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Verkehr, Transport und LogistikBBiG

Schifffahrtskaufmann

Schifffahrtskaufleute organisieren den Transport von Gütern und Passagieren über See- und Binnenwasserstraßen. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Reedereien, Häfen, Spediteuren und Kunden und koordinieren komplexe internationale Logistikketten. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Interesse an internationaler Wirtschaft, Fremdsprachen und maritimer Logistik.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

700–1050 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2600 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Schifffahrtskaufmann?

Der Arbeitsalltag findet überwiegend im Büro von Reedereien, Schiffsmaklerunternehmen, Hafenbetrieben oder Speditionsunternehmen statt. Morgens beginnt der Tag typischerweise mit der Auswertung von Schiffspositionsmeldungen (z. B. über AIS-Tracking-Systeme) und der Korrespondenz mit internationalen Partnern auf Englisch – per E-Mail und über Branchensoftware wie CargoSoft oder Portbase. Es werden Frachtverträge (Charterpartien, Konnossemente/Bills of Lading) geprüft, erstellt und verwaltet. Zu den konkreten Aufgaben gehört das Disponieren von Laderaumkapazitäten für Containerladungen oder Schüttgüter sowie die Abwicklung von Hafenformalia, Zollanmeldungen in ATLAS und die Koordination mit Hafenagenten weltweit. Nachmittags stehen oft die Kalkulation von Frachtpreisen, die Erstellung von Offerten, die Bearbeitung von Reklamationen oder die Überwachung von Lieferterminen auf dem Programm. Die enge Zusammenarbeit mit Schiffsführern, Hafenmeistern, Zollbehörden, Versicherern und Kunden aus aller Welt prägt den Berufsalltag.

Wo arbeitest du?

Schifffahrtskaufleute arbeiten vor allem in Hafenstädten: bei Linienreedereien wie Hapag-Lloyd oder Hamburg Süd, bei Schiffsmaklerbüros, Stauereien und Hafenbetrieben (HHLA, BLG Logistics), bei See- und Luftfrachtspeditionen (Kühne+Nagel, DB Schenker) sowie bei Binnenschifffahrtsunternehmen und Reedereien auf dem Rhein. Die Berufsgruppe ist in Deutschland hauptsächlich in Hamburg, Bremen, Kiel, Rostock und Duisburg tätig. Es besteht deutlicher Fachkräftemangel, insbesondere bei Spezialisten mit Englischkenntnissen und Rechtswissen.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da die Ausbildung kaufmännische Inhalte auf hohem Niveau sowie internationale Rechtskenntnisse umfasst. Abitur ist bei großen Reedereien oft bevorzugt. Wichtige Schulfächer sind Englisch (maritime Korrespondenz auf internationalem Niveau), Mathematik (Frachtkalkulationen), Geographie und Wirtschaft/Politik. Persönlich wichtig sind ausgeprägte kommunikative Stärken, Organisationstalent, Belastbarkeit bei zeitkritischen Dispositionen, Interesse an globalen Märkten und die Fähigkeit, auf Englisch sicher zu kommunizieren.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Schifffahrt und Logistik im Vordergrund: Schiffstypen (Containerschiffe, Tanker, Massengutfrachter, RoRo-Schiffe), Grundbegriffe des Seehandelsrechts, kaufmännisches Rechnen sowie Einführung in die Geschäftsprozesse einer Reederei oder Spedition. Außerdem werden grundlegende Fremdsprachenkenntnisse (Englisch für die maritime Branche) vertieft. Im zweiten und dritten Lehrjahr erfolgt die Spezialisierung auf Frachtvertragsrecht (HGB, MLA), Konnossemente, Charterverträge, Frachtkalkulation, Hafenabfertigung, Zollrecht (Incoterms, ATLAS), Schiffsversicherungen (P&I, H&M) sowie internationale Handelsfinanzierung und Akkreditivabwicklung. Im Gegensatz zur Kaufmann-Ausbildung im Speditions- und Logistikdienstleistungsbereich liegt hier der klare Schwerpunkt auf seeschifffahrtsspezifischen Rechtsbereichen, maritimen Dokumenten und dem globalen Liniendienst- und Trampgeschäft.

