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Textil- und BekleidungsberufeBBiG

Schuhmacher

Schuhmacher fertigen, reparieren und restaurieren Schuhe sowie Lederwaren von Hand und mit spezialisierten Maschinen. Der Beruf vereint traditionelles Handwerk mit modernen Fertigungstechniken und erfordert ein feines Gespür für Materialien wie Leder, Gummi und synthetische Werkstoffe. Er eignet sich für handwerklich geschickte Menschen mit Sinn für Ästhetik, Präzision und Freude an der direkten Kundenarbeit.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

420–700 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 1900 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Schuhmacher?

Morgens beginnt der Arbeitstag in der Schuhwerkstatt mit der Auftragsplanung und dem Annehmen von Kundenreparaturen. Du begutachtest beschädigte Schuhe, bestimmst das Reparaturverfahren und wählst passendes Leder, Sohlen oder Absatzmaterial aus. Dann arbeitest du an Reparaturaufträgen: Du trennst verschlissene Sohlen mit dem Sohlenmesser ab, schleifst Klebeflächen auf der Bandschleifmaschine auf, kleberst neue Sohlen auf oder nähst sie mit der Sohlennähmaschine an. Absätze werden am Fersenschleifer bearbeitet und mit Schuhzwecken befestigt. Nachmittags bearbeitest du Maßanfertigungen: Du nimmst Fußmessungen mit dem Pedoskop vor, schneidest Leistenmaterial zurecht und steppst Schäfte auf der Schaftnähmaschine. Außerdem pflegst und färbst du Lederwaren, stichst Leder von Hand oder maschinengestützt und berätst Kunden zu Pflegeprodukten wie Lederfett oder Imprägnierspray. Du arbeitest eng mit Orthopädietechnikern zusammen, wenn orthopädische Einlagen oder Schuhzurichtungen gefragt sind.

Wo arbeitest du?

Schuhmacher arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben (Schuhrepairwerkstätten, Schlüsseldienste mit Schuhservice), Maßschuhmachereien sowie orthopädischen Schuhwerkstätten. In der Industrie bieten Schuhproduzenten wie Birkenstock, Lloyd oder Ara Ausbildungsplätze an. Luxusmodehäuser mit eigener Schuhfertigung sowie Theater- und Kostümabteilungen beschäftigen ebenfalls Schuhmacher. Im Gesundheitssektor sind orthopädische Sanitätshäuser ein wachsender Arbeitgeber. Es besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, besonders in qualifizierten Reparaturwerkstätten.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss, da die praktischen Fertigkeiten im Vordergrund stehen; ein Realschulabschluss ist jedoch von Vorteil für betriebswirtschaftliche Inhalte. Wichtige Schulfächer sind Werken/Technik, Kunst, Chemie (Klebstoffe, Lederfarben) und Mathematik (Maßanfertigung, Kalkulation). Persönlich sind handwerkliche Geschicklichkeit, Fingerfertigkeit, Geduld und Sorgfalt entscheidend. Ein gutes Auge für Formen, Farben und Proportionen sowie Freude am direkten Kundenkontakt und Interesse an traditionellem Handwerk runden das Profil ab.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr erlernst du die Grundlagen der Lederbearbeitung: Lederarten unterscheiden, Werkzeuge wie Ahle, Sohlenmesser und Stechzirkel sachgerecht einsetzen, einfache Reparaturen wie Absatzwechsel und Sohlenklebungen ausführen sowie Grundnähte auf der Schaftnähmaschine. Du lernst Maschinen wie Bandschleifer, Raumaschine und Fersenschleifer kennen und sicher zu bedienen. Im zweiten Lehrjahr vertiefst du Reparaturtechniken, lernst Schaftnähtechniken, Leistenbau und die Herstellung einfacher Schuhteile. Außerdem wird das Anpassen von Einlagen und Schuhzurichtungen für orthopädische Korrekturen geübt. Im dritten Lehrjahr spezialisierst du dich auf Maßanfertigungen, komplexe Restaurierungen historischer Schuhe, Qualitätskontrolle und betriebswirtschaftliche Grundlagen. Im Unterschied zu Orthopädieschuhmachern liegt der Fokus hier stärker auf Reparatur und handwerklicher Kleinserienfertigung.

