische Phänomene oder Einheitenumrechnungen abgefragt. Besonders überzeugend sind Bewerber, die eigene Bastelprojekte, Physik-AGs, Schülerlabor-Erfahrungen oder ein Praktikum in einem Labor vorweisen können. Sorgfalt, Zuverlässigkeit und echte Neugier auf Messprinzipien kommen bei Ausbildern sehr gut an.

Ratgeber

Der Physiklaborant ist ein 3,5-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG, angesiedelt im naturwissenschaftlichen Berufsfeld Chemie, Physik und Biologie. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 650 und 1.050 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.700 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen innerhalb der Ausbildung zum Physiklaboranten?
Die Ausbildung zum Physiklaboranten ist nicht in offizielle Fachrichtungen unterteilt, jedoch ergeben sich durch den jeweiligen Ausbildungsbetrieb unterschiedliche Schwerpunkte, etwa in der Halbleiterphysik, Optik, Werkstoffprüfung oder Messtechnik. In der betrieblichen Praxis arbeiten Physiklaboranten daher in sehr unterschiedlichen technischen Feldern, je nach Branche des Arbeitgebers.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Physiklaboranten vorausgesetzt?
Gesetzlich vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss, da das BBiG dies den Betrieben überlässt. In der Praxis stellen die meisten Ausbildungsbetriebe jedoch überwiegend Bewerber mit mittlerem Schulabschluss (Realschule) oder Abitur ein, da die Ausbildung naturwissenschaftliche und mathematische Grundkenntnisse erfordert. Bewerbungen mit Hauptschulabschluss sind seltener erfolgreich, aber nicht ausgeschlossen.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern können Physiklaboranten arbeiten?
Physiklaboranten sind vor allem in der Industrie tätig, etwa in der Halbleiter- und Elektronikindustrie, der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der Werkstoff- und Materialprüfung sowie im Maschinenbau. Auch Forschungsinstitute, Universitäten, Bundesbehörden wie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und Prüflabore gehören zu typischen Arbeitgebern.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten bestehen nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Physiklaboranten den Techniker oder den staatlich geprüften Chemisch-Physikalisch-Technischen Assistenten erwerben oder sich zum Meister weiterqualifizieren. Mit entsprechender Berufserfahrung und Hochschulzugangsberechtigung ist auch ein Studium in Physik, Ingenieurwissenschaften oder Materialwissenschaften möglich. In einigen Bundesländern eröffnet die Ausbildung mit Zusatzprüfungen den Weg zur Fachhochschulreife.

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