Technische Modellbauer fertigen hochpräzise Urformen, Prototypen und Muster, die als Grundlage für industrielle Serienfertigung dienen – etwa Gießmodelle für Metallguss oder Anschauungsmodelle für den Fahrzeugbau. Der Beruf kombiniert handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis und digitalem CAD/CAM-Know-how. Er eignet sich für Menschen mit räumlichem Denkvermögen, Präzisionsanspruch und Freude an der Arbeit mit Holz, Kunststoff und modernen CNC-Maschinen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–900 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2500 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag häufig mit der Analyse technischer Zeichnungen oder 3D-CAD-Datensätze (z. B. in SolidWorks oder CATIA), aus denen die Fertigungsschritte für das jeweilige Modell abgeleitet werden. Anschließend werden Materialien wie Edelholz (Mahagoni, Muster), Modellbauplatte, Ureol-Blockschaum oder GFK-Laminate zugeschnitten und vorbereitet. Typische Morgenaufgaben sind das Einrichten von CNC-Fräszentren (z. B. Homag oder SCM) sowie das Fräsen von Formhälften für Sandgussmodelle. Nachmittags stehen manuelle Feinbearbeitung mit Stechbeitel, Raspel, Schleifmitteln und Spachtelmasse im Vordergrund, um Oberflächen auf Fertigungsqualität zu bringen. Außerdem werden Modellteile montiert, Maßkontrollmessungen mit Messschieber, Koordinatenmessgerät oder 3D-Scanner durchgeführt und Übergabedokumentationen erstellt. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Konstrukteuren, Gießereifachleuten und Qualitätsprüfern. Eine typische Spezialaufgabe ist das Herstellen von Kernkästen aus Epoxidharz für den Hohlguss komplexer Aluminiumbauteile.
Technische Modellbauer arbeiten überwiegend in spezialisierten Modellbaubetrieben (häufig KMU mit 10–50 Mitarbeitern), in Gießereien sowie in der Automobil- und Zulieferindustrie (z. B. BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, MAGNA). Weitere Arbeitgeber sind Maschinenbauunternehmen, Luft- und Raumfahrtbetriebe sowie Architektur- und Designbüros. Es besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, da die Ausbildungszahlen bundesweit gering sind (unter 500 neue Auszubildende pro Jahr) und spezialisierte Fachkräfte gesucht werden.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da CNC-Programmierung, technisches Zeichnungslesen und Mathematik (Trigonometrie, Volumenkalkulation) solide Grundkenntnisse erfordern. Wichtige Schulfächer sind Mathematik, Physik, Werken/Technik und Informatik. Persönlich sollte man über ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen, Feinmotorik und Geduld für präzise Handarbeit verfügen. Technisches Interesse an Maschinen, Werkstoffen und Fertigungsverfahren sowie ästhetisches Gespür für Form und Oberfläche sind ebenfalls wichtig. Farb- und Formsinn ist besonders für den Anschauungs- und Karosseriemodellbau relevant.
Im 1. Lehrjahr erwerben Auszubildende grundlegende Kenntnisse in der Holzbe- und -verarbeitung: Sägen, Hobeln, Fräsen und Schleifen, Lesen technischer Zeichnungen sowie Grundlagen der Werkstoffkunde (Holzarten, Kunststoffe, Klebstoffe). Außerdem wird der sichere Umgang mit handgeführten Maschinen wie Bandsäge, Oberfräse und Tellerschleifer eingeübt. Im 2. Lehrjahr vertiefen Auszubildende die CNC-Technik, Programmierung (DIN/ISO-Codes, CAM-Software) und beginnen mit der Fachrichtungsspezialisierung. Es gibt drei Fachrichtungen: Gießereimodellbau (Sandgussmodelle, Kernkästen), Anschauungsmodellbau (Designmodelle, Architekturmodelle) und Karosseriemodellbau (Formflächen, Clay-Modelle). Im 3. Lehrjahr stehen komplexe Projektarbeiten, Oberflächentechnik (Lackieren, Grundieren), Qualitätssicherung und betriebliche Kalkulation im Vordergrund. Im Vergleich zum Tischler liegt der Schwerpunkt weniger auf Möbeln und stärker auf industrieller Präzisionsfertigung und Prototypenbau.
