Die Laufbahnausbildung im mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienst bereitet auf Tätigkeiten in Bundes- und Landesbehörden vor. Anwärterinnen und Anwärter lernen das Verwaltungsrecht, Haushaltswesen und Bürgerservice kennen. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Interesse an Recht, öffentlicher Ordnung und gesellschaftlichen Prozessen sowie einem Gespür für genaues, regelbasiertes Arbeiten.
Ausbildungsdauer
2 Jahre
Azubi-Gehalt
1100–1400 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2400 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag in der Laufbahnausbildung wechselt zwischen praktischen Verwendungszeiten in Behörden und theoretischen Lehrgängen an Verwaltungsschulen oder Fachhochschulen des öffentlichen Dienstes. Morgens beginnt der Dienst typischerweise mit der Bearbeitung von Posteingängen im Dokumentenmanagementsystem (z.B. VIS oder enaio), dem Anlegen von Vorgängen und der Bescheiderstellung nach Rechtsvorschriften wie dem SGB II, der AO oder dem BauGB. Anwärter unterstützen Sachbearbeiter bei der Bearbeitung von Widersprüchen, der Erstellung von Vergabevermerken nach UVgO oder der Abrechnung nach BRKG. Nachmittags werden Aktenrecherchen durchgeführt, Bürgeranfragen am Schalter oder per Telefon bearbeitet und statistische Auswertungen mit SAP oder Microsoft Excel erstellt. Die Zusammenarbeit erfolgt mit erfahrenen Sachbearbeiterinnen, Teamleitungen sowie dem Personalbereich. Typische Beispielaufgaben: Erstellung eines Ablehnungsbescheids nach VwVfG sowie Vorbereitung einer Haushaltsunterlage nach der Bundeshaushaltsordnung.
Beschäftigung findet sich ausschließlich im öffentlichen Sektor: Bundesbehörden wie Bundesagentur für Arbeit, Bundeszollverwaltung, Bundeswehrverwaltung, Bundesfinanzdirektionen; auf Landesebene in Ministerien, Landratsämtern, Polizeiverwaltungen, Finanzämtern und Versorgungsämtern; auf kommunaler Ebene in Stadtverwaltungen und Kreisverwaltungen. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst, insbesondere durch hohe Pensionierungswellen bis 2030.
Für die Laufbahnausbildung im mittleren Dienst ist in der Regel ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss oder gleichwertiger Abschluss) erforderlich; in einigen Bundesländern und beim Bund kann auch ein guter Hauptschulabschluss ausreichen. Wichtige Schulfächer sind Deutsch (Textverständnis, sicherer Ausdruck), Sozialkunde/Politik, Mathematik und Englisch. Persönlich sind ein ausgeprägtes Regelverständnis, Sorgfalt bei der Aktenführung und Bescheiderstellung, Verschwiegenheit im Umgang mit Personendaten, bürgerfreundliches Auftreten sowie Teamfähigkeit besonders wichtig.
Im ersten Ausbildungsabschnitt stehen Grundlagen des allgemeinen Verwaltungsrechts (VwVfG, VwGO), des Staatsrechts (GG, Landesverfassungen) sowie Grundkenntnisse im Beamtenrecht (BBG, BeamtStG) im Vordergrund. Haushalts- und Kassenrecht (BHO/LHO) sowie Grundlagen der Textverarbeitung und Aktenführung werden früh vermittelt. Im zweiten und dritten Ausbildungsabschnitt vertiefen die Anwärter ihr Wissen in spezifischen Rechtsgebieten wie Sozialrecht (SGB), Steuerrecht (AO) oder Ordnungsrecht, je nach Verwendungsbehörde. Hinzu kommen Vergaberecht (UVgO, VOB), Personalrecht und betriebswirtschaftliche Grundlagen der öffentlichen Verwaltung. Im Vergleich zur dualen Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten ist die Laufbahnausbildung stärker rechtswissenschaftlich geprägt und schließt mit einer Laufbahnprüfung ab, die zur Verbeamtung auf Probe berechtigt.
