Leichtflugzeugbauer fertigen und reparieren Ultraleichtflugzeuge, Segelflugzeuge und Motorsegler – überwiegend aus Holz, Sperrholz, Glasfaserverbundwerkstoffen und Metall. Die Ausbildung verbindet klassisches Holzhandwerk mit moderner Luftfahrttechnik und strengen Sicherheitsvorschriften. Dieser Beruf eignet sich für technisch interessierte Menschen mit Präzisionsgefühl, handwerklichem Geschick und einer Leidenschaft für die Luftfahrt.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
480–850 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2400 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Werkstatt mit der Sichtprüfung der laufenden Bauvorhaben und der Vorbereitung von Holzbauteilen wie Rippen, Holme und Rumpfspanten aus Fichte, Birken-Sperrholz oder Balsa. Mithilfe von Schablonen, Handsägen, Hobeln, Stechbeitel und stationären Maschinen wie Tischkreissäge und Bandsäge werden Bauteile auf Maß gebracht und verleimt. Auch das Laminieren von Glasfaser- oder Kohlefasergewebematten in Epoxidharz gehört zum Alltag. Nachmittags wird montiert: Flügelrippen werden auf den Holmgurt aufgefädelt, Steuerflächen angeschlagen und Scharnierbeschläge vernietet. Häufige Aufgaben sind zudem das Bespannen von Flügeln und Leitwerken mit Polyesterstoffbespannung sowie das Aufbringen von Spannlack. Man arbeitet eng mit Luftfahrttechnikern und Prüfern des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA) zusammen und dokumentiert jeden Arbeitsschritt lückenlos in Wartungs- und Fertigungsnachweisen.
Leichtflugzeugbauer arbeiten vorwiegend in spezialisierten Kleinbetrieben und mittelständischen Unternehmen des Luftfahrzeugbaus, bei Segelflugzeugherstellern wie Schempp-Hirth, Alexander Schleicher oder DG Flugzeugbau sowie bei Ultraleichtflugzeug-Herstellern wie Flight Design oder Comco Ikarus. Daneben bieten Luftsportvereine mit eigenen Werkstätten und Unternehmen der allgemeinen Luftfahrtinstandhaltung Ausbildungsplätze. Fachkräftemangel ist in diesem Nischenberuf ausgeprägt – qualifizierte Absolventen finden sehr gute Einstiegschancen.
Empfohlen wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss, viele Ausbildungsbetriebe bevorzugen jedoch einen Realschulabschluss, da Luftfahrtvorschriften und technische Berechnungen solides Verständnis in Mathematik, Physik und Deutsch erfordern. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Geometrie, Maßstabsrechnung), Physik (Aerodynamik, Kräfte) und Technik. Persönlich sollte man sehr präzise und sorgfältig arbeiten, da Fertigungsfehler sicherheitsrelevant sind. Handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen, Geduld bei Detailarbeiten und Begeisterung für die Luftfahrt sind entscheidende Stärken.
Im ersten Lehrjahr stehen holztechnische Grundlagen im Mittelpunkt: Holzarten und ihre Eigenschaften, Holzverbindungen wie Zapfen, Schlitz und Überblattung, der Umgang mit Hobeln, Sägen, Schleifmaschinen und stationären Holzbearbeitungsmaschinen sowie Arbeitssicherheit. Außerdem werden Grundkenntnisse in Metallbearbeitung (Feilen, Bohren, Nieten) und technisches Zeichnen vermittelt. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertieft sich die Ausbildung auf luftfahrtspezifische Inhalte: Faserverbundtechnik (Glasfaser, Carbon, Epoxidharz), Aerodynamik, Flugzeugbauvorschriften nach LTF-UL und CS-22, Qualitätssicherung und Dokumentation nach Luftfahrtstandards, Oberflächenbehandlung mit Spannlack sowie Reparaturverfahren an beschädigten Flugzeugstrukturen. Im Vergleich zur Tischlerei liegt der Fokus klar auf Präzisionsfertigung nach technischen Zeichnungen, Gewichtsminimierung und strenger Qualitätskontrolle statt auf gestalterischen Aspekten.
Die Zwischenprüfung findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. 18. Monat) statt. Geprüft werden schriftlich Holztechnik, Werkstofftechnik und technisches Zeichnen (120 Minuten) sowie praktisch die Herstellung eines definierten Holzbauteils nach technischer Zeichnung (ca. 4 Stunden). Die Abschlussprüfung (Teil 2) setzt sich aus mehreren Prüfungsbereichen zusammen: Der praktische Teil umfasst eine betriebliche Arbeitsaufgabe – z. B. Fertigung und Reparatur eines Flugzeugbauteils inklusive Qualitätsdokumentation (ca. 14 Stunden, Gewichtung 50 %). Im schriftlichen Teil werden folgende Bereiche geprüft: Flugzeugbau und Instandhaltung (120 Minuten, 25 %), Fertigungstechnik und Werkstoffe (90 Minuten, 15 %) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 %). Zum Bestehen müssen alle Bereiche mindestens mit 50 Punkten bewertet werden; ein Prüfungsbereich darf nicht unter 30 Punkte fallen. Abschließend findet ein Fachgespräch zur praktischen Arbeitsaufgabe statt (ca. 15 Minuten).
