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Landwirtschaftliche BerufeBBiG

Landwirt

Landwirte bewirtschaften landwirtschaftliche Betriebe und erzeugen pflanzliche und tierische Produkte für die Nahrungsmittelproduktion. Die Ausbildung verbindet traditionelles Handwerk mit moderner Agrartechnologie, GPS-gesteuerter Landtechnik und digitaler Betriebsführung. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Interesse an Natur, Tieren, Technik und unternehmerischem Denken, die körperliche Arbeit in wechselnden Witterungsbedingungen nicht scheuen.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

620–950 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2300 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Landwirt?

Morgens beginnt der Arbeitstag in der Regel mit der Stallarbeit: Tiere füttern, melken (z. B. mit automatischen Melkanlagen wie dem Lely Astronaut), Gesundheitskontrolle des Tierbestands und Stallreinigung. Anschließend werden Maschinen wie Traktoren (z. B. John Deere 6R, Fendt 700 Vario) und Anbaugeräte gewartet, Schmiermittel aufgefüllt und Hydraulikschläuche kontrolliert. Nachmittags stehen je nach Jahreszeit Feldarbeiten im Vordergrund: Bodenbearbeitung mit Pflug oder Grubber, Aussaat mit pneumatischen Drillmaschinen, Pflanzenschutzmittelausbringung mit Feldspritze oder Düngerstreuen mit dem Schleuderstreuer. Während der Ernte werden Mähdrescher (z. B. Claas Lexion) und Feldhäcksler bedient und Erntelogistik koordiniert. Im Büro pflegt der Landwirt Aufzeichnungen im Ackerschlagkarteiprogramm (z. B. Agrando, 365FarmNet), kontrolliert Futterrationen mithilfe von Rationsberechnungsprogrammen und dokumentiert Tierbehandlungen im HIT-System. Zusammengearbeitet wird mit Tierärzten, Maschinenringen, Lohnunternehmern und Genossenschaftsmitarbeitern.

Wo arbeitest du?

Landwirte arbeiten überwiegend in familienbetriebenen Landwirtschaftsbetrieben, Agrargenossenschaften und großen Agrarunternehmen (z. B. KTG Agrar, Gut Klepelshagen). Tätigkeitsfelder finden sich in Ackerbau-, Milchvieh-, Schweine- und Geflügelhaltungsbetrieben sowie in ökologisch wirtschaftenden Betrieben (Demeter, Bioland). Maschinenringe, Lohnunternehmen und landwirtschaftliche Beratungsorganisationen (Landwirtschaftskammern) bieten weitere Stellen. Es besteht ein erheblicher Fachkräftemangel, besonders in der Tierhaltung und im Agrarostdeutschland.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, in der Praxis bevorzugen viele Betriebe Bewerber mit Realschulabschluss oder Abitur, besonders wenn eine spätere Meister- oder Studienausbildung angestrebt wird. Wichtige Schulfächer sind Biologie (Pflanzen- und Tierkunde), Chemie (Düngemittel, Pflanzenschutz), Mathematik (Flächenberechnungen, Rationsplanung) und Physik (Maschinenlehre). Persönlich sollte man Freude an der Arbeit mit Tieren und Pflanzen mitbringen, handwerkliches Geschick besitzen, körperlich belastbar und wetterresistent sein sowie Eigenverantwortung und unternehmerisches Denken zeigen.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Pflanzen- und Tierproduktion vermittelt: Bodenkunde, Düngung, Pflanzenernährung, Grundzüge des Pflanzenschutzes sowie Grundlagen der Tierhaltung (Anatomie, Fütterungslehre, Stallhygiene). Außerdem lernen Azubis das sichere Bedienen und einfache Warten von Traktoren und Grundbodenbearbeitungsgeräten. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen sich die Inhalte: Spezialisierung in Ackerbau (Sortenwahl, integrierter Pflanzenschutz, Ernteverfahren) oder Tierhaltung (Reproduktionsmanagement, Herdenmanagementsoftware, Qualitätssicherung in der Milchproduktion). Betriebswirtschaft, Buchführung, Agrarpolitik (EU-Direktzahlungen, Cross-Compliance) und Vermarktung ergänzen die Ausbildung. Im Gegensatz zum Tierwirt oder Forstwirt deckt die Landwirtsausbildung sowohl Tier- als auch Pflanzenproduktion vollständig ab und schließt betriebswirtschaftliches Management mit ein.

