Medientechnologen Siebdruck stellen mithilfe des Siebdruckverfahrens Drucke auf nahezu allen Materialien her – von Textilien und Folien über Glas bis hin zu Leiterplatten. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis für Druckmaschinen, Farblehre und Reproarbeiten. Er eignet sich für Menschen, die gern mit Maschinen arbeiten, ein Auge für Farbe und Qualität haben und präzise vorgehen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag findet überwiegend in der Druckerei oder Produktionswerkstatt statt. Morgens beginnt man mit der Vorbereitung der Siebdruckschablonen: Siebe werden mit Fotoemulsion beschichtet, belichtet und ausgewaschen. Anschließend werden Druckmaschinen – etwa Karusselldruckmaschinen oder Flachbett-Siebdruckmaschinen – eingerichtet, Farben gemäß Farbrezepturen angemischt und Druckparameter wie Rakelgeschwindigkeit, Anpressdruck und Druckspalt eingestellt. Nachmittags werden Druckaufträge gestartet, die laufende Produktion überwacht und Qualitätskontrollen mit Densitometer und Lupe durchgeführt. Typische Aufgaben sind die Belichtung von Druckschablonen mithilfe von UV-Belichtungsgeräten sowie die Farbtonabstimmung nach Pantone-Fächer. Man arbeitet eng mit Druckvorstufen-Technikern, Grafikern und Qualitätsprüfern zusammen. Fertige Produkte wie bedruckte Werbemittel, Beschriftungsfolien oder Industrieaufdrucke werden auf Maßhaltigkeit und Farbgenauigkeit geprüft, Druckfehler dokumentiert und behoben.
Medientechnologen Siebdruck finden Stellen in spezialisierten Siebdruckereien, Werbetechnikbetrieben, Textilveredelungsunternehmen und der Elektronikindustrie (Leiterplattenherstellung). Bekannte Arbeitgeber sind mittelständische Unternehmen wie Mayer & Cie., Marabu GmbH oder spezialisierte Betriebe der Werbemittelbranche. Auch in der Automotive- und Foliendruck-Industrie (z. B. Zulieferer für Frontfolien oder Bedienfelder) besteht Nachfrage. In Deutschland besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, da die Ausbildungszahlen gering sind.
Empfohlen wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss, viele Betriebe bevorzugen jedoch einen Realschulabschluss. Besonders wichtig sind Kenntnisse in Chemie (Emulsionen, Lösemittel), Physik (Lichtbelichtung, Druckmechanik) und Mathematik (Flächenberechnungen, Farbrezepturen). Persönlich überzeugt, wer handwerkliches Geschick, Sorgfalt und ein ausgeprägtes Farbempfinden mitbringt. Teamfähigkeit ist wichtig, da die Zusammenarbeit mit Druckvorstufe und Versand täglich stattfindet. Technisches Interesse an Maschinen und Druckprozessen sowie Belastbarkeit bei Produktionsdruck sind weitere Pluspunkte.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Drucktechnik im Mittelpunkt: Siebgewebe spannen und reinigen, Emulsionen beschichten, einfache Schablonen herstellen und grundlegende Farbmischungen durchführen. Außerdem werden Arbeitssicherheit, Umweltschutz und der Umgang mit Lösemitteln und UV-Lacken vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Maschinenkunde (Flachbett-, Zylinder- und Karusselldruckmaschinen), Reproarbeiten mit RIP-Software sowie die Farbmetrik (Densitometrie, Kolorimetrie). Im dritten Lehrjahr folgen Spezialisierungen in Bereichen wie Textil-, Industrie- oder Siebdruckwerbetechnik, die Optimierung von Druckprozessen sowie kaufmännische Grundlagen der Auftragsabwicklung. Im Vergleich zum Medientechnologen Druck liegt der Schwerpunkt auf flächendeckenden und dreidimensionalen Druckträgern statt auf Papier- und Bogendruck.