Die Laufbahnprüfung für den mittleren Dienst ist in eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung (Laufbahnprüfung) gegliedert. Die Zwischenprüfung findet nach etwa der Hälfte der Ausbildungszeit statt und umfasst schriftliche Klausuren in allgemeinem Verwaltungsrecht und Staatsrecht (je 90–120 Minuten). Die Abschlussprüfung besteht aus einem schriftlichen Teil mit drei bis vier Klausuren (je 180–240 Minuten) in den Fächern Allgemeines Verwaltungsrecht, Besonderes Verwaltungsrecht, Haushaltsrecht sowie Verwaltungsbetriebswirtschaft. Die schriftlichen Prüfungen machen ca. 60 % der Gesamtnote aus. Ein mündliches Prüfungsgespräch (30–45 Minuten) vor einem Prüfungsausschuss folgt und ist mit ca. 40 % gewichtet. Zum Bestehen sind in allen Prüfungsteilen mindestens ausreichende Leistungen (4,0 Punkte nach dem 15-Punkte-System) erforderlich. Eine separate praktische Prüfungsaufgabe gibt es je nach Bundesland; einige Länder integrieren Fallbearbeitungen in die schriftlichen Klausuren. Das Bestehen berechtigt zur Ernennung zum Beamten auf Probe.
Prüfungsthemen
Nach der Laufbahnprüfung erfolgt zunächst die Verbeamtung auf Probe, nach zwei bis drei Jahren auf Lebenszeit. Aufstiegsmöglichkeiten sind der Aufstieg in den gehobenen Dienst durch die Anstellungsprüfung oder ein Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (Bachelor of Laws / B.A. Public Administration, 3 Jahre). Weiterbildungen zum Verwaltungsfachwirt (IHK/kommunal) oder zum Verwaltungsbetriebswirt sind ebenfalls möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Sachgebietsleitung, Referatsleitung oder in Stabsstellen realistisch. Spezialisierungen sind in den Bereichen Datenschutz, Vergabewesen, Personalverwaltung oder EU-Förderrecht möglich. Das Bruttomonatsgehalt steigt im mittleren Dienst von Besoldungsgruppe A6 bis A9+Z.
Bewerbungen sollten zwölf bis vierzehn Monate vor dem geplanten Ausbildungsbeginn (i.d.R. 1. September) eingereicht werden, da Auswahlverfahren frühzeitig starten. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise. Das Auswahlverfahren umfasst typischerweise einen schriftlichen Einstellungstest mit Aufgaben zu Textverständnis, Rechtschreibung, Grundrechenarten, logischem Denken und politischer Allgemeinbildung (Dauer: 60–120 Minuten) sowie ein strukturiertes Vorstellungsgespräch oder Assessment-Center. Ausbilder überzeugt, wer Grundkenntnisse im Staatsaufbau der Bundesrepublik nachweist, Sorgfalt und Zuverlässigkeit betont und ein konkretes Interesse an rechtlichen Sachverhalten zeigt. Praktika in Behörden oder ehrenamtliches Engagement im kommunalen Bereich sind ein klarer Pluspunkt.
Ratgeber
Die Laufbahnausbildung ist ein 2-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Bereich Recht und Öffentliche Verwaltung nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Behörde und Lehrjahr zwischen 1.100 und 1.400 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger im öffentlichen Dienst durchschnittlich ab 2.400 Euro brutto monatlich.
Sozialversicherungsfachangestellter
Sozialversicherungsfachangestellte bearbeiten Leistungsanträge, prüfen Versicherungsverhältnisse und beraten Versicherte bei Kranken-, Renten-, Unfall- oder Pflegeversicherungsträgern. Der Beruf verbindet Verwaltungsrecht, Sozialrecht und direkte Kundenberatung. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Recht, sozialer Verantwortung und strukturierter Büroarbeit.
3 Jahre →
Verwaltungsfachangestellter
Verwaltungsfachangestellte arbeiten in Behörden und öffentlichen Einrichtungen, bearbeiten Anträge, erlassen Bescheide und beraten Bürgerinnen und Bürger zu Verwaltungsangelegenheiten. Der Beruf verbindet Rechtskenntnisse mit kaufmännischem Denken und direktem Bürgerkontakt. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an öffentlichem Recht, strukturiertem Arbeiten und gesellschaftlichem Engagement.
3 Jahre →
Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste
Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste erschließen, verwalten und vermitteln Informationen in Bibliotheken, Archiven, Behörden oder Dokumentationsstellen. Sie katalogisieren Medien, recherchieren in Datenbanken und beraten Nutzer bei der Informationssuche. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Freude an Ordnung, digitalen Recherchesystemen und dem Umgang mit vielfältigen Medienformen – von historischen Akten bis zu digitalen Datenbanken.
3 Jahre →
Patentanwaltsfachangestellter
Patentanwaltsfachangestellte unterstützen Patentanwälte bei der Anmeldung, Verwaltung und Verteidigung von gewerblichen Schutzrechten wie Patenten, Gebrauchsmustern, Marken und Designs. Der Beruf verbindet juristische Fachkenntnisse mit technischem Verständnis und internationaler Korrespondenz. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Recht, Technik und Fremdsprachen, die präzise und strukturiert arbeiten möchten.
3 Jahre →