Drechsler und Elfenbeinschnitzer gestalten kunsthandwerkliche Objekte aus Holz, Horn, Bein und anderen Naturmaterialien auf der Drechselbank sowie durch Schnitzarbeit. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit künstlerischem Gestaltungssinn und präziser Materialkunde. Er eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Geduld und einem ausgeprägten Sinn für Form, Proportion und Ästhetik.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
450–750 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Materialauswahl und Vorbereitung: Holzrohlinge aus Buche, Eibe, Kirsche oder Olivenholz werden gesägt, zugerichtet und auf der Drechselbank eingespannt. Mit Drechselmeißeln, Stecheisen und Röhren dreht man Schalen, Leuchter, Treppenspindeln, Griffe, Spielzeug oder dekorative Objekte. Die Drechselbank läuft dabei je nach Objekt mit 500 bis 3.000 Umdrehungen pro Minute. Nachmittags folgen Schleif-, Polier- und Oberflächenveredelungsarbeiten mit Schleifpapier unterschiedlicher Körnung, Ölen, Wachsen oder Schellackpolituren. Schnitzarbeiten werden mit Schnitzbeitel-Sets, Flacheisen und Hohleisen von Hand ausgeführt. Typische Beispielaufgaben sind das Drechseln einer Holzschale mit dünner Wandstärke auf Maßhaltigkeit und das Schnitzen eines Reliefs in Lindenholz nach Kundenvorgabe. Man arbeitet eng mit Kunden, Innenarchitekten oder Restauratoren zusammen und ist meist in kleinen Handwerksbetrieben oder eigenen Werkstätten tätig.
Drechsler arbeiten überwiegend in kleinen Handwerksbetrieben und Manufakturen, häufig in Regionen mit Drechseltradition wie dem Erzgebirge (Sachsen), dem Schwarzwald oder Berchtesgadener Land. Weitere Arbeitgeber sind Restaurierungswerkstätten, Museen, Theaterfundus-Betriebe sowie Hersteller von Musikinstrumenten, Trophäen und Wohnaccessoires. Der Beruf verzeichnet einen erheblichen Fachkräftemangel, da Ausbildungsbetriebe selten sind und die Nachfrage nach qualifiziertem Kunsthandwerk steigt.
Empfohlen wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss, idealerweise ein Realschulabschluss, da Fachrechnen, technisches Zeichnen und naturwissenschaftliche Grundlagen (Physik, Chemie für Holzkunde und Oberflächenchemie) eine solide Basis erfordern. Wichtige Schulfächer sind Mathematik, Werken/Technik und Kunst. Persönlich überzeugen Bewerber mit ausgeprägtem dreidimensionalem Vorstellungsvermögen, Fingerfertigkeit, Geduld bei Präzisionsarbeiten, künstlerischem Gestaltungsinteresse und einem sorgsamen, sicherheitsbewussten Umgang mit rotierenden Maschinen und scharfen Werkzeugen.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundkenntnisse der Holzarten, Werkzeugkunde und der sichere Umgang mit der Drechselbank im Vordergrund. Auszubildende lernen das Schärfen von Drechseleisen, grundlegende Drehtechniken wie Außen- und Innendrehen sowie das Einrichten von Werkzeugmaschinen wie Bandsäge und Bandschleifer. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Kenntnisse in der Oberflächenbehandlung, Materialbearbeitung von Horn, Kunstharz und Kombinationswerkstoffen sowie im Entwerfen und Anfertigen komplexerer Werkstücke nach technischen Zeichnungen. Im dritten Lehrjahr erfolgt die Spezialisierung: Restaurierungstechniken, Intarsien, die Fertigung von Unikaten und dekorativen Kunstobjekten sowie kaufmännische Grundlagen der Auftragskalkulation werden vermittelt. Im Vergleich zur Tischlerausbildung liegt der Fokus nicht auf Möbelbau, sondern auf rotationssymmetrischer Formgebung und kunsthandwerklicher Einzelfertigung.
Die Zwischenprüfung findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt. Sie umfasst eine praktische Arbeitsprobe (ca. 180 Minuten), bei der ein einfaches Drehteil gefertigt wird, sowie einen schriftlichen Teil zu Werkzeugkunde, Holztechnologie und Arbeitssicherheit (ca. 120 Minuten). Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des dritten Lehrjahres statt. Der praktische Prüfungsteil besteht aus einer Gesellenarbeit: Anfertigung eines vorgegebenen oder selbst entworfenen Werkstücks in ca. 12–16 Stunden, die über zwei Prüfungstage verteilt werden kann (Gewichtung: 50 %). Anschließend findet ein Fachgespräch über die Gesellenarbeit statt (ca. 20 Minuten, Gewichtung: 10 %). Die schriftlichen Prüfungsbereiche umfassen Gestaltung und Fertigung (90 Minuten, 25 %), Werkstofftechnologie und Fachrechnen (60 Minuten, 15 %). Zum Bestehen müssen in den schriftlichen Teilen mindestens 50 Punkte von 100 erreichbaren Punkten erzielt werden; kein Prüfungsbereich darf mit ungenügend bewertet sein.
