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Landwirtschaftliche BerufeBBiG

Pferdewirt

Der Pferdewirt ist ein dreijähriger Ausbildungsberuf nach BBiG mit fünf Fachrichtungen: Zucht, Haltung und Service, Klassische Reitausbildung, Springen/Vielseitigkeit sowie Rennen. Besonders ist die Verbindung von handwerklich-praktischer Stallarbeit mit reiterlichem Können und tiermedizinischem Grundwissen. Geeignet ist der Beruf für Menschen mit echter Leidenschaft für Pferde, körperlicher Belastbarkeit und der Bereitschaft zur Arbeit an Wochenenden und Feiertagen.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

620–950 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 1900 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Pferdewirt?

Der Arbeitstag beginnt früh, meist zwischen 6:00 und 7:00 Uhr, mit dem Ausmisten der Boxen mittels Mistgabel, Schubkarre und Traktor. Anschließend werden Pferde gefüttert (Heu, Kraftfutter, Mineralstoffe), Tränken kontrolliert und der Gesundheitszustand jedes Tieres beurteilt – Puls, Atemfrequenz, Kotverstopfung, Hufe. Danach beginnt das Putzen und Satteln der Reitpferde mit Striegel, Kardätsche, Hufkratzer sowie das Anlegen von Sattel, Trense oder Kandare. Vormittags werden Pferde longiert, in der Reithalle oder auf dem Außenplatz geritten und trainiert. In der Fachrichtung Klassische Reitausbildung werden Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp geübt sowie Lektionen der Dressur erarbeitet. Nachmittags stehen Paddock- und Weidepflege, Reparaturarbeiten am Zaun, das Lagern von Heu und Stroh sowie die Begleitung des Hufschmieds oder Tierarztes auf dem Programm. Zusammengearbeitet wird mit Tierärzten, Hufschmieden, Stallmeistern, Turniersportlern und Reitschülern.

Wo arbeitest du?

Pferdewirte arbeiten in Reitbetrieben und Reitschulen, Gestüten (z. B. Landgestüt Celle, Gestüt Schlenderhan), auf Trabrenn- und Galopprennbahnen sowie in Therapie- und Freizeitbetrieben. Weitere Arbeitgeber sind Pferdekliniken, landwirtschaftliche Betriebe mit Pferdehaltung, Pferdesportverbände und Tourismusbetriebe (Reiterhöfe). Der Großteil der Betriebe ist klein- bis mittelständisch. Es besteht in vielen Regionen Deutschlands ein spürbarer Fachkräftemangel, insbesondere im Bereich qualifizierter Reiter und Stallmeister.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, viele Ausbildungsbetriebe bevorzugen jedoch einen Realschulabschluss. Wichtige Schulfächer sind Biologie (Anatomie, Tierkunde), Chemie (Fütterungslehre) und Sport (Körperbeherrschung, Koordination). Persönlich sollten Bewerberinnen und Bewerber körperlich belastbar und wetterfest sein, da Stallarbeit bei jedem Wetter stattfindet. Tierliebe allein reicht nicht – gefragt sind Verantwortungsbewusstsein, Geduld im Umgang mit Tieren, Verlässlichkeit sowie die Bereitschaft zu frühen Arbeitszeiten, Wochenend- und Feiertagsdiensten.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Pferdehaltung im Vordergrund: artgerechte Unterbringung (Boxenhaltung, Offenstall, Paddockbox), Fütterungslehre mit Raufutter, Kraftfutter und Ergänzungsmitteln, Grundpflege des Pferdes sowie elementare Reitkenntnisse in Schritt, Trab und Galopp. Außerdem werden Erste-Hilfe-Maßnahmen für Pferde, Grundlagen der Anatomie und wichtige Krankheitsbilder (Kolik, Hufrehe, Mauke) vermittelt. Im zweiten und dritten Lehrjahr erfolgt die Vertiefung entsprechend der gewählten Fachrichtung: In der Klassischen Reitausbildung werden Dressuraufgaben bis Klasse L erarbeitet und das Longieren von Reitschülern geübt. In der Fachrichtung Zucht lernen Azubis Deckvorgänge, Fohlenaufzucht und Abstammungsnachweis. Gegenüber verwandten Berufen wie dem Landwirt ist die tiermedizinische und reiterliche Spezialisierung auf Pferde deutlich intensiver.

Pferdehaltung und TiergesundheitFütterungs- und ZuchtlehreReit- und AusbildungslehreBetriebs- und UnternehmensführungWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. 18. Monat) statt. Sie umfasst einen schriftlichen Teil mit 120 Minuten Bearbeitungszeit zu Themen wie Pferdehaltung, Fütterung, Anatomie und Zucht sowie einen praktischen Teil mit der Demonstration von Pflegemaßnahmen und Grundreitübungen (ca. 60 Minuten). Die Abschlussprüfung gliedert sich in einen praktischen und einen schriftlichen Bereich. Der praktische Prüfungsteil besteht aus einer Arbeitsaufgabe (z. B. Vorbereitung und Präsentation eines Pferdes, ca. 90–120 Minuten) und einem anschließenden Fachgespräch von etwa 15–20 Minuten. Der schriftliche Teil umfasst drei Prüfungsbereiche: Pferdehaltung und Tiergesundheit (90 Minuten, ca. 25 %), Fachrichtungsspezifische Aufgaben (90 Minuten, ca. 35 %) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, ca. 15 %). Die praktische Arbeitsaufgabe wird mit 25 % gewichtet. Zum Bestehen müssen in jedem Prüfungsbereich mindestens 30 Punkte (von 100) erreicht werden; der Gesamtdurchschnitt muss mindestens 50 Punkte betragen.

Prüfungsthemen

  • Pferdehaltung und Stallmanagement (Boxenpflege, Weidewirtschaft, Einstreu)
  • Fütterungslehre (Raufutter, Kraftfutter, Mineralfutter, Futterplanung)
  • Tiergesundheit und Krankheitsvorbeugung (Kolik, Hufrehe, Impfprogramme, Parasitenbekämpfung)
  • Pferdezucht und Abstammungsnachweis (Deckstation, Fohlenaufzucht, Zuchtverbände)
  • Reit- und Ausbildungslehre (Grundgangarten, Dressurlektionen, Longierarbeit)
  • Pferdebeurteilung und Exterieurlehre (Körperbau, Ganganalyse, Rittigkeit)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde (Betriebsorganisation, Arbeitsrecht, Umweltschutz)

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung sind folgende Weiterbildungen möglich: Pferdewirtschaftsmeister (HwO/BBiG, Voraussetzung für Selbstständigkeit und Ausbildererlaubnis), Bereiter-Prüfung nach FN-Richtlinien sowie Trainerlizenz A und B der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Wer ein Studium anstrebt, kann Pferdewissenschaften (B.Sc.) an der Universität Göttingen oder Agrarwirtschaft mit Schwerpunkt Pferd (FH Osnabrück, Nürtingen-Geislingen) studieren. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Stallleiter, Ausbildungsleiter oder selbstständiger Reitbetriebsinhaber realistisch. Spezialisierungen bieten sich in den Bereichen Pferdegesundheit (Osteopathie, Physiotherapie), Turniersport oder Pferdehandel an.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart eingereicht werden, da viele Betriebe früh planen und ein Praktikum voraussetzen. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis, Praktikumsnachweise und idealerweise ein Nachweis über Reiterfahrung (FN-Reitabzeichen). Im Vorstellungsgespräch fragen Ausbilder typischerweise nach bisherigen Erfahrungen mit Pferden, der bevorzugten Fachrichtung und der Bereitschaft zu Wochenendarbeit. Eignungstests sind berufsüblich keine standardisierten IHK-Tests; stattdessen findet häufig ein praktischer Stallrundgang oder ein kurzer Reitnachweis statt. Wer bereits das FN-Reitabzeichen 5 oder Erfahrung im Leistungssport nachweisen kann und handwerkliches Geschick mitbringt, überzeugt Ausbilder am stärksten.

Ratgeber

Der Pferdewirt ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Schwerpunkt zwischen 620 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 1.900 Euro brutto im Monat.

Häufige Fragen

Welche Fachrichtungen gibt es in der Ausbildung zum Pferdewirt?
Die Ausbildung zum Pferdewirt wird in fünf Fachrichtungen angeboten: Pferdehaltung und Service, Reiten, Rennreiten, Fahren sowie Pferdezucht. Je nach Spezialisierung werden unterschiedliche Schwerpunkte in der Ausbildung gesetzt, beispielsweise sportliche Reitausbildung oder züchterische Aspekte der Pferdehaltung.
Welcher Schulabschluss ist für die Ausbildung zum Pferdewirt erforderlich?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, jedoch bevorzugen viele Ausbildungsbetriebe Bewerber mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss. Praktische Erfahrung im Umgang mit Pferden sowie Reitkenntnisse werden häufig als wichtiger eingestuft als der schulische Abschluss.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Pferdewirte?
Pferdewirte finden Beschäftigung in Reit- und Zuchtbetrieben, auf Rennbahnen, in Pensionsställen, bei Gestüten sowie in Freizeitreitanlagen. Auch therapeutische Reiteinrichtungen und touristische Betriebe mit Reitangeboten kommen als Arbeitgeber in Frage. Die Berufsaussichten sind eng mit dem regionalen Angebot an Pferdehaltungsbetrieben verknüpft.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Pferdewirt?
Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Pferdewirtschaftsmeister möglich, die zur selbstständigen Betriebsführung und zur Ausbildungsberechtigung berechtigt. Darüber hinaus kann über den Meisterabschluss oder das Fachabitur ein Studium in Bereichen wie Agrarwissenschaften, Pferdewissenschaften oder Hippologie aufgenommen werden.

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