Transportlogistik und maritime WirtschaftKaufmännische Steuerung und KontrolleEnglisch (Maritime English)Wirtschafts- und SozialkundeInternationales Handels- und Seerecht

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres (in der Regel im April/Mai) statt. Sie besteht aus einer schriftlichen Prüfung (120 Minuten) zu den Bereichen Transportlogistik, kaufmännische Steuerung und Kommunikation. Die Abschlussprüfung (Teil 2) wird am Ende des dritten Lehrjahres (Januar/Februar und Juli) von der IHK durchgeführt und gliedert sich in vier schriftliche Prüfungsbereiche: Transportlogistik maritime Wirtschaft (120 Minuten, 40 % Gewichtung), Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (60 Minuten, 20 % Gewichtung), Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 20 % Gewichtung) sowie eine situative Gesprächssimulation/mündliche Ergänzungsprüfung (höchstens 20 Minuten, 20 % Gewichtung). Die Gesamtgewichtung zwischen schriftlichem und mündlichem Teil beträgt 80:20. Zum Bestehen müssen in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erzielt werden; kein Bereich darf mit 0 Punkten abschließen. Eine praktische Arbeitsaufgabe im Sinne eines Projekts ist nicht vorgesehen, jedoch kann bei knappem Bestehen eine mündliche Ergänzungsprüfung hinzukommen.

Prüfungsthemen

  • Frachtvertragsrecht (Konnossement, Charterpartie, Incoterms)
  • Hafenabfertigung und Transportdokumentation (Bill of Lading, Manifest)
  • Zollrecht und Außenhandel (ATLAS, Zolltarifnummern)
  • Schiffsversicherung (P&I, H&M, Transportversicherung)
  • Frachtkalkulation und Preisermittlung
  • Kaufmännische Steuerung und Kosten-Leistungs-Rechnung
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung sind Einstiege als Schiffsdisponent, Frachtabrechner oder Hafenagent möglich. Typische Weiterbildungen sind der Fachwirt für Güterverkehr und Logistik (IHK), der Verkehrsfachwirt (IHK) oder der Schiffahrtskaufmännische Fachwirt (IHK Hamburg). Mit Abitur oder Fachhochschulreife bieten sich Studiengänge wie Maritime Management (B.Sc.), International Logistics oder BWL mit Schwerpunkt Shipping an. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Abteilungsleiter Chartering, Head of Operations oder Regional Manager in internationalen Reedereien (z. B. Hapag-Lloyd, MSC) realistisch. Spezialisierungen in Schiffsversicherung, Ship-Brokerage oder Compliance sind lukrative Nischen. Das Gehalt steigt mit Erfahrung und Verantwortung deutlich an.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart (meist August/September) eingereicht werden, da Reedereien und Speditionen die Ausbildungsplätze frühzeitig vergeben. Die Bewerbungsmappe sollte ein aussagekräftiges Anschreiben mit Bezug auf die maritime Branche, einen tabellarischen Lebenslauf, Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise in Logistik oder Schifffahrt enthalten. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Englischkenntnisse direkt getestet; manche Betriebe führen kaufmännische Einstellungstests (Textaufgaben, Grundrechenarten, Allgemeinwissen Geographie/Welthandel) durch. Ausbilder überzeugen sich besonders von Bewerbern, die konkrete Kenntnisse über Containerverkehr, Welthandelshäfen oder aktuelle Themen der Schifffahrt mitbringen und fließend Englisch sprechen.

Ratgeber

Der Schifffahrtskaufmann ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 700 und 1.050 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.600 Euro brutto monatlich in der Schifffahrts- und Logistikbranche.

Häufige Fragen

Gibt es Fachrichtungen oder Spezialisierungen in der Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann?
Die Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann bietet die Spezialisierungen Linien- und Trampfahrt sowie Hafen- und Umschlagbetrieb. In der Fachrichtung Linien- und Trampfahrt liegt der Schwerpunkt auf dem Transport von Gütern und Passagieren auf festgelegten oder freien Routen, während die Fachrichtung Hafen- und Umschlagbetrieb den Betrieb und die Organisation von Häfen und Umschlaganlagen umfasst.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, jedoch bevorzugen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit mittlerem Schulabschluss (Realschulabschluss) oder Abitur. Aufgrund der kaufmännischen und sprachlichen Anforderungen – insbesondere gute Englischkenntnisse – sind ein solides schulisches Fundament und Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Schifffahrtskaufleute?
Schifffahrtskaufleute arbeiten vor allem bei Reedereien, Schiffsmaklerunternehmen, Hafenbetrieben, Speditions- und Logistikunternehmen sowie bei Frachtbörsen. Wichtige Arbeitgeberstandorte in Deutschland sind Hafenstädte wie Hamburg, Bremen, Rostock und Kiel, da diese Zentren des internationalen Seehandels sind.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann?
Nach der Ausbildung können Schifffahrtskaufleute eine Weiterbildung zum Verkehrsfachwirt oder Speditionskaufmann ablegen oder sich zum Betriebswirt (IHK) qualifizieren. Mit Fachhochschulreife oder Abitur ist auch ein Studium in Logistik, Betriebswirtschaftslehre oder Maritime Management möglich, etwa an der Hochschule Bremen oder der HHL Leipzig.

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