Prüfungsthemen
Nach der Gesellenprüfung bieten sich mehrere Weiterbildungswege an. Der Meistertitel als Drechsler und Elfenbeinschnitzer (HwO-Meister) ermöglicht die Betriebsgründung und Ausbildungsleitung. Darüber hinaus ist eine Weiterbildung zum Restaurator im Handwerk (geprüft, HWK) möglich, die besonders im Bereich Denkmalpflege und Museums-Restaurierung gefragt ist. Der Techniker für Holztechnik (staatlich geprüft) oder ein Studium der Produktgestaltung, des Kunsthandwerks oder der Restaurierungswissenschaften an Fachhochschulen eröffnen akademische Wege. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, selbstständiger Kunsthandwerker oder Dozent an Handwerksakademien realistisch. Das Gehalt steigt nach dem Meister auf 2.800–3.800 EUR brutto monatlich; als erfolgreicher Selbstständiger sind deutlich höhere Einkommen möglich.
Bewerber sollten sich spätestens 12 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart (in der Regel August/September) bewerben, da Ausbildungsplätze im Drechslerhandwerk bundesweit sehr selten sind. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, letzte zwei Schulzeugnisse und – besonders wirkungsvoll – Fotos selbst gefertigter Werkstücke aus dem Werkunterricht oder Hobbybereich. Beim Vorstellungsgespräch wird häufig ein kurzer praktischer Eignungstest durchgeführt (z. B. Sägen oder Schleifen einer Holzprobe). Ausbilder achten besonders auf Materialgefühl, Sorgfalt im Umgang mit Werkzeug, räumliches Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit, Formideen zu skizzieren. Eigene Holzarbeiten, Schnitzversuche oder der Besuch eines Drechselkurses vor der Bewerbung sind starke Pluspunkte.
Ratgeber
Der Drechsler (Elfenbeinschnitzer) ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 450 und 750 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger in diesem handwerklichen Nischenberuf durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Bootsbauer
Bootsbauer fertigen, reparieren und warten Wasserfahrzeuge aller Art – von Segelbooten und Motorbooten bis hin zu Kanus und Yachten. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit modernen Materialien wie Holz, Glasfaserverbundwerkstoffen (GFK) und Aluminium. Er eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, räumlichem Vorstellungsvermögen und einer Leidenschaft für das Wasser.
3 Jahre →
Bürsten- und Pinselmacher
Bürsten- und Pinselmacher fertigen handwerklich und maschinell Bürsten, Pinsel, Besen und verwandte Produkte aus Naturfasern wie Borsten, Rosshaar oder Pflanzenfasern sowie aus Kunstfasern. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit moderner Maschinentechnik und ist einer der seltensten Ausbildungsberufe Deutschlands. Er eignet sich für Menschen mit Freude an präziser Handarbeit, Materialkenntnis und einem Interesse an der Verarbeitung von Natur- und Kunstfasern.
3 Jahre →
Leichtflugzeugbauer
Leichtflugzeugbauer fertigen und reparieren Ultraleichtflugzeuge, Segelflugzeuge und Motorsegler – überwiegend aus Holz, Sperrholz, Glasfaserverbundwerkstoffen und Metall. Die Ausbildung verbindet klassisches Holzhandwerk mit moderner Luftfahrttechnik und strengen Sicherheitsvorschriften. Dieser Beruf eignet sich für technisch interessierte Menschen mit Präzisionsgefühl, handwerklichem Geschick und einer Leidenschaft für die Luftfahrt.
3 Jahre →
Technischer Modellbauer
Technische Modellbauer fertigen hochpräzise Urformen, Prototypen und Muster, die als Grundlage für industrielle Serienfertigung dienen – etwa Gießmodelle für Metallguss oder Anschauungsmodelle für den Fahrzeugbau. Der Beruf kombiniert handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis und digitalem CAD/CAM-Know-how. Er eignet sich für Menschen mit räumlichem Denkvermögen, Präzisionsanspruch und Freude an der Arbeit mit Holz, Kunststoff und modernen CNC-Maschinen.
3 Jahre →