Reiseverkehrskaufleute planen, organisieren und verkaufen Reiseleistungen wie Pauschalreisen, Flüge, Hotels und Kreuzfahrten. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Tourismuswirtschaft und Kundenberatung, nutzen professionelle Buchungssysteme und gestalten individuelle Reiseangebote. Der Beruf eignet sich für kommunikationsstarke Menschen mit echter Reisebegeisterung, Freude an Beratung und Interesse an internationalen Märkten.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–900 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2100 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Der Arbeitsalltag findet überwiegend in Reisebüros, bei Reiseveranstaltern oder Online-Reiseportalen statt. Morgens bearbeiten Reiseverkehrskaufleute eingehende Anfragen per E-Mail und Telefon, pflegen Buchungen in Reservierungssystemen wie Amadeus, Sabre oder dem veranstaltereigenen TUI-Reisecenter-System und prüfen Verfügbarkeiten von Flügen, Hotels und Mietwagen. Ein typischer Vorgang ist das Zusammenstellen einer Individualreise: Recherche passender Verbindungen, Preisvergleich verschiedener Anbieter, Erstellung eines maßgeschneiderten Angebots und abschließende Buchung mit Ausstellung von Reiseunterlagen. Nachmittags stehen häufig persönliche Kundenberatungsgespräche im Vordergrund: Bedarfsanalyse, Präsentation von Reisekatalogen und digitalen Buchungsportalen sowie Abschluss von Reiseverträgen. Weitere Aufgaben umfassen die Bearbeitung von Reklamationen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch und dem Reisevertragsrecht, die Verwaltung von Stornierungen sowie die Kommunikation mit Leistungsträgern wie Airlines, Hotels und Incoming-Agenturen weltweit.
Reiseverkehrskaufleute arbeiten in stationären Reisebüros (DER Reisebüro, REWE Reisen, Lufthansa City Center), bei Reiseveranstaltern (TUI, DER Touristik, FTI Touristik, DERTOUR), bei Online-Reiseportalen (Check24, HolidayCheck), bei Airlines im Ticketing sowie bei Business-Travel-Agenturen (American Express GBT, BCD Travel, CWT). Fachkräftemangel besteht vor allem in der stationären Reisebürobranche, die durch Online-Konkurrenz unter Druck steht, während spezialisierte Berater und Geschäftsreisenspezialisten stark nachgefragt sind.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss), da kaufmännische Inhalte, Geografie und Fremdsprachenkommunikation ein solides Bildungsniveau erfordern. Wichtige Schulfächer sind Englisch (Buchungssysteme und Kundenkommunikation sind oft englischsprachig), Geografie, Mathematik (Kalkulation, Preisvergleiche) und Wirtschaft. Persönlich überzeugen echte Reisebegeisterung, ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, Empathie in der Kundenberatung, strukturiertes Arbeiten beim Umgang mit Buchungssystemen sowie Stressresistenz in der Hauptreisesaison. Eine zweite Fremdsprache wie Spanisch oder Französisch ist ein deutliches Plus.
Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Tourismuswirtschaft vermittelt: Reisevertragsrecht nach BGB, Grundstruktur des Reisemarkts, Beratungstechniken, Geografie wichtiger Reisedestinationen sowie erste Kenntnisse in Buchungssystemen wie Amadeus. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende ihre Kenntnisse in der Reiseplanung, lernen Flugpreisgestaltung (IATA-Tarife), Kreuzfahrtprodukte, Hotelkategorisierungen und Pauschalreiserecht. Dazu kommen kaufmännische Inhalte wie Kalkulation, Buchführung und Rechnungswesen. Im dritten Lehrjahr folgen Spezialisierungen: Geschäftsreisemanagement (Business Travel), Erlebnisreisen, Reiseversicherungen, Marketing und Beschwerdemanagement. Im Vergleich zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung liegt der Fokus nicht auf Transport und Frachtabwicklung, sondern auf Dienstleistungsverkauf, Destinationskenntnissen und persönlicher Kundenberatung.