Schuhkunde und MaterialkundeTechnologie der Schuhherstellung und -reparaturFachzeichnen und SchnittmusterWirtschafts- und SozialkundeMathematik und Kalkulation

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Gesellenprüfung Teil 1 (Zwischenprüfung) findet im zweiten Lehrjahr, üblicherweise im Frühjahr, statt. Sie prüft schriftlich in den Bereichen technologische Grundkenntnisse, Materialkunde und Werkzeugkunde (ca. 120 Minuten) sowie eine praktische Arbeitsprobe (ca. 4 Stunden) in der Form einer einfachen Reparaturaufgabe. Die Gesellenprüfung Teil 2 (Abschlussprüfung) erfolgt am Ende des dritten Lehrjahres. Sie gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: Praktische Arbeitsaufgabe – Herstellung oder umfassende Reparatur eines Schuhes (ca. 7 Stunden, Gewichtung 50 %), schriftliche Prüfung Technologie und Materialkunde (90 Minuten, Gewichtung 20 %), Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, Gewichtung 10 %) sowie ein Fachgespräch über die praktische Aufgabe (ca. 15–20 Minuten, Gewichtung 20 %). Zum Bestehen ist in jedem Prüfungsbereich mindestens eine ausreichende Leistung (50 Punkte von 100) erforderlich; ein Prüfungsbereich kann unter Bedingungen ausgeglichen werden.

Prüfungsthemen

  • Lederarten und Lederbearbeitung (Rinds-, Kälber-, Synthetikleder)
  • Schuhkonstruktion und Schuhteile (Schaft, Brandsohle, Laufsohle, Absatz)
  • Reparaturtechniken (Sohlen- und Absatzwechsel, Klebtechniken, Nähverfahren)
  • Maschinen und Werkzeuge (Sohlennähmaschine, Bandschleifer, Fersenschleifer)
  • Klebstoffe, Farben und Pflegemittel (Kontaktkleber, Lederfarben, Imprägniermittel)
  • Orthopädische Schuhzurichtungen und Einlagenversorgung
  • Betriebswirtschaftliche Grundlagen und Kalkulation

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Gesellenprüfung ist der klassische Aufstieg der Meisterabschluss zum Schuhmachermeister (HwO), der den Weg zur Selbstständigkeit und zur Ausbildungsberechtigung öffnet. Auch der Orthopädieschuhmachermeister ist eine attraktive Spezialisierung mit deutlich höherem Verdienstpotenzial im Gesundheitshandwerk. Weiterbildungen zum Schuhfachhändler oder zum Techniker für Lederverarbeitung sind möglich. Ein Studium der Schuhtechnik an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen (Bachelor) oder ein Studiengang Modedesign mit Spezialisierung auf Accessoires bietet akademische Perspektiven. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, Betriebsinhaber oder Produktentwickler in der Schuhindustrie realistisch. Das Gehalt steigt mit Meistertitel auf 2.500–3.500 EUR brutto monatlich.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn (September/Oktober) eingereicht werden, da viele kleine Betriebe frühzeitig planen. In die Bewerbungsmappe gehören Anschreiben mit Bezug auf konkrete handwerkliche Interessen (Leder, Nähen, Basteln), tabellarischer Lebenslauf und letzte zwei Schulzeugnisse. Beim Vorstellungsgespräch werden häufig einfache Fingerfertigkeitstests oder das Ausprobieren von Werkzeugen durchgeführt. Zeige Kenntnisse über Lederarten, Schuhbauteile oder erkläre, warum dich das Handwerk begeistert. Praktische Erfahrungen durch ein Schnupperpraktikum in einer Schuhwerkstatt überzeugen Ausbilder besonders. Betone Eigenschaften wie Geduld, Sorgfalt und Freude an der Arbeit mit Händen.

Ratgeber

Der Schuhmacher ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Berufsfeld Textil- und Bekleidungsberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 420 und 700 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 1.900 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es beim Schuhmacher verschiedene Fachrichtungen oder Spezialisierungen?
Im Ausbildungsberuf Schuhmacher gibt es keine formal festgelegten Fachrichtungen. In der Praxis spezialisieren sich Schuhmacher jedoch auf Bereiche wie Schuhreperatur und -pflege, orthopädische Schuhzurichtungen oder die handwerkliche Maßanfertigung von Schuhen. Orthopädische Spezialisierungen erfordern oft eine zusätzliche Weiterbildung.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Schuhmacher?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Ausbildungsbetriebe Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Entscheidend sind handwerkliches Geschick, Sorgfalt und Interesse an der Materialverarbeitung.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Schuhmacher?
Schuhmacher arbeiten hauptsächlich in inhabergeführten Schuhrepairwerkstätten und Schuhfachgeschäften mit Reparaturservice. Weitere Arbeitgeber sind orthopädische Schuhtechnikbetriebe, Theaterwerkstätten sowie vereinzelt Luxus- und Maßschuhhersteller. Das Handwerk ist stark mittelständisch und kleinbetrieblich geprägt.
Welche Weiterbildungs- oder Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung kann man die Meisterprüfung im Schuhmacherhandwerk ablegen, die zur selbstständigen Betriebsführung und zur Ausbildung eigener Lehrlinge berechtigt. Eine verwandte Weiterbildung ist der staatlich geprüfte Orthopädieschuhtechniker. Mit einer Aufstiegsfortbildung oder über den zweiten Bildungsweg ist auch ein Studium, etwa im Bereich Produktentwicklung oder Handwerksmanagement, möglich.

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