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Textil- und BekleidungsberufeBBiG

Seiler

Seiler stellen Seile, Litzen, Taue, Netze und Geflechte aus Naturfasern wie Hanf, Sisal oder Manila sowie aus Chemiefasern wie Polyester, Polyamid und Aramid her. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit moderner Maschinentechnik und erfordert ein tiefes Verständnis für Materialeigenschaften und Belastungsgrenzen. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen mit Freude an präziser, handwerklicher Arbeit.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

500–750 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2200 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Seiler?

Der Arbeitstag eines Seilers beginnt meist in der Fertigungshalle mit der Sichtprüfung und Vorbereitung der Maschinen – darunter Schlagmaschinen, Verseilmaschinen, Flechtmaschinen und Spulenwechselautomaten. Die Rohfasern oder synthetischen Garne werden auf Spulen gewickelt und in die Maschinen eingezogen. Morgens werden häufig Produktionsaufträge gestartet, Maschinenparameter wie Drall, Schlaglänge und Litzenanzahl eingestellt sowie Qualitätskontrollen an laufenden Produktionen durchgeführt. Nachmittags stehen oft manuelle Tätigkeiten im Vordergrund: Spleißen von Seilen per Hand mit Marlspieker und Klemmen, Konfektionierung von Endprodukten (z. B. Abschlussknoten, Ösen, Kauschen), Prüfung der Bruchlast am Zugprüfgerät sowie Verpackung und Lagerung. Ein konkretes Beispiel: Herstellung eines 20-mm-Polyester-Tauwerks für die Schifffahrt inklusive eingelegter Ösen. Ein weiteres Beispiel: Fertigung von Sicherheitsnetzen für Baustellen nach DIN EN 1263. Man arbeitet eng mit Maschinenführern, Qualitätsprüfern und Lagerist*innen zusammen.

Wo arbeitest du?

Seiler arbeiten vorwiegend in industriellen Seilwerken und Tauwerkereibetrieben wie Liros, Gleistein, Teufelberger, Vereinigte Seilwerke oder Gustav Lotz. Weitere Arbeitgeber sind Netz- und Geflecht-Hersteller für Fischerei, Bau und Sport sowie spezialisierte Betriebe für Sicherheitsausrüstung, Hochleistungsseile für Bergbau und Offshore und maritime Zulieferer. Der Beruf ist ein Nischenberuf mit bundesweit wenigen Ausbildungsbetrieben; Fachkräftemangel ist ausgeprägt und die Jobaussichten für qualifizierte Fachkräfte sind daher sehr gut.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, idealerweise ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschule), da technische Berechnungen, Normenkunde und Maschinenprogrammierung gute Kenntnisse in Mathematik und Physik erfordern. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Querschnittsberechnungen, Bruchlastformeln), Physik (Kräfte, Dehnung) und Chemie (Fasereigenschaften). Persönlich sollte man Freude an präziser handwerklicher Arbeit mitbringen, technisches Verständnis für Maschinen besitzen, sorgfältig und konzentriert arbeiten können sowie keine Einschränkungen beim Stehen und Heben schwerer Garnspulen haben.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Faserkunde vermittelt: Eigenschaften und Unterschiede von Naturfasern (Hanf, Sisal, Baumwolle, Kokos) und Chemiefasern (Polyester, Polypropylen, Aramid, HMPE). Azubis lernen das Aufspulen von Garnen, einfache Knotenverbindungen sowie grundlegende Maschinenkunde und Arbeitssicherheit im Umgang mit Verseil- und Flechtmaschinen. Im zweiten und dritten Lehrjahr folgt die Vertiefung: Programmierung und Einrichtung von Flechtmaschinen, Herstellung unterschiedlicher Seilkonstruktionen (dreilitzige Taue, achtlitzige Seile, Geflechtkerne), Spleißtechniken, Qualitätsprüfungen nach DIN/EN-Normen sowie Konfektionierung und Endbearbeitung. Im Vergleich zu Textilmaschinenbedienern liegt der Fokus klar auf seilspezifischen Produktionstechniken, Belastungsberechnungen und der handwerklichen Verarbeitung nach Maß.

Technologie der SeilherstellungFaser- und WerkstoffkundeMathematik / Technische BerechnungenQualitätssicherung und NormenkundeWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung des Seilers wird als gestrecktes Verfahren (Teil 1 und Teil 2) durchgeführt. Teil 1 findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres (ca. Monat 18–20) statt und umfasst eine praktische Arbeitsaufgabe: Herstellung eines vorgegebenen Seilprodukts oder einer Spleißverbindung an der Maschine oder per Hand innerhalb von etwa 150 Minuten sowie einen schriftlichen Prüfungsteil von 60 Minuten zu Grundlagen der Faserkunde und Maschinentechnik. Teil 1 geht mit 30 % in die Gesamtnote ein. Teil 2 findet am Ende der Ausbildung statt. Er besteht aus einem praktischen Prüfungsstück – der Fertigung eines komplexen Seilprodukts inklusive Konfektionierung (ca. 300 Minuten) – sowie schriftlichen Prüfungen in den Bereichen Seilherstellungstechnik (120 Minuten, 30 %), Faser- und Werkstoffkunde (60 Minuten, 15 %) und Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 %). Das Fachgespräch (ca. 15 Minuten) ergänzt den praktischen Teil (15 %). Zum Bestehen müssen in jedem Prüfungsbereich mindestens 30 Punkte (von 100) erreicht werden; die Gesamtleistung muss mindestens 50 Punkte betragen.

