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Steindrucker

Steindrucker sind Spezialisten des Steindrucks (Lithografie), einer der ältesten Drucktechniken, bei der Bilder und Texte auf Kalkstein oder Aluminium-Offsetplatten übertragen und gedruckt werden. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit künstlerischem Verständnis und ist heute vor allem in der Kunstgrafik, im Verlagswesen und in spezialisierten Druckereien angesiedelt. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Druck- und Reproduktionstechniken sowie einem guten Gespür für Farbe und Qualität.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

500–750 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2200 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Steindrucker?

Steindrucker arbeiten in handwerklich ausgerichteten Druckwerkstätten, Kunstdruckereien oder lithografischen Ateliers. Der Arbeitstag beginnt morgens mit der Vorbereitung der Drucksteine oder Aluminiumplatten: Der Stein wird mit Bimsstein geschliffen (Körnung 180–220), chemisch behandelt und die Zeichnung oder das Motiv mit fetthaltiger Kreide, Tusche oder Lavis aufgebracht. Anschließend erfolgt die chemische Ätzung mit Arabicum und Salpetersäure, um die Druckform zu fixieren. Nachmittags werden die eigentlichen Druckvorgänge an der Handdruckpresse oder der lithografischen Schnellpresse durchgeführt. Dabei werden Farbe (z. B. Lithografiefarbe auf Ölbasis) und Feuchtmittel präzise aufgetragen, Passmarken gesetzt und Druckproben auf verschiedenen Papieren (Büttenpapier, Kupferdruckpapier) gezogen. Steindrucker kontrollieren Farbdichte und Druckqualität mit Lupengläsern und Densitometern. Sie arbeiten eng mit Grafikern, Künstlern und Verlagsredakteuren zusammen. Typische Aufgaben sind die Herstellung limitierter Kunstdruckauflagen sowie die Restaurierung und Reproduktion historischer lithografischer Drucke.

Wo arbeitest du?

Steindrucker finden Beschäftigung in spezialisierten lithografischen Werkstätten, Kunstdruckereien (z. B. Gerhard Steidl Verlag, Atelier-Druckereien), Kunstmuseen und Kupferstichkabinetten mit eigenen Druckwerkstätten sowie in Hochschulen für Kunst und Design mit lithografischen Laboren. Der Beruf ist eher kleinteilig und handwerklich geprägt, Großbetriebe sind selten. Es gibt einen deutlichen Fachkräftemangel, da die Zahl der Ausbildungsbetriebe sehr gering ist und das traditionelle Handwerk zunehmend als immaterielles Kulturerbe gilt.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, idealerweise ein Realschulabschluss, da chemische und physikalische Grundkenntnisse in der Druckformherstellung wichtig sind. Relevante Schulfächer sind Chemie, Physik, Kunst und Mathematik. Persönlich sollte man handwerkliches Geschick, eine ruhige und präzise Arbeitsweise sowie ein ausgeprägtes Auge für Farbnuancen und Druckqualität mitbringen. Interesse an grafischen und künstlerischen Prozessen, Ausdauer bei manuellen Tätigkeiten und ein Gespür für die Besonderheiten historischer Drucktechniken sind ebenso wichtige Voraussetzungen. Farbnormalsichtigkeit wird vorausgesetzt.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen die Grundlagen der Steindrucktechnik im Mittelpunkt: Aufbau und Pflege von Lithografiesteinen und Aluminium-Offsetplatten, Umgang mit Druckfarben, Feuchtmitteln und Ätzchemikalien sowie Arbeitssicherheit im Umgang mit Säuren. Außerdem werden grundlegende Kenntnisse der Farblehre und des Farbkreises sowie der Schriftkunde vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen die Azubis ihre Kenntnisse in der chemisch-physikalischen Druckformherstellung, dem Mehrfarbdruck mit Passgenauigkeit und der Druckmaschinenführung. Im dritten Lehrjahr erfolgt die Spezialisierung auf komplexe Mehrfarbdrucke, Reproduktionstechniken, digitale Vorlagenbearbeitung (z. B. mit Adobe Photoshop zur Druckvorbereitung) und die Qualitätskontrolle nach DIN-Normen. Im Vergleich zu verwandten Berufen wie Drucker oder Medientechnologe Druckverarbeitung liegt der besondere Fokus auf der handwerklich-künstlerischen Druckformherstellung und der lithografischen Tradition.

Drucktechnik und TechnologieChemie und Physik der DruckprozesseFarblehre und QualitätskontrolleWirtschafts- und SozialkundeKunstgeschichte und Reproduktionstechnik

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung (Teil 1) findet zu Beginn des zweiten Lehrjahres, in der Regel im Januar/Februar, statt. Geprüft werden schriftliche Grundkenntnisse in Drucktechnik, Chemie der Druckformherstellung und Arbeitssicherheit (Dauer: 120 Minuten) sowie eine praktische Aufgabe zur Vorbereitung und Behandlung einer Druckform (Dauer: ca. 3 Stunden). Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des dritten Lehrjahres, in der Regel im Mai/Juni, statt und gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: Praktische Arbeitsaufgabe (Herstellung eines mehrfarbigen Steindrucks vom Stein bis zum fertigen Druckbogen, Dauer: 8 Stunden, Gewichtung: 50 %), schriftlicher Prüfungsbereich Drucktechnik und Technologie (Dauer: 120 Minuten, Gewichtung: 20 %), schriftlicher Prüfungsbereich Farbe und Qualitätskontrolle (Dauer: 90 Minuten, Gewichtung: 15 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (Dauer: 60 Minuten, Gewichtung: 10 %) sowie ein abschließendes Fachgespräch über die praktische Arbeitsaufgabe (Dauer: ca. 15 Minuten, Gewichtung: 5 %). Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erforderlich.