PflanzenproduktionTierproduktionLandtechnikBetriebswirtschaft und RechnungswesenWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres (ca. 15. Monat) statt. Sie umfasst einen schriftlichen Teil mit 120 Minuten Dauer zu den Themen Pflanzenproduktion, Tierproduktion und Landtechnik sowie eine praktische Aufgabe (ca. 60 Minuten) zum sicheren Bedienen einer landwirtschaftlichen Maschine. Die Abschlussprüfung (Teil 2) erfolgt am Ende des dritten Lehrjahres, aufgeteilt in einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Schriftlich werden vier Prüfungsbereiche geprüft: Pflanzenproduktion (90 Minuten, 30 %), Tierproduktion (90 Minuten, 30 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 %) sowie Landtechnik und Betriebsführung (60 Minuten, 10 %). Die praktische Prüfung (20 %) besteht aus einer betrieblichen Situationsaufgabe (ca. 3,5 Stunden) mit anschließendem Fachgespräch (20 Minuten). Zum Bestehen ist in jedem Prüfungsbereich mindestens die Note ausreichend (50 % der Punkte) erforderlich. Bei einer schwachen schriftlichen Leistung kann die praktische Prüfung ausgleichend wirken.

Prüfungsthemen

  • Pflanzenproduktion (Ackerbau, Pflanzenschutz, Düngung)
  • Tierproduktion (Haltung, Fütterung, Reproduktion)
  • Landtechnik (Traktoren, Erntemaschinen, Wartung)
  • Betriebsführung und Agrarpolitik (EU-Direktzahlungen, Buchführung)
  • Bodenkunde und Umweltschutz
  • Qualitätssicherung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung ist der Weg zum Landwirtschaftsmeister (IHK/Landwirtschaftskammer) die klassische Weiterbildung, die zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildereignung befähigt. Alternativ bieten Fachschulen für Agrarwirtschaft den staatlich geprüften Agrartechniker an. Für akademisch Interessierte eignen sich Studiengänge wie Agrarwissenschaften (B. Sc.), Agribusiness oder Nachhaltige Landwirtschaft an Hochschulen wie Hohenheim, Weihenstephan oder der HU Berlin. Mit Meistertitel und Berufserfahrung sind Führungspositionen als Betriebsleiter, Agrarberater, Herdenmanager in Großbetrieben oder Abteilungsleiter in Agrargenossenschaften erreichbar. Das Monatsgehalt als Betriebsleiter liegt bei 3.000–4.500 EUR, als selbstständiger Landwirt ist das Einkommen stark betriebsabhängig.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (September/Oktober) eingereicht werden, da viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze frühzeitig vergeben. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, Schulzeugnisse und Nachweise über Praktika (Ferienpraktika auf Höfen sind ein klarer Pluspunkt). Im Vorstellungsgespräch fragen Ausbilder typischerweise nach Erfahrungen mit Tieren oder Landmaschinen und nach der Motivation für den Beruf. Einige Betriebe und Landwirtschaftskammern verlangen einen Eignungstest (Grundrechenarten, Biologiekenntnisse). Besonders überzeugen Bewerber, die Eigeninitiative zeigen, Praktikumserfahrungen auf landwirtschaftlichen Betrieben vorweisen können und glaubhaft machen, dass sie frühe Arbeitszeiten und körperliche Anforderungen akzeptieren.

Ratgeber

Der Landwirt ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.300 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es beim Landwirt verschiedene Fachrichtungen oder Spezialisierungen?
Im Verlauf der Ausbildung oder danach kann man sich auf bestimmte Betriebszweige spezialisieren, etwa Pflanzenbau, Tierhaltung, Gemüsebau oder ökologischer Landbau. Viele Betriebe sind auf bestimmte Produktionsbereiche ausgerichtet, sodass die praktische Ausbildung je nach Betrieb unterschiedliche Schwerpunkte setzt. Eine formale Trennung in Fachrichtungen wie bei manchen anderen Ausbildungsberufen gibt es beim Landwirt jedoch nicht.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Landwirt?
Für die Ausbildung zum Landwirt ist kein bestimmter Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Betriebe Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Praktische Erfahrung in der Landwirtschaft, etwa durch Praktika oder ein Aufwachsen auf einem Bauernhof, wird von Ausbildungsbetrieben häufig als besonders wertvoll angesehen.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Landwirt arbeiten?
Landwirte arbeiten vor allem auf landwirtschaftlichen Betrieben unterschiedlicher Größe und Ausrichtung, von Familienbetrieben über Agrarbetriebe bis hin zu Genossenschaften. Mögliche Arbeitgeber sind konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe, aber auch staatliche Versuchsgüter oder agrartechnische Unternehmen. Darüber hinaus bieten sich Tätigkeiten in der Beratung, im Landhandel oder in der Agrarwirtschaft an.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Landwirt?
Nach der Ausbildung kann man den Meister der Landwirtschaft ablegen, der zur selbstständigen Betriebsführung und zur Ausbildung von Lehrlingen berechtigt. Alternativ ermöglicht die Ausbildung in Verbindung mit der Fachhochschulreife ein Studium der Agrarwissenschaften oder verwandter Fachrichtungen. Auch eine Weiterbildung zum Agrarbetriebswirt oder zum Techniker für Landbau ist möglich.

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