Prüfungsthemen

  • Faser- und Werkstoffkunde (Natur- und Chemiefasern, Eigenschaften, Verwendung)
  • Seilkonstruktionen und Verseilungsparameter (Drall, Schlaglänge, Litzenaufbau)
  • Maschinentechnik (Verseilmaschinen, Flechtmaschinen, Spulenwechselautomaten)
  • Qualitätsprüfung und Normen (DIN EN 1263, Bruchlastprüfung, Dehnungsverhalten)
  • Spleißtechniken und Konfektionierung (Augspleiß, Kurzspleiß, Kauschen, Ösen)
  • Arbeitssicherheit und Unfallverhütung im Seilwerk
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung können Seiler den Meister im Textilhandwerk (HwO) ablegen und damit eigene Betriebe führen oder Ausbildungsverantwortung übernehmen. Der Industriemeister Textil (IHK) öffnet den Weg in Führungspositionen größerer Seilwerke. Eine Weiterbildung zum Staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Textiltechnik ermöglicht den Einstieg in Entwicklung und Konstruktion. Passende Studiengänge sind Textiltechnologie (B. Eng.) an Hochschulen wie der Hochschule Niederrhein oder dem RWTH Aachen. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Produktionsleiter, Qualitätsmanager oder Betriebsleiter realistisch. Spezialisierungen auf Hochleistungsfasern (Aramid, HMPE) für Luft- und Raumfahrt oder Offshore-Anwendungen sind besonders gefragt.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten mindestens 12 Monate vor Ausbildungsbeginn (also ab Herbst des Vorjahres) eingereicht werden, da Ausbildungsplätze bundesweit rar sind. Die Bewerbungsmappe enthält Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, die letzten zwei Schulzeugnisse und ggf. Praktikumsnachweise. Im Vorstellungsgespräch werden technisches Verständnis, Sorgfalt und Motivation abgefragt; typische Fragen betreffen Materialkenntnisse und handwerkliche Interessen. Einige Betriebe führen einen praktischen Eignungstest durch (Feinmotorik, Knotenübungen). Besonders überzeugen Bewerber, die Eigeninitiative durch ein Praktikum im Betrieb oder in einem verwandten Textil- oder Segelbereich nachweisen. Kenntnisse in Knoten- und Seiltechnik (Segeln, Klettern, Angeln) sind ein starkes Plus.

Ratgeber

Der Seiler ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Bereich Textil- und Bekleidungsberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 500 und 750 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.200 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen im Seilerberuf?
Im Seilerberuf kann man sich auf unterschiedliche Produktbereiche spezialisieren, etwa auf die Herstellung von Seilen, Tauen und Litzen aus Naturfasern oder synthetischen Materialien. Darüber hinaus gibt es Betriebe, die sich auf technische Seile für Industrie und Bergbau, maritime Ausrüstung oder Kletterausrüstung konzentrieren. Die Spezialisierung ergibt sich meist durch den jeweiligen Ausbildungsbetrieb.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Seiler benötigt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Ausbildungsbetriebe Bewerber mit einem Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und Sorgfalt sind wichtiger als ein hoher Bildungsabschluss.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Seiler?
Seiler arbeiten vor allem in spezialisierten Seilereien und Tauwerkunternehmen, die Seile und Taue für verschiedene Anwendungsbereiche herstellen. Mögliche Abnehmer sind die Schifffahrt, der Bergbau, die Bauindustrie, die Forstwirtschaft sowie Hersteller von Sport- und Kletterausrüstung. Aufgrund der überschaubaren Zahl an Betrieben in Deutschland ist der Arbeitsmarkt vergleichsweise eng.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Seiler?
Nach der Ausbildung können Seiler den Meistertitel im Seilerhandwerk anstreben, der Leitungsfunktionen und die Möglichkeit zur Betriebsgründung eröffnet. Über die Meisterprüfung oder einschlägige Berufserfahrung kann auch ein Studium an einer Fachhochschule im Bereich Textiltechnik oder Produktionstechnik aufgenommen werden. Zusätzlich sind Weiterbildungen in der Qualitätssicherung oder im Technischen Produktmanagement möglich.

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