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung bietet sich zunächst die Spezialisierung auf Wartung und Instandhaltung von Luftfahrzeugen an, häufig verbunden mit dem Erwerb des Luftfahrttechnischen Berechtigungsscheins (Part-66 oder national). Als formale Weiterbildung eignen sich der Industriemeister Fachrichtung Metall/Kunststoff/Verbundwerkstoffe (IHK), der staatlich geprüfte Techniker für Holztechnik oder Luft- und Raumfahrttechnik sowie ein Studium zum Bachelor of Engineering in Luft- und Raumfahrttechnik oder Maschinenbau. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, Qualitätssicherungsbeauftragter, Fertigungsplaner oder selbstständiger Luftfahrtbetrieb (CAME/Part-145) realistisch. Das Bruttomonatsgehalt steigt dabei von rund 2.400 EUR auf 3.500–4.500 EUR mit Verantwortung.
Bewerben sollte man sich 12–18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart (also bis spätestens Herbst des Vorjahres), da die Zahl der Ausbildungsbetriebe gering ist. In die Bewerbungsmappe gehören: Anschreiben mit konkretem Bezug zur Luftfahrt (Vereinsmitgliedschaft, Modellbau, Schnupperpraktikum), tabellarischer Lebenslauf und aktuelle Schulzeugnisse. Im Vorstellungsgespräch werden handwerkliches Grundverständnis, Sorgfalt und Luftfahrtbegeisterung abgefragt. Praktische Eignungstests prüfen oft Fingerfertigkeit und räumliches Denken. Wer vorab ein Praktikum im Betrieb oder einem Segelflugverein nachweisen kann und Kenntnisse im Modellbau oder Holzhandwerk mitbringt, überzeugt Ausbilder nachhaltig. Kenntnisse der wichtigsten Holzarten und Grundwissen über Flugzeugtypen sind ein deutliches Plus.
Ratgeber
Der Leichtflugzeugbauer ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Holzberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 480 und 850 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.400 Euro brutto monatlich.
Flechtwerkgestalter
Der Flechtwerkgestalter ist ein handwerklicher Nischenberuf im Bereich der Holz- und Naturmaterialverarbeitung, bei dem traditionelle Flechtechniken mit modernem Designverständnis verbunden werden. Azubis erlernen das professionelle Verarbeiten von Weiden, Peddigrohr, Rattan, Bambus, Papier und anderen Flechtmaterialien zu Körben, Möbeln, Dekorationsobjekten und Alltagsgegenständen. Dieser Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem handwerklichem Geschick, Geduld für feinmotorische Präzisionsarbeit und einem Sinn für traditionelles Kunsthandwerk. Besonders interessant ist er für Personen, die nachhaltige Materialien und überlieferte Handwerkstechniken schätzen.
3 Jahre →
Bootsbauer
Bootsbauer fertigen, reparieren und warten Wasserfahrzeuge aller Art – von Segelbooten und Motorbooten bis hin zu Kanus und Yachten. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit modernen Materialien wie Holz, Glasfaserverbundwerkstoffen (GFK) und Aluminium. Er eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, räumlichem Vorstellungsvermögen und einer Leidenschaft für das Wasser.
3 Jahre →
Drechsler (Elfenbeinschnitzer)
Drechsler und Elfenbeinschnitzer gestalten kunsthandwerkliche Objekte aus Holz, Horn, Bein und anderen Naturmaterialien auf der Drechselbank sowie durch Schnitzarbeit. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit künstlerischem Gestaltungssinn und präziser Materialkunde. Er eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Geduld und einem ausgeprägten Sinn für Form, Proportion und Ästhetik.
3 Jahre →
Bürsten- und Pinselmacher
Bürsten- und Pinselmacher fertigen handwerklich und maschinell Bürsten, Pinsel, Besen und verwandte Produkte aus Naturfasern wie Borsten, Rosshaar oder Pflanzenfasern sowie aus Kunstfasern. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit moderner Maschinentechnik und ist einer der seltensten Ausbildungsberufe Deutschlands. Er eignet sich für Menschen mit Freude an präziser Handarbeit, Materialkenntnis und einem Interesse an der Verarbeitung von Natur- und Kunstfasern.
3 Jahre →