Die Abschlussprüfung gliedert sich in zwei Teile. Teil 1 (Zwischenprüfung) findet Mitte des zweiten Lehrjahres statt und umfasst eine schriftliche Prüfung (120 Minuten) zu Grundlagen der Siebdrucktechnik, Schablonentechnik und Arbeitssicherheit sowie eine praktische Aufgabe (etwa 3 Stunden) zur Schablonenherstellung und einfachen Druckdurchführung. Teil 2 (Abschlussprüfung) findet gegen Ende des dritten Lehrjahres statt und besteht aus vier Prüfungsbereichen: Drucktechnologie/Medienproduktion (schriftlich, 120 Minuten, 25 %), Mediengestaltung und Druckvorstufe (schriftlich, 60 Minuten, 10 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten, 10 %) sowie einer praktischen Arbeitsaufgabe mit Fachgespräch (Herstellung eines vollständigen Siebdruckerzeugnisses, ca. 7 Stunden, 55 %). Zum Bestehen müssen insgesamt mindestens 50 Punkte erreicht werden, und kein schriftlicher Prüfungsbereich darf unter 30 Punkte fallen. Das anschließende Fachgespräch dauert etwa 15 Minuten.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung kann man den Industriemeister Druck (IHK) oder den Meister im Siebdruck (HwO) ablegen und damit Führungsverantwortung in Produktion oder Ausbildung übernehmen. Der staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Drucktechnik bietet eine weitere technische Aufstiegsoption. Mit Abitur ist ein Studium zum Bachelor of Engineering Druck- und Medientechnik (z. B. Hochschule der Medien Stuttgart, TH Köln) möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Produktionsleiter, Schichtführer oder technischer Verkaufsberater erreichbar. Das Monatsgehalt steigt von rund 2.200 EUR nach Ausbildung auf 3.000–4.000 EUR als Meister oder Techniker. Spezialisierungen in Industriesiebdruck, Textilveredelung oder Digitaldruck-Hybridtechnik sind gefragt.
Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (August/September) eingereicht werden, also idealerweise ab September des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe umfasst Anschreiben, Lebenslauf, letztes Zeugnis und ggf. ein Praktikumszeugnis aus Druck oder Handwerk. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Fragen zu Farbempfinden, handwerklichen Erfahrungen und Kenntnissen über den Siebdruckprozess gestellt. Manche Betriebe setzen einen IHK-Einstellungstest mit Mathematik-, Deutsch- und technischen Aufgaben ein. Besonders überzeugen Bewerber, wenn sie eigene Druckprojekte, Grafikkenntnisse (CorelDRAW, Adobe Illustrator) oder Erfahrungen mit Farbe und Materialien nachweisen können. Ein vorab absolviertes Betriebspraktikum in einer Siebdruckerei ist ein klarer Vorteil.
Ratgeber
Der Medientechnologe Siebdruck ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.
Notenstecher
Notenstecher fertigen handwerklich und digital hochwertige Notendruckvorlagen an, indem sie Musiknoten, Symbole und Texte präzise in Druckplatten einstechen oder in Notensatzprogrammen gestalten. Der Beruf verbindet tiefes Musikverständnis mit grafisch-handwerklichem Geschick. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Musik, feiner Handarbeit und gestalterischer Präzision.
3 Jahre →
Steindrucker
Steindrucker sind Spezialisten des Steindrucks (Lithografie), einer der ältesten Drucktechniken, bei der Bilder und Texte auf Kalkstein oder Aluminium-Offsetplatten übertragen und gedruckt werden. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit künstlerischem Verständnis und ist heute vor allem in der Kunstgrafik, im Verlagswesen und in spezialisierten Druckereien angesiedelt. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Druck- und Reproduktionstechniken sowie einem guten Gespür für Farbe und Qualität.
3 Jahre →
Buchbinder
Buchbinder stellen handwerklich und industriell Bücher, Broschüren, Zeitschriften, Mappen und andere buchbinderische Erzeugnisse her. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit modernen Druckweiterverarbeitungsmaschinen und erfordert sowohl technisches Verständnis als auch ein Gespür für Materialien wie Papier, Karton, Leder und Folien. Er eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Genauigkeit und Freude an der Verarbeitung von Druckerzeugnissen.
3 Jahre →
Gestaltungstechnischer Assistent
Gestaltungstechnische Assistenten entwickeln und realisieren visuelle Kommunikationslösungen für Print- und Digitalmedien. Sie verbinden kreatives Gestalten mit technischem Know-how in Bildbearbeitung, Satz und Druckvorstufe. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Ästhetik, Farbe und Typografie, die gleichzeitig strukturiert und softwareaffin arbeiten.
3 Jahre →