Die Abschlussprüfung Teil 1 findet am Ende des 2. Ausbildungsjahres (ca. 18–20. Monat) statt. Sie umfasst eine praktische Arbeitsaufgabe, bei der ein Modellbauteil nach Zeichnung gefertigt wird (ca. 7 Stunden), sowie einen schriftlichen Teil zu Technologie und Mathematik (je 60 Minuten). Dieser Teil geht mit 35 % in die Gesamtnote ein. Die Abschlussprüfung Teil 2 findet im 4. Halbjahr statt (ca. 36. Monat). Sie besteht aus: - Praktisches Prüfungsstück: Anfertigung eines komplexen Modells der jeweiligen Fachrichtung inkl. CNC-Fertigung und Oberflächenbehandlung (14–16 Stunden), Gewichtung 50 % - Fachgespräch zum Prüfungsstück (max. 20 Minuten), Gewichtung 10 % - Schriftlicher Prüfungsbereich "Modellbautechnik" (120 Minuten), Gewichtung 30 % - Schriftlicher Bereich "Wirtschafts- und Sozialkunde" (60 Minuten), Gewichtung 10 % Zum Bestehen müssen in jedem Prüfungsbereich mindestens 30 Punkte (von 100) und insgesamt mindestens 50 Punkte erreicht werden. Eine mangelhafte Teilleistung kann durch andere Bereiche bis zu einer bestimmten Grenze ausgeglichen werden.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung sind folgende Weiterbildungen möglich: Techniker (staatlich geprüfter Techniker Fachrichtung Modellbau oder Holztechnik, 2 Jahre Vollzeit), Industriemeister Holz IHK oder Industriemeister Gießerei IHK. Mit Fachhochschulreife bieten sich Studiengänge wie Produktdesign, Industrial Design, Maschinenbau oder Holztechnik (B. Eng.) an. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Modellbauleiter, Fertigungsplaner oder Projektverantwortlicher im Prototypenbau erreichbar. Gehalt nach Abschluss: 2.400–2.900 EUR brutto; mit Meister oder Techniker 3.200–4.200 EUR. Spezialisierungen sind möglich in den Bereichen Rapid Prototyping, 3D-Druck-Integration und Karosseriemustermodellbau für Automobilhersteller.
Die Bewerbung sollte 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (typischerweise September) eingereicht werden, also zwischen Oktober und März des Vorjahres. In die Bewerbungsmappe gehören: Anschreiben mit Bezug auf räumliches Denken und Werkstattinteresse, tabellarischer Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse und ggf. Nachweise über Praktika in Tischlerei, Schlosserei oder Modellbau. Viele Betriebe führen einen technischen Einstellungstest durch (Raumvorstellung, Matheaufgaben, handwerkliche Geschicklichkeitstests). Im Vorstellungsgespräch werden häufig Fragen zur Funktionsweise von Gussverfahren, zu Werkstoffeigenschaften oder zur Motivation für präzises Handwerk gestellt. Wer eigene Modellbauprojekte (z. B. Modellflugzeuge, 3D-Druck-Projekte) vorweisen kann oder ein Werkstatt-Praktikum absolviert hat, überzeugt Ausbilder besonders.
Ratgeber
Der Technische Modellbauer ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.500 Euro brutto monatlich.
Drechsler (Elfenbeinschnitzer)
Drechsler und Elfenbeinschnitzer gestalten kunsthandwerkliche Objekte aus Holz, Horn, Bein und anderen Naturmaterialien auf der Drechselbank sowie durch Schnitzarbeit. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit künstlerischem Gestaltungssinn und präziser Materialkunde. Er eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Geduld und einem ausgeprägten Sinn für Form, Proportion und Ästhetik.
3 Jahre →
Holzbearbeitungsmechaniker
Holzbearbeitungsmechaniker richten und bedienen industrielle Holzbearbeitungsmaschinen wie Sägen, Hobel- und Fräsmaschinen sowie CNC-gesteuerte Anlagen. Der Beruf verbindet technisches Verständnis für Maschinentechnik mit handwerklichem Wissen über Holzarten und Verarbeitungsprozesse. Er eignet sich für Personen mit technischem Interesse, die in der holzverarbeitenden Industrie produktionsnah arbeiten möchten.
3 Jahre →
Tischler
Tischler fertigen und montieren Möbel, Fenster, Türen, Treppen und Innenausbauten aus Holz und Holzwerkstoffen. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit präzisem Maschinenbetrieb und gestalterischem Gespür. Er eignet sich besonders für Menschen mit Freude am Arbeiten mit dem natürlichen Werkstoff Holz, technischem Verständnis und einem Auge für Maßgenauigkeit und Ästhetik.
3 Jahre →
Flechtwerkgestalter
Der Flechtwerkgestalter ist ein handwerklicher Nischenberuf im Bereich der Holz- und Naturmaterialverarbeitung, bei dem traditionelle Flechtechniken mit modernem Designverständnis verbunden werden. Azubis erlernen das professionelle Verarbeiten von Weiden, Peddigrohr, Rattan, Bambus, Papier und anderen Flechtmaterialien zu Körben, Möbeln, Dekorationsobjekten und Alltagsgegenständen. Dieser Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem handwerklichem Geschick, Geduld für feinmotorische Präzisionsarbeit und einem Sinn für traditionelles Kunsthandwerk. Besonders interessant ist er für Personen, die nachhaltige Materialien und überlieferte Handwerkstechniken schätzen.
3 Jahre →