Prüfungsthemen

  • Lithografische Druckformherstellung (Stein- und Plattenbehandlung, Ätzung)
  • Mehrfarbdruck und Passmarken-Register
  • Druckfarben und Feuchtmittel (Zusammensetzung und Verarbeitung)
  • Qualitätskontrolle und Dichtheitsmessung (Densitometrie)
  • Chemie der lithografischen Prozesse (Arabicum, Salpetersäure)
  • Druckpapiere und Bedruckstoffe (Büttenpapier, Kupferdruckpapier)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung können Steindrucker den Meisterbrief im Steindruckhandwerk (HwO) anstreben, der zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildung berechtigt. Eine Weiterbildung zum Techniker Fachrichtung Drucktechnik (staatlich geprüft) eröffnet Positionen als Produktionsleiter oder technischer Leiter in Druckbetrieben. Auch ein Studium der Kommunikationsdesign, Drucktechnik oder Restaurierung/Konservierung an Fachhochschulen ist möglich. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Werkstattleiter, Atelier-Leiter in Kunstdruckereien oder selbstständiger Betrieb einer lithografischen Werkstatt realistisch. Spezialisierungen im Bereich historische Drucktechnik, Kunstgrafik oder Reproduktion kulturhistorischer Druckwerke (Museen, Archive) bieten Nischen mit wachsender Nachfrage. Das Gehalt steigt mit Meistertitel auf 2.800–3.500 EUR brutto monatlich.

Bewerbungstipps

Bewerben sollte man sich 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (also ab Herbst des Vorjahres), da es nur sehr wenige Ausbildungsbetriebe gibt. Die Bewerbungsmappe sollte ein handgeschriebenes oder selbst gestaltetes Anschreiben, Zeugnisse der letzten zwei Schuljahre und ein kurzes Portfolio mit eigenen zeichnerischen oder gestalterischen Arbeiten enthalten. Im Vorstellungsgespräch werden handwerkliches Interesse, Kenntnisse über die Lithografie und Motivation für diesen Nischenberuf erfragt. Eignungstests sind selten, jedoch können Betriebe Farbtests (Ishihara-Tafeln) und kurze Zeichenaufgaben durchführen. Besonders überzeugend wirken Bewerber, die bereits Druckwerkstätten besucht, an Kunstkursen teilgenommen oder Praktika in Druckereien absolviert haben. Das Interesse an historischen Drucktechniken und handwerklicher Sorgfalt ist ein klarer Pluspunkt.

Ratgeber

Der Steindrucker ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 500 und 750 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger im Bereich Medien und Drucktechnik durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es beim Steindrucker verschiedene Fachrichtungen oder Spezialisierungen?
Der Beruf des Steindruckers ist auf die Lithografie und den traditionellen Steindruck spezialisiert und verfügt über keine offiziell geregelten Fachrichtungen. Innerhalb des Berufs kann man sich jedoch auf unterschiedliche Druckverfahren oder künstlerisch-handwerkliche Anwendungen konzentrieren. Die Spezialisierung ergibt sich häufig durch den jeweiligen Ausbildungsbetrieb und dessen Schwerpunkte.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Steindrucker benötigt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis stellen viele Betriebe Bewerber mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss ein. Handwerkliches Geschick, Genauigkeit und ein Interesse an grafischen und drucktechnischen Verfahren sind wichtiger als ein hoher Bildungsabschluss. Kenntnisse in Chemie und Physik können bei der Ausbildung hilfreich sein.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Steindrucker?
Steindrucker arbeiten vorwiegend in spezialisierten Druckereien, Kunstwerkstätten, grafischen Betrieben sowie in Museen und kulturellen Einrichtungen, die historische Drucktechniken pflegen. Auch Verpackungs- und Werbemittelunternehmen sowie Reproduktionsbetriebe können potenzielle Arbeitgeber sein. Da der klassische Steindruck ein Nischenbereich ist, sind die Stellen häufig auf handwerklich-künstlerische Betriebe konzentriert.
Welche Weiterbildungs- oder Studienmöglichkeiten bestehen nach der Ausbildung zum Steindrucker?
Nach der Ausbildung können Steindrucker Weiterbildungen im Bereich Drucktechnik, Mediengestaltung oder Reproduktionstechnik absolvieren. Eine Aufstiegsfortbildung zum Drucker- oder Medientechniker-Meister ist möglich und eröffnet Führungsaufgaben. Mit einer Fachoberschule oder dem Fachabitur besteht zudem die Möglichkeit, ein Studium in Druck- und Medientechnik oder verwandten Fächern aufzunehmen.

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