Die Abschlussprüfung Teil 1 (Zwischenprüfung) findet im dritten Ausbildungssemester (Mitte des zweiten Lehrjahres, ca. April/Mai) statt. Geprüft wird schriftlich in den Bereichen Reisevermittlung und Reiseveranstaltung sowie Wirtschafts- und Sozialkunde; Dauer je Bereich ca. 60 Minuten. Die Abschlussprüfung Teil 2 erfolgt am Ende des dritten Lehrjahres (Januar/Februar für Wintertermin, Mai/Juni für Sommertermin). Sie besteht aus vier Prüfungsbereichen: Touristik (schriftlich, 120 Minuten, Gewichtung 30 %), Reisemarkt und Kommunikation (schriftlich, 90 Minuten, 20 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten, 10 %) sowie einer praktischen Kundenberatung mit abschließendem Fachgespräch (Rollenspiel ca. 30 Minuten, 40 %). Für das Bestehen muss im Gesamtergebnis mindestens 50 Punkte von 100 erreicht werden; kein einzelner schriftlicher Bereich darf unter 30 Punkte fallen. Das Fachgespräch bildet das Kernstück und testet Beratungskompetenz, Produktkenntnisse und Einwandbehandlung.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung sind Spezialisierungen auf Geschäftsreisen, Kreuzfahrten oder Fernreisen möglich. Weiterbildungen umfassen den IHK-Fachwirt für Touristik, den Tourismusfachwirt (IHK), den Reiseverkehrsleiter nach der EU-Vermittlerrichtlinie sowie den Geprüften Tourismusmanager. Technisch orientierte Fachkräfte wählen Studiengänge wie Tourism Management (B.A.) oder International Hospitality Management. Nach fünf bis zehn Jahren sind Positionen als Filialleiter eines Reisebüros, Produkt- oder Destinationsmanager bei einem Reiseveranstalter (z. B. TUI, DER Touristik, FTI) oder Account Manager im Corporate Travel erreichbar. Das Monatsbrutto steigt dabei von ca. 2.200 EUR auf 3.500–4.500 EUR in Führungspositionen.
Die Bewerbung sollte 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsbeginn (September) eingereicht werden, also spätestens bis September des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben mit konkretem Reisebezug (eigene Reiseerfahrungen erwähnen), tabellarischen Lebenslauf, letzte zwei Schulzeugnisse sowie ggf. Nachweise über Praktika in der Touristik. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Destinationskenntnisse, aktuelle Reisetrends und Umgang mit schwierigen Kundensituationen abgefragt. Manche Arbeitgeber setzen einen IHK-Einstellungstest (Mathematik, Deutsch, Allgemeinwissen, geografisches Wissen) ein. Besonders überzeugend wirken Eigeninitiative durch Praktika in Reisebüros, nachweisbare Englischkenntnisse, Kenntnisse von Buchungsportalen und eine authentische Leidenschaft fürs Reisen.
Ratgeber
Der Reiseverkehrskaufmann ist ein 3-jähriger staatlich anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG, zugehörig zum Berufsfeld Verkehr, Transport und Logistik. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.100 Euro brutto monatlich.
Berufskraftfahrer
Berufskraftfahrer transportieren Güter oder Personen sicher und termingerecht auf nationalen und internationalen Routen. Der Beruf verbindet technisches Fahrzeugwissen mit Logistikkenntnissen, Verantwortungsbewusstsein und eigenständiger Arbeitsorganisation. Er eignet sich besonders für Menschen, die gerne alleine arbeiten, Technik mögen und eine große Affinität zu Fahrzeugen und dem Straßenverkehr mitbringen.
3 Jahre →
Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen
Die Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen ist ein anerkannter IHK-Ausbildungsberuf, der 2019 neu geordnet wurde und speziell auf die wachsende KEP-Branche zugeschnitten ist. Kern des Berufs ist die Organisation und Durchführung von Zustellprozessen, die Sendungsbearbeitung sowie die Kundenbetreuung – sowohl im Depot als auch auf der letzten Meile. Besonders ist die Kombination aus körperlicher Arbeit, Digitalisierung (Scan-Systeme, Tourenplanungssoftware) und direktem Kundenkontakt. Der Beruf eignet sich für Menschen, die strukturiert arbeiten, gerne unterwegs sind und in einem dynamischen Umfeld mit hohem Liefervolumen und kurzen Reaktionszeiten bestehen können.
3 Jahre →
Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung
Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung organisieren den nationalen und internationalen Transport von Gütern über Straße, Schiene, Luft und See. Sie koordinieren Frachtaufträge, kalkulieren Transportkosten und überwachen Lieferketten. Der Beruf verbindet kaufmännisches Denken mit logistischem Verständnis und ist ideal für Menschen, die gerne mit Zahlen, Geografie und internationalem Geschäftsverkehr arbeiten.
3 Jahre →
Fachkraft im Fahrbetrieb
Fachkräfte im Fahrbetrieb steuern Busse und Straßenbahnen im öffentlichen Personennahverkehr und organisieren den sicheren Betriebsablauf. Der Beruf verbindet handwerklich-technische Fahrzeugkenntnisse mit Kundenservice und betriebswirtschaftlichem Denken. Er eignet sich für Menschen, die gern eigenverantwortlich arbeiten, Freude am Umgang mit Fahrgästen haben und technisches Interesse mitbringen.